Dr. med. Harald Bresser

Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Facharzt für Anästhesiologie

Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur

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Faltenbehandlung mit Nervengift: Risiken und Gefahren
Welche Risiken, Nebenwirkungen und Gefahren drohen bei der Faltenunterspritzung mit Nervengift? Alle Infos aus der Hautarztpraxis München
von
Dr. med. Harald Bresser
Hautarzt, München Tel 089-677977 www.drbresser.de

In der Presse und im Internet wird heftig über Risiken, Gefahren und Nebenwirkungen von Botox diskutiert. Kann die Anwendung des Nervengiftes Botulinumtoxin zur Rückbildung von Gesichtsfalten, zur Beruhigung übermässiger Schweissbildung, zur Besserung von Kopfschmerzen und anderen Problemen gerechtfertigt sein? 

 
"Was ist Botulinumtoxin?"
Botulinumtoxin ist der Name eines natürlichen Eiweissstoffes, der von Bakterien (Clostridium botulinum) hergestellt wird. Bekannt wurde Botulinumtoxin v.a. unter dem Medikamentennamen Botox. Botulinumtoxin blockiert bestimmte Nervenimpulse und wirkt in hoher Dosis als Nervengift. Es ist kein Schlangengift, kein chemischer Kampfstoff und kein Insektengift, sondern ein Medikament. Seit ca. 20 Jahren erforschen Ärzte die Heilwirkungen des Stoffes bei Nervenkrankheiten. Sehr ausführliche Informationen über die Herstellung, Giftigkeit, Anwendung usw von Botulinumtoxin finden Sie auf der entsprechenden Seite Botox.

 
"Welche Risiken und Nebenwirkungen sind möglich?"
1) Giftigkeit: in den normalerweise angewendeten Dosierungen der Medikamente ist Botulinumtoxin nicht "giftig". Wie viele andere Medikamente kann auch dieser Stoff natürlich in höheren Dosen gefährlich wirken - dies gilt z.B auch für Aspirin. In der richtigen Dosis am richtigen Ort heilt es dagegen. Die gefährliche Dosis ist etwa 100-1000mal höher als die Dosis, die wir verwenden.
2) Risiken und Nebenwirkungen bei der Anwendung sind, wie bei jeder medizinischen Behandlung, natürlich trotzdem möglich. So stellt ja Botulinumtoxin Schweissdrüsen und Muskeln ruhig. Zur Faltenrückbildung ist eine Muskellähmung z.B. erwünscht, beim Behandeln des Schwitzens dagegen nicht. Eine gelegentliche leichte Muskellähmung nach der "Anti-Schwitz-Spritze" ist nur vorübergehender Natur, da innerhalb von 6-12 Wochen neue Nervenendigungen in den Muskel einwachsen. Manchmal kann das Medikament über kleine Strecken (ca 1-2 cm) "wandern". Alle diese Veränderungen sind vorübergehender Natur, sollten aber vom Arzt behandelt werden. Eine solche Muskelschwäche ist eine unerwünschte Nebenwirkung, aber ungefährlich. Ein hängendes Augenlid nach einer Stirnfaltenbehandlung ist ein Risiko der Anwendung, aber ebenfalls ungefährlich. Eine Ausbreitung im Körper, im Gehirn oä wurde bisher wissenschaftlich nicht wirklich nachgewiesen, auch wenn entsprechende Tierversuche für viel Wirbel gesorgt haben (näheres dazu siehe unter Botulinumtoxin).
 
