Dr. med. Harald BresserFacharzt für Dermatologie und VenerologieFacharzt für Anästhesiologie Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur Zertifizierte Qualifikationen: Lasertherapie, Ambulante Operationen, medizinische Kosmetik |
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![]() Querschnitt durch die Haut Hautschichten Die Haut setzt sich anatomisch aus 3 Schichten zusammen: die äußere, dünne Oberhaut ("Epidermis"), die mittlere, feste Lederhaut ("Dermis"), und das unterste (oder innerste) Unterhautgewebe ("Subcutis"). Oberhaut und Lederhaut zusammen nennt man Deckhaut. Die Dicke der Epidermis variiert zwischen 0.1 mm an der Genitalhaut und 1.5 mm an den Fußsohlen - die Deckhaut insgesamt kann 1-3 mm dick sein. Diese unterschiedliche Dicke ist für die Behandung von Hautkrankheiten von großer Bedeutung. An der dünnen Haut des Gesichts und der Geschlechtsorgane entfalten beispielsweise Cortisoncremes eine besonders starke Wirkung; sie dürfen dort nur mit großer Vorsicht angewendet werden. Die verschiedenen Hautschichten spielen auch bei der operativen Behandlung von Schönheitsfehlern eine große Rolle - das Operationsergebnis und das Ausmaß der Narbenbildung hängt davon ab, in welcher Schicht operiert wurde. Mikroskopisch lassen sich in der obersten Epidermis wiederum 4 verschiedene Schichtungen unterscheiden: die äußerste, schützende Hornschicht ("Stratum corneum"), die darunterliegende Ernährungsschicht ("Stratum granulosum"), die Spindelzellschicht ("Stratum spinosum") und die wichtige "Fortpflanzungsebene" der Zellteilungen ("Stratum basale", Basalmembran, Basalzellen). Die Ebenmäßigkeit der Oberhaut entscheidet über unsere Hautschönheit. Die Struktur der Hornschicht entscheidet über die Dicke von Hautschuppen. In den aktiven Hautzellen des "Stratum basale" liegt der Schlüssel zu zahlreichen Hautkrankheiten. Oberhaut und Nervensystem entstehen beim ungeborenen Embryo aus der gleichen Zellart (dem äußeren "Keimblatt") - eine Erklärung für das sensible Wechselspiel zwischen Seele und Hautreaktionen. Wir sehen nur die äußerste, nicht durchblutete Hornschicht. Die Haut schmerzt und blutet bei einer Verletzung erst dann, wenn auch Lederhaut und Unterhaut geschädigt wurden. Veränderungen der tieferen Schichten können durch die Hornschicht farbig durchschimmern. Die Hornschicht kann glatt sein oder rauh, ölig, fettig oder trocken, schuppig oder ekzematös. Viele schuppende Hautkrankheiten, Allergien und Ekzeme entstehen in dieser Hautschicht, und fast alle Kosmetika und dermatologischen Heilsalben wirken hier. Neue Hautzellen entstehen und wachsen ununterbrochen in der Basalzellschicht und wandern von dort innerhalb von etwa 2 Wochen bis zur Hornschicht aufwärts. Während dieser Wanderung verändern sie sich erheblich, sterben letztlich ab und werden in Form toter Hautschuppen nach weiteren 2 Wochen abgestoßen. Die Hauterneuerung ist während der Nacht beschleunigt - daher dient der entspannte Nachtschlaf der Hautregeneration. Zwischen den Basalzellen leben die pigment- und farbstoffbildenden Zellen der Haut, die "Melanozyten". Unterschiedliche Hautfarbe und Bräunungszustand der Haut werden bestimmt von der Zahl, der Verteilung und der Aktivität dieser farbstoffbildenden Hautzellen. Der schwarze Hautkrebs entsteht durch Entartung von Zellen dieser Schicht. Die Lederhaut darunter ist 2-4 mm dick. Diese sogenannte Dermis besteht vor allem aus "Kollagen", "Retikulumfasern", "elastischen Fasern" und "Grundsubstanz". Gewicht und Festigkeit der gesamten Haut hängen vom Kollagen ab. Dieses gelatineartige, dehnbare "Gerüst"-Eiweiß liegt knäuelartig in der Lederhaut. Kollagen findet sich auch in vielen anderen Körperorganen. Das Kollagen in Kosmetika wird aus Tierhaut gewonnen und in Haarpflegemitteln und Feuchtigkeitscremes eingearbeitet. Es kann zur Faltenglättung auch unter die Haut gespritzt werden. Falten entstehen, weil das Kollagen beim Ältewerden langsam verschwindet. Die feineren elastischen Fasern der Dermis ziehen gedehntes, gespanntes Kollagen wieder in die ursprüngliche Ruheform zurück - sie sind daher für die Elastizität verantwortlich. Beide Faserarten spielen also harmonisch zusammen. Bei starker Hautdehnung (z.B. in der Schwangerschaft) kann das Kollagennetz sich stark dehnen, ohne zu zerreißen. Nach der Entbindung ziehen die elastischen Fasern die Bauchhaut wieder in die Normalform zurück. Zu schnell oder zu stark überdehnte, aber auch vererbt schwache Kollagenfasern machen sich als narbige Streifen bemerkbar ("Schwangerschaftsstreifen"). Große Narben können als Ausdruck verminderter Bindegewebsqualität entstehen. Die Qualität des Bindegewebes, seine Regenerationsfähigkeit, Elastizität und Alterung ist genetisch vorprogrammiert und verschlechtert sich mit zunehmendem Alter. In der Lederhaut finden sich darüberhinaus auch Nerven, Blutgefäße, Lympfgefäße und Haarwurzeln. Wundschmerzen entstehen bei der Durchtrennung oder Quetschung der feinen Nervenenden in der Lederhaut. Das Unterhautfettgewebe ist die letzte und tiefste Hautschicht. Sie besteht fast nur aus weintraubenartigen Fettzellen und fehlt an Augenlidern und Brustwarzen. Das Unterhautfett ist bei Frauen stärker ausgeprägt und anders über den Körper verteilt als bei Männern - und formt die "weiblichen Rundungen". Die Fettschicht schützt den Körper vor Kälte und bewährt sich bei Stößen von außen als Dämpfer. Dieses Unterhautfett hat übrigens nichts mit dem Talg-Fettgemisch auf der Hautoberfläche zu tun, welches den störenden Fettglanz der Haut bildet. Das Fettdepot der Unterhaut ist nach Geschlecht und Alter, Anlage und Herkunft unterschiedlich dick und hängt stark von den Eßgewohnheiten ab. Sehr dickes Unterhautfett kann mit Spezialverfahren abgesaugt werden. Hautdrüsen Wie alle Organe enthält auch die Haut Drüsen. Drüsen nennt man Zellansammlungen, die körpereigene Sekrete produzieren und freisetzen. Manche Drüsen produzieren Hormone (z.B. Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangdrüse, Schilddrüse), andere bilden Enzyme für die Verdauung (z.B. Speicheldrüse). In der Haut finden sich 3 Drüsenarten: Talgdrüsen, Schweißdrüsen und Duftdrüsen. Alle Hautdrüsen liegen in der Lederhaut und schicken ihr Sekret über kleinste Kanälchen an die Hautoberfläche. Hautporen Poren sind kleine Öffnungen in der Hautoberfläche. Im Gesicht sind sie meist groß und sichtbar, am übrigen Körper dagegen fast unsichtbar - und doch immer vorhanden. Aus den Poren kommt immer etwas heraus: entweder Schweiß, Talg, Öl, oder Duftstoffe. Auch unsere Haaren wachsen aus speziellen Poren heraus, den sogenannten Haarfollikeln. Talgdrüsenporen und Haarporen sind identisch, da jeweils eine Talgdrüse und ein Haar einen gemeinsamen Gang zur Hautoberfläche nutzen. Die Größe der Poren ist durch unsere Erbanlagen vorherbestimmt, verändert sich aber stark durch hormonelle Einflüsse. Das typischste Hinweiszeichen auf milde Akne sind extrem große, weiße oder schwarze Hautporen ("Komedonen"). Talgdrüsen Talgdrüsen entstehen in enger Verbindung zu Haaren. Sie produzieren über den ganzen Körper verteilt die lebensnotwendige, schützende ölige Fettschicht der Haut. Aus 300 000 Talgdrüsen produzieren wir täglich ca. 2-3 g Talg, die Hälfte davon auf dem Kopf. Nur an Handflächen und Fußsohlen fehlen sie. Zusätzlich wird die Haut täglich durch ca. 20 mg Hornfett aus abgestorbenen Hautzellen gefettet. Talgdrüsen können unter dem Einfluß männlicher Hormone (auch bei Frauen) stark anwachsen. Einer der Faktoren für die Entstehung von Akne ist die ungehemmte Fettproduktion der Talgdrüsen. Duftdrüsen Duftdrüsen der Haut spielen bei Tieren eine wichtige Rolle im Sozialleben. Während der Brunftzeit ziehen die verlockend riechenden Sekrete der Duftdrüsen paarungsbereite Weibchen und Männchen zueinander hin. Es ist umstritten, inwieweit die Duftdrüsen beim Menschen diese Funktion noch erfüllen. In nennenswerter Zahl findet man sie unter den Achselhöhlen, um die Brustwarzen und im Schambereich. Sie beginnen ihre Tätigkeit in der Pubertät, und arbeiten auf Sparflamme in der Schwangerschaft. Schweißdrüsen Schweiß dient dazu, die Körpertemperatur zu regulieren und zahlreiche Stoffe auszuscheiden. Ohne Schweißdrüsen oder bei Krankheit sämtlicher Schweißdrüsen sind wir zum Tode verurteilt, da der Körper innerlich "verbrennt". Manche Schweißdrüsen reagieren auf Stress und Emotionen ( z.B. "feuchte Hände" vor einer Prüfung). Die meisten Schweißdrüsen scheiden bei äußerer Hitze, körperlicher Anstrengung oder Fieber ihr wässriges Sekret aus. Der Schweiß verdunstet und kühlt so den Körper. Aus 2 Millionen kleinen Schweißdrüsen dunsten täglich o,5 l Schweiß ab - bei körperlicher Anstrengung und in der Hitze bis zu 10 Litern. In tropischen Wüsten können die Schweißdrüsen bis zu 2 l Schweiß pro Stunde auscheiden. Schweiß ist zwar weniger salzig als Blut, enthält aber immer noch erhebliche Mengen verschiedener Mineralien. Diese Flüssigkeits- und Salzmengen müssen dem Körper natürlich durch Essen und Trinken ersetzt werden. Natürliche Feuchthaltefaktoren Die Hornschicht der Haut enthält ca. 10-20% Wasser. Dieses Wasser ist für die Funktion der Haut unentbehrlich. Es wird zwischen den Hornzellen vor allem von "natürlichen Feuchthaltefaktoren" gebunden. Darunter faßt man verschiedene Substanzen der Hautoberfläche zusammen, die aus dem Schweiß, dem Talg und aus dem Verhornungsprozeß der oberflächlichen Hautzellen stammen. Zu den Feuchthaltefaktoren zählen z.B. Harnstoff, Fettsäuren und Keratin, Carbonsäuren, Ammoniak und zahlreiche andere Stoffe. Bei Störungen der Wasseranlieferung aus den unteren Hautschichten und einem Wassergehalt von unter 10% wirkt die Haut trocken, verbraucht und faltig. Solche Störungen entstehen z.B. durch zuwenig Trinken, Durchblutungsstörungen, innere Erkrankungen und verschiedene Hautkrankheiten, vor allem aber auch Alterungsprozesse in der Haut. Gute Pflegekosmetik kann die natürlichen Feuchthaltefaktoren teilweise ersetzen. "Pickel" (süddeutsch: "Wimmerl") "Pickel" ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für verschiedene unangenehme Hautprobleme. Bayern nennen jegliche Hautveränderung "Wimmerl". Meist wird darunter allerdings eine kleine Hautentzündung verstanden. Typische "Pickel" sind - dermatologisch exakt benannt - meist "Pusteln", also kleine gelbliche Eiterbläschen. "Aknepickel" (auch "Mitesser" oder Komedonen genannt) sind im Frühstadium nichts anderes als verstopfte Talgporen. Sie können weiß (verstopft) oder schwarz (offen) sein (siehe Kap. 10). Die schlimmeren "Eiterpickel" der Akne dagegen entstehen, wenn sich die Umgebung der vergrößerten Talg- und Haarporen entzündet und zu größeren Eiterbläschen zusammenfließt. Außerhalb der Pubertät entstehen entzündete "Pickel" meist dadurch, daß ein Haarfollikel (s.o.) durch eingedrungene Bakterien oder äußere Reize ("Zupfen") eitrig entzündet ist. Diesen Zustand nennt man "Follikulitis". Pickel können bei der Frau auch entstehen durch unsanftes Rasieren der Beinhaare, durch hormonelle Veränderungen um die Menstruation herum, im Rahmen einer "Sonnenallergie" und durch viele andere diskrete Hautreizungen. Stark juckende "Pickel" können Ausdruck einer allergischen Hautkrankheit sein. Auf all diese Veränderungen wird in den folgenden Kapiteln näher eingegangen Hauttypen und Hautzustand Jeder Mensch hat eine Haut mit anderen, individuellen Eigenschaften, an denen sich die Art der Hautpflege orientieren sollte. Um die Auswahl der richtigen Hautcreme zu vereinfachen, bietet die kosmetische Industrie Pflegeserien für 3 verschiedeneHauttypen an: für normale Haut, für fettige Haut, für trockene Haut (und für "reife" Haut). Diese Einteilung wird den verschiedenartigen individuellen Hautbedingungen oft nicht gerecht. Viele Menschen besitzen im Gesicht einen anderen Hauttyp als am Körper, über den Wangen einen anderen Typ als an der Stirn. Die individuelle Pflege sollte dies berücksichtigen. Auch wechselt die Hautbeschaffenheit mit zunehmenden Alter, sodaß in verschiedenen Lebensabschnitten die Pflegeprodukte gewechselt werden müssen. Im Alter wird die Haut fast immer trockener, sodaß sie dann anderer Pflege bedarf als in der Jugend. Die Werbung spricht dann von Pflegeprodukten für die "reife" Haut - eine euphemistische Umschreibung für etwas fetthaltigere Pflegeserien. Bei der täglichen Pflege sollte man immer darauf achten, ob sich der aktuelle Hautzustand geändert hat - bei Stress oder im Urlaub benötigt die Haut vielleicht eine ganz andere Pflege als im Alltag. Zu beachten ist, daß "fett" und "trocken" keine direkten Gegensätze sind. Die Haut ist "fett" oder "fettarm", und "trocken" oder "feucht". "Normale Haut" wird definiert als glatt und geschmeidig, matt glänzend, rosig, feinporig, widerstandsfähig und wenig empfindlich. Fettgehalt und Feuchtigkeit sind ideal ausgewogen. Reinigung und Pflege sind einfach. Kinder haben fast immer diesen idealen, "normalen" Hautzustand. Bei Erwachsenen ist er leider selten. Auch normale Haut kann durch äußere Einflüsse sehr rasch aus der Balance geraten. Sie sollte deshalb ebenfalls vorbeugend gepflegt werden. "Trockene Haut" ist der häufigste Hauttyp. Zweidrittel aller Kinder unter 10 Jahen, fast alle Menschen über 60 Jahren und fast alle "Atopiker" (allergiegefährdete Menschen) leiden unter fettarmer, trockener Haut. Trockene Haut wirkt fahl, reagiert leicht mit roten Flecken, spannt oft und entzündet leicht. Sie ist schuppig, matt, und sehr empfindlich, weshalb oft von "sensibler Haut" gesprochen wird. Trockene Haut ist kein krankhafter Zustand, sondern im wesentlichen anlagebedingt. Zur Abwehr der vielfältigen Belastungen der Haut in unserer Zeit (Luftverschmutzung, trockene Heizungsluft) produziert die trockene Haut zu wenig von dem natürlichen oberflächlichen Fettfilm (Fett-Wasseremulsion, Hydrolipidemulsion). Heizungsluft, Klimaanlagen und Wasser trocknen sie weiter aus. Eine Ursache von trockener Haut sind unsere Reinigungsbemühungen. Wasser wäscht den Fettfilm auf der Haut ab und läßt die Hornschicht aufquellen. Wasserbindende Stoffe der Haut werden herausgelöst, so daß das Wasser aus der Haut verdunsten kann. Wasser ist aber der "Weichmacher" der Hornschicht und hält diese glatt, geschmeidig und elastisch, falls es durch die natürlichen Feuchthaltefaktoren in und auf der Haut gebunden wird. Nach Pflegefehlern (falsche Seife, zuviel Wasserkontakt) verliert die Haut Wasser, spannt und beginnt zu jucken. Auch die "Pille" verringert die Talgproduktion und ändert die Hautbeschaffenheit hin zum Trockenen. Frauen mit Akne freuen sich darüber, Frauen mit trockener Haut dagegen weniger. Auch im Alter wird die Haut trockener, und damit schuppiger und faltiger. Eine wichtige Maßnahme gegen trockene Haut ist - trinken. Tatsächlich wird jedes Mannequin bestätigen, daß der reichliche Konsum von Mineralwasser ein Geheimnis von frischer, faltenfreier Haut ist. "Fette Haut" ist fast immer "fett-feucht", da der Fettfilm auf der Haut auch Wasser bindet. Sie wirkt fettig und unrein, weißlich-blaß, kräfig, stark glänzend, mit groben Poren. Die Talgdrüsen sind (oft durch pubertäre Hormonveränderungen) groß und sehr aktiv, Pickel und Mitesser entstehen. Diesen Problemhauttyp findet man nur an Körperstellen mit reichlich Talgdrüsen: im Gesicht, am Rücken und über der Brust. Fettige Haut ist relativ unempfindlich gegen Sonne und andere äußere Einflüsse. Viele Menschen stellen fest, daß Genuß von Zucker, Schokolade, Schweinefleisch oder anderen "ungesunden" Lebensmitteln zu Pickeln führt. Eine generelle Diät für eine reine Haut gibt es zwar leider nicht, aber durch individuelles Ausprobieren und eine ausgewogene Vollwerternährung läßt sich manche Hautunreinheit beheben. Nach dem 50. Lebensjahr ist dieser Hauttyp sehr selten. "Fett-trockene" Haut ist selten. Sie entsteht aus fett-feuchter Haut, wenn in einer extrem trockenen Umgebung (z.B. überheizte Räume) oder durch falsche Reinigung und Pflege zuviel Wasser aus der Hornschicht verdunstet. Die Haut glänzt zwar fettig, spannt aber trotzdem. Fettsalben würden den Zustand weiter verschlimmern. Durch Pflegecremes mit reichlich Feuchthaltefaktoren kann rasch Abhilfe geschaffen werden. "Mischhaut" besitzen viele Menschen im Gesicht: Wangen und Jochbein sind oft trocken und benötigen Salben, während Stirn, Nase und Kinn fettig glänzen und nach fettarmen Cremes verlangen. Verständlicherweise ist hier die Auswahl von Kosmetik besonders diffizil, und mindestens zwei verschiedene Pflegecremes sind erforderlich. "Empfindliche Haut" zählt zu den problematischen Hauttypen. Empfindliche Haut ist im Freien oft taufrisch, im Zimmer oder bei Kälte aber trocken-spannend. Wir Hautärzte sehen sie in den letzten Jahren zunehmend häufiger. Schon leichte äußerliche Reizungen, Luftverschmutzung und Büroluft, Streß, Kaffee und Alkohol überfordern die Selbstheilungskräfte der empfindlichen Haut. Wahrscheinlich entsteht diese besondere Empfindsamkeit durch eine (nervlich gesteuerte) gesteigerte Erregbarkeit der Hautgefäße. Die trockene und die empfindliche Haut sind besonders ekzemgefährdet. Vielleicht nimmt die Zahl der Menschen mit empfindlicher und trockener Haut auch deshalb zu, weil die Allergiebereitschaft ("Atopie") in den letzten Jahrzehnten eindeutig ansteigt. Testmethoden der Hauteigenschaften Die wissenschaftlichen Methoden zur Hautuntersuchung werden in der kosmetischen Beratung bisher nicht allgemein eingesetzt. Die Hautdicke nimmt bei jedem Menschen vom 5. bis zum 15. Lebensjahr zu, bleibt dann 50 Jahre etwa konstant und nimmt ab dem 65. Lebensjahr wieder ab. Mit speziellen Ultraschallgeräten können wir die Hautdicke zwar messen, ihr Wert sagt uns aber wenig über ihre Robustheit. Zur Messung der Widerstandsfähigkeit der Haut benötigen wir andere Testmethoden: der Hautarzt trägt z.B. eine genau analysierte basische Lösung auf die Haut auf und beobachtet, wie die Haut reagiert ("Alkali-Test"). Daraus kann er wichtige Schlüsse auf die Belastbarkeit der Haut ziehen. Die Dehnbarkeit der Haut entwickelt sich mit zunehmendem Alter ähnlich wie die Hautdicke. Große Bedeutsamkeit haben