Dr. med. Harald Bresser

Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Facharzt für Anästhesiologie

Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur

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Bruxismus, Zähneknirschen

(e: bruxism)

Therapie mit Botulinumtoxin

 
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München
Welche neue Behandlungsmethode gibt es gegen Zähneknirschen? Kann Botox bei Bruxismus helfen? Alle Infos vom Facharzt aus München

 
"Was ist Bruxismus?"
Bruxismus ist die medizinische Bezeichung für unwillkürliches, also nicht vom Willen beeinflussbares, oft unbewusstes Zähneknirschen oder Aufeinanderpressen der Zähne. Dieses Krankheitsbild ist - v.a. in nächtlicher Form, aber auch tagsüber - sehr weit verbreitet. Ca. 12% der Bevölkerung, aber ca. 40% aller Kinder knirschen mit den Zähnen. Durch die starke mechanische Belastung verschleissen die Zähne. Zahnhals, Zahnwurzeln, Kieferknochen, Kiefergelenke und Kaumuskulatur werden überlastet. Zusätzlich kann der gesamte Muskel- und Knochenbau, der Kopf und Nacken stabilisiert, mit entsprechenden Folgen für den ganzen Menschen negativ in Mitleidenschaft gezogen werden. Als Folge des Zähneknirschens kann sich die Bisslage verändern. Selbst minimale Änderungen des Gebisses beeinflussen dann die Kaumuskeln negativ. Man schläft schlechter, ist nächtlich unbewusst vermehrt gestresst. Der Kaudruck durch die Verkrampfte Kaumuskulatur kann um das zehnfache ansteigen. Dadurch kann wiederum das Kiefergelenk völlig überlastet sein.
"Was sind die Ursachen des Zähneknirschens?"
Viele Neurologen, Kieferchirurgen und Zahnärzte sehen die oft schlimmen Folgen für Zähne, Kiefergelenke, aber auch andere Organe und die Seele des ganzen Menschen.
Die Ursachen des Bruxismus sind unklar, da relativ wenig dazu geforscht wird. Genetische Ursachen scheinen eine Rolle zu spielen; viele Ärzte gehen von psychodynamischen Einflüssen aus (Zähneknirschen als Ausdruck bewusster oder unbewusster Spannungszustände). Aufgrund der körperlichen und seelischen Folgen handelt es sich fast immer um eine behandlungsbedürftige Krankheit, die den Betroffenen und seinen Partner stark belasten kann.
Risikofaktoren für Zähneknirschen sind u.a. Schlafstörungen, Schlafapnoe-Syndrom, Schnarchen, Müdigkeit, Stress, Angst, aber auch Genussgifte wie Alkohol, Koffein, Rauchen und manche Medikamente.

"Welche Therapie gibt es bei Bruxismus?"
Bei Zähneknirschen sollte man zuerst seinen Zahnarzt oder Kieferchirurgen um Hilfe bitten. Die ersten Behandlungsmassnahmen sind immer Aufklärung über die Zusammenhänge. Der Betroffene kann spezielle Massagentechniken für die überspannte Muskulatur erlernen und damit manche Beschwerden lindern. Im Schlaf hilft das natürlich weniger. Zahnarzt, Physiotherapeut, Kieferchirurg, Osteopath und Psychotherapeut können u.U. Hilfe bieten. Grössere Zahneingriffe sollte man erst nach Behebung des Zähneknirschens durchführen lassen. Eine oft wirksame Hilfe sind Aufbissschienen. Damit kann der Verschleiss an den Zähnen gebremst werden und das Beißen sich normalisieren. Ständiges Zähneknirschen kann Brücken, Implantate usw zerstören. Solche Implantate sind aber wohl kein Auslöser des Zahnknirschens, auch wenn man das früher glaubte. Der Zahnarzt benötigt zur Bruxismustherapie besondere Erfahrung - es handelt sich um keine einfache Therapieform. Medikamentös wird oft das Blutdruckmittel Propranolol gegeben. Im Bereich der Psychotherapie haben sich Biofeedback, Hypnotherapie u.a. Verfahren als sehr hilfreich erwiesen. Als neueste - zusätzliche - Behandlungsmöglichkeit kennen spezialisierte Ärzte heute die direkte Dämpfung der überspannten Muskulatur mit Botulinumtoxin.
"Wieso kann Botulinumtoxin bei Bruxismus helfen?"
Zähneknirschen beruht prinzipiell auf übermässiger, oft krankhafter Verspannung und Aktivität von Gesichtsmuskeln. Vor allem der grosse Kaumuskel (Musculus masseter) ist der Hauptverursacher, aber andere Muskeln spielen ebenfalls eine Rolle. Mit Botulinumtoxin kann man Muskeln sehr gezielt und präzise entspannen - der heilende Einsatz bietet sich daher an. Es handelt sich bisher zwar um keine zugelassene Indikation für Botox und Co, es liegen aber schon sehr viele gute Erfahrungen damit vor. Etwa 50 - 70 Einheiten pro Seite werden benötigt, um den Kaumuskel zu dämpfen (nicht zu lähmen!), und um den Bruxismus für ca 3 Monate wesentlich zu bessern.