"Wann darf Botulinumtoxin nicht verwendet werden?"
Schwangere und Stillende sollten nicht damit behandelt werden. Zwar gibt es keine Berichte über gravierende Schäden bei Schwangeren; die Beobachtung von Botox-Behandlungen in der Schwangerschaft ergab bisher keine wesentlichen Nebenwirkungen. Trotzdem ist das Medikament aus Sicherheitsgründen für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit nicht zugelassen. Auch beim Vorliegen einer Nerven- oder Muskelerkrankung sollte auf die Behandlung verzichtet werden. Bei akuten Infektionen im Behandlungsgebiet sollte die Behandlung verschoben werden. Bei Blutungsneigung oder Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten sowie bestimmten Antibiotika ist besondere Vorsicht geboten. Aspirin, ASS oder andere Acetylsalicylsäure-haltige Medikamente sollten daher 2 Wochen vor der Behandlung nicht mehr eingenommen werden.

 
"Verwandelt mich Botulinumtoxin nicht in einen maskengesichtigen Zombi?"
Falsch platzierte oder überdosierte Injektionen zur Faltenbehandlung können tatsächlich zu einer unnatürlichen Mimik, einem "Maskengesicht" führen. Einem erfahrenen Anwender sollte dieser Fehler nicht unterlaufen. Er wird genug Toxin spritzen, um Falten zu entspannen, aber zu wenig, um ein ganzes Gesichtsareal lahmzulegen. Man sollte auch nie vergessen, dass Botulinumtoxin vorübergehend wirkt - im schlimmsten Fall muss man nur etwas Geduld haben, damit alle Nebenwirkungen verschwinden. Da das Medikament bei korrekter Anwendung an der Haut praktisch nicht ins Blut aufgenommen wird, sind solche Nebenwirkungen bei der Schweissdrüsenbehandlung nicht möglich.

 
"Ein Nervengift gegen Falten - verrückt?"
"Wer kann nur so verrückt sein, sich ein hochwirksames Nervengift freiwillig vom Arzt einspritzen zu lassen?" Das ist die Meinung vieler Menschen, die erstmals von Botulinumtoxin hören. In zahlreichen Internet-Chatrooms werden Horrorgeschichten über die Gefährlichkeit von Botox-Anwendungen verbreitet. Wie steht es wirklich um die Giftigkeit und Gefährlichkeit von Botulinumtoxin in der Hand des Arztes?
Fakt ist: Botulinumtoxin ist giftig und als Medikament hochwirksam. Fakt ist aber auch, dass es sehr leicht zu zerstören ist, solange es noch nicht in den Körper gelangt ist. Wenn man eine verdorbene Konservendose voll "Wurstgift" öffnet, zerfällt das Neurotoxin nach ca. 12 Stunden schon allein durch den Luftsauerstoff. Sonnenlicht zerstört das Gift nach 1-3 Stunden, Erhitzung auf 85°C macht es nach 5 Minuten unwirksam. Auch gechlortes Wasser zersetzt das Gift zuverlässig. Aus diesen Gründen sind Lebensmittelvergiftungen mit Botulinumtoxin so selten. Werden lebenswichtige Muskel und Nerven mit dem Gift blockiert, so stirbt man - das ist unbestreitbar. Die tödliche Dosis liegt bei 0,001 µg/kg KG für das Neurotoxin A. Dies ist eine wirklich winzige Menge - aber immer noch sehr viel mehr als das, was in den Botulinum-Medikamenten enthalten ist. Für eine tödliche Vergiftung würden etwa 30-40 Ampullen der Botulinumtoxin-Medikamente benötigt. Das Gift ist also ungeheuer stark verdünnt, denn das Ziel der medizinischen Anwendung ist die Schwächung eines übermässigen Muskeltonus, nicht die völlig Muskelblockade. Der Wissenschaftler spricht von einem grossen "therapeutischen Fenster" bei der Anwendung. Das bedeutet, dass die wirksame Menge eines Medikamentes sehr viel kleiner ist als die gefährliche Menge. Das therapeutische Fenster einer Insulinspritze ist beispielsweise sehr klein. Wenn ein zuckerkranker Mensch sich versehentlich doppelt so viel Insulin spritzt, wie nötig, kann er sterben. Wenn ein Arzt doppelt so viel Botulinumtoxin spritzt, wie nötig, so ist der Patient dagegen nicht lebensbedrohlich gefährdet.
Auch der hohe Preis des Medikaments trägt dazu bei, dass eine versehentliche Überdosierung nahezu ausgeschlossen ist. Letztlich belegt die Statistik das geringe Risiko: Schwere Allergien oder gar Todesfälle nach ästhetischen Anwendungen sind bisher trotz millionenfacher Anwendung nirgendwo berichtet worden.