diese Hauteigenschaften in der Schwangerschaft, aber auch bei Operationen (Brustvergrößerung). Die Hautelastizität nimmt im Gegensatz zur Dehnbarkeit von Jugend an ab: die frische, straffe Haut des jungen Mädchens ist sehr viel elastischer als die faltige, trockene Haut der alten Frau. Ein einfacher Test dafür ist der "Hautfaltentest". Wenn man mit 2 Fingern am Handrücken oder Unterarm eine Hautfalte abhebt, schnurrt diese Falte bei hoher Hautelastizität beim Loslassen sofort zurück, bei älterer Haut (oder ausgedörrtem Körper) bleibt die abgehobene Falte stehen. Neuartige Meßgeräte ermöglichen es, in jeder Hautpraxis den Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut innerhalb weniger Sekunden zu bestimmen. Hilfreich ist diese Untersuchung zur objektiven Bestimmung des aktuellen Hautzustandes - z.B. um die Wirkung einer neuen Behandlung oder Pflege zu messen. Auch wissenschaftliche Fragen zur Wirksamkeit von neuen Pflegeprodukten, Faltencremes usw. lassen sich damit leichter beantworten. Ein erfahrener Hautarzt kann auf diese Meßgeräte in seiner Praxis jedoch durchaus verzichten. Zuhause hilft der "Spiegeltest" bei der Erkennung des eigenen Hauttyps. Man drücken einen sauberen Handspiegel 2 Stunden nach der Gesichtsreinigung auf dem Gesicht ab. Fette Haut markiert sich als Fettabdruck, trockene Haut zeigt keine anhaltenden Fettspuren, Mischhaut zeigt nur in der Gesichtsmitte Fettglanz auf dem Spiegel. A wie Akne, Z wie Zoster - Seltene und häufige Hautkrankheiten im Überblick Viele wichtige Hautkrankheiten wurden bisher gestreift, die nur indirekt mit Schönheitsproblemen der Frau zu tun haben. In diesem Kapitel werden Hautkrankheiten und Schönheitsprobleme etwas genauer erläutert, die im Leben jeder Frau große Bedeutung erlangen können. Sehr seltene Krankheiten können nicht angesprochen werden; zu Ihrer Diagnose und Behandlung ist immer ein Hautarzt hinzuzuziehen. Doch zuerst ein Wort zu einer Substanz, die als Medikament und Wirkstoff in medizinischen Cremes in den letzten Jahren eine "schlechte Presse" hatte. Kortison Viele Menschen haben erfahren, daß Kortisonsalben zu den beliebtesten "Waffen" jedes Hautarztes zählen. Sie lesen aber auch in Illustrierten oder den Beipackzetteln Ihrer Salben von den Nebenwirkungen des Kortisons. Sie wenden aus Angst davor ihr kortisonhaltiges Medikament nicht richtig an oder lassen es sogar ganz weg. Was ist davon zu halten, wenn ein Arzt Kortison verordnet - handelt er vielleicht fahrlässig oder unverantwortlich? Gewissenhafte Hautärzte und naturheilkundlich orientierte Ärzte versuchen, Kortisonanwendung soweit wie möglich zu vermeiden. Trotzdem kann dieses Medikament im Einzelfall notwendig und sinnvoll sein. Kortison ist ein körpereigenes Hormon, welches in einem eigenen Organ (der Nebenniere) vom Körper ununterbrochen produziert wird. Ohne Kortison ist Leben nicht möglich. Seit etwa 40 Jahren kann man Kortison und kortisonähnliche chemische Verbindungen künstlich herstellen. Man nennt diese hormonähnlichen Substanzen "Kortikoide" oder auch "Steroide". Im Körper reguliert Kortison zahlreiche Aufbau- und Stoffwechselvorgänge der Körperzellen und Organe. Künstliches Kortison ist die wirksamste entzündungshemmende Substanz, was die gute Wirkung bei entzündlichen Hautkrankheiten erklärt. Kortikoide kann man anwenden in Form von Tabletten, Infusionen und Spritzen, als Salben und Cremes sowie als Spray. Kortison wird äußerlich angewendet bei zahlreichen Hautkrankheiten. Verursacht Kortison etwa Krebs? Nein, im Gegenteil - Kortison wird oft mit gutem Erfolg zur Behandlung von Krebs eingesetzt. In der Vergangenheit hatte Kortison aufgrund seiner hervorragenden Heilwirkung bei zahlreichen Krankheiten den Ruf eines "Wundermedikamentes". Dies führte dazu, daß Kortisonpräparate viel zu häufig, zu hoch dosiert und unkontrolliert über lange Zeit verwendet wurden. Die Folgen wurden zu spät erkannt: zahlreiche Nebenwirkungen traten auf und verdarben den guten Ruf. Das Pendel ist zurückgeschwungen, und Kortison wird von vielen heute als "Teufelszeug" angesehen. Leider gibt es immer noch Ärzte, welche dieses wichtige Medikament auch als Creme oder Salbe falsch dosiert und zu lange verschreiben. Mit Bedacht und genau kontrolliert sind die Nebenwirkungen dieser hochwirksamen Mittel selten. Bei falscher Anwendung können Kortisonsalben die Haut verdünnen, zahlreiche kleine Äderchen wachsen, die Haut wird anfällig für Entzündungen. Manche Hautentzündungen (wie Neurodermitis) werden zwar schnell unterdrückt, treten aber oft rasch erneut auf. Kortisonsprays können die Wucherung von Hefepilzen im Mund begünstigen. Innerlich angewendetes Kortison kann auf Dauer zu zahlreichen hormonellen Störungen im Körper führen. Große Vorsicht ist bei der Anwendung im Gesicht und im Genitalbereich sowie bei Kindern geboten. Kortison als Spritze oder Tablette sollte schwereren Krankheiten vorbehalten sein: schweren allergischen Krankheiten und Notfällen, schweren Asthmaformen, seltenen Immunkrankheiten, bestimmten Krebsformen usw. Trotz dieser kritischen Bemerkungen sei noch einmal betont, daß Kortison bei vernünftiger Anwendung bei vielen Hautkrankheiten durch nichts zu ersetzen ist. Falls grundsätzliche Vorbehalte gegen den Einsatz von Kortison bestehen, sollte dies offen mit dem Arzt besprochen werden. Häufigkeit und Dauer einer einmal begonnenen äußerlichen Kortisonanwendung sollte aber nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt geändert werden. Die schlechtesten Heilungsaussichten bestehen bei ständigem Wechseln des Arztes. Weder Patient noch Therapeut können dann erkennen, ob ein Behandlungsschema erfolgreich war - oder warum sie erfolglos blieb. Beim "Doktor-Shopping" werden sich wahrscheinlich die Nebenwirkungen der verschiedenen Behandlungen addieren, ohne daß die Heilchancen steigen. Akne Nicht jeder "Pickel" ist eine Akne. Die Übergänge zwischen einer fettigen, unreinen Haut und einer ausgeprägten Akne sind allerdings fließend. In Kap. 4 wurde bereits erläutert, daß sich Akne in mehr oder weniger ausgeprägter Form in nahezu jedem Lebensalter entwickeln kann. Akneknoten können aus vielen Gründen entstehen, denn hormonelle, seelische und äußerlich-chemische Einflüsse beeinflussen die Funktion der Talgdrüsen. Die meisten Menschen sind natürlich während der Pubertät mit Aknepickeln konfrontiert. In den letzten Jahrzehnten wurde sehr viel über die Hintergründe der "Akne vulgaris" (= "normale Pubertätsakne") geforscht, so daß wir heute ein genaues Bild über ihre Entstehung haben. Drei Faktoren spielen bei der Entstehung der Akne eine Rolle: Anlagefaktoren (Neigung zu fetter Haut und große Empfindlichkeit der äußeren Porenöffnung), Auslösefaktoren (Hormone, innere Krankheiten, seelische Einflüsse) und aktuelle Faktoren, die letztlich die Pickel hervorrufen (aggressive Fettsäuren, Hautbakterien, falsche Hautpflege, Kosmetika, Ölkontakt im Beruf u.a.). Wie wesentlich der Einfluß der Hormone wirklich ist, kann man an einem unfreiwilligen Experiment in der Geschichte erkennen: im 18. Jahrhundert wurden junge Männer mit schönen Stimmen häufig kastriert. Man wollte damit ihre hohe Kinderstimme erhalten, damit sie - ohne in den pubrtären "Stimmbruch" zu kommen - in den Chören und Opern der damaligen Zeit weitersingen konnten. Kastrierung bedeutet, daß man den unglücklichen Knaben die Hoden verstümmelte, sodaß in der Pubertät keine Geschlechtshormone entstanden. Keiner dieser sogenannten "Eunuchen" entwickelte jemals Akne - weil sie niemals in die Pubertät kamen. Bei normal entwickelten Jugendlichen wachsen die Talgdrüsen unter der Einwirkung von männlichen Geschlechtshormonen (Testosteron) stark an. Das Ausmaß dieses Wachstums wird von der familiären Anlage beeinflußt. Gelegentlich sieht man schon bei 8-9jährigen Mädchen einzelne Aknepusteln, obwohl sie erst einige Jahre später ihre erste Periode bekommen. Dies zeigt, wie langsam und schleichend sich die hormonellen Veränderungen der Pubertät entwickeln - mit ersten Anzeichen an der Haut. Knaben leiden meist an viel schwererer Akne als junge Mädchen - aufgrund ihrer höheren Produktion von männlichen Hormonen. Häufig zeigt sich die Akne bei Mädchen nur als "unreine Haut". Schwarze oder weiße "Mitessern" sind nichts anderes als die vergrößerten Talgdrüsen (medizinisch: "Komedonen"), deren Inhalt sich aufgrund einer verstopften Porenöffnung nicht mehr entleert. Diese nichtentzündlichen Pickel können von einer Kosmetikerin mit einer speziellen "Ausdrücktechnik" entfernt werden. Man sollte sich dieses Verfahren einmal demonstrieren lassen, um es auch zuhause anwenden zu können. Eiterpusteln entstehen erst dann, wenn sich die ballonartig aufgetriebenen Komedonen entzünden, platzen und ihr Inhalt sich in die tieferen Hautschichten entleert. Oft platzen die Mitesser deshalb, weil unsachgemäß an ihnen herumgedrückt wird. Spezielle Hautbakterien (Propionibakterien) fördern ebenfalls die Bildung von Eiterbläschen - Akne ist aber eindeutig keine "einfache" bakterielle Infektion der Haut: Entgegen der Meinung mancher Eltern und vieler Jugendlicher steht die Entwicklung von Akne in keinerlei Zusammenhang mit wie auch immer gearteten sexuellen Aktivitäten in diesem Alter. Auch steht Akne in keinerlei Zusammenhang mit mangelhafter Hygiene. Es ist allerdings erwiesen, daß regelmäßige (nicht dagegen übertriebene) Gesichtswäschen mit "pH-neutralen" Syndets (pH etwa 5.5) statt Seife die Menge der Aknepusteln reduzieren kann. Eine allgemeingültige Aknediät existiert ebenfalls nicht. Bei einzelnen Menschen kann jedoch das Weglassen von Schokolade, süßer Limonade, Zucker, Schweinefleisch, Kartoffelchips oder anderer ungesunden Lebensmitteln die Akne durchaus bessern, ohne daß man daraus allgemeine Diätvorschriften ableiten könnte. Sonne verschlimmert Akne zuweilen erheblich - aber ebenfalls nicht bei jedem. Zum Schminken sollten nur fettarme Cosmetika mit dem Aufdruck "nichtkomedogen" verwendet werden - bei ihnen ist das Risiko vermindert, daß sie die Akne verschlimmern. Zur Reinigung der Aknehaut eignen sich seifenfreie Waschsubstanzen - reiben und rubbeln beim Waschen ist verboten genauso wie Ausdrücken einzelner Komedonen. Aggressive alkoholische Lösungen entfetten zwar die Aknehaut wirksam, können sie jedoch zu stark reizen und damit wiederum neue Pickel provozieren. Es gibt zahlreiche, gut wirksame Aknemedikamente, Gele, Cremes und Lotionen. Jedes wirksame Akneheilmittel ist rezeptpflichtig. Die frei verkäuflichen Aknemittel lindern bestenfalls einzelen Pusteln, schlimmstenfalls reizen sie die Haut. Die wichtigsten Akneheilmitteln sind Benzoylperoxid, Antibiotika und Tretinoin (Vitamin-A-Säure). Manche dieser Aknemittel sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Die meisten Aknemedikamente beseitigen die obersten Hautzellschichten - was leider oft mit einer unvermeidbaren Rötung und Reizung der Haut einhergeht (auch bei rezeptfreien Mitteln). Die verborgenen Komedonen werden dadurch geöffnet, der Talg fließt ab, gesunde Zellen ersetzen die Akneveränderungen. Sehr häufig und mit gutem Erfolg werden auch innerlich Antibiotikatabletten gegen Akne verordnet. Wenn man diese Antibiotika gut verträgt, spricht nichts dagegen, sie in Abstimmung mit dem Hautarzt auch über längere Zeiträume einzunehmen. Sehr schweren Aknefällen bleibt die Behandlung mit Vitamin-A-Säure-Tabletten (Roaccutan) vorbehalten. Dieses Medikament ist äußerst wirksam - hat aber leider gewichtige Nebenwirkungen. Bei jungen Frauen wird der Hautarzt das Mittel nur in den schwierigsten Fällen verordnen, da während (und mindestens 2 Jahre nach) der Behandlung keinesfalls eine Schwangerschaft eintreten darf. Fast 90 % aller Baby`s, die während der Roaccutan-Einnahme ihrer Mutter heranwachsen, kommen mißgebildet zur Welt. Diese Tabletten sollten daher nur von erfahrenen Hautärzten verordnet werden. In vielen Fällen kann die Akne junger Frauen durch Verordnung der richtigen "Pille" fast vollständig eingedämmt werden. In diesem Alter ist es wichtig, daß der Hautarzt dabei eng mit dem Frauenarzt zusammenarbeitet. Darüberhinaus gibt es zahlreiche andere Behandlungsmethoden der Akne: kosmetische Entfernung der Komedonen, Wärmebestrahlung, Abschleifen von Narben, Kortikoidinjektionen in große Zysten, verschiedene naturheilkundliche Behandlungsverfahren ( empfehlenswert sind z.B. erholsame Schwefeldampfbäder oder ein Entspannungstraining bei der Volkshochschule). Auch offene Gespräche über über das eigene Aussehen und erste sexuelle Beziehungen können die Beschwerden deutlich bessern. Wer mit dem bisherigen Ergebnis einer Aknebehandung unzufrieden sind, sollte den Hautarzt auf eines der genannten neuen Behandlungsverfahren ansprechen. Manchmal liegt der Mißerfolg der Behandlung auch nur darin begründet, daß die äußerliche Behandlung zu früh abgebrochen wurde - typischerweise deshalb, weil die Haut durch die Aknecreme gereizt war. Bevor man eine Behandlung abbricht und zum nächsten Arzt wechselt, sollte man zuerst ein Gespräch über die möglichen Ursachen des Mißerfolgs suchen. Nesselsucht, Urticaria Viele Menschen leiden gelegentlich unter "Quaddeln". Diese "Nesselbläschen" jucken extrem stark und sind polsterartig gerötet. Der Name "Nesselsucht" wurde vom Volksmund gewählt, weil die Quaddeln vollkommen den juckenden Hautstellen ähneln, welche bei Berührung mit Brennnesseln auftreten. Urtikariaquaddeln entstehen durch Freisetzung körpereigener Entzündungsstoffe aus speziellen Hautzellen (Mastzellen). Der wichtigste dieser Stoffe nennt sich "Histamin". Zahlreiche innerliche und äußerliche Einflüsse können zur Freisetzung von Histamin in der Haut, und damit zur Quaddelbildung führen: Virusinfektionen, Nahrungsmittel, Medikamente, Streß, innere Krankheiten, Alkohol, Fieber. Besonders unangenehm sind die Formen, bei denen der Körper überempfindlich auf Hitze, Kälte oder Druck regiert. Die Quaddelbildung aufgrund körperlicher Anstrengung ist die häufigste Urtikariaform; man nennt sie "cholinerge Urtikaria". Nesselsucht ist durch den starken Juckreiz zwar sehr unangenehm, aber nicht gefährlich. Ernst wird es nur, falls Schwellungen an Mund- und Rachenschleimhaut, Luftnot oder Kreislaufprobleme während des Quaddelschubs hinzukommen. Dann benötigt der Kranke sofortige ärztliche Hilfe. Eigeninitiative ist besonders wichtig, falls die Quaddelsucht längere Zeit anhält. Hilfreich bei der Ursachensuche ist ein spezielles Tagebuch. Darin wird für einige Wochen alles notiert, was gegessen und getrunken wird, welche Medikamente eingenommen wurden, was sich im Tagesablauf ereignet hat. Oft kann aus diesen Aufzeichnungen erkannt werden, welche Ereignisse sich in den Stunden vor einem Quaddelschub wiederholt haben und damit als Auslöser in Frage kommen. Bei akuter Quaddelbildung werden sogenannte Antihistaminika-Medikamente als Tabletten, Spritzen oder Infusionen gegeben. Dies sind spezielle antiallergische Medikamente, wie sie auch bei anderen allergischen Krankheiten (Heuschnupfen) zur Anwendung kommen. Auch die äußerliche Behandlung ist wichtig. Bei schweren, oder bedrohlichen Urtikariaformen muß unter Umständen sogar Kortison eingesetzt werden - in diesen Fällen ein sehr segensreiches und harmloses Mittel. Es schließen sich umfangreiche Untersuchungen an: allergologische Untersuchungen, eventuell eine Such-Diät, Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen durch Internist und HNO-Arzt, Stuhlunersuchungen auf Würmer usw. Bei immer wiederkehrenden Quaddelschüben ohne bekannte Ursache sollte für einige Wochen oder Monate eine unschädliche Dauerbehandlung mit Antihistaminikatabletten erfolgen. Falls die auslösende Ursache der Nesselsucht gefunden und ausgeschaltet wurde, ist die Krankheit geheilt. Sehr häufig findet man trotz sorgfältiger Suche keine eindeutige Ursache. Falls trotz ständiger Einnahme von Antihistaminikatabletten immer wieder Nesselsucht ausbricht, ist der Einsatz naturheilkundlicher Mittel sinnvoll. Glücklicherweise hilft sich der Körper fast immer selbst, und die Neigung zur Quaddelbildung verschwindet mit der Zeit. Kontaktallergien, Kontaktekzeme Aus weitgehend unbekannten Gründen kann die Haut beim Kontakt mit nahezu jedem Stoff unserer äußeren Umwelt "gereizt" oder "allergisch" reagieren. Die allergieauslösende Substanz wird ”Allergen” genannt. Empfindliche und strapazierte Haut ist besonders anfällig, da verschiedenste Allergene (z.B. Nickelmetallionen) von außen leichter durch eine gestörte Hornschicht in tiefere Hautschichten eindringen können. Beim Allergen handelt es sich meist um eine "an sich" harmlose Substanz (z.B. Parfüm, unechter Metallschmuck, Gummifarbe). Auch bei bislang gut verträglichen Stoffen kann mit der Zeit die Schutzbarriere der Haut überfordert sein, sodaß eine sogenannte ”Kontaktsensibilisierung” entsteht. Mit dieser Sensibilisierung ist die Bereitschaft der Haut geschaffen, allergisch zu reagieren. Erst bei erneutem intensiven Kontakt mit dem unverträglichen Stoff entsteht eine juckende, leicht schuppende, eventuell nässende Hautrötung, die man "allergisches Kontaktekzem" nennt. Das Kontaktekzem ist also quasi die krankhafte Hautreaktion, die aus der Kontaktsensibilisierung entstehen kann (aber nicht entstehen muß). Neben Gesicht und Händen kann kann jede Stelle des Körpers betroffen sein. Kontaktekzeme dürfen nicht mit Allergien wie Heuschnupfen, Asthma oder Neurodermitis verwechselt werden. Es handelt sich um völlig unterschiedliche immmunologische Prozesse, welche auch zu ganz verschiedenen Beschwerden führen. Allergologen zählen die Kontaktallergien zur Gruppe der ”Spättypallergie” oder ”Typ IV”-Allergie, während die Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben, Insektengift u.