Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Lipostabil und Co.

Was ist Lipostabil? Wie funktioniert Lipostabil in der Fett-Weg-Spritze? 
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt in München

Lipostabil® heisst das Medikament, welches am häufigsten zur Fett-Weg-Spritze eingesetzt wurde. Es existieren weltweit inzwischen zahlreiche Nachfolgeprodukte, die ebenfalls bei der Lipolyse verwendet werden.

"Wie funktioniert Lipostabil® und Co? "

Medikamentenmischungen mit Lipostabil sollen eine sog. Lipolyse bewirkten. Lipolyse heisst "Fettauflösung" auf biochemischem Weg. Lipostabil® wurde aus Sojabohnen gewonnen und enthält sog. Phospholipide (genauer: 93% 3-sn-Phosphatidyl-Cholin) und andere Zusatzstoffe, die ebenfalls eine Bedeutung bei der Fettauflösung besitzen. Lipostabil ® war in Tablettenform zur Senkung der Blutfette und bei intravenöser Gabe zur Vorbeugung und Behandlung von Fettembolien in Deutschland als Medikament zugelassen. Die Nachfolgeprodukte von Lipostabil haben alle keine Zulassung als Medikament in Deutschland oder Europa; ihre Zusammensetzung ähnelt Lipostabil - mehr oder weniger.  Fett-Weg-Spritze

Der Wirkmechanismus von Lipostabil und generell der Lipolyse wurde und wird vor allem vom sog. Netzwerk Lipolyse intensiv untersucht, es werden ständig neue Erkenntnisse dazu veröffentlicht. Um Phophatidylcholin verwenden zu können, muss der Stoff mit einem Lösungsmittel versetzt werden. Es handelt sich um die Gallensäure Desoxycholsäure. Sie ist ein sog. oberflächenaktives Detergentium. Wenn man diese Mischung direkt ins Fettgewebe spritzt, so löst sich die Doppelmembran der Adipozyten ("Fettzellen") auf. Das Lecithin des Medikamentes bindet sich an Fettsäuren und transportiert sie aus der Fettzelle. Letztlich entstehen kleinste Fetttropfen (nanomillimetergross). Die Lipasen in den Mitochondrien der Adipozyten spalten sie in Monoglyceride. HDL-Cholesterin bringt sie in die Leber, wo sie wie normales Nahrungsfett "verbrennen" (im Zitronensäurezyklus verstoffwechselt werden). Dieser Wirkmechanismus läuft auch im normalen Organismus ab, da das Lecithin ein Fettsäure-Transportierer ist, der Fettsäuren bindet und in die Leber bringt. Es handelt sich also um eine Imitation und Verstärkung von natürlichen Vorgängen. 

"Was ist Phosphatidyl-Cholin (PC)?"

3-sn-Phosphatidyl-Cholin ist einer der Wirkstoffe von Lipostabil®. Es ist ein Lecithin mit zwei ungesättigten Fettsäureketten. Die typische Zusammensetzung von Soja-Phosphatidylcholin sieht etwa so aus: 13% Palmitinsäure 4% Stearinsäure 10% Ölsäure 66% Linolsäure 6% Linolensäure. Phosphatidylcholin ist in der Natur weit verbreitet. Man findet es in pflanzlichen und tierischen Zellmembranen. Kommerziell wird es in Medikamenten und Kosmetika eingesetzt. Phosphatidylcholin kann nämlich bei Fettembolien, Fettstoffwechselstörungen und Lebererkrankungen heilsam wirken und hat daneben positive Effekte an der Haut. In der inneren Medizin hat es bei innerlicher Anwendung seinen festen Platz als Medikament. Phosphatidylcholin (PC) ist nämlich auch ein Nährstoff, Transportmittel und ein wichtiger Bestandtell aller Körperzellen. Aus PC sind ausserdem die Zellmembranen aufgebaut. Dies sind die "Wände" und Kommunikationsstellen der Zellen untereinander. Vor allem für die Leber ist PC unentbehrlich. Viele wissenschaftliche Untersuchungen konnten die positive Wirkung von PC auf die Leber bestätigt. Der Nutzen von PC ist im Rahmen kontrollierter klinischer Studien zu Lebererkrankungen aller Schweregrade untersucht worden. Forscher konnten zeigen, dass PC als Infusion oder Tabletten die Leber wirksam vor Entzündungen, Giften und vielen Krankheiten schützen kann. Die Gesundung bei einer Leberentzündung (Hepatitis) kann durch PC sehr gefördert werden. 