 
"Ein Nervengift als Medikament?"
Oft wird die Frage gestellt, wie Ärzte überhaupt auf die "verrückte" Idee kommen können, ein starkes Gift als Medikament einzusetzen. Die Antwort ist sehr einfach: seit Beginn der Medizin wurden Gifte in niedriger Dosis als Medikament verwendet. Viele wichtige Medikament wurden in der Vergangenheit aus natürlichen Giftstoffen entwickelt: Herzmedikamente aus Digitalis-Pflanzen, Antibiotika aus Schimmelpilzen, Schmerzmittel aus Baumrinde und Mohnpflanzen, Narkosemittel aus Tiergiften .... Auch Alkohol ist ein Nervengift - ein sehr starkes sogar. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, ein Glas Rotwein zu verbieten, weil Wein dieses Gift enthält. Die Dosierung macht eben den feinen Unterschied aus. Die grossen Pharmafirmen senden ständig wissenschaftliche Forschungstrupps in die Tiefen des Amazonas-Urwaldes, um neue Giftstoffe zu entdecken, die man vielleicht medizinisch nutzen könnte. Oft sind es eben die starken Gifte, wie Curare, Opium usw, aus denen sich die wirksamsten Medikamente herstellen lassen. Das ist übrigens in der Naturheilmedizin der Naturvölker genauso.

 
"Was wissen wir über Langzeitnebenwirkungen?"
Die Frage nach eventuellen Langzeitnebenwirkungen des Medikamentes verunsichert auch viele verantwortungsvolle Ärzte. Aus diesem Grund wurde von mir für den Bundesverband der deutschen Hautärzte ein Review (=Übersichtsartikel) erstellt, der das Risiko möglicher Langzeit-Nebenwirkungen von Botox und Dysport bei der Anwendung in der ästhetischen Medizin ("Off- Label-Use") Stellung nehmen sollte. Eine umfassende Abwägung der Vorteile und Risiken des Verfahrens finden Fachkreise in den beiden Veröffentlichungen.
Bresser H : "Botulinumtoxin: Sicher und wirksam bei Off Label Use?"
Der Deutsche Dermatologe 8 (2003): 604-609
Bresser H : "Ist Botulinumtoxin im Off Label Use zu rechtfertigen?"
Münchner Ärztliche Anzeigen 25/2003: 3-4
Sie können im Original unter Botulinumtoxin nachgelesen werden.
Es gibt daneben mehrere Tausend (!) wissenschaftliche Veröffentlichungen zur medizinischen Anwendung von Botulinumtoxin. Einige davon seien hier erwähnt.
(1) Misra PV The changed image of botulinum toxin. British medical journal (2002), 325: 1188
(2) Ärztezeitung 27.11.2002
(3) Carruthers JA et al A multicenter doubleblind, randomized, placebo-controlled study of the efficacy and safety of botulinum toxin type A in the treatment of glabellar lines. J Am Acad Dermatol (2002), 46: 840-849 (4) Probst T et al Botulinumtoxin in der Schmerztherapie. Akt Neurol (202), 29, 389-401
(5) Rosales et al Extrafusal and intrafusal muscle effects in experimental btx-A injection. Muscle and nerve (1996), 19: 488-496
(6) Duggan et al Inhibition and release of neurotransmitters from rat dorsal root ganglia by a novel conjugate of a clostridium btx A endopeptidase fragment and erythrina cristagalli lectin. J Biol Chem (2002) 277: 34846-34852
(7) Keen M et al Botulinum toxin A for hyperkinetic facial lines: results of a double-blind, vehicel -controlled study. Plast Reconstr Surg (1994), 94: 94-99
(8) Lowe NJ et al Botulinum toxin A exotoxin for glabellar folds: a double-blind, vehicle-controlled study with an electromyographic injection technique. J Am Acad Dermatol (1996), 35: 569-572
(9) Erbgut F. et al: Therapie von Erkrankungen mit erhöhtem Muskeltonus Psycho (1996) 22: 810-816
(10) Aoki R et al: Comparison of the therapeutic windows of different botulinum neurotoxin preparations in an animal model. Neurology (2003) 60(5 Suppl 1): A212-3
(11) Diffazio MD et al:Longterm effects and safety of botulinumtoxin A in children with cerebral palsy Neurology (2000), 60 (5 Suppl 1): A 466
(12) Nüßgens Z et al: Comparison of two BTX preparations in the treatment of essential blepharospasm Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol (1997) 235: 197-199
(13) Defazio G et al: BTX A treatment for primary hemifacial spasm. Arch Neurol (2002) 59: 418-420
(14) Hsiung G et al: Long-term efficacy of BTX A in treatment of various movement disorders in 10 year period Mov Di (2002) 17(6): 1288-1293
(15) Borodic GE et al: Effects of repeated BTX A injections on orbicularis oculi muscle. J Clin Neuro-Opthal (1992) 12(2): 121-127
(16) Dodel R et al: Costs of treating dystonias and hemifacial spasm with BTX A. Pharmaeconomics (1997) 12(6): 695-706
 