ä. bei den ”Soforttypallergien” oder ”Typ I”-Allergien eingeordnet werden. Nichtallergische äußere Reize können ebenfalls Hautekzeme auslösen, die der Laie nicht von einer Allergie unterscheiden kann. Solche aggressiven, hautschädigenden Stoffe sind z.B. Säuren, Lösungsmittel, Seife, Urin. Man spricht hier von einem "toxischen Kontaktekem”. Äußerlich sind allergisches und toxisches Kontaktekzem selbst vom Hautarzt kaum voneinander zu unterscheiden. Erst ein Allergietest bringt Klarheit. Bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem führt der Allergologe einen Läppchentest (Epikutantest) durch. Dabei werden kleinste, standardisierte Mengen der verdächtigen Substanzen mit Pflastern auf den Rücken geklebt. An der Hautreaktion im Lauf der nächsten Tage kann man erkennen, ob eine Allergie vorliegt. Die ”allergologische Kunst” besteht darin, die richtigen Substanzen zur Testung auszuwählen und die Hautreaktion richtig zu interpretieren. Falls eine Allergie nachweisbar ist, wird ein Allergiepaß ausgestellt. Bei zukünftigen Einkäufen muß darauf geachtet werden, nur Pflegeprodukte ohne den unverträglichen Stoff zu erwerben (siehe Kap. 5 ”Inhaltstoffe”). Heute leidet schon jedes dritte Schulmädchen in Kindertagen an einer Kontaktallergie. Die häufigste Kontaktallergie überhaupt ist die Nickelallergie. Sie entsteht vor allem dadurch, daß unvernünftige Eltern ihren Kindern Ohrlöcher stechen lassen und billige Ohrringe kaufen. Nickelallergien äußern sich als juckende Ekzeme an den Hautstellen, wo Schmuck, Uhr oder Gürtelschnalle die Haut berühren. Nicht allzu selten entstehen Kontakallergien durch Deos, Parfüm, Salben oder Medikamente, im Afterbereich (nach Hämorrhoidenbehandlung) oder an den Beinen durch Krampfadercremes. Wer häufig Nagellack benutzt und gleichzeitig an Gesichts- und Lidekzemen leidet, sollte sich vom Allergologen auf eine Lackallergie testen lassen. Ein Kontaktekzem ist im allgemeinen nicht gefährlich. Wenn der Kontakt mit dem Auslöser allerdings nicht gemieden wird, kann es "chronisch" werden und sich u.U. über den ganzen Körper ausdehnen ("streuen"). Zur Bekämpfung werden dann immer stärkere Medikamente benötigt. Bei rechtzeitiger Behandlung kann eine Chronifizierung vermieden und die Abheilung praktisch immer herbeigeführt werden. Der erste Schritt der hautärztlichen Behandlung besteht darin, die akuten Beschwerden zu lindern. Am schnellsten und einfachsten gelingt dies bei Kontaktekzemen durch äußerliche Kortisoncreme. Bei chronischen Ekzemen muß der Hautarzt eine längerfristig anwendbare, kortisonfreie Behandlung auswählen. Langfristig am wichtigsten ist die Suche nach dem auslösenden Kontaktstoff. Manchmal gleicht diese Suche trotz Allergietests einem längeren Detektivspiel. Beruflicher Kontakt mit dem unverträglichen Stoff kann allerdings einen Berufswechsel erzwingen: Kontaktallergien sind die häufigste Ursache von Berufskrankheiten. Jeder Betroffene kann selbst sehr viel zur Heilung beitragen: 1) Zur Abheilung und zum Schutz vor einem Neuauftreten sollte der Kontakt mit den ermittelten unverträglichen Stoffen vermieden werden (soweit möglich). Zumindest die Dauer, Intensität und Häufigkeit des Kontaktes sollte vermindert werden. 2) Es ist sinnvoll, sich den Namen und das Vorkommen des Kontakallergens (so wie im Allergiepaß eingetragen) genau einzuprägen, um weitere Kontakte besser zu vermeiden. 3) Der Allergiepaß sollte in der Brieftasche mitgeführt werden, um ihn beim Einkauf immer dabei zu haben. 4) Bei beruflichem Kontakt sollte die Berufsgenossenschaft informiert werden, da spezielle Arbeitschutzmaßnahmen möglich sind. 5) Schon beim kleinsten Verdacht auf eine beruflich bedingte Hautkrankheit ist eine hautärztliche Untersuchung und Meldung bei der Berufsgenossenschaft sinnvoll. Im Frühstadium leitet die Berufsgenossenschaft besondere Schutzmaßnahmen ein. Eine frühzeitige Meldung ist auch deshalb notwendig, damit später der Anspruch auf eine Umschulung oder Rente nicht verloren geht. 6) Angegriffene Hautstellen benötigen regelmäßig Schutz und Pflege. Chronisch Hautkranke müssen lernen, bei Arbeit und Hobby auf ihre empfindliche Haut Rücksicht zu nehmen. Gerötete und irritierte Haut sollten morgens sanft mit Wasser gereinigt und abends mit einem reizarmen Syndet gewaschen werden. Weder langes und heißes Duschen noch Baden ist jetzt empfehlenswert. Fette oder pappige Salben werden meist nicht vertragen. 7) Parfums kann man auch auf die Kleidung statt auf die Haut auftragen. Bei Gesichtsekzemen sollte auf alkoholhaltige Aftershaves, Abschminkmittel und aufwendige Kosmetik verzichtet werden. Bei Lidekzemen verbietet sich jede Lidkosmetik. Handekzeme - Hausfrauenhände Handekzem ist ein allgemeiner Ausdruck für entzündliche Veränderungen der Haut an den Händen. Die Hände sind in besonderem Maß bei der Arbeit und im Privatleben belastet. Putzen und Spülen im Haushalt, Händedesinfektionen bei Krankenschwestern, Arbeit mit Kühlflüssigkeiten am Fließband oder häufige Handwäschen stehen oft am Anfang von Handekzemen, weil chronische Nässe der Haut schadet. Eine anlagebedingte Hautempfindlichkeit tritt oft als weiterer Krankheitsfaktor hinzu. Zuweilen zeigen sich aber auch Neurodermitis/atopisches Ekzem, Schuppenflechte, Hautpilzen und Kontaktallergien als Handekzem. Handekzeme sind nicht ansteckend, selbst wenn ein Hautpilz zugrunde liegt. Sie sind fast immer heilbar, allerdings verlangt die Behandlung häufig sehr viel Geduld. Zur Heilung erforderlich ist primär die Suche nach der auslösenden Ursache der Krankheit. Unabhängig von der Ursache helfen folgende Regeln bei der Heilung: 1. Händewaschen: Seife sollte soweit möglich ganz gemieden oder nur in kleinen Mengen verwendet werden. Lauwarmes Wasser ist besser verträglich als sehr heißes oder kaltes Wasser. "Baby-Seifen", sogenannte Syndets (Flüssigseifen) und/oder Seifen ohne Parfüm oder Desinfektionsmittel sind besser verträglich als normale Seifen. Nach dem Waschen die Hände sorgfältig abtrocknen und mit Pflegesalbe oder dem ärztlich verordneten Medikament eincremen. 2. Desinfektion und Intensivwäsche: Hände möglichst nie mit Alkohol, Benzin, Terpentin, Desinfektionsmitteln oder anderen fettlösenden Substanzen abreiben. Bei starker Verschmutzung (Fett, Öl, Farben usw.) Spezialreiniger benutzen - niemals Benzin, sandhaltige Waschpasten o.ä. anwenden. Der Betriebsarzt kann oft dafür sorgen, daß spezielle Reinigungspasten zur Verfügung gestellt werden. Der Kontakt mit Metallpolituren, Schuhcreme, Boden- oder Autoputzmitteln, Farben, Klebern usw. sollte reduziert werden. 3. Nahrungsmittel-Kontakt: Schälen und Pressen von Apfelsinen, Zitrusfrüchte, rohe Tomaten und rohe Kartoffeln mit bloßen Händen ist ebenfalls zu umgehen. Köche, Küchenangestellte und Hausfrauen entwickeln nicht selten Unverträglichkeiten gegen rohe Pflanzensäfte. 4. Haarewaschen: Plastikhandschuhe schützen beim Haarewaschen. Besondern Schutz bieten Baumwollhandschuhe unter den Plastikhandschuhen. Frisörstoffe, Haarfärbemittel, Haarlotionen usw. sind aggressiv - nicht mit bloßen Händen berühren. Am besten wäre es, bei Handproblemen die Haarpflege dem Frisör zu überlassen. 5. Kälte und Hitze: Bei Kälte sollten die Hände mit Baumwollhandschuhen geschützt werden (sie sind besser verträglich als Wollhandschuhe). Lederhandschuhe können Kontaktallergien (Chrom, Farbstoffe u.a.) verschlimmern. Niemals sollte der Juckreiz an den Händen durch Eintauchen in kochend heißes oder eiskaltes Wasser gelindert werden, auch wenn er dadurch kurzfristig gebessert wird. 6. Ringe: Auch nach Abheilen des Ekzems sollten Ringe nicht während der Arbeit getragen werden. Ringe sollten beim Händewaschen abgelegt werden, da sic aggressive Seifenreste unter dem Schmuckstück ansammeln. Verträglicher als Modeschmuck sind Ringe aus hochwertigem Gold. Die Innenseite von Ringen sollte häufiger mit Bürste und Ammoniakwasser gereinigt werden ( 1 Eßlöffel Ammoniak auf 1/2 Liter Wasser; über Nacht einweichen). 7. Handschuhe: Plastikhandschuhe sind bei Feuchtarbeiten besser als Gummihandschuhe, da Synthetik- und Naturgummi häufig Allergien auslöst. Enganliegende Handschuhe sollten spätestens nach ca. 30 Minuten ausgezogen werden. Empfehlenswert ist es, unter Handschuhen zusätzlich waschbare Baumwollhandschuhe zu tragen ( in Kaufhäusern und Apotheken erhältlich). Auch baumwollbeschichtete Haushaltshandschuhe sind empfehlenswert. Versuchen Sie, bei Schmutz- und Wasserarbeiten Ihre Handschuhe zu tragen, auch wenn Sie "Fingerspitzengefühl" benötigen. 8. Allergie: Dem Allergologen sollten alle Kontaktstoffe mitgeteilt werden, welche das Ekzem anscheinend verschlechtern (Schmuck, Berufsstoffe, Kosmetika, Salben usw.). 10. Schuppen abziehen: Die Haut der Hände benötigt Zeit, um gesund nachzuwachsen. Hautschuppen an den Händen daher bitte nicht "abzuziehen" oder kleine Wasser- und Eiterbläschen aufstechen. Viele Menschen mit langwierigen Handekzemen gewöhnen es sich an, ständig und unbewußt an den Händen "herumzuspielen". Falls sich eine solche Gewohnheit entwickelt hat, sollte für einige Zeit Tag und Nacht Baumwollhandschuhe getragen werden. 11. Nachbehandlung: Die Widerstandsfähigkeit der Hände ist mindestens 6 Monate nach Abheilung noch geschwächt. Die genannten Raschläge behalten auch nach der Abheilung ihre Gültigkeit. 12. Handpflege: Handpflege mit Fettcremes führt zu fettigen Fingern und unschönen Fettflecken auf Papier. Folgendes Vorgehen kann Abhilfe schaffen: Einen dicken Klecks Pflegecreme auf den Handrücken geben, Handrücken aneinander reiben und Creme verteilen. Erst danach die Hände richtig reiben und die Innenflächen pflegen. Ab und zu belohnt folgende Salbenpackung die Hände: Die Hände dick mit Pflegecreme einreiben und dünne Plastikhandschuhe für 30 min (oder bis zum Auftreten von Jucken) darüberziehen. Die Pflegewirkung einer Handcreme können Sie nicht am Preis erkennen: eine Creme für DM 2.- pro 100g kann genauso gut pflegen wie das achtfach teuerere Konkurrenzprodukt. Eine gute Allzweckcreme pflegt die Hände ebenfalls genauso gut wie spezielle Handcremes. Hautprobleme im Büro Bei Bürotätigkeiten können vielfältige Hautprobleme auftreten. Trockene Büroluft führt zu trockener, juckender Gesichts- und Körperhaut. Regelmäßige Pflege mit Feuchtigkeitscreme sorgt vor. Handekzeme sind ein häufigeres Problem bei Büromitarbeitern. Schon das ständige Hantieren mit Papier genügt bei empfindlicher Haut, um Fett und Feuchtigkeit aus der Haut zu saugen. Ein Ekzem der Fingern kann die Folge sein. Ausdünstungen von Photokopierern und Druckern sind berüchtigt dafür, eine Vielzahl von Befindlichkeitsstörungen auszulösen. Schwere Hautkrankheiten sind dabei allerdings selten. In den letzten Jahren wird zunehmend über das sogenannte "Sick-building-syndrom" geredet. Wissenschaftler fassen unter diesem Begriff alle Störungen des Wohlbefindens zusammen, die in klimatisierten Büroräumen entstehen. Teilweise entstehen die Beschwerden durch Schimmelpilzbefall schlecht gewarteter Klimaanlagen, teilweise handelt es sich um Ausdünstungen neuer Möbel oder Teppiche; oft findet sich aber auch keine eindeutige Ursache. Untersuchung und Behandlung des "Sick building Syndroms" erfolgt bisher nur in wenigen Krankenhauszentren. Latexallergie Latex ist ein wichtiger Inhaltstoff von Naturkautschuk. Im Gesundheitswesen werden große Mengen von Latex verbraucht, um Handschuhe und andere Gummiartikel zu produzieren. Allergien gegen Latex nehmen daher vor allem bei Krankenschwestern und Ärztinnen massiv zu. Viele Frauen waren schon gezwungen, aufgrund einer Latexallergie ihren Beruf im Krankenhaus aufzugeben. Latexallergie äußer in Form juckender Handekzeme unter Gummihandschuhen, aber auch als Fließschnupfen oder Asthma beim Hantieren mit Gummiartikeln. Jeder Verdacht auf eine solche Allergie muß wegen der u.U. lebensbedrohlichen Beschwerden und der beruflichen Konsequenzen sorgfältig vom Allergologen abgeklärt werden. Geschlechtskrankheiten Vielen Menschen ist es unangenehm, über Krankheiten der Geschlechtsorgane zu reden. Geschlechtskrankheiten sind aber ein Thema von zunehmender gesundheitlicher Bedeutung. Sie nehmen in den letzten Jahren trotz der Kampagnen für "Safer Sex" wieder deutlich zu. Aufklärung für Frauen ist aus 2 Gründen besonders wichtig: 1) Bei Frauen verlaufen akute Geschlechtskrankheiten häufiger unbemerkt als bei Männern; die Langzeitfolgen sind dann besonders schlimm. Unerkannte Viruswarzen am Muttermund sind beispielsweise recht häufig und erhöhen das Risiko von Gebärmutterkrebs. 2) Männer scheinen - zumindest bei diesen Krankheiten - unbefangener zum Arzt zu gehen und erhalten daher früher Hilfe. Geschlechtskrankheiten werden häufig auch STD ("Sexually Transmitted Diseases") oder "venerische Krankheiten" genannt. Ärzte verstehen darunter alle infektiösen Erkrankungen, die vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Dieser besondere Übertragungsweg hat keine moralische Dimension (früher glaubte man an eine "Gottesstrafe" wegen unmoralischem Verhalten). Der Übertragungsweg hat damit zu tun, daß beim Verkehr enger körperlicher Kontakt entsteht. Beim direkten Kontakt der Geschlechtsorgane, aber auch von Mund, Händen, Zunge oder After werden mit den Körpersekreten die darin enthaltenen Krankheitserreger vom einen Partner auf den anderen übertragen. In Deutschland gibt es ein eigenes Gesetz, das der Verbreitung von Geschlechtskrankheiten vorbeugen soll. In dem Gesetz werden als meldepflichtige, "offizielle" Geschlechtskrankheiten genannt: Syphilis (Lues), Tripper (Gonorrhoe), weicher Schanker (Ulcus molle), venerische Lympfknotenentzündung; aus politischen Gründen wird AIDS offiziell nicht zu den STD gezählt. Neben den vier genannten Krankheiten werden eine Reihe anderer Krankheiten überwiegend durch Sexualverkehr übertragen: Harnwegsentzündung (nichtgonorrhoische Urethritis), Granuloma inguinale, Feigwarzen (Condylome), Trichomonaden, Genital-Herpes, Gelbsucht (Hepatitis B), Filzläuse, Krätze, Scheidenentzündung (Vaginitis), Würmer, aber eben auch AIDS. Außer AIDS sind alle diese Krankheiten mit modernen Medikamenten im Frühstadium problemlos heilbar. Nur verschleppte STD können zu schlimmen inneren Beschwerden führen. In der BRD besteht eine gesetzliche Verpflichtung, sich behandeln zu lassen. Mit dieser "Behandlungspflicht" werden der Kranke, seine Familie, seine Geschlechtspartner und die Gesellschaft vor ansteckenden Krankheiten geschützt. Ein Anfangsverdacht auf eine STD besteht immer dann, wenn in den letzten Wochen oder Monaten ungeschützter Geschlechtsverkehr bestand und folgende Beschwerden auftreten: Ausfluß aus der Harnröhre, Geschwüren im Geschlechtsbereich oder am Mund, unklare Hautprobleme, unklare Unterleibsschmerzen. Mit einer Blutuntersuchung allein kann fast keine STD sicher festgestellt werden. Zu jeder Untersuchung gehört ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und die Untersuchung der ganzen Haut und Geschlechtsorgane. Solange eine Geschlechtskrankheit nicht geheilt ist, sollte enthaltsam gelebt werden. Manchmal ergeben sich sehr unangenehme Situationen, wenn die STD bei außerehelichem Verkehr erworben wurde. Trotzdem sollte mit dem Lebenspartner offen gesprochen werden (auch wenn er keinerlei Beschwerden hat), damit er sich untersuchen und behandeln läßt. Die verschiedenen Geschlechtserkrankungen werden sehr unterschiedlich behandelt. Zumeist werden Antibiotika als Tabletten oder Spritze gegeben. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft. Die beste Vorbeugung vor Geschlechtskrankheiten (nach Zölibat und Monogamie) ist konsequentes Benutzen von Kondomen beim Verkehr mit unbekannten Geschlechtspartnern. Zeckenstich/Borreliose Fast jeder hat schon einmal bei Hund oder Katze braunrote, reiskorn- bis erbsengroße Zecken entfernt. Diese Insekten können aber auch Menschen befallen und 2 verschiedene Krankheiten übertragen: die seltene, sogenannte FSME (Hirnhautentzündung) - und die viel unbekanntere, aber viel häufigere Borreliose. Diese Infektionserkrankung durch Bakterien namens "Borrelia burgdorferi" kann sehr vielgestaltige Krankheitsbeschwerden verursachen. Zecken lassen sich von Bäumen oder Sträuchern auf Spaziergänger fallen, beißen sich in der Haut fest und saugen Blut. Dabei gelangen die Borrelienbakterien und Viren in den menschlichen Körper. Erst 1982 wurde entdeckt, daß diese Bakterien die Ursache vieler verschiedener Krankheiten sind. Etwa 20 % aller Zecken sind befallen, allerdings wird die Krankheit nicht bei jedem Biß einer infizierten Zecke übertragen. Beschwerdefreie Menschen brauchen sich also auch nach Zeckenstichen nicht übermäßig zu ängstigen. An der Stichstelle kommt es - bei erfolgter Infektion - nach 1-2 Wochen zu einer langsam nach außen wachsenden Rötung. Gefährlich wird die Krankheit, wenn dieses Anfangsstadium übersehen wurde, die Bakterien sich im Körper ausbreiten und im Laufe der Zeit innere Organe befallen. Wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt wird, ist sie einfach und sicher durch Antibiotikagabe zu heilen. Pityriasis versicolor Wenn man den Namen "Pityriasis versicolor" übersetzen würde, so hieße die Krankheit auf deutsch etwa "buntgescheckte Kleieflechte". Dies beschreibt anschaulich ihr Aussehen. Viele kleine, gelblich- braune, rötliche oder eher weiße Flecken am Oberkörper ohne Juckreiz. Beim Kratzen lösen sich feine, kleieartige Schuppen. Sehr viele, vor allem hellhäutige Frauen und Männer leiden zumeist im Sommer an diesen kosmetisch störenden Veränderungen. Die Kleieflechte ist eine Pilzerkrankung durch einen völlig harmlosen Hefepilz. Dieser Pilz lebt bei fast jedem Menschen auf der Haut. Bei entsprechender Veranlagung und starkem Schwitzen kann der Pilz sich massiv vermehren - die Hautflecken entstehen. Ein erfahrener Arzt erkennt die Erkrankung mit einem Blick oder unter dem Mikroskop. Im Gegensatz zu anderen Pilzerkrankungen der Körperhaut sind diese Hefepilze völlig ungefährlich und nicht ansteckend. Dieser Hefepilz hat übrigens nichts mit den bekannten, krankhaften Candida - Hefepilzen zu tun, er ist aber identisch mit dem Hefepilz bei seborrhoischem Ekzem (siehe Abschnitt "Kopfschuppen"). Kleieflechte kann durch eine hautärztliche Behandlung leicht zum Verschwinden gebracht werden. Leider ist damit aber die Ursache oft nur vorübergehend beseitigt, es bleiben immer einige Hefepilze auf der Haut zurück. Bei erneutem starkem Schwitzen, beim Urlaub im Süden usw. kann die Kleieflechte jederzeit erneut auftreten. Durch