| Hautpflege in der Schwangerschaft |
Welche Hautpflege ist in der Schwangerschaft sinnvoll?
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München
"Warum benötigt die Haut besondere Pflege in der Schwangerschaft?"
Durch die Schwangerschaft verändern sich die Hormonverhältnisse im Körper der Fraue auf vielfältige Art; neben dem Bindegewebe des Körpers ist vor allem die Haut betroffen. Die Feuchtigkeit der Haut nimmt ab, weil sie weniger Wasser binden kann; sie wird daher trockener und spröde. Gelockertes Bindegewebe führt zu Rückenschmerzen, Fußbeschwerden und der Neigung zu Krampfaderbildung. Überstarke Dehnung der Haut führt zur Schädigung von elastischen Fasern und Kollagen - die Schwangerschaftsstreifen an Oberschenkeln, Bauch und Brüsten sind die Folge. In der zweiten Schwangerschaftshälfte schwitzen viele Frauen vermehrt, weshalb im Intimbereich die Gefahr von Infektionen mit Bakterien und Hefepilzen wächst. Vorbestehende Hautkrankheiten (wie Akne, Schuppenflechte und atopisches Ekzem) können sich verschlechtern, aber auch besser werden.
"Welche Hautveränderungen sind in der Schwangerschaft möglich?"
Eine ganze Reihe von Hautveränderungen kann fast jede Schwangere an sich feststellen:
- Pigmentvermehrungen: Brustwarzen und Genitalbereich sind meist stärker pigmentiert, zwischen Schamhaar und Bauchnabel (Linea fusca) bildet sich oft ein dunkler Strich, im Gesicht entstehen Hormonflecken / Chloasma
- die Behaarung an Kopf, Gesicht und Körper kann zunehmen ( Hypertrichose)
- eine Rötung der Handteller ist häufig (Palmarerythem)
- kleine, spinnwebenartige Gefässerweiterungen werden oft sichtbar (Spider-Nävi)
- Schwangerschaftsstreifen (Striae, Striae cutis distensae) an Bauch, Beinen und Brüsten entstehen fast immer
Die meisten dieser Veränderungen bilden sich nach der Entbindung teilweise oder völlig zurück. Die Behandlungsmöglichkeiten des Hautarztes werden unter den jeweiligen Stichworten besprochen. Neben diesen ästhetisch störenden Hautveränderungen existieren auch sog. Schwangerschaftsdermatosen; diese speziellen Krankheitsbilder gehen meist mit starkem Juckreiz einher und sollten von Frauenarzt udn/oder Hautarzt gemeinsam behandelt werden.
"Was ist die richtige Hautpflege in der Schwangerschaft?"
In der ersten Schwangerschaftshälfte sollte man eine regelmäßige, aber nicht übertriebene Körperpflege betreiben. Allzu heißes oder kaltes Wasser sollte man meiden. Tägliches Duschen ist möglich, allerdings sollte eine sehr milde Flüssigseife benutzt werden. Im Genitalbereich sollte man mit Seifen sehr sparsam sein. Nach dem Duschen darf die noch feuchte Haut mit einer Pflegemilch oder Pflegecreme eingerieben werden. Nach dem vierten Monat kann man zur Reinigung von Achselhöhlen,Brüsten, Nabel und Intimbereich spezielle, leicht desinfizierende medizinische Waschlösungen verwenden. NIEMALS sollten Sie jedoch den Intimbereich oder die andere Haut mit irgendwelchen anderen Desinfektionsmitteln "säubern". Nach dem Duschen sollte die Haut ebenfalls eingecremt werden. Eine leichte Massage der Haut mit Naturschwamm oder Luffa-Handschuh tut wohl. Auch im Wochenbett ist diese Behandlung angezeigt. Die Haare wachsen während der Schwangerschaft oft besonders kräftig, reichlich und lang - sie werden aber auch oft trocken und spröde. Milde Shampoos für trockenes Haar (z.B. auch Baby-Shampoon) sind jetzt ratsam. Rückfettende Haarpflegepackungen können dem Haar schönes Aussehen und Glanz (vorübergehend) wiedergeben. Nach der Schwangerschaft wird sich fast immer nach einer gewissen Übergangszeit der alte Zustand Ihrer Haare wieder von selbst einstellen.
"Wie kann man Schwangerschaftsstreifen behandeln?"
Durch regelmäßige Schwangerschaftsgymnastik, gute Hautpflege und häufige, leichte Hautmassagen kann man Schwangerschaftsstreifen deutlich vorbeugen. Auch allzu rasche Gewichtszunahme führt zu verstärkten Streifen - achten Sie also ein wenig auf Ihr Gewicht. Sind sie erst einmal entstanden, so kann man sie nie mehr völlig beseitigen, aber doch deutlich bessern (siehe Schwangerschaftsstreifen).
"Wie pflege ich die Brustwarzen in der Schwangerschaft?"
Die Brustwarzen vergrößern sich in der Schwangerschaft, ändern die Farbe und sind besonders empfindlich. Sie bedürfen daher auch besonderer Pflege. Cremen Sie sie täglich mehrfach mit einer fettreichen Pflegesalbe ein. Sollten sich die Brustwarzen entzünden, holen Sie sich rasch Rat von der Hebamme, dem Frauenarzt oder beim Hautarzt.
"Was kann ich gegen Krampfadern tun?"
Fast alle Schwangeren neigen zur Bildung von Krampfadern. Beugen Sie diesem Problem vor, indem Sie längeres Stehen und Sitzen vermeiden. Beim Stehen versackt das Blut in den Beinen, beim Sitzen werden die Adern abgequetscht und der Blutfluß zum Herzen behindert. Legen Sie im Sitzen die Beine hoch. Das beste Training gegen Krampfadern ist Gehen, bzw. häufiger Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen. Auch Wechselduschen und Güsse der Unterschenkel (nach Pfarrer Kneipp) sind eine natürliche Vorbeugemaßnahme (Wechselduschen immer mit langsamem, dicken Wasserstrahl ausführen wie von Pfarrer Kneipp beschrieben. Beine wechselseitig von den Füßen bis zur Leiste zuerst 20 Sekunden warm, dann 5 Sekunden kalt umspülen. 2-3 mal wiederholen.
Falls die Krampfaderneigung schon besteht, sollten Sie möglichst konsequent sogenannte "Kompressionsstrumpfhosen" tragen. Die laschen und weichen "Gummistrümpfe", die man selbst kaufen kann, sind dazu ungeeignet. Passende Spezialstrumpfhosen gibt es in vielen schönen Farben. Sie bekämpfen nicht nur die Krampfadern, sondern verhindern auch die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinen. Wir hoffen, dass Ihnen diese Tips helfen, dass Ihre Haut auch während und nach der Schwangerschaft gesund und schön bleibt.
Ihre dermaPraxis Dr. H. Bresser Peschelanger 11, 81735 München, Tel. 677 977 www.drbresser.de
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