"Wie beurteilen erfahrene Ärzte das Medikament?"
Auf diesen Seiten ist sehr viel von Risiken und Nebenwirkungen die Rede. Ich halte es für wichtig und notwendig, alle diese Informationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gerade im Bereich der Schönheitschirurgie und der ästhetischen Medizin findet man im Internet zuviel Selbstlob und unkritische Schönfärberei von Kliniken und Ärzten. Andererseits sollte man bei allen berechtigten Ängsten nicht übersehen, dass Botulinumtoxin ein phantastisches Medikament ist. Unzähligen schwerkranken Menschen konnte damit schon das Leben erleichtert werden - und nichts anderes hätte ihnen helfen können. Es ist ein sehr innovativer, intensiv beforschter Wirkstoff. Er hat sich als wirkames und sicheres Arzneimittel mit grossem therapeutischen Fenster auch bei vielen nichtzugelassenen Indikationen bewährt. Bei Anwendung durch einen erfahrenen Arzt sind die typischen Nebenwirkungen harmlos. Langfristige Nebenwirkungen sind nach heutigem Erkenntnisstand nicht zu erwarten. Die Prämien der ärztlichen Haftpflichtversicherung werden durch Botox-Behandlungen übrigens nicht wesentlich höher - auch die Haftpflichtversicherungen halten also das Risiko für sehr überschaubar. Ich persönlich halte Botulinumtoxin für eines der sichersten, am besten steuerbaren Medikamente überhaupt. Bei häufiger Anwendung über viele Jahre sind meinen Patienten damit keine schwerwiegenden Probleme entstanden. Eine Nutzen-Risikoabwägung fällt für mich sowohl bei ästhetischen als auch medizinischen Anwendungen eindeutig positiv aus, solange die empfohlenen medizinischen Standards eingehalten werden - denn Achtung: es gibt im Internet inzwischen "Botox" aus Asien, das sehr billig ist, dessen "Qualität" aber dem Preis entspricht. Der beste Rat zur Sicherheit: lassen Sie sich nur von seriösen Ärzten behandeln; meiden Sie Botox-Parties, Flat-Rate Angebote, Hinterzimmerbehandlungen beim Frisör oder der Kosmetikerin, verzichten Sie auf Billigangebote. Hier liegen die wirklichen Risiken, nicht beim Medikament selbst.  

Ihre derma-Praxis

Dr. med. H. Bresser

Peschelanger 11     81735 München     

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