einfaches Eincremen oder Einshampoonieren der Haut können die Hefepilze nahezu zum Verschwinden gebracht werden. Nur in sehr ausgedehnten Fällen ist eine einmalige Gabe eines innerlichen Pilzmedikamentes erforderlich. Einige wirksame Stoffe zur äußerlichen Behandlung sind: Selendisulfid, Schwefel, Zinkpyrithion, Imidazole. Leider dürfen die Ärzte viele dieser wirksamen und angenehmen Shampoons nicht mehr auf Kosten der Krankenkassen verordnen. Nach einer erfolgreichen Behandlungskur können die Flecken noch einige Zeit sichtbar bleiben: die Hautfarbe paßt sich nur allmählich der übrigen Hautfarbe wieder an. Sonnenallergie Im Volksmund wird häufig eine "Sonnenallergie" vermutet, wenn nach einem Sonnenbad juckende Hauterscheinungen auftreten. Eine "Allergie" gegen das Licht selbst gibt es nicht, es verbergen sich verschiedene andere, durch Sonnenlicht bzw. UV-Strahlen provozierte Krankheitsbilder dahinter. Ultraviolette Strahlen (UV-Strahlen) sind unsichtbare Strahlen des Sonnenlichtes, wie sie auch aus vielen Solariumlampen abgestrahlt werden. Die häufigste "Sonnenallergie" trifft junge Frauen mit anlagebedingter, erhöhter Sonnenreizbarkeit der Haut. Im Frühjahr oder beim ersten Sonnenbad im Urlaub entwickeln sie einen lästigen gesprenkelten Hautausschlag. Da dieser Ausschlag ganz unterschiedlich aussieht, spricht der Hautarzt von einer "polymorphen Lichtdermatose". Die Krankheit ist harmlos. Typischerweise bemerkt die Betroffene juckende, rote Hauterscheinungen am Oberkörper. Die Sonnenallergie darf nicht mit einem Sonnenbrand durch zu langes Sonnenbaden oder mit anderen Krankheiten durch Sonnenbestrahlung verwechselt werden (z.B. mit "Hitzefrieseln", Altershaut, Photoallergie). Die Sonnenallergikerin gewöhnt sich im allgemeinen während der Sommerwochen immer mehr an das Sonnenlicht, sodaß im Herbst die Beschwerden häufig deutlich besser sind oder verschwinden. Ursache der Krankheit ist eine hohe Empfindlichkeit gegen die UV-A Anteile des Sonnenlichtes. Die Betroffene sollte die Sonne meiden und die Haut im Frühjahr besonders behutsam und langsam an die Sonne gewöhnen. Als Behandlung kann der Arzt vorbeugende Medikamente verordnen (Antihistaminika). Daneben kann durch vorsichtig gesteigerte Sonnenbankbestrahlung - nur in der Arztpraxis mit Spezialstrahlern - 4-6 Wochen vor dem Sonnenurlaub eine Hautgewöhnung an die UV-Strahlen versucht werden. Bei besonders schlimmen Beschwerden kann kurzfristig eine entzündungshemmende Creme notwendig sein. Die vorbeugende Einnahme von Betacaroten in Tablettenform verspricht in Einzelfällen ebenfalls Besserung, während von Calciumtabletten kein Erfolg erwartet werden darf. Schwere, verbrennungsartige Hauterscheinungen kann die Sonne in Verbindung mit " photosensibilisierenden Substanzen" hervorrufen. Besonnte Hautareale sind betroffen, während sonnengeschützte Stellen (unter der Sonnenbrille, unterm Kinn usw.) erscheinungsfrei bleiben. Solche "phototoxischen" oder "photoallergischen" Reaktionen erscheinen sehr rasch (Minuten bis Stunden) z.B. nach dem Berühren von Pflanzen, dem Auftragen von Kosmetika (Eau de Cologne, Rasierwasser, Lippenstifte, der Berührung mit Farbstoffen (z.B. "Bikini-Dermatitis"), aber auch nach der Einnahme von Medikamenten. Erkennen und Meiden der auslösenden Substanz mit Hilfe von Allergietests, sorgfältige Hautpflege, bei starker Entzündung eine Cortisoncreme und Lichtschutzmaßnahmen stehen als Hilfe zur Verfügung. Die Industrie erkennt inzwischen, daß Verbraucheraufklärung auch ihren Geschäftsinteressen dient. Einige Firmen engagieren sich intensiv bei der Sonnenschutz-Aufklärung. Zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst wurde z.B. ein Telephondienst eingerichtet, mit dem für die 2 kommenden Tage die Intensität der UV-Strahlung und damit die Notwendigkeit des Sonnenschutzes abgefragt werden kann. Besenreiser/Krampfadern Fast jede Frau bemerkt mit zunehmendem Alter an ihren Beinen kleine bläuliche Gefäße unter der Haut. Es handelt sich dabei um Erweiterungen der natürlichen Venengeflechte der Haut. Je nach Größe unterscheiden wir bis daumendicke, gewundene "Stamm- und Seitenastvarizen", mitteldünne "retikuläre Varizen" und haarfeine "Besenreiservarizen". Größere Krampfadern können zu lebensgefährlichen Komplikationen führen, sie sind eine eigene Krankeit (Varikose) und benötigen ärztliche Behandlung. Haarfeine, "besenreiserartige" Gefäßerweiterungen sind dagegen nicht gefährlich, sondern ein Schönheitsproblem. Trotzdem sollte vor jeder Besenreiserverödung eine gründliche Venenuntersuchung erfolgen, um ernstere Grundkrankheiten auszuschließen. Die Beurteilung von großen Krampfadern sollte nach einer ersten Begutachtung durch den Hautarzt durch einen spezialisierten Phlebologen erfolgen. Zur Basisbehandlung von Krampfadern zählt das Training der Beinmuskulatur durch viel Bewegung und die Kompressionsbehandlung der Varizen mit Spezialstrümpfen ("Stützstrümpfe") bzw. Beinewickeln. Die richtige Länge und Form von Kompressionsstrümpfen kann anhand der ärztlichen Verordnung vom Orthopädietechniker nur am "schlanken", also entstauten Bein im Stehen bestimmt werden. Solange noch "Wasser" in den Beinen ist, sollte das Wickeln mit starren Baumwollbinden bevorzugt werden. Nach ca. 6-8 Monaten müssen im allgemeinen neue Stützstrümpfe angepaßt werden. Diese wichtige Behandlungsmaßnahme wird oft nicht ernstgenommen oder abgelehnt - Stützstrümpfe sind ziemlich lästig und im Sommer u.U. unangenehm heiß. Sie sollten aber ständig - vom Aufstehen bis zum Schlafengehen - getragen werden; nur dann können sie ihre ganze Wirkung entfalten. Die Venenkranke sollte in jedem Fall mit einem systematischen "Venentraining" zu beginnen. Viele Krankenkassen bieten solche Trainingskurse an, und in allen Buchhandlungen gibt es zahlreiche Ratgeber für Venenkranke. Je nach Art und Ausprägung ist aber eine operative Entfernung der Krampfadern oft nicht zu umgehen. Operationen können je nach Umfang der Varizen ambulant oder stationär erfolgen. Vor jeder Operation muß die Funktion der tiefen Beinvenen kontrolliert werden. Dabei wird die Röntgendarstellung der Venen zunehmend von einer aufwendigen Ultraschalluntersuchung verdrängt ("Duplex-Sonographie"). Bei der sogenannten "Stripping-Methode" werden in Vollnarkose oder örtlicher Betäubung die Krampfaderenden freigelegt. Mit einer Metallsonde wird die Vene dann aufgefädelt und herausgezogen. Kleine Krampfadern können durch Minischnitte freigelegt und mit speziellen Häkchen entfernt werden. Narben und Blutergüsse sind bei der Häkchentechnik meist weniger auffällig als bei der üblichen Operation. Erst in wenigen Spezialzentren werden Krampfadern mit optischen Sonden unter Videokontrolle aufgesucht und entfernt. Es ist bisher nicht erwiesen, daß diese Methode der Patientin wirklich größeren Nutzen bringt. Häufig wird die Operation mit einer nachfolgenden Verödungsbehandung kombiniert. Kleine bis mittelgroße Besenreiservarizen und Krampfadern werden mit gutem Erfolg ausschließlich verödet. Dabei wird in kleinere, erweiterte Seitenvenen ein stark gewebereizendes Medikament eingespritzt. Die entzündeten Venenwände verkleben und sklerosieren (verbacken). Erfahrene Ärzte mit ruhiger Hand arbeiten sehr erfolgreich mit Verödungsspritzen. 1-10 Sitzungen in mehrwöchigem Abstand sind erforderlich. Bis ca. 80 % aller Besenreiservenen lassen sich so entfernen - niemand erzielt 100 % Erfolge. Fast immer bilden sich anfangs blaugraue Blutergüsse an den Stichstellen, die nach ca. 4 Wochen verschwinden. Die Anweisungen des Arztes bezüglich der Nachbehandlung sollten strikt befolgt werden, sonst wird das Resultat deutlich schlechter ausfallen. Bei etwa 30 % der Patientinnen bleiben an den Sklerosierungsstellen für 6-18 Monate braune Flecken sichtbar, bei ca. 5 % sogar für einige Jahre. Andere Nebenwirkungen der Verödung sind Gelenkschwellungen für einige Tage, Venenentzündungen, tastbare Venenverhärtungen und selten kleine Geschwüre an der Stichstelle. Da diese unerwünschten Nebenwirkungen aber selten bleiben, sind über 90 % der Frauen mit der Verödungsbehandlung letztlich zufrieden. Kleine Venen kann man auch durch "Sticheln" mit Spezialskalpellen zerstören. Entgegen vieler Presseberichte eignen sich Laserstrahlen bis heute nicht zur Venenbehandlung - die Ergebnisse sind weitaus schlechter als bei Verödung oder Stichelung. Krankenkassen übernehmen daher aus gutem Grund die Laserkosten nicht. Große Venenoperationen werden vor allem von Chirurgen, kleinere Verödungen von Hautärzten durchgeführt. Ideal ist die Kooperation beider Berufsgruppen und beider Behandlungsverfahren. Der Patient kann bisher nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda anderer zufriedener Patienten den erfahrenen Venenoperateur erkennen. Venenabteilungen an öffentlichen Krankenhäusern und private Spezialkliniken für Venenoperationen bieten im allgemeinen die Gewähr, daß gut und angemessen untersucht und operiert wird. Je spezialisierter der Chirurg auf Venen ist, umso "schöner" ist im allgemeinen das Ergebnis der Operation. Die Kosten der Venenoperation in Krankenhäusern werden von den Krankenkassen erstattet. Bei Operationen in Privatkliniken muß der Patient dagegen oft die Kosten selbst tragen. "Offene Beine", Ulcus crurisZahlreiche ältere Frauen (weniger Männer) leiden jahrelang unter offenen Geschwüren an den Unterschenkeln, Sprunggelenken oder Füssen. Manchmal ist die Ursache in krankhaften Gefäßveränderungen durch Verkalkung, hohen Blutzucker oder Nervenkrankheiten zu finden. Die allerhäufigste Ursache "offener Beine" sind aber eindeutig vernachlässigte Krampfadern und die sogenannte "chronisch venöse Insuffizienz" (CVI). Bei der CVI versackt das Venenblut in den Beinen, weil die großen Beinvenen durch Thrombosen, Entzündungen oder Krampfadern überlastet und geschädigt wurden. Wenn eine CVI jahrelang unbehandelt bleibt, dann ist die Durchblutung der Haut an Unterschenkeln und Füßen stark geschädigt. Bei der kleinsten Prellung entsteht dann ein offenes, schlecht heilendes Geschwür ("Ulcus cruris"). Die Behandlung dieser Ulcera ist langwierig und unangenehm. Alleiniges Eincremen mit diversen Salben genügt nicht als Behandlungsmaßnahme, führt im Gegenteil oft zu Salbenallergien. Gegen die zugrundeliegende Venenschädigung müssen Stützstrümpfe, Beinwickel und eventuell die Operation der Krampfadern eingesetzt werden. Wie bei allen flachen, sauberen Hautverletzungen lohnt ein Behandlungsversuch mit sogenannten "Hydrokolloidverbänden". Es handelt sich dabei um Spezialpflaster, die ideale Bedingungen für eine schnelle Wundheilung schaffen. Hefepilze - Candida In vielen Büchern und Zeitschriften kann man heute Artikel über Hefepilze als Krankheitserreger lesen. Hefepilze sind mikroskopisch kleine Lebewesen. Sie sind von gänzlich anderer Art als Fußpilz, Schimmelpilz, Champignons oder andere bekannte Pilzarten. Es gibt mehrere Hundert Hefepilzarten. Seit jeher nutzt der Mensch manche harmlose, nützliche Hefepilzarten beim Kochen: Backhefe, Bierhefe, Weinhefe, Wursthefe, Kefirhefe. Die meisten Hefen sind harmlos. Der wichtigste schädliche Hefepilz ist die sogenannte "Candida albicans"-Hefe. Hefepilze können Haut, Schleimhäute und Darm besiedeln. Typische Krankheitsbilder sind Windelsoor der Babys, glänzend rote Ekzeme von Achselhöhlen, Brust und Leisten bei Erwachsenen. Auch weißliche Zungenbeläge, Zahnprothesenprobleme und Durchfall können durch Candidabesiedlung von Mund und Darm entstehen. Wissenschaftlich umstritten ist, ob die Pilze auch in andere Körperorgane eindringen können. Manche Ärzte (und viele Heilpraktiker) vermuten, daß Kopfschmerzen, Allergien, Hautekzeme, Schuppenflechte, Nesselsucht u.v.m auf Candida-Befall zurückzuführen sind. In vielen Büchern für Laien wird allerdings leider so getan, als ob Hefepilze die Ursache fast aller Zivilisationskrankheiten seien. Das ist sicherlich weit übertrieben, denn sehr viele Menschen beherbergen Candidahefen in ihrem Darm, ohne daß sie irgendwelche Beschwerden verspüren Vor jeder Pilzbehandlung muß geklärt werden, ob tatsächlich krankmachende Hefepilze vorhanden sind. Das Anzüchten der Pilze aus Mund und Darm ist dafür unabdingbar. Die Diagnose einer "Hefepilzverseuchung" allein aufgrund von Blutuntersuchungen, Bioresonanzverfahren, Elektroakupunktur, Kinesiologie u.ä.. ist Charlatanerie. Dann muß der Arzt überlegen, ob die geklagten Beschwerden mit diesen Hefepilzen überhaupt zusammenhängen könnten. Zur Beseitigung von Hefepilzen im Darm werden v.a. Nystatin-Tabletten und Mundspüllösungen verordnet. Auch Gebiß und Zahnbürste müssen beim Mundbefall sorgfältig behandelt werden. Eine zuckerarme und faserreiche, pflanzliche Ernährung scheint beim Ausräumen versteckter Pilznester im Darm zu helfen. Bei äußerlichem Befall der Haut mit Hefepilzen sind zwei Dinge wesentlich: 1. Hautfalten trockenhalten: Windeln häufig wechseln. Babys öfters nackt strampeln lassen. Erwachsene legen in die infizierten Hautfalten zum Trockenhalten Toilettenpapier, Stoffstreifen oder Wattepads ein. 2. Örtliche Pilzbekämpfung mit einer Antipilzcreme. Betroffene Hautstellen großflächig, aber dünn mindestens zweimal täglich mindestens eine Woche lang eincremen. Vorsorgliche Untersuchung des Darms auf Hefepilze, um einer Neuinfektion der Haut vorzubeugen. Narben Bei jeder Verletzung wird der natürliche Aufbau der Haut zerstört. Typische Hautverletzungen mit Narbenbildung sind tiefe Hautentzündungen (Akne), Operationen, Tätowierungen, Verbrennungen. Bei der Wundheilung wird der Defekt durch Gewebszellen zusammengefügt und verschlossen. Dieses Ersatzgewebe bildet mehr oder weniger sichtbares Narbengewebe. Manche Menschen neigen dazu, große oder wulstförmige Narben zu bilden. Diese Neigung ist meist angeboren, kann aber auch Folge z.B. einer Wundverschmutzung sein. Narben können verschieden aussehen: groß und wuchernd, rot, hautfarben oder weißlich. "Hypertrophische" Narben nennt man große Narbenwucherungen, die sich auf das ehemalige Wundareal beschränken. "Keloide" nennt man Narben, die seitlich über die Wunde hinaus wuchern. Eingesunkene, geschrumpfte oder tiefe Narben entstehen, wenn zu wenig Bindegewebsfasern neu gebildet werden. Gerade nach Abszessen der Haut und nach schwerer Akne bilden sich nicht selten trichterförmige und eingezogene Narben. Häßliche Narben sieht man oft über bestimmten Körperregionen, nämlich Schultern und Brustbein. Viele Frauen fühlen sich durch Aknenarben entstellt. Narben verschwinden nie spurlos. Glücklicherweise "heilt" der Körper die Narben teilweise selbst: ca 9 - 18 Monate lang nach einer Verletzung werden Narben im allgemeinen immer "schöner", flacher, weicher und blasser. Daher sollte eine Beurteilung einer Narbe oder eine intensive (operative) Narbenbehandlung frühestens ein Jahr nach der Wundheilung beginnen. Nach Operationen oder sonstigen Hautverletzungen, wo eine häßliche Narbenbildung befürchtet werden kann, sollte man frühzeitig mit der vorbeugenden Narbentherapie beginnen. Es gibt verschiedene Salben, welche die Narbenbildung vermindert. Diese Salben müssen über längere Zeit (einige Wochen bis Monate) 2 mal täglich intensiv einmassiert werden. Spezielle Folien können - über Monate angewendet - Narben ebenfalls verkleinern. Auch das Anlegen eines ständigen Druckverbandes ist manchmal hilfreich. Manche Narben bilden sich zurück, wenn man mehrfach Kortison direkt in die Verhärtung spritzt. Auch durch Vereisung läßt sich manche Narbe verkleinern. Es gibt darüberhinaus verschiedene operative Verfahren, Narben zu behandeln: Abschleifen, Herausschneiden, Lasern. Immer muß bedacht werden, daß eine Verletzung der Haut durch die Operation die Narbenbildung unter ungünstigen Umständen weiter verstärkt und keine Methode die Narbe ganz verschwinden läßt. Leider wird die Behandlung von Narben von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen bezahlt. Die Weißfleckenkrankheiten: Vitiligo Bei manchen Menschen stellen die farbstoffbildenden Zellen der Haut, die Melanozyten, ihre Arbeit an umschriebenen Stellen ein und gehen sogar teilweise zugrunde. Man nennt diese Krankheit "Vitiligo". Es kommt zu schneeweißer Fleckbildung an Händen, Füssen, Gesicht und am Körperstamm. Bei etwa 30% der Betroffenen verschwinden die weißen Flecken mit der Zeit von selbst, bei 30% werden sie langsam größer. Die Weißfleckenkrankheit sollte bei Frauen nicht mit der ähnlich aussehenden "Melasma"-Krankheit verwechselt werden (siehe Kapitel 5). Der schwarze Popsänger Michael Jackson behauptet übrigens, daß seine immer heller werdende Hautfarbe auf "Vitiligo" zurückzuführen sei. Ursache des Untergangs der Melanozyten ist wahrscheinlich ein Autoimmunmechansimus: der Körper erkennt die eigenen Zellen fälschlich als "fremd" und zerstört sie. Dem Hautarzt steht eine ganze Palette von - mehr oder weniger erfolgversprechenden - Behandlungsmethoden zur Verfügung: äußerliche Steroidcremes, verschiedene Bestrahlungsverfahren, innerliche Medikamente, Kuren am Toten Meer... Keratosis pilaris Eine häufige, mehr Frauen als Männer treffende Hautveränderung ist die Keratosis pilaris. Dabei bemerkt die Betroffene meist an den äußeren Oberarmen zahlreiche kleinste, harte, hautfarbene "Knötchen" (ohne Eiter, also keine "Pickel"). Die Haut ist meist trocken und leicht schuppend. Meist beginnen die Veränderungen in der Kindheit und verschwinden wieder um das 40. Lebensjahr. Es handelt sich dabei um harmlose, manchmal störende Verhornungen. Die Behandlung erfolgt äußerlich mit harnstoffhaltigen oder Vitamin-A-säurehaltigen Cremes. Hautkrebs Hautkrebs zählt zu den häufigsten Krebsarten überhaupt und nimmt weiter zu. Wie an anderer Stelle erläutert, trägt zu dieser Entwicklung wesentlich unser Lebensstil mit häufigem Sonnenbaden und Urlaub im Süden bei. Es gibt viele verschiedene Arten von Hautkrebs. Der sogenannte "schwarze Hautkrebs" (malignes Melanom) ist die gefährlichste und bekannteste Art, aber nicht die häufigste. Generell sollte jede schlecht heilende, wachsende oder unregelmäßige Hautveränderung einem Hautarzt gezeigt werden. Die häufigste Krebsart an der Haut nennt sich "Basaliom". Es handelt sich um rötliche, derbe Knötchen oder bizarre, nagelgroße, feste rotgelbe Schuppen an der Haut. Dieser Krebsart liegt eine Wucherung von Zellen der Basalzellschicht der Haut zugrunde (siehe Kap.1). Basaliome senden praktisch niemals Tochtergeschwülste in andere Organe des Körpers, der Kranke stirbt daher sehr selten daran. Allerdings können sich Basaliome durch die Haut in tiefer gelegene Organe "hindurchfressen". Da Basaliome oft im Gesicht entstehen, können sie auf diese Weise unbehandelt zur Zerstörung von Nase, Ohren oder Augen führen Eine frühzeitige operative Entfernung ist daher erforderlich. Dem früheren amerikanischen Präsident Ronald Reagan wurde ein Basaliom an der Nase ohne Probleme entfernt - nach jahrelangem Aufenthalt im sonnenreichen Kalifornien. Eine Basaliomart erfordert besondere Aufmerksamkeit: Die sogenannten sklerodermiformen Basaliome (oft im Gesicht) bilden runde Knoten, wachsen aber darüberhinaus unsichtbar und fingerförmig unter der Haut. Nur durch eine spezielle Untersuchungs- und Operationstechnik (MOHS-Operation, "Tübinger Torte") kann sichergestellt werden, daß auch alle "Krebsfinger" entfernt werden. Wenn dies unterbleibt, ist die Gefahr von Rückfällen und erneuten, schwierigen Operationen erhöht. Die zweithäufigste Krebsart ist das sogenannte "Spinaliom". Auch diese bösartigen Wucherungen der Hornzellen der Haut sind eindeutig auf Sonnenstrahlung zurückzuführen. Im Frühstadium erkennt der Arzt eine festhaftende, gelbliche Schuppung auf gerötetem Hautfleck. Spinaliome entstehen oft aus typischen Sonnen- und Altersflecken der Haut. Die Behandlungsmöglichkeiten sind genauso vielfältig wie beim Basaliom: Herausschneiden in örtlicher Betäubung, Zerstörung durch Vereisen oder Lasern, Kürettage (Abkratzen mit Spezialinstrumenten), Bestrahlungen... Selbst bei sorgfältigstem Vorgehen kommt es in 5-10% aller Fälle zu einem Rezidiv des Hautkrebses. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Nachbeobachtung durch den Hautarzt so wichtig. Der "schwarze Hautkrebs" (oder : Malignes Melanom) zählt zu den aggressivsten Krebsarten überhaupt. Er ist schon im Frühstadium als schwarz-brauner, unregelmäßiger Fleck an der Haut erkennbar. Nur in seltenen Fällen entgeht er auch dem erfahrenen Hautarzt im Anfangsstadium. Melanome können aus Muttermalen entstehen, aber auch aus völlig normaler Haut. Es gibt verschiedene Typen: knotenförmige "noduläre" Melanome, flach wachsende "oberflächlich" Melanome, farblose "amelanotische" und Melanome an Fingern und Zehen ("akrolentiginöse"). Melanome können an jeder Hautstelle, ja sogar im Auge entstehen. Bei Frauen finden sich Melanome eher an den Beinen, bei Männern eher am Rücken. Die Häufigkeit der Melanome ("Incidenz") nimmt zu und verdoppelt sich etwa alle 10 Jahre. Glücklicherweise werden sie immer öfter im Frühstadium erkannt, sodaß die Behandlungserfolge ebenfalls zunehmen. Je dicker (also je älter) der Tumor bei der Entfernung, um so kürzer ist die statistische Überlebendauer des Kranken. Aus diesem Grund ist die Früherkennung so wichtig. Jeder schwarze Hautkrebs wird mit einem großzügigen Rand aus gesunder Haut herausgeschnitten. Ob eine Entfernung von Lympfknoten oder eine Chemotherapie danach sinnvoll ist, richtet sich nach dem Stadium des Tumorwachstums. Ich persönlich halte eine biologische, naturheilkundliche Mitbehandlung (z.B. mit Mistelpräparaten) unter ärztlicher Aufsicht für sinnvoll und wichtig, auch wenn diese Methoden der Krebsbehandlung nicht allgemein anerkannt sind. Viruswarzen Unter dem volkstümlichen Namen "Warzen" versteht man harmlose Hautwucherungen. Sie werden hervorgerufen durch eine Infektion der oberflächlichen Hautschichten mit sogenannten "Warzenviren" (wissenschaftlich: humane Papillomviren). Wir kennen heute über 40 verschiedene Arten von Warzenviren. Warzen können an folgenden Körperstellen entstehen: - Hände und Füße (Verrucae vulgares) - Fußsohlen ( Verrucae plantares = Mosaikwarzen, Stechwarzen) - Gesicht und Handrücken ( Verrucae planae juveniles) - Geschlechtsorgane (Condylomata acuminata = Feigwarzen) - selten an Rumpf, Hals, der Mundschleimhaut usw. Warzen entstehen durch Kontakt mit Menschen oder Gegenständen, an denen die Warzenviren schon vorhanden sind. Warzen können, müssen aber nicht ansteckend sein. Sie sind nicht bösartig und heilbar. Sie haben mit Krebs nichts zu tun, auch wenn sie im Einzelfall sehr schnell an der Haut wuchern können. Bei der Warzenbehandlung bedarf es oft großer Geduld. Bei manchen Menschen kann es immer wieder zu Rückfällen kommen - entweder weil die Warzenviren trotz der Behandlung unentdeckt in der Haut weiterexistierten, oder weil man sich neu infiziert hat. Glücklicherweise heilen sehr viele Warzen von alleine ab. Es gibt zahlreiche Behandlungsarten, die je nach Warzenart und befallenem Körperteil individuell ausgesucht und angewendet werden müssen. Erfolgreich helfen kann jede Behandlung nur bei konsequenter Anwendung über mindestens 1-2 Monate. Folgende Behandlungsverfahren stehen zur Verfügung: Aufweichen der Warzen, Austrockung, Abtragen der Warzen entweder selbst mit Hornhauthobel, dem Skalpell oder mit einer Elektroschlinge, Zerstörung mit Säurelösungen, Ausschneiden der Warzen, Vereisung. Einige dieser Behandlungsverfahren können zu Hause durchgeführt werden. Oft ist die Rede davon, daß man Warzen durch "besprechen", durch Schneckensaft, Pflanzensäfte, Urin usw. erfolgreich behandeln kann. Aus wissenschaftlicher Sicht handelt sich bei diesen Erfolgen der sogenannten "Suggestivtherapien" wahrscheinlich um eine Warzenvernichtung durch starke Immunstimulierung. Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen - und Warzen vernichten. Nur ist der Erfolg solcher Methoden sehr ungewiß, weshalb sie sich nicht für eine ärztliche Therapie eignen. Alterswarzen, seborrhoische Keratosen Alterswarzen sind Hautveränderungen, welche die Mehrzahl aller Menschen nach der Lebensmitte an der Haut entwickeln. Meist sind sie erbs- bis münzgroß, braun oder schwarz gefärbt. Die oft gefurchte, glatte Oberfläche kann kugelig, warzig, flach oder wachsartig aussehen. Seborrhoische Warzen entstehen durch Hornhautwucherungen und Bildung von kleinsten Hornkügelchen in der obersten Hautschicht. Es ist unbekannt, was die Bildung dieser "Wucherungen" auslöst. Alterswarzen haben mit Krebs nichts zu tun. Da Alterswarzen für den Laien aber wie schwarzer Hautkrebs aussehen können, sollte man sie immer wieder einmal kontrollieren lassen. Alterswarzen sind heilbar, indem man sie chirurgisch beseitigt. Andere Behandlungsarten gibt es nicht. Das Wegoperieren von Alterswarzen ist aus medizinischer Sicht nur in seltenen Fällen notwendig - außer wenn sie aus kosmetischen Gründen stören. Schuppenflechte, Psoriasis In Deutschland leben etwa 2 Millionen Menschen mit Psoriasis - deutlich mehr Männer als Frauen. Meist zeigt Schuppenflechte sich als rote, scharf begrenzte, silbrige Hautschuppung. Am häufigsten treten die Veränderungen auf an Knie, Ellbogen und Kopfhaut sowie den Nägeln. Nagelveränderungen und Schuppungen der Kopfhaut werden von Frauen oft als kosmetisch besonders störend empfunden, da sie sich nicht durch Kleidung verbergen lassen. Seltenere Varianten der Psoriasis äußern sich nur durch Rötungen an Genitale und After (Psoriasis inversa), sehr selten auch als Eiterpusteln an Händen, Füßen oder am ganzen Körper (Psoriasis pustulosa). Bei fast jedem zehnten Kranken verursacht die Schuppenflechte Rheumaschmerzen an den Gelenken der Hände und Füße (psoriatische Arthropathie). Die Krankheit kann in jedem Lebensalter beginnen, meist aber bei jungen Erwachsenen. Die Hautveränderungen können dauernd vorhanden sein oder schubweise immer wieder ausbrechen. Da nicht jede rote oder schuppende Hautveränderung eine "Schuppenflechte" ist, wird Ihr Hautarzt zu Anfang der Behandlung eventuell eine Probe der Haut in örtlicher Betäubung entnehmen. Bei der mikroskopischen Untersuchung kann dann festgestellt werden, um welche Krankheit es sich tatsächlich handelt. Die Anlage zur Entwicklung einer Schuppenflechte ist erblich. Ist z.B. ein Elternteil krank, so entwickelt etwa jedes dritte Kind ebenfalls die Schuppenflechte. Sind beide Eltern betroffen, beträgt das Risiko der Kinder 60%. Durch die vererbte, genetische Anlage reifen die Hornzellen der Haut nicht richtig aus, wandern also zu schnell und zu früh zur Hautoberfläche und bilden dort Schuppen. Gesunde stoßen täglich etwa 1 g Hautschuppen ab, die Haut der Psoriatiker jedoch bildet etwa 13 g. Ob die Erbanlage tatsächlich zu Krankheitserscheinungen führt, ist stark von äußerlichen Faktoren abhängig. Neue Schübe der Krankheit können ausgelöst werden durch äußerliche Hautschäden (Unfall, Kratzen, Druck = "Köbner-Phänomen"), Chemikalien, Sonnenbrand, andere Hautkrankheiten, falsche Körperpflege, wahrscheinlich auch Rauchen und Alkohol. Auch Infektionskrankheiten, Streß, Medikamente, Stoffwechsel- und Hormonstörungen können die Krankheit verschlimmern. Psoriasis ist nicht ansteckend. Alle Vorurteile und Ängste der Mitmenschen (z.B. im Schwimmbad) sind daher ungerechtfertigt. Die Schuppenflecht ist im Normalfall für die Kranke störend und eventuell seelich belastend, aber zum Glück nicht gefährlich. Jeder Mensch wünscht sich Heilung, wenn er krank ist. Die Erbanlage der Psoriasis kann nicht geändert werden, daher ist die Krankheit auch letztlich nicht für immer heilbar. Es gelingt Ihrem Hautarzt allerdings immer, die schuppenden Hautveränderungen über kurz oder lang zur Abheilung zu bringen. Die Behandlung beginnt äußerlich. Nur in schweren Fällen erfolgt eine innerliche Therapie. Zur Abschuppung verwendet man als Wirkstoffe z.B. Salicylsäure und Harnstoff. Die Entzündung kann kurzzeitig mit Kortison unterdrückt werden. Sehr wirksam sind Dithranol (Cignolin) und teerhaltige Cremes. Die heilende Wirkung der Sonne zeigt sich daran, daß es den meisten Psoriatikern im Sommer deutlich besser geht. Als Imitation und Erweiterung der Sonnenwirkung kennen wir verschiedene Bestrahlungsverfahren mit speziellen UV-B-Strahler. Die Bestrahlungswirkung kann durch Medikamente gesteigert werden ("PUVA"). Neuerdings werden auch Vitamin D-Präparate äußerlich eingesetzt. Nur bei schweren Formen der Schuppenflechte ist die Gabe von innerlich wirksamen Medikamenten erforderlich. Für öffentliche Furore sorgte vor einigen Jahren die Fumarsäure. Sie wird von manchen Selbsthilfeverbänden favorisiert und ist seit 1995 auch in Deutschland auf Rezept erhältlich. Auch der klimatische Einfluß von See- oder Hochgebirgsklima, sowie bestimmte Anwendungen von Meerwasser helfen bei der Heilung der Schuppenflechte. Manche Menschen mit Schuppenflechte haben gute Erfolge mit verschiedenartigen Naturheilmethoden erzielt. Bei der Vielzahl der Behandlungsmethoden muß jeder Psoriasiskranke mit seinem Arzt zusammen die für ihn wirksame Behandlungsform herausfinden. Neurodermitis, atopisches Ekzem Die Neurodermitis zählt zu den häufigsten Hautkrankheiten überhaupt. Sie ist unter vielen verschiedenen Namen bekannt, wobei weltweit der Begriff "atopisches Ekzem" am häufigsten verwendet wird. Etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an ihr. Unter Kindern und Jugendlichen sind etwa 10% betroffen, und ihre Zahl nimmt ständig zu. Die Hautveränderungen der Neurodermitis sind rot, stark juckend, leicht schuppig, anfangs trocken, bei starker Ausprägung oft blutig-nässend. Auch die unbefallene Haut ist generell sehr trocken und benötigt besondere Pflege. Die Erkrankung ist weder gefährlich noch ansteckend. Sie beginnt meist im 3. Lebensmonat mit gelblichen Kopfkrusten ("Milchschorf"), kann aber auch in jedem anderen Lebensalter erstmals auftreten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind oft die Ellbeugen und Kniekehlen, Gesicht und Nacken befällt. Oft verschwinden die Ekzeme wieder am Ende des 2. Lebensjahres oder in der Pubertät. Bei vielen Menschen tritt später ein allergischer Heuschnupfen oder allergisches Asthma hinzu. Die äußerlichen Hautveränderungen, der starke Juckreiz und das ständige Kratzen stellen für viele Kranke oder die Eltern kranker Kinder eine außerordentliche psychische Belastung dar. Die Hauterkrankung Neurodermitis wird zusammen mit allergischem Heuschnupfen und allergischem Asthma den atopischen Krankheiten zugerechnet. Die gemeinsame Ursache ist eine erblich bedingte Anlage ("Atopie"). Durch diese Anlage reagiert die Haut und das gesamte Immunsystem teils stärker und teils schwächer als bei Gesunden. Ist ein Elternteil betroffen (Atopiker), so liegt das Risiko einer Erkrankung der Kinder bei 30 %. Sind beide Eltern Atopiker, so liegt das Risiko der Kinder bei 60%. Die atopische Anlage ist prinzipiell nicht zu beseitigen, weshalb auch nach langen, erscheinungsfreien Lebensphasen erneute Krankheitsschübe beobachtet werden. Auslöser neuer Krankheitschübe können seelische Faktoren sein, aber auch der Kontakt mit äußerlichen Allergen-Substanze. Zur langen Liste solcher Auslöser zählen Pollen, Hausstaubmilben, Seife, Nahrungsmittel, Umweltgifte, Streß, falsche Hautpflege und Hitze. Durch geeignete Behandlung können die Ekzeme allerdings immer wieder zum Verschwinden gebracht werden. Die Neurodermitis zählt zu den Krankheiten, bei denen das vorbeugende Verhalten des Betroffenen eine entscheidende Rolle spielt. Mit Hilfe des Hautarztes sollte ein individuell angepasstes Haut-Pflegemittel gefunden und dieses regelmäßig angewendet werden. Wollkleidung reizt die atopische Haut, besser verträglich sind Baumwolle, Seide oder Leinen. Diäten sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt begonnen werden. Generell leidet die Haut unter scharfen Speisen, Alkohol und anderen Genußgiften. Die Wohnung sollte "neurodermitisgerecht" eingerichtet sein: kein Teppichboden, wenig blühende Pflanzen, keine Haustiere, wenig "Staubfänger". Manche Hautkranke erlernen ein Entspannungsverfahren, das bei der Bewältigung von hautverschlechternden Lebenskrisen hilft. Bei Kinderwunsch und Berufswahl sollten vorbeugende Maßnahmen mit Kinder- oder Hautarzt abgesprochen werden. Jeder Neurodermitiskranke benötigt individuelle Hilfe. Es gibt keine "Wundertherapie", aber viele gute Behandlungsformen. In der ersten Phase der Behandlung geht es darum, dem Kranken seine Beschwerden zu erleichtern und die entzündlichen Ekzemherde zu dämpfen oder zum Abheilen zu bringen. Dazu werden verschiedene äußerliche und innerliche Verfahren eingesetzt. Sehr umstritten unter Laien ist die äußere Behandlung mit kortisonhaltigen Cremes. Sie werden vom erfahrenen Hautarzt nur kurzfristig am Beginn eines Schubes oder im Notfall verordnet, da sie bei längerdauernder Anwendung die Haut zusätzlich schädigen können. Übertriebene Furcht vor Kortison ist bei vernünftiger Anwendung nicht gerechtfertigt. Als zweiter Schritt werden mögliche Auslöser gesucht und ausgeschaltet. Eine zusätzliche seelische Begleitung ist oft sinnvoll. Richtige Pflege mit entzündungshemmenden, rückfettenden Salben und Ölbädern ist die Basis der Ekzembehandlung. Innerliche Antihistaminika lindern den Juckreiz. Eine naturheilkundliche Behandlung hat vielen Menschen geholfen, akute Krankheitsschübe zu überwinden und längerfristig erscheinungsfrei zu bleiben. Sie sollte die dermatologische Therapie jedoch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Herpes Über 90% aller Menschen leiden gelegentlich unter juckenden Lippenbläschen. Diese "Fieberbläschen" des Volksmundes werden durch die Infektion mit sogenannten Herpes-Viren verursacht. Meist erfolgt die Ansteckung schon in der Kindheit oder Jugend unbemerkt bei nahen Verwandten. Nach der Ansteckung überleben die Viren lebenslang in Nervenknoten, wandern gelegentlich von dort zur Haut und verursachen dann die Lippenbläschen. Die Beschwerden eines Ausbruchs daueren zwischen 3 und 7 Tagen. Die ersten Anzeichen sind meist Jucken und Spannungsgefühl der Lippen, leichte Rötung und Schwellung folgen rasch. Schon am nächsten Tagen sieht man zahlreiche Wasserbläschen. Bei manchen Frauen schießen die Bläschen während jeden Schnupfens auf, andere Auslöser sind Sonnenbäder, die Monatsblutung, beruflicher oder privater Stress, aber auch scharfe Speisen. Die Bläschen sollten nicht aufgekratzt werden, da sie zahlreiche ansteckungsfähige Viren enthalten. Nur beim Auftragen im frühesten Stadium kann man mit Spezialcremes die Blasenbildung unterdrücken oder abschwächen. Sobald die Bläschen geplatzt sind, helfen abdeckende Schutzsalben gegen Juckreiz und Infektion. Bei sehr starkem, ausgedehntem, häufig wiederkehrendem Befall kann eine vorbeugende innerliche Medikamentengabe erwogen werden. Anorexia nervosa, Bulimie Anorexia nervosa und Bulimie sind psychosomatische Eßstörungen, die mit typischen Folgeerscheinungen an der Haut einhergehen und daher hier kurz angesprochen werden. Betroffen sind fast ausschließlich Mädchen und junge Frauen zwischen 15 und 23. Fast 4 % aller Frauen sollen darunter in ihrer Jugend leiden. Anorektikerinnen legen sich selbst eine strikte Fastendiät auf, sodaß sie stark abmagern. Anorexie führt zu tiefgehenden hormonellen Störungen, Stoffwechselveränderungen und zahlreichen Störungen innerer Organe. Die oft sehr leistungsorientierten Frauen können ihre schwere Krankheit nicht selbst erkennen, sodaß das ausgeprägte Untergewicht letztlich nicht selten zum Tod führen. Bulimikerinnen essen dagegen während typischer Heißhungerattacken sämtliche verfügbaren Nahrungsmitteln - um sich dann jedoch heimlich der nahrung durch Erbrechen und mit Abführmitteln zu entledigen. Anorektikerinnen nehmen also nicht genug Nahrung zu sich; Bulimikerinnen erbrechen alles wieder, bevor die Speisen verdaut werden. Anorektikerinnen sind dünn, Bulimikerinnen können auch normalgewichtig sein. Immer besteht bei ihnen die feste Überzeugung, zu dick zu sein. Im Gegensatz zu Menschen, die gezwungenermaßen hungern müssen und unter Mangel sämtlicher Nährstoffe leiden, nehmen Anorektikerinnen ein Mindestmaß von Proteinen zu sich. Dank ausreichender Vitaminzufuhr leiden sie auch nicht indem Ausmaß unter den