"Warum behandelt ein Hautarzt das Zähneknirschen?"
Da Zahnärzte und Kieferchirurgen im allgemeinen kaum praktische Erfahrungen mit der Anwendung von Botulinumtoxin besitzen, wird die Bruxismusbehandlung heute v.a. von Neurologen und Dermatologen vorgenommen. In diesen Fachgruppen gibt es Experten, welche die Botulinumtoxin-Medikamente genau kennen. Eine spezielle Schulung vor der Anwendung ist aber natürlich notwendig. Nebenbei: vor allem in Asien wird die Kaumuskulatur sehr häufig aus ästhetischen Gründen mit Botox behandelt. Ein kantiges Gesicht durch einen dicken Kaumuskel gilt dort als unschön; die Botoxbehandlung lässt einen sehr starken Kaumuskel wieder Normalmaße annehmen. Auch bei uns verlangen immer mehr Menschen nach dieser Art der nichtoperativen Gesichtsformung. 

"Ist die Behandlung gefährlich?"
Die Behandlung ist ungefährlich; unter dem Stichwort "Botox" auf dieser Seite nehme ich zu den Risiken und Nebenwirkungen des Medikaments ausführlich Stellung. Botox wird nach einigen Monaten vollständig abgebaut. Eine Gewöhnung oder "Abhängigkeit" gibt es nicht. 

"Wie läuft die Behandlung von Zahnknirschen mit Botox ab?"
Wir setzen Botulinumtoxin grundsätzlich nur in enger Absprache mit dem behandelnden Zahnarzt / Kieferchirurgen als Teil eines Behandlungskonzepts ein. Botulinumtoxin allein ist nicht das Allheilmittel, aber eine sehr wertvolle Ergänzung. Das Medikament wird gezielt in die verspannten Muskeln, v.a. den M. masseter und M.temporalis, eingespritzt. Eine örtliche Betäubung ist nicht notwendig; die Injektion ist allerdings etwas schmerzhafter als die Faltenbehandlung mit Botox. Vorsicht ist geboten, um die Speicheldrüse nicht zu beeinflussen. Eine vorübergehende Verminderung der Speichelproduktion und ein etwas trockener Mund wäre eine typische Nebenwirkung der Behandlung (kann auch therapeutisch gegen übermässigen Speichelfluss eingesetzt werden).   

"Welche Kosten entstehen bei der Behandlung?"
Bei der Bruxismusbehandlung benötigen wir sehr unterschiedlich hohe Dosen der teueren Botulinumtoxin-Medikamente. Man muss mit Kosten zwischen 350 und 900 E pro Behandlung rechnen. Wie fast alle Botulinumtoxin-Behandlungen werden die Kosten von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen. Die privaten Kassen übernehmen die Kosten oft nach vorherigem Antrag. Die Notwendigkeit einer Botox-Therapie sollte vorher vom Zahnarzt bestätigt werden.
Wir hoffen, dass diese Seiten Ihnen Hilfe bei der Bewältigung Ihres Krankheitsproblems bieten. Individuelle Fragen beantworten wir gerne im Rahmen unserer Sprechstunde in der Praxis.  
Ihr Praxisteam
Dr. H. Bresser
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