"Wofür war Lipostabil® als Medikament offiziell zugelassen?"

Lipostabil® war ursprünglich bei uns zur Vorbeugung und Behandlung von Fettembolien entwickelt und erforscht und in Deutschland auch als Medikament zugelassen worden. Bei dieser Anwendung werden hohe Dosen der Phospholipide direkt in die Vene gespritzt. Das Präparat war offiziell in Deutschland nicht zur ästhetischen Behandlung zugelassen; ähnlich wie früher bei Botox erfolgte die Anwendung gegen Fettpolster im sogenannten "Off-Label-Use" (das bedeutet: eine völlig legale Anwendung mit Zustimmung des ausführlich aufgeklärten Patienten). Der Hersteller hat für die ästhetische Anwendung als Fett-Weg-Spritze keine Zulassung beantragt und fördert auch keine wissenschaftliche Studien mit dieser Fragestellung. In den USA wurde bei der Gesundheitsbehörde FDA von Ärzten bereits ein Antrag eingebracht, die Lipolyse als offizielles Verfahren zuzulassen. Die Nachfolgeprodukte von Lipostabil besitzen bisher ebenfalls keine Zulassung als Medikament.

"Ist eine Selbstbehandlung möglich?"

Vor einer Selbstbehandlung ist dringend zu warnen. Der Wirkstoff selbst, das natürliche Lecithin aus Sojabohnen, ist zwar harmlos. Die fast immer auftretenden Nebenwirkungen müssen aber von einem erfahrenen Anwender beurteilt und gegebenenfalls behandelt werden. Die Fett-weg-Spritze enthält neben Lipostabil® verschiedene andere Zusätze, um die Verträglichkeit und die Wirkung zu verbessern. Für die Sicherheit und den Erfolg ist sehr wichtig, dass in die richtige Gewebsschicht hineingespritzt wird. Keinesfalls sollte die Haut, eine Sehne, ein Muskel oder das Bindegewebe getroffen werden. Wir wissen noch nicht, welche Wirkung das Lecithin dort hat. Mikroskopisch sieht man im Fettgewebe eine Kolliquationsnekrose ohne Gangränisierung oder Granulomgewebe. Muskeln oder Faszien werden deutlich irritiert, aber nicht aufgelöst. Auch Nerven sind mit Phospholipiden ummantelt; allerdings ist deren Sphingomyelin gegen die "auflösende" Wirkung von Lipostabil resistent. Bei der Injektion ist eine bestimmte Spritzen-Technik zu beachten, damit der Erfolg eintritt. Ärzte erlernen die Behandlungsmethode in eigenen Fortbildungskurse. 

"Welche gesundheitlichen Risiken bestehen ?" 

Ernsthaftere Nebenwirkungen sind trotz tausendfacher Anwendung von Lipostabil bisher nicht gemeldet worden. Ersatzpräparate aus dubiosen Quellen dagegen können erhebliche Nebenwirkungen auslösen. Die Konzentration der wichtigen Wirksubstanzen in diesen Produkten ist meist falsch und für den Arzt nicht kontrollierbar. Einzig die Produkte des Netzwerk Lipolyse wurden und werden nach strengen Qualitätsstandards hergestellt und auf ihre Wirksamkeit getestet. Wir empfehlen und verwenden daher in der jetzigen Situation, solange kein zugelassenes Medikament für die Lipolyse vorhanden ist, ausschliesslich diese qualitätsgesicherten Produkte. 

Sie haben Fragen zu Lipostabil? Ihr Praxisteam von Dr. H. Bresser  Peschelanger 11, 81735 München, 089-677977, www.drbresser.de 

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