typischen Hautschäden durch Vitaminmangel wie "normale" Hungernde. Kalte Hände und Füße, sogar blaue Finger und Zehen findet man häufig bei Anorexie. Die Haut wird dünner, das Unterhautfett nimmt stark ab, die Immunreaktion der Haut ist deutlich herabgesetzt. Fast 3/4 aller Anorektikerinnen entwickeln aus unbekannten Gründen eine leicht gelbgefärbte Haut als Ausdruck einer Karotinämie. Der häufige Mißbrauch von Abführmitteln und Diuretika (harntreibende Medikamente) hat ebenfalls charakteristische Hautschäden zur Folge. Bei Bulimie findet der aufmerksame Untersucher typische Hautveränderungen an Mund, Zähnen und Lippen, die durch das ständige Erbrechen säurehaltigen Mageninhalts entstehen. An den Fingern, mit denen die Frauen das Erbrechen auslösen, kann sich eine dickes Hornpolster (Callus) ausbilden. Bei jedem Verdacht auf Anorexie oder Bulimie muß eine psychiatrische Untersuchung und Behandlung in Spezialkliniken erfolgen. Die betroffenen Frauen leugnen lange Zeit, daß überhaupt ein Eßproblem besteht. Beide Krankheiten erfordern viel Erfahrung vom Psychotherapeuten und sollten von der Familie niemals verleugnet, beschönigt oder unterschätzt werden. Raynaud-Syndrom und Kollagenosen Das Raynaud Syndrom ist ein typisches und häufiges Krankheitsbild jüngerer Frauen. Die Beschwerden sind ganz typisch: plötzliche Weißfärbung der Finger, nach einigen Minuten schmerzhafte Blaufärbung oder seltener Rötung der gleichen Areale. Zugrunde liegt eine anfallsweise Engstellung der Blutgefäße der Finger (Weißfärbung). Wenn der "Gefäßkrampf" nachläßt, werden die Finger blaurot. Dauer, Stärke und Häufigkeit der Anfälle variieren, meist wiederholen sich die Attacken mindestens 2 Jahre lang vor allem im Winter. Bei langer Krankheitsdauer können die Finger dauerhaft geschädigt werden, während einzelne Anfälle harmlos sind. In vielen Fällen kann auch die ärztliche Untersuchung nur Kälte als Auslöser aufdecken,ohne eine eigentliche Ursache zu entdecken. Manchmal allerdings läßt sich eine Grunderkrankung finden: seltene Blutkrankheiten, Vergiftungen, Medikamente, anatomische Veränderungen des Schulter-Hals-Bereichs, Gefäßkrankheiten, neurologische Krankheiten...Eine gründliche Untersuchung ist stets erforderlich, da die Raynaud-Beschwerden erstes Anzeichen einer gefährlichen Bindegewebserkrankung sein könnte (Kollagenose). Es existieren vielfältige medikamentöse Behandlungsansätze. Genauso wichtig sind aber allgemeine Maßnahmen zur Durchblutungsförderung. Kälte sollte gemieden werden, elektrische Handwärmer sind hilfreich, und viele physikalische und naturheilkundliche Behandlungsverfahren können die Durchblutung zusätzlich verbessern. Lidekzeme Rötung, Schuppung und Schwellung der zarten Haut der Augenlider können für Patientin und Hautarzt zu erheblicher Frustration führen. Die folgende Aufzählung der zahlreichen Ursachen für diese Art der Hautreizung zeigt, wie kompliziert die Diagnose sein kann: Atopisches Ekzem, Schuppenflechte, Urticaria, Konjunktivitis, Allergie gegen Kosmetika, Nickelallergie, Bakterieninfektion, Sonnenunverträglichkeit, Reibeeffekt beim Neurodermitiker. Allergien gegen Mascara, Lidschatten, Puder usw. sind selten der Auslöser. Leider kann manchmal eine eindeutige Ursache nicht gefunden werden. Oft läst das Zusammentreffen verschiedener äußerer Reize (Sonne plus Wind plus "scharfe" Kosmetik plus Reiben...) das Lidekzem entstehen. Während der Ursachensuche sollten keinerlei Kosmetika verwendet werden. Entzündungshemmend wirken feuchte Umschläge mit schwarzem Tee. Kosmetik-Intoleranzsyndrom Selten sehen Hautärzte Patientinnen, die auf sämtliche Kosmetika mit Rötung und Brennen der Gesichtshaut reagieren. Oft steht am Anfang dieses bedauernswerten Zustandes eine leichte Reizung, die mit kortisonhaltigen Cremes behandelt wurde. Zuweilen liegt ein sogenanntes seborrhoisches Ekzem zugrunde, das mit zu häufigen Gesichtswäschen bearbeitet wurde. Die Behandlung beginnt mit dem Weglassen sämtlicher Seifen, Pflegecremes, Kosmetika usw. Allergien müssen natürlich ausgeschlossen werden. Während 6-12 Monaten dürfen ausschließlich Kosmetika benutzt werden, die mit dem Hautarzt abgesprochen sind. Falls die Patientin sehr unter Ihren Beschwerden leidet, wird der Arzt möglicherweise die Konsultation eines Psychotherapeuten vorschlagen. Zoster, Gürtelrose, Windpocken In der Kindheit und Jugend leiden die meisten Menschen irgendwann einmal unter Windpocken. Diese sehr ansteckende, fiebrige Viruskrankheit überzieht die ganze Körperhaut mit roten Flecken und kleinsten Bläschen, bevor sie folgendlos abheilt. Die Viren verschwinden jedoch nicht aus dem Körper, sondern überleben unbemerkt lebenslang in Nervenknoten nahe dem Rückenmark. Mit zunehmendem Lebensalter, bevorzugt aber jenseits des 60. Lebensjahres, wächst die Gefahr, daß die Viren sich erneut entlang eines Hautnervs ausbreiten und eine "Gürtelrose" verursachen. Oft liegt dieser Reaktivierung der verborgenen Viren eine Schwächung des Immunsystems aufgrund einer Infektionskrankheit zugrunde. In den meisten Krankheitsfällen bleibt der Grund für den Ausbruch der "Gürtelrose" aber unklar. Der Name "Gürtelrose" wurde dem Zoster vom Volksmund wegen der oft gürtelförmigen, halbseitigen Anordnung der Hauterscheinungen im Hüftbereich gegeben. Man sieht örtlich umschriebene, von Bläschen bedeckte Rötungen, die sehr stark schmerzen und nach einigen Tagen gelbliche Krusten bilden. Unkomplizierte Fälle heilen nach 2-3 Wochen ab. Nur in seltenen Fällen kann Zoster durch Befall innerer Organe oder eines Auges gefährlich werden. Zoster ist vor allem wegen der starken Schmerzen gefürchtet, die nicht nur im akuten Stadium bestehen, sondern noch Monate nach Abheilung der Hautveränderungen weiterquälen können ("Post-Zoster-Neuralgie"). Je nach Lebensalter und Ausmaß des Zosters ist eine äußerliche Behandung ausreichend oder aber eine innere Behandlung mit Acyclovir erforderlich. Sehr wichtig ist eine frühzeitige, energische Bekämpfung der Schmerzen. Bei sehr starken Schmerzen sollte rechtzeitig ein spezialisierter Schmerztherapeut hinzugezogen werden. Tuben, Tigel, Öle... Hautpflege - aber richtig! Von jeder Seite Ihrer Lieblingszeitschrift lachen Ihnen Traumfrauen entgegen: perfekte Frisur, perlengleich schimmernde Haut, rosige Wangen, verführerischer Blick. Sie werben mit ihrem Aussehen für Kosmetikprodukte. Sie wären wie diese Frauen - wenn Sie wie ein Mannequin zum Abendessen Joghurt und Mineralwasser essen, abends um 9 Uhr ins Bett gehen und vor jedem Ausgang stundenlang von Stylisten, Haarkünstlern, Kosmetikerinnen, Starfotographen und Ankleiderinnen bearbeitet würden. Körperpflege und medizinische Kosmetik machen Sie natürlich nicht zur Glamourgöttin - sie schlagen aber Brücken von Traumwelten zum Alltag. Die tägliche Körperhygiene hält unsere Haut sauber, gesund und schön. Medizinische Kosmetik dient darüberhinaus der Vorbeugung von Hautkrankheiten, Schutz vor Umweltschadstoffen, Verbergen von Schönheitsmakeln. Ein gepflegter Körper hebt das persönliche Ansehen, steigert Selbstwertgefühl und Lebenslust. Eine selbstverständliche Erkenntnis? In der Antike wohl, und selbst im "finsteren" Mittelalter fand der Mensch seine Freuden beim gemeinsamem Bad. Der Gang ins öffentliche Badehaus war für alle städtischen Einwohner üblich und oft in die Arbeitszeitregelung aufgenommen. Das "Badgeld" konnte als Sondervergütung zum Lohn gehören. Die Sitten änderten sich, und im 17. Jahrhundert war Wasser als gesundheitsschädlich verschrien. Niemand wusch sich, stattdessen sollte die Unterwäsche Schweiß und Schmutz aufnehmen. Bis zum Einzug des privaten Badezimmers nach dem 2. Weltkrieg verschlang die tägliche Wäsche viel Mühe und Zeit. Auch heute verbringt die durchschnittsdeutsche Frau rund ein Jahr ihres Lebens mit Körperpflege. Die richtige Hautpflege fällt aus anderen Gründen als früher schwer: Was ist das individuell richtige Schönheitsprodukt bei dem unübersehbaren Angebot an Reinigungs- und Pflegemitteln für Haut und Haar? Kein Wunder, daß die Käuferin von immer neuen Hautpflegeserien verwirrt wird. Kosmetik ist Big Business: Allein mit "medizinischen" Pflegeprodukten werden jährlich ca. 300 Millionen DM umgesetzt, mit Körperpflegemitteln im weiteren Sinn sogar mehr als 15 Milliarden DM. Dabei will doch jeder einzigartig sein, aber nicht aus dem Rahmen fallen; viele wollen mit der Mode gehen, aber ihre Individualität bewahren. Allgemeingültige Empfehlungen für die eine oder andere Pflegeserie kann ich als Hautarzt leider nicht aussprechen, denn zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse jeder Frau. Die Verbraucherin kann sich im allgemeinen auf die Qualität kosmetischer Produkte verlassen. Angesichts der zahlreichen Inhaltsstoffe in Kosmetik ist es erstaunlich, daß nicht mehr Frauen unter Hautirritationen leiden. Allergisierende blaue oder grüne Farbstoffe in Lidschatten werden weniger verwendet, Sonnenschutzmittel sind angenehmer und zuverlässiger in der Handhabung geworden. Bei unabhängigen Test werden die ästhetischen und dermatologischen Eigenschaften der meisten Schönheitsmittel positiv bewertet. Die wirklich wichtigen Pflegeeigenschaften einzelner Produktlinien werden allerdings immer ähnlicher. Wer für sich persönlich die passenden Produkte auswählen möchte, sollte zuerst die eigenen Bedürfnisse erforschen: "Zu welchem Hauttyp gehöre ich?" "Suche ich ein gut verträgliches, möglichst preiswertes Produkt?" "Lege ich Wert darauf, die neueste Entwicklung eines Herstellers mit gutem Namen zu erwerben?" "Steht für mich im Vordergrund, daß keinerlei Schadstoffe enthalten sind?" "Dürfen bei der Entwicklung auch Tierversuche angewendet worden sein?" Ein Allzwecksuperkosmetikum, welches immer für jede Frau die ideale Pflege bietet, wird es leider nie geben - aber für jede Frau gibt es das individuell passende Produkt. Die Folgen einer ungesunden Lebensführung und die Vorboten des Alters wird allerdings auch das beste und teuerste Kosmetikum auf Dauer nicht verbergen können. Inhaltsstoffe von Kosmetika Auf der Verpackung vieler Kosmetika findet man eine lange Liste ihrer Bestandteile. Grundsätzlich werden bei diesen "deklarierten" Kosmetika wie bei Nahrungsmitteln die Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils aufgelistet. Oft stehen die in der Werbung groß herausgestellten, wunderbar neuen Inhaltsstoffe ganz am Ende der Liste; sie sind also nur in ganz geringen Mengen enthalten. Noch vor wenigen Jahren hielten es fast alle Hersteller von Kosmetika für überflüssig, die Zusammensetzung ihrer Produkte auf der Packung anzugeben. Verbraucher- und Umweltschutzverbände, Ärzteverbände und Ökozeitschriften haben sich große Verdienste dabei erworben, die Volldeklaration langsam durchzusetzen. Ab 1997 müssen alle Hersteller sämtliche Inhaltsstoffe auf den Verpackungen angeben. Für die besonders engagierte und interessierte Frau rentiert die Anschaffung eines speziellen, lexikonartigen Büchleins mit alphabetischer Aufschlüsselung und Bewertung dieser Substanzen (Literaturhinweis im Anhang). Bei einer Übersicht über fast 2000 Kosmetik-Inhaltsstoffen sollten kaum Fragen offen bleiben. Viele Hersteller stellen auf Anfrage firmeneigene Broschüren mit Erläuterungen zu den Inhaltsstoffen der eigenen Produkte zur Verfügung. Ärzte können sich über die Bedeutung einzelner Chemikalien z.B. in der sogenannten "Blauen Liste" informieren, in der sämtliche bedenklichen Substanzen in Kosmetika aufgelistet sind. Die meisten Käuferinnen können verständlicherweise mit den lateinischen und englischen Chemiebegriffen der sogenannten "Volldeklaration" auf dem Etikett wenig anfangen. Äußerst wichtig ist die Tabelle der Ingredienzien für den Allergologen und seine Patientin, wenn eine Allergie gegen einen Salbeninhaltsstoff, Duftstoffe, oder andere Kosmetikbestandteile besteht. Betroffene Personen können unverträgliche Produkte nur meiden, wenn sie auf der Verpackung "ihren" allergenen Stoff erkennen können. Nur bei Volldeklaration aller Inhaltstoffe ( z.B. nach den amerikanischen CTFA-Richtlinien) kann die Käuferin erkennen, ob in Shampoons, Pflegecremes, Zahnpasta oder Eyeliner Stoffe enthalten sind, die sie meiden muß. Manche Hautärzte würden statt der Deklaration aller Inhaltsstoffe allerdings eine abgeschwächte Form bevorzugen - nur die bedenklichen Stoffe sollten nach ihrer Meinung auf der Packung stehen. Gesundheitsrisiken durch Kosmetika Von einem bekannten Hautarzt soll folgender geistreicher Satz stammen: "Kosmetik bedeutet viel Einbildung und wenig Wirkung, aber im Vergleich zur Wirkung viele Risiken". Stimmen die Befürchtungen wirklich, daß Kosmetika gesundheitlich riskant werden können? Kosmetika sind generell in der Anwendung sehr sicher. Solange Sie als Anwenderin nicht unter Hautkrankheiten leiden, solange keine Kontaktallergie gegen einen Inhaltsstoff vom Allergologen nachgewiesen wurde, solange lohnt für die meisten Frauen der Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe nicht. Die gesunde Verbraucherin kann auf die Sicherheitstests der Industrie vertrauen. Allerdings sollen doch ca. 5 % aller Frauen irgendwann einmal eine (meist schwache) Unverträglichkeitsreaktion auf ein Kosmetikum erleben. Es ist dann Aufgabe des Hautarztes, die Ursache dieser Unverträglichkeit zu finden. Andere, gefährlichere Risiken bestehen praktisch nicht. Dies wird schon durch gesetzliche Regelungen gewährleistet - seit 1976 sind in der "Kosmetik-Verordnung" die Verwendung von mehr als 700 Inhaltsstoffen geregelt. Gelegentlich kann man auf Seiten von besonders engagierten Verbraucherschützern eine übertriebene Furcht vor "künstlichen", fraglich krankmachenden Zutaten erkennen. Besonders Konservierungsmittel geraten immer wieder in die Kritik. Dabei verursachen nicht diese Stoffe am häufigsten Allergien und Hautreizungen, sondern die wohlriechenden Duftstoffe und auch Sonnenschutzsubstanzen. Lipide und Proteine in Hautcremes bieten ideale Wachstumsbedingungen für Bakterien, Viren und Pilze, wenn sie im feuchten und warmen Badezimmer gelagert werden. Um dies zu verhindern, ist der Zusatz von Konservierungsstoffen fast immer unumgänglich. In Streßsituationen kann jede Haut empfindlich reagieren: rote Flecken und kleine Ekzemherde zeigen die Überforderung an. Manchmal wird auch ein immer gut verträgliches Kosmetikum plötzlich nicht mehr toleriert. Nicht selten ist die Ursache darin zu finden, daß sich der Hautzustand aufgrund von Krankheit, hormonellen Veränderungen, Alterungsprozessen o.ä. verändert hat und die alte Pflege daher nicht mehr "paßt". Die beste Abhilfe: eine Woche lang auf jede Kosmetik verzichten, nur morgens und abends eine Grundreinigung mit Reinigungsöl oder lauwarmer Milch. Danach sollte eine neue Pflegeserie für "empfindliche Haut" erprobt werden, um ein passendes Pflegeprodukt zu finden. Oft genügt eine einfache Allzweckcreme zur täglichen Pflege. Eine gut verträgliche Kosmetikserie sollte nicht gewechselt werden. Sollte sich tatsächlich einmal hartnäckig Rötung und Juckreiz entwickeln, so hilft der Hautarzt bei der Ursachensuche. Einen vernünftigen vorbeugenden Schutz gegen diese (minimale) Gefahr durch Kosmetika gibt es nicht, solange man auf die äußerliche Verschönerung nicht verzichten will. Keine Hilfe bietet die Deklarierung der Inhaltsstoffe bei der Frage, ob unerwünschte Verschmutzungen mit Pestiziden, Formaldehyd, Dioxin usw. in Kosmetika vorhanden sind. Hier ist der Verbraucher auf die Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen (oder z.B. vom Öko-Test-Magazin) angewiesen. Nachgewiesene Gesundheitsschädigungen durch Schadstoffspuren in Kosmetika sind allerdings in den letzten Jahren niemals dokumentiert worden. Die regelmäßigen Untersuchungen unabhängiger Institute schüren daher zuweilen ungerechtfertigte Ängste, stellen aber für Ärzte und Verbraucher oft die einzige Informationsquelle über Schadstoffbelastungen dar und üben eine wichtige Kontrollfunktion aus (weitere Informationen über Schadstoffbelastungen folgen im Abschnitt über "Naturkosmetik"). Kosmetika und Werbung Die Eigenschaften der meisten Kosmetika ähneln sich, denn jeder Hersteller weiß natürlich, worauf es bei der Komposition von Pflegeprodukten ankommt. Es gibt in der Kosmetik keine wirklichen Geheimnisse, da Neuentwicklungen sehr rasch von anderen Firmen kopiert werden. Neue Produktlinien, deren "revolutionäre Eigenschaften" in der Kosmetikwerbung herausgestellt werden, stammen nicht aus Forschungslabors sondern den Werbeabteilungen. Besonders beliebt bei Publikum und Werbung sind zur Zeit die Themen "Natur", "Ökologie" und "Faltenschutz". Das Werbunggetöse um eine neue Wundersubstanz hat ihr Ziel erreicht, wenn die skeptische Verbraucherin sich nur einmal sagt: "Vielleicht ist ja was dran?". Im Erzeugung von Propagandamythen ist die Kosmetikewerbung unübertroffen. Es gibt z.B. keinerlei Beweise, daß Umweltverschmutzung tatsächlich Falten erzeugt und die Haut rascher altern läßt, viele Menschen glauben aber aufgrund der Kosmetikwerbung inzwischen daran. Anzeigen suggerieren die phantastischsten Dinge: Junge Haut durch Elastin und Kollagen; vitalisierte Zellbildung in den Zellkernen durch Aminosäuren, Entgiftung der Haut durch Kräuter und Radikalenfänger; aktivierte Zellatmung und Schadstoffschutz durch Sauerstoff; Faltenglättung durch Fruchtsäurekosmetik, Hauternährung durch Pflegecremes usw. Natürlich sind die jeweils eigenen Vitamine, Proteine, Aminosäuren, Kräuter, Öle, Fruchtsäuren viel wirksamer als die der Konkurrenz. Um es ganz deutlich zu sagen: keine einzige der genannten Behauptungen ist belegbar. Wenn ein Pflegeprodukt tatsächlich irgendeine grundlegende Hautfunktion verbessern oder eine Störung heilen könnte, müßte es automatisch als Medikament verkauft werden. Werbebotschaften sind auch die Etiketten "ohne Tierversuche" und "auf natürlicher Basis". Kein Kosmetikum kann völlig auf Inhaltsstoffe verzichten, die auch an Tieren getestet wurden (siehe unten), und Naturstoffe garantieren keine gute Verträglichkeit. Eine "natürliche" Basis einer Creme sagt überhaupt nichts aus über die Qualität des Produkts. Auch gibt es keine "porentiefe" Reinigung. Aggressive Reinigungsmittel (z.B. auf Alkoholbasis) entfernen zwar mehr Fett von der Hautoberfläche, sie trocknen aber stärker aus und reizen die Haut vermehrt. Wer glaubt wirklich daran, daß Elisabeth Taylor, Steffi Graf oder Paloma Picasso irgendetwas von der Zusammensetzung von Kosmetika oder der Komposition von Parfums verstehen? Sie verkaufen ihren Namen und ihr Image für sehr viel Geld an die meistbietenden Kosmetikfirmen, ohne den geringsten Einfluß auf die Zusammensetzung "ihrer" Produkte. Ein weiterer durchsichtiger Werbegag ist die Behauptung: "dermatologisch getestet". Die Käuferin glaubt, quasi unter dem Schutz eines Hautarztes zu stehen. Jedes Kosmetikum wird in den Produktionslabors sorgfältig getestet, damit es die gesetzlichen Auflagen erfüllen kann. Zusätzliche hautärztliche Testungen erfolgen nahezu ausschließlich in den Labors der Herstellerfirmen. Die wenigen Untersuchungen durch unabhängige Dermatologen werden fast immer von der Industrie im Rahmen großer Werbekampagnen "gekauft". Eine Creme zur "Straffung der Brust" wird beispielsweise damit beworben, daß sie in einer Schweizer Hautklinik erfolgreich getestet wurde. Ich habe zur fraglichen Zeit in dieser Klinik gearbeitet und weiß, daß die "wissenschaftlich-dermatologische" Testung das finanzielle Privatvergügen einer dort angestellten Ärztin war. Negative Ergebnisse solcher Untersuchungen werden niemals veröffentlicht, da die finanzierenden Unternehmen sich die Verwertung (und damit das Verschweigen) der Ergebnisse immer vorbehalten. Grundsätze der Haut- und Gesichtsreinigung Das tägliche Reinigungsprogramm für die normale Haut ist einfach: morgens und abends waschen mit Wasser und einem milden Syndet (siehe unten). Reines Leitungswasser ohne Seife eignet sich durchaus zur Hautreinigung, wenn nur Staub und Schweiß entfernt werden müssen. Gesichtswasser aus der Sprühdose hat keine wesentlichen Vorteile gegenüber normalem Wasser. Zur Beseitigung von fettigem Großstadtschmutz und festhaftenden Kosmetika benötigen wir dagegen fettlösende Seifen oder alkalifreie Syndets (s.u.). Das Gesicht reinigen die meisten Frauen sinnvollerweise mit speziellen, auf den Hauttyp abgestimmten Seifen oder Reinigungslösungen: Entfettende Lösungen bei glänzender, zu Akne neigender Fetthaut; milde, rückfettende Seifen bei trockener und empfindlicher Haut. Reizbare Gesichthaut toleriert manchmal Einmalwaschlappen aus Papier oder ein japanisches Schwammtuch besser als Waschlappen aus Stoff. "Normale Haut" (siehe Kap.2) reinigt man am besten mit rückfettenden Seifenstücken oder Gesichtsschaum. Bei trockener Haut sind Reinigungsöl oder Reinigungsmilch empfehlenswert. Frauen mit "Mischhaut" können sich mit pH-neutralen Waschgels und Syndets reinigen; auch Pflegesets für normale Haut sind oft geeignet. Die trockeneren Jochbeine und Wangen benötigen dann häufigeres Nachcremen als die ölige Nasen- und Stirnpartie. "Unreine Haut" bildet leicht Mitesser ("Komedonen"). Bei Neigung zu Pickeln sollten die Kosmetika "nicht komedogen" sein. Unreine Haut benötigt intensive, fettlösende Reinigung morgens und abends. Zu stark entfettende Seifen und Alkohollösungen könnten allerdings auch diese Haut reizen; spezielle Rubbelseifen und safte Reinigungsgels sind zu bevorzugen. Eine Nachreinigung mit menthol- oder kampferhaltigen Gesichtswässern ist sinnvoll. Gelmasken können 2-3 mal wöchentlich verwendet werden. Hilfreich gegen überschüssiges Fett sind japanische Papierblättchen (aus der Drogerie) - sie saugen Fett und Schweiß auf, ohne das Make-up zu verwischen. Gegen frische Pickel helfen desinfizierende Abdeckstifte. Auch Gesichtsdampfbäder bieten einfache, billige und wirksame Hilfe bei Hautunreinheiten und fettiger Haut. Dampf weicht dicke Hornschichten auf, fördert die Durchblutung und öffnet verstopfte Poren. Die Durchführung ist einfach: Man kocht Wasser in einem Topf, nimmt ihn vom Herd und gibt einige Blätter eines Heilkrauts oder ein Kräuteröl hinein (Lindenblüten, Schafgarbe, Lavendel oder Eukalyptus). Dann beugt man das Gesicht über die aufsteigenden Dämpfe (Achtung: Heiß!) und legt ein großes Decken zeltförmig über Kopf und Topf. Nach ca. 10 Minuten Dampfbad können mit einem Lupenspiegel Mittesser und Pickel gesucht und ausgedrückt werden - aber nur mit papierumwickelten Fingern. Die richtige Technik ist wichtig, um unreife Pickel nicht zu reizen. Nicht kräftiges Herumquetschen, sondern nur sanftes Drücken ist erlaubt. Die richtige "Technik" kann bei jeder Kosmetikerin erlernt werden. Falsches Drücken kann sonst zu Entzündungen und Narben führen. "Trockene Haut" und "reife Haut" benötigen milde Reinigung mit rückfettende Syndets oder Reinigungsölen, danach eine fett- und feuchtigkeitsspendende Creme. Sehr fette Salben sollten allerdings eher gemieden werden. - lieber häufiger mit einer feuchtigkeitsspendenen Creme zwischenfetten. Ungeeignet für trockene Haut sind Gele, alkoholhaltiges Gesichtswasser und Milch/Lotionen. Auch kurze Wannenbäder mit Zusatz von Ölen oder Tote-Meer-Salz werden von vielen Menschen mit trockener Haut als wohltuend empfunden. Abschminkmittel und Reinigungslösungen nutzen Alkohol, um Fett, Schmutz und Talg von der Haut zu beseitigen. Wenn der Alkohol verdunstet, entsteht ein straffes und sauberes Hautgefühl. Manchmal werden Kampher und Menthol zugesetzt, um dieses Gefühl zu verstärken. Solche Reinigungslösungen können trockene Haut deutlich reizen und sind daher bei trockener und empfindlicher Haut nicht empfehlenswert. Neben der täglichen Grundreinigung ist bei keinem Hauttyp eine zusätzliche Reinigung erforderlich. Peeling-Masken ("Schälung") in größeren Abständen können die Haut allerdings vorübergehend leicht glätten. Durch Beimischen von Salicylsäure, Fruchtsäuren und anderen Chemikalien in niedrigen Konzentrationen entstehen leichte Hautschäl-Effekte auch bei Kosmetika. Der Peelingeffekt wirkt verstärkt bei Rubbelcremes und Reinigungsmasken. Rasch sichtbar ist die Wirkung des Peeling allerdings nur bei hochkonzentriertem medizinischen Peeling und manchen Aknecremes. Tägliches Peeling wäre sicher zuviel des Guten - nur stark verhornende, fettige Haut verträgt 3-4 mal pro Woche das chemische "Schmirgeln". Peelingartige Reinigungsprodukte auf natürlicher Basis (Mandelkleie, Hafer u.a.) werden von vielen Frauen als sehr angenehm empfunden - vorsichtig sollten allerdings Frauen damit walten lassen, die an einer Pollenallergie gegen Gräser, Getreide oder Nüsse leiden. Der Erfindungsreichtum der kosmetischen Industrie zeigt sich in den Entwicklungen immer neuer Reinigungssubstanzen. Reinigungswasser reinigt fettfrei. Es ist geeignet für Gesicht und Augen bei fettiger Haut. Reinigungsmilch ist etwas fetthaltiger, und damit vor allem für trockenere Haut empfohlen. Reinigungscremes entfernen auch stark deckendes Makeup von sehr trockener Haut. Oft muß mit Seife nachgewaschen werden. Fettfreies, stark wasserhaltige Reinigungsgel eignet sich für junge, ölige Haut. Keines dieser Produkte ist unentbehrlich, denn eine gezielte Reinigung mit hautfreundlichen Syndets ist genauso wirksam. Jede Reinigungsmaßnahme sollte durch ausgiebiges Abspülen mit klarem Wasser beendet werden. Tenside und Seifenreste können sich sonst lange auf der Haut festsetzten und zu chronischen Reizungen führen. Hinter einer "Seifenallergie" steckt häufig nur eine solche chronische Hautreizung durch Seifenreste. Wasser sollte nicht einfach auf der Haut lufttrocknen. Das entzieht der Haut zusätzliche Feuchtigkeit und trocknet aus. Entweder sollte in die feuchte Haut eine Pflegecreme einmassiert oder das Wasser abgetupft werden. Weder beim Reinigen noch beim Eincremen sollte man die Haut zu sehr zerren, da dies die elastischen Fasern im Lauf der Jahre sehr strapaziert. Leichtes Einstreichen oder sogar Einklopfen der gewohnten Feuchtigkeitscreme in die noch feuchte Haut regt die Durchblutung an, fördert den Lymphfluß; der Teint wirkt frischer und rosiger. Gesichtspflege mit Fruchtsäure-Kosmetik Seit 20 Jahren nutzen Ärzte Fruchtsäuren (= AHA = AlphaHydroxyAcids)) aus Äpfeln und Zitronen, aber auch Glykol-, Wein- und Milchsäure in höheren Konzentrationen zum medizinischen Peeling (näheres siehe Kap. 6). Fruchtsäuren lösen den Zellkitt der Hornschicht, bewirken eine verstärkte Abschuppung und machen so die Haut glatter und feinporiger. Seit einigen Jahren gibt es fruchtsäurehaltige Produkte auch für den Hausgebrauch als Kosmetika. Sie dürfen in Deutschland maximal 10% Fruchtsäuren enthalten, da sonst die Gefahr von starken Hautreizungen v.a. bei unvorsichtigem Gebrauch zu groß wäre. Diese Konzentration ist jedoch zu gering, um den von der Werbung behaupteten, hautglättenden Effekt zu erzielen. Außer einem leichten Kribbeln und Prickeln darf die Verbraucherin keine Effekte erwarten, welche über die von Feuchtigkeitcremes hinausgingen. Ein Versuch lohnt sich nur bei Cremes, die 8-10 % Fruchtsäuren enthalten. Sollte die Haut unter der Anwendung austrocknen, kann zusätzlich eine Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden. Eine deutliche Hautreizung sollte Anlaß sein, die AHA-Creme weniger häufig zu benutzen. Für ein intensiveres Peeling mit höheren AHA-Konzentrationen sollte man sich an den Hautarzt oder die Kosmetikerin wenden (siehe Kap.6). Entfernung von Make-up Pflegeprodukte für die Haut können ihre Wirkung nur nach gründlicher Entfernung von Make-up-Rückständen entfalten. Auch wachsen Bakterien leichter auf Resten von Schmutz, Schweiß und Kosmetika. Aber nicht nur vernachlässigte Reinigung, sondern auch zuviel Sauberkeit kann der Haut schaden. Wenn die Haut schrundig "geschrubbt" wird, können Bakterien leichter eindringen. Rückfettende Seifen zum Entfernen von Makeup auf trockener Haut sind empfehlenswerter als Reinigungslösungen, da sie weniger reizen. Wenn häufig und intensiv Make-Up benutzt wird, können die Hautporen "verstopfen", Pickel und Akne sind die Folge. Zur Entfernung dicker Schminke hat sich folgendes Vorgehen bewährt: 1) Mit einer starken Reinigungsseife oder Milch erfolgt eine grobe Vorreinigung 2) Anschließend Schminkreste mit einem milden Reiniger oder einer milden Seife entfernen 3) Zum Schluß nach Bedarf vorsichtige Endreinigung mit einer Reinigungslösung, nach einigen Minuten Pflegecreme auftragen. . Seifen und Syndets Die meisten Menschen arbeiten heute in sogenannten "weißen" Berufen. Kaum jemand macht sich wirklich noch "die Finger schmutzig". Falls keine besonders schweißtreibende oder schmutzige Tätigkeit ausgeübt wird, genügt zur Hautreinigung am Körper eigentlich klares Wasser, da viele Schmutzstoffe wasserlöslich sind. Für die tägliche Seifenwäsche der "schwitzigen" Körperteile sollte eine möglichst milde Seife (z.B. eine Babyseife) benutzt werden. Viele Menschen haben allerdings ein stärkeres Reinigungsbedürfnis - oft aus Angst vor Körpergeruch oder übertriebener Krankheitsfurcht. Im tropischen Urlaub, bei schwerer körperlicher Tätigkeit oder im Krankenhaus ist eine ausgeprägte Körperhygiene und Hautwäsche zur Krankheitsvorbeugung natürlich unverzichtbar. Seife wird aus tierischen oder pflanzlichen Fetten durch Kochen mit Laugen hergestellt. Sie sind mehr oder weniger stark alkalisch (pH 8) und laugen daher den sogenannten "Säureschutzmantel" der Haut aus (der pH-Wert, mit dem auch in der Kosmetikwerbung gearbeitet wird, ist ein Ausdruck aus der Chemie für den Säuregrad einer Substanz). Der Säureschutzmantel besteht aus zahlreichen Fett- und Milchsäuren, welche die Haut selbst produziert. Dadurch ist die Haut leicht "sauer" ( pH Wert 5 - 5,5) und vor Krankheitskeimen geschützt. Durch häufigeres Seifenwaschen wird die Erholungsfähigkeit der Haut überfordert und die saure Schutzschicht nach der Reinigung nur noch unvollständig wiederhergestellt - die Haut wird trocken, schuppt und spannt. Letztlich kann sogar ein sogenanntes Seifenekzem entstehen. Sehr viele Handekzeme entstehen durch zu häufige Seifenwäschen, weshalb der Rat des Hautarztes bei Ekzemen häufig lautet: "Weniger waschen". Viel wichtiger als wohlduftende Pflanzenzusätze sind für die Qualität einer Seife die Substanzen, die den gestörten Fettfilm der Haut erneuern. Solche rückfettenden chemischen Stoffe sind im allgemeinen gut verträglich. Sie heißen z.B. Cetyl-Alkohol, Isopropylmyristat, Isopropylpalmitat, Lanolin (Wollwachs) oder Octyldodecanol. Zahlreiche andere Stoffe werden der Seife zugefügt, damit sie schöner aussieht, besser riecht und stärker schäumt: Aufheller, Farbstoffe, Antiseptika uvm. Schaum wird oft fälschlich mit Hautfreundlichkeit verwechselt. Tatsächlich bedeutet viel Schaum aber nur, daß sich reichlich hautauslaugende, fettlösende "Tenside" in dem Produkt befinden. Ca. 1 % der Seife sind Parfümstoffe, bei Luxusseifen sogar bis 4%. Deo-Wirkstoffe in der Seife sind aus medizinischer Sicht überflüssig, da nur unter den Achselnhöhlen, an den Füßen und den Genitalien unangenehmer Schweißgeruch entstehen kann. Deoseifen stören nicht nur die unangenehmen Bakterien dort am Wachstum, sondern auch die natürlichen, unentbehrlichen Hautkeime der übrigen Körper- und Gesichtshaut. Viele Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf den Verkauf von Flüssigseifen (auch Syndets genannt). Wer auf Seifen empfindlich reagiert, findet vor allem in Syndets mit einem pH von 5,5 tatsächlich eine gute Alternative. Der Säureschutzmantel bleibt besser erhalten als bei Seifen, die Hornschicht quillt weniger stark. Aber auch Flüssigseifen haben Nachteile. Bei häufiger Anwendung können sie einer trockenen Haut tiefergreifend Fett entziehen und damit noch stärker austrocknen als Seife. Syndets benötigen darüberhinaus mehr Konservierungsstoffe als Seifen, die Allergisierungsgefahr ist daher größer. Viele Seifenhersteller werben übrigens mit dem Etikettaufdruck "pH-neutral" und suggerieren damit, daß sich ihr Produkt gegenüber der Haut neutral verhält. "pH-neutral" ist in Wirklichkeit oft nur ein verbrauchertäuschender Werbetrick und bedeutet in manchem Fall, daß die Seife einen pH von 7,0 besitzt (chemischer Neutral-Wert) - weit über dem Haut pH von 5,5. Reinigung mit Badeölen, Reinigungsölen Schonender und damit besser geeignet als Seifenwäsche ist für die empfindliche und trockene Haut die Reinigung mit Badeölen oder speziellen Reinigungsölen. Empfindliche Kinderhaut von gesunden Kindern, von neurodermitiskranken Kindern, aber auch von Erwachsenen mit sensibler Haut wird bei dieser Reinigungsart geschont und gleichzeitig gepflegt. Gehen Sie folgendermaßen vor: Haut anfeuchten (z.B. kurz duschen), ganze Haut mit Öl einreiben, danach warm abduschen. Beim Abtrocknen nicht rubbeln, sondern nur "tupfen" - beim Rubbeln wird der schützende Ölfilm auf der Haut beseitigt, beim Tupfen bleibt er erhalten. Wenn die Haut sich danach weich und geschmeidig anfühlt, benötigen Sie keine weitere Pflege mehr. Wußten Sie übrigens, daß der deutsche Kaiser Wilhelm I noch im 19. Jahrhundert im Berliner Stadtschloß kein brauchbares Badezimmer besaß? Das heiße Wasser für sein Samstagbad ließ er sich im Holzzuber aus dem "Hotel de Rome" herbeiholen. Napolen lebte fast 100 Jahre früher; er badete auf seinen Feldzügen täglich in einer Lederwanne - und gerade das galt merkwürdigerweise als Ausdruck proletarischer Gesinnung und Zeichen niederer Herkunft. Duschen und Wannenbäder Haben Sie auch schon einmal von den berühmten Milchbädern der Cleopatra gehört? Zur Zeit der Römer wurde viel gebadet. Bädern aus Stuten- und Eselsmilch, aus Kräutern und Fleischbrühe sagte man heilkräftige Wirkungen nach. Allerdings wußten die Römer auch, daß die Haut nach dem Bade gepflegt werden muß: Einsalbungen und Ölungen durch Sklavenhand waren selbstverständlicher Teil der Badeprozedur. Wir sollten uns an dieses Vorbild halten. Waschgele und Badesalz laugen die Haut genauso aus wie Seife. Duschen laugt insgesamt weniger aus als Baden, da der Wasserkontakt kürzer dauert und weniger aufweicht. Auch Wasser- und Energieverbrauch sind beim Duschen geringer. Berge von Badeschaum deuten auf reichlich entfettende Inhaltsstoffe hin und schaden damit der Haut. Mehr als zweimal pro Woche sollten Sie nicht ins Vollbad steigen, und dann nur ca. 20 Minuten lang und nicht zu heiß. Menschen mit trockener Haut oder Ekzemen und ältere Menschen sollten Badefreuden noch stärker abkürzen. Ein gewisser Schutz kann durch Ölzusätze im Badewasser erreicht werden, die sich beim Aussteigen als Film über die Haut legen. Kräuterzusätze im Badewasser können durchaus eine heilsame medizinische Wirkung entfalten: durch ihren Duft, durch Einatmen bestimmter Inhaltsstoffe, und direkt über die Haut. 2-in-1-Duschseifen Wenn Sie sich das Eincremen der Haut nach Dusche oder Bad sparen wollen, bieten sich sogenannte 2-in-1-Duschbäder an. Tatsächlich reinigen diese Syndets die Haut zufriedenstellend und enthalten zusätzlich eine rückfettende Pflegekomponente. Nur bei sehr trockener Haut ist trotzdem ein Nachcremen notwendig. Ihre Schaumbildung ist allerdings schlechter als die von normalen Duschbädern - der Verbraucher neigt daher dazu, zuviel zu verwenden. Spezielle 2-in-1-Produkte für Kinder sind überflüssig, da kein wesentlicher Unterschied zu den Produkten für Erwachsene besteht. Feuchtigkeitscremes, Tagescremes 90% aller Frauen benutzen zumindest eine pflegende Tagescreme. Aussehen und Jugendfrische der Haut hängen entscheidend von ihrem Feuchtigkeitsgehalt ab: Spannkraft, Geschmeidigkeit und Elastizität sind bei praller, "feuchter" Haut höher. Feuchtigkeit bedeutet natürlich nicht, daß die Haut quasi "schwitzt". Es geht dabei um die Menge Wasser, die in der Hornschicht und der Haut gebunden ist. Ein Erwachsener hat etwa 10 Liter Wasser in seiner Haut gespeichert. Trockene Haut entsteht, wenn die oberste Hornzellschicht (Stratum corneum) Wasser verliert. Trockene Heizungsluft, ausgedehnte Sonnenbäder und die trockene Höhenluft im Gebirge oder im Flugzeug entziehen der Haut Feuchtigkeit, der Fett/Feuchtigkeitsschutzmantel leidet. Auch im Alter wird die Haut trockener, und damit schuppiger und faltiger. Eine wichtige Maßnahme dagegen ist - trinken. Tatsächlich wird Ihnen jedes Mannequin bestätigen, daß der reichliche Konsum von Mineralwasser ein Geheimnis von frischer, faltenfreier Haut ist. Die Industrie hat zahlreiche Feuchtigkeitscremes im Angebot, die das Austrocknen der Haut angeblich aufhalten oder umkehren können. Feuchtigkeitscremes wirken auf zweierlei Weise: sie verzögern oder verhindern Wasserverlust, darüberhinaus können einige von ihnen Wasser in der Hornzellschicht binden. Pures Wasser auf der Haut hilft selbst wenig - es verdunstet sofort und trocknet damit eher zusätzlich aus. Besonders hoch ist der Wassergehalt von sogenannter "Feuchtigkeitslotion" oder "Feuchtigkeitsmilch" - sie sind bei trockener Haut nicht empfehlenswert, ihre Feuchtigkeitswirkung ist gering. Trotzdem werden sie am meisten als Tagespflege verkauft - sie ziehen schneller ein und sind unmittelbar angenehmer in der Anwendung. Feuchtigkeitscremes für die Nacht enthalten mehr Fettbestandteile. Vielen Frauen sind diese etwas schmierigeren Pflegemittel unangenehm. Die speziellen Cremes für die Augenlider unterscheiden sich nur dadurch, daß irritierende und reizende Bestandteile der Tageslotion weggelassen werden, um das Auge zu schonen. In jeder Drogerie finden sie all diese Produkte für jeden Hauttyp. Feuchtigkeitscremes für Körper und Hände enthalten meist mehr Fett und ziehen daher langsamer in die Haut ein. Für trockene Körperhaut bieten sich als Alternative sogenannte Lipo-Lotiones an. Sie enthalten tropfenförmiges Fett, welches in einer angenehmen Milch aufgelöst ist und schnell einzieht. Wenn Ihre Haut nach dem Waschen trotz Pflege spannt, versuchen Sie einmal folgenden Tricks: 1) massieren Sie Ihre Pflegecreme in die noch feuchte Haut ein, oder feuchten Sie das Gesicht vor der Pflege an 2) tragen Sie vor der Creme ein Gel oder Serum auf; oft zieht die Creme dann besser ein. Auch ein medizinisches Öl als Pflege für sehr trockene Haut (Neurodermitis) sollte bei feuchter Haut eingerieben werden - die entstehende Emulsion zieht besser ein und klebt nicht. Der zweite Weg zu einer feuchteren Hautoberfläche besteht darin, Wasser aus der Luft oder aus tieferen Gewebeschichten in die Hornhaut zu ziehen und dort zu binden. Diese chemischen Feuchigkeitskomponenten sind in allen Pflegecremes vorhanden. Tatsächlich gibt es einige Substanzen, die in die Haut eindringen und dort bis zu 12 Stunden lang Wasser festhalten: z.B. Harnstoff (Urea), Aloe vera, Milchsäure (Lactic acid, Sodium lactate), Glycerin, Gelatine, Hyaluronsäure und Propylenglykol. Ein neuer Ansatz zur Hautpflege besteht darin, Hautlipide zu stabilisieren und zu ersetzen. Hautlipide sind spezielle Hautfette, welche bei der Regulierung der Wasserverteilung in der Haut eine große Rolle zu spielen scheinen. Vielen Feuchtigkeitsmitteln werden Vitamine, Pflanzenauszüge, Proteine und Lipide zugesetzt. Wissenschaftlich ist nicht erwiesen, ob diese Zusätze tatsächlich verschönernd wirken - in der praktischen Anwendung werden sie aber sehr oft als angenehm empfunden. Neuerdings wird häufig mit dem Zusatz von Liposomen geworben. Liposomen sind mikroskopisch kleine "Kapseln", die tiefer in die Haut eindringen und ihren Wirkstoff dort über viele Stunden langsam abgeben sollen. Ob Liposomen oder ähnlich aufgebaute Mikrokapseln tatsächlich die Erwartungen im kosmetischen Bereich erfüllen, ist bisher nicht eindeutig gesichert. Besonders beliebt ist zur Zeit der Zusatz von Vitamin E, C, und Betacarotin in Tagescremes. Es gibt ernsthafte Hinweise, daß diese Vitamine innerlich gegen schädliche "freie Radikale" wirksam vorbeugen. "Freie Radikale" sind schädliche Sauerstoffverbindungen, die u.a. Krebs und viele Alterungsprozesse verursachen sollen. Der Nutzen äußerlicher Anwendung ist aber mehr als fraglich - und rechtfertig keine überhöhten Preise für entsprechende Kosmetika. Es ist auch eine Frage von Geduld und Glück, die individuell passende Pflegecreme zu finden. Für die eine Frau ist es eine teure Luxuslotion, für die andere eine preisgünstige Allzweckcreme. Der Preis sagt dabei nichts über die Qualität. Reine Geldverschwendung ist auch das verschwenderisch dicke Auftragen von Pflegecreme: viel hilft hier nicht viel. Ein kleiner Test zeigt, ob zu viel verwendet wurde: wenn etwa 5 Minuten nach dem Eincremen ein Kleenex-Tuch auf die Haut gepreßt wird, sollten nur noch sehr geringe Spuren der Creme auf dem Tuch zu sehen sein. Die Meinung der Hautärzte über den Zusatz von Lichtschutzsubstanzen bei Tagescremes geht auseinander - einerseits ist ein positiver Effekt unbestreitbar, da die Sonnenalterung verlangsamt wird. Andererseits können Lichtschutzsubstanzen zu Allergien und Akne führen. Wenn Sie eher zu den Sonnenanbetern zählen, können Sie sich lichtschutzhaltige Tagescremes eher sparen, da ihr Effekt gegenüber Sonnenbädern zu vernachlässigen ist. Sinnlos und abzulehnen ist der Lichtschutzzusatz bei Nachtcremes. Oft ist der Lichtschutzzusatz in der Creme nur an dem Namenszusatz "schützend" erkennbar. Mein Rat: nur solche Tagescremes erwerben, die eindeutig über die Stärke des vorhandenen Lichtschutzes informieren. Falls der faltenverhütende Effekt der Lichtschutzmittel gewünscht wird, sollte auf einen hohen Lichtschutzfaktor (mehr als 10) geachtet werden. Der feuchtigkeitsspendende Effekt fast aller Tagescremes ist - laut unabhängigen Untersuchungen - erstaunlich gut. Schwerwiegende Nebenwirkungen müssen auch bei regelmäßiger Anwendung nicht befürchtet werden. Entscheidend für die Qualität einer Pflegecreme ist vor allem ihre Grundlage, während Collagen, Vitamine oder andere Zusätze kaum messbare Auswirkungen zeigen. In vielen Untersuchungen wurde nachgewiesen, daß der Preis einer Pflegecreme keinen Rückschluß auf die Qualität zuläßt - preiswerte Feuchtigkeitscremes können genausogut pflegen wie sehr teure. Prinzipiell erfüllen nahezu sämtliche Produkte hohe kosmetische Standards. Aus ärztlicher Sicht ist keinem eindeutig der Vorzug zu geben - die Anpassung an den individuellen Hauttyp sollte im Vordergrund stehen. Alle Cremes sollten nur auf die gereinigte Haut aufgetragen werden - Schmutz und Fett könnten die Wirkung der Creme sonst aufheben. Dies gilt allerdings nicht für Menschen mit Hautkrankheiten: bei ihnen kann es notwendig sein, eine gewisse Zeit auf jede Hautwäsche zu verzichten und Heil- oder Pflegecremes auf die ungereinigte Haut aufzutragen. Viele Grundierungen und Makeups passen nur zu glatter Haut - auf schuppender Haut wirken sie nicht. Bei Hauttrockenheit sollten Sie daher weniger Make-up um Augen, Mund und Falten auftragen. Besser wirken hier getönte Fluids und lichtreflektierende Abdeckcremes. Trocken Haut entwickelt übrigens nicht mehr Falten als fettige Haut. Fettige Haut sieht zwar vorübergehend glatter aus, die Zahl ihrer tiefen Altersfalten ist jedoch gleich hoch. Sonnenschutzmittel Intensive Aufklärungskampagnen über die langfristigen Gefahren der Sonnenstrahlen haben zu stark steigendem Verbrauch von Sonnenschutzmitteln geführt. Sonnenschutzmittel dienen zuerst dem Schutz der Haut vor schädigenden UV-Strahlen, und erst in zweiter Linie der Schönheit. Sie fördern - entgegen einem häufigen Trugschluß - nicht etwa eine raschere Bräunung, sondern ermöglichen im besten Fall ein langsames und vernünftiges Braunwerden. In Deutschland haben Sie die Auswahl unter ca. 600 verschiedenen Sonnenschutzmitteln. Immer mehr Kosmetikfirmen fügen darüberhinaus ihren Antifalten-Cremes oder Tagescremes ein Sonnenschutzmittel bei. In über 400 kosmetischen Produkten finden sich Lichtschutzsubstanzen, häufig leider undeklariert. Sonnenschutzmittel sind die einzigen Substanzen, welche die Hautalterung nachweislich verlangsamen können. Wir sollten uns freuen, daß sie uns heute in gut verträglicher und großer Auswahl zur Verfügung stehen. Die Schutzwirkung von Sonnenschutzmitteln wird durch den Lichtschutzfaktor (LSF) ausgedrückt. Der Lichtschutzfaktor bezieht sich meist auf die Schutzwirkung gegenüber UV-B-Strahlen, die den Sonnenbrand verursachen. Der Schutz gegen UV-A-Strahlen ist technologisch schwieriger zu erzielen, aber genauso wünschenswert. Über die Wirkung des LSF gibt es oft falsche Vorstellungen. Theoretisch soll es ein Sonnenschutzmitteln mit dem LSF 4 ermöglichen, 4 mal länger in der Sonne zu liegen, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Im Untersuchungslabor mag das auch stimmen. In der Praxis ist das aber aus vielen Gründen falsch: Meist werden Sonnenschutzmittel nämlich zu dünn aufgetragen, oder nach dem Baden oder Schwitzen nicht erneuert, oder durch Kleidung abgerieben. Lichtschutzfaktoren höher als ca. 20 sind sinnlos. Sie sind technische schlecht objektivierbar und schützen nicht mehr, sondern eben nur länger (quasi in die Nacht hinein?!). Vor allem am Anfang des Urlaubs sollte man möglichst hohe Lichtschutzfaktoren verwenden Später sind geringere Schutzwerte sinnvoll, damit die Haut den natürlichen Bräunungsschutz entwickeln kann. Besonders wichtig sind Lichtschutzstoffe in Lippenstiften, da an den Lippen sehr hohe UV-Dosen auftreffen und an der Unterlippe daher häufig Hautkrebs beobachtet wird. Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen eindeutig das Krebsrisiko des Kindes, später einmal Hautkrebs zu bekommen. Wenn immer möglich, sollten Sie sich auch durch Kleidung, Hüte, Aufenthalt im Schatten usw. vor der Sonne schützen (siehe Kap.8). Am angenehmsten in der Anwendung ist die Zubereitung als "Sonnenmilch", da sich die Milch leicht verteilen läßt und gut einzieht. Die Haut ist danach nur wenig fett. Hohe Lichtschutzfaktoren sind möglich. Sonnenschutzcremes enthalten etwas mehr Fett, sind etwa schwieriger zu verteilen und vor allem für Gesicht, Hände und Hals geeignet. Sonnenöle sind sehr beliebt, da leicht zu verteilen. Die Haut glänzt schön, hat aber wenig Schutz, da höchstens LSF 3 oder 4 eingearbeitet werden kann. Ihr Vorteil: sie enthalten keine Konservierungstoffe. Damit Sonnenschutzcremes ihre Wirkung entfalten können, muß die Anwendung stimmen. Ca. 30 Minuten vor dem Sonnenbad und nach jedem längeren Wasserplanschen sollten Sie die gesamte Haut großzügig eincremen. Ein häufiger Fehler besteht darin, zu selten und zu dünn einzucremen. Sonnenschutzmittel können Allergien auslösen und sind häufig für die sogannte "Sonnenallergie" verantwortlich. Wenn Sie unter Sonnenallergie leiden, sollte ein Allergologe Ihre Sonnenschutzmittel und Kosmetika austesten, um eine Allergie dagegen auszuschließen. Die Testung von lichtverursachten Allergien ist kompliziert und aufwendig - Sie können davon ausgehen, daß lediglich engagierte Allergologen zu diesen Testungen in der Lage sind. Wurde mit Hilfe des sogenannten Photopatchtests eine allergische Reaktion auf eine Lichtschutzsubstanz bei Ihnen festgestellt, so kann der Facharzt anhand einem speziellen Nachschlagewerk ("Göttinger Liste") ein geeignetes Alternativpräparat heraussuchen. Sonnenbrände fördern oder beschleunigen übrigens in keiner Weise das Bräunen. Dieser gefährliche Irrglaube kommt dadurch zustande, daß ein leichter Sonnenbrand sich schon nach wenigen Stunden in der Sonne als Rötung bemerkbar macht - die Bräunung dann aber erst nach dem Abklingen des Sonnenbrandes sichtbar wird. Dauerhaft und gefahrlos schneller braun wird derjenige, der nur die verträgliche UV-Dosis tankt. Vorbräuner - "Pre Tans" Es scheint das Traumprodukt für Sonnenanbeter zu sein: bei Anwendung von Vorbräunern soll die Bräunung schneller und problemloser eintreten. "Vorbräuer" sollen angeblich wirken wie "Selbstbräuner" - nur von innen. Die wichtigsten Wirkstoffe von Vorbräunern sind Aminosäuren (v.a. Tyrosin, Phenylalanin). Angeblich wandern sie durch die Haut bis zur Basalzellschicht und füllen dort sollen die Tyrosinvorräte der Melanozyten auf. Damit stände dieser Bräunungsrohstoff in ausreichender Menge zur schnelleren Bräune zur Verfügung. Eine brilliante Idee - die leider in der Praxis nicht funktioniert. Von der Anwendung von Vorbräunern ist daher abzuraten. After-Sun Pflege Wenn man der Werbung von Kosmetikfirmen glaubt, ist die Haut nach einem Sonnenbad so "strapaziert", daß sie durch Pflege mit speziellen After-Sun-Produkten besänftigt werden muß. Wahr ist, daß durch Baden, Schwitzen und Wind die Haut am Strand austrocknet und Pflege benötigt. After-Sun-Lotionen enthalten viel Wasser oder sogar Alkohl - sie kühlen die erhitzte Haut und fühlen sich deutlich erfrischend an. Nachteil der Cremes: beide trocknen aus, Alkohol kann reizen und brennt auf der Haut. Viele andere Wirkstoffe werden noch dazugemischt: Aloe vera, Allantoin, Panthenol... Ob sie -wie versprochen- tatsächlich die Haut glätten, regenerieren und entzündungshemmend wirken - das wurde bisher nie einwandfrei bewiesen. Falls Sie zu eher trockener Haut neigen, sollten Sie eine fetthaltige After-Sun-Creme bevorzugen. Sicher ist, daß durch After-Sun-Produkte die schädliche Wirkung von zuviel Sonne niemals aufgehoben oder ausgeglichen werden kann. Übrigens: wie bei allen Kosmetika ist die Preisspanne vergleichbarer Produkte enorm: zwischen DM 5.- und 50.- können Sie für 100 ml ausgeben. Preisvergleiche lohnen also - oder Sie verzichten ganz darauf und nutzen stattdessen eine normale Feuchtigkeitsmilch. Bräunen im Sonnenstudio Die zahlreichen Warnungen von Hautärzten vor den Schäden zu reichlichen Sonnenbadens tragen Früchte. Die Zahl der Patienten mit Sonnenbrand scheint zurückzugehen. Häufig werden wir von Patientinnen gefragt, ob Bräunen auf der Sonnenbank eigentlich noch zu verantworten sei. Viele Sonnenstudios haben die Gefahr für ihr Geschäft durch das höhere Gesundheitsbewußtsein ihrer Kundschaft bemerkt. Sie werben (außer mit der Bräunungsmöglichkeit) auch mit den gesundheitlichen Wirkungen von Sonnenbädern: das Wohlbefinden steige, Kreislauf, Knochen, Immunabwehr und Zähne sollen vom Sonnenbaden profitieren...Was halten Ärzte von Sonnenstudios? Gesundheitliche Vorteile durch Solarienbesuche gehören fast vollständig ins Reich der Fabeln. Für die ausreichende Neubildung von Vitamin D benötigen Sie kein Solarium - gelegentliche Spaziergänge in frischer Luft und eine ausgeglichene Ernährung reichen aus, um vor Vitamin D Mangel geschützt zu sein. Die meisten Hautärzte haben keine Bedenken gegen gelegentliche Sonnenbäder im Solarium -solange langsam gebräunt wird und keine Rötung der Haut und kein Sonnenbrand entsteht. Gelegentlich wird von Hautärzten vorsichtiges Bräunen in den medizinischen UV-Kabinen oder im Sonnenstudio sogar empfohlen: zur Vorbeugung von Neurodermitis oder Sonnenallergie, zur Behandlung von Schuppenflechte und anderen Hautkrankheiten. Besser wirksam bei solchen medizinischen Problemen sind allerdings die UV-Strahler in den Hautarztpraxen. Auf keinen Fall ins Solarium gehören Kinder, da ihr Immunsystem und ihrer Hautzellen noch nicht ausgereift sind. Sehr hellhäutige Menschen und Menschen mit Pigmentstörungen ("Vitiligo") sollten vor jeder UV-Bestrahlung mit Ihrem Hautarzt sprechen. Andere Dermatologen sind strikt gegen die künstliche Solariumsonne. Sie argumentieren, daß die Harmlosigkeit der Solarien letztlich noch nicht bewiesen wurde. Zwar ist die Gefahr akuter Sonnenbrände in modernen Sonnenstudios geringer geworden, seit die älteren UVB-Strahler gegen fast reine UVA-Lampen getauscht wurden. "Leider" entsteht die ersehnte Bräunung unter UVA-Strahlern erheblich langsamer; die Gefahr chronischer Hautschäden und beschleunigter Hautalterung durch tief eindringende UVA-Wellen aber steigt. Ich rate eher zu kombinierten UVA/UVB-Strahlern: bei ihnen ist die Gefahr ungesunder Dauerbestrahlung geringer. Sie müssen persönlich entscheiden, ob Sie ein - wenn auch geringes - Risiko für einen braunen Teint tragen wollen. Gut beführte Sonnenstudios wechseln die Röhren der Bestrahlungslampen regelmäßig, da sich sonst die Menge der abgegebenen UV-Strahlen unkontrollierbar verändert. Qualitätskontrollen von offizieller Seite existieren bisher nicht. Als Benutzer sollten Sie auf die Qualität der Beratung, auf Sauberkeit und Hygiene achten. Beim ersten Besuch muß zumindest nach Ihrem Hauttyp, Ihrer Vorbräunung und nach der Einnahme von Medikamenten gefragt werden - die Bestrahlungsdauer richtet sich danach. Geeignete Schutzbrillen müssen vorhanden sein. Abzulehnen sind Münzstudios, da hier oft Hygiene und Beratung zu kurz kommen. In gut geführten Sonnenstudios hängen gut sichtbar folgende Empfehlungen der Strahlenschutzkommission aus: * Bei Hautkrankheiten vor Bestrahlungen den Arzt fragen * Nicht bestrahlen bei krankhafter Reaktion infolge von Sonneneinwirkung * Sofort zum Arzt gehen, wenn sich nach der Bestrahlung Entzündungen oder Blasen bilden * Kinder gehören keinesfalls ins Solarium * Geeignete Schutzbrillen tragen * Alle Kosmetika möglichst einige Stunden vor der Bestrahlung entfernen * Vorsicht mit UV-Strahlen nach Einnahme von Medikamenten. Sie können die Lichtempfindlichkeit erhöhen * Sonnenbäder in der Natursonne am gleichen Tag sollten unterbleiben Bräunungscremes, Selbstbräuner Bräunungscremes färben die oberen Hornschichten der Haut braun. Ihr wesentlicher Wirkstoff ist das Dihydroxyaceton (DHA) in Konzentrationen von 2-5 %. DHE ist ein künstlicher Zucker, der mit Eiweiß der obersten Hautzellen chemisch reagiert und die braun färbt. Selbstbräuner bieten keinerlei Sonnenschutz und haben außer dem Schönheitseffekt keine andere positive Wirkung, es sei denn, Sie benutzen einen Selbstbräuner mit eingearbeitetem Sonnenschutzmittel. Bräunungscremes sollten schnell, gleichmäßig und dünn auf die gereinigte Haut aufgetragen werden. Damit keine Streifen oder unregelmäßig Braunfärbungen entstehen, empfielt sich mehrfache, dünne Bräunung. Ideal ist ein leichtes Peeling vor der Anwendung. Waschen Sie danach die Hände, damit die Handinnenflächen nicht unnatürlich braun anfärben. Verhornte und behaarte Körperstellen benötigen weniger Creme. Auch Nach 2-3 Stunden sehen Sie die erste Wirkung, nach 4-6 Stunden ist die Bräunung abgeschlossen. Nach 3-5 Tagen schilfern die gebräunten Hautschichten ab, die Haut verblaßt wieder. Die Prozedur sollte jetzt wiederholt werden. Die Tönung wird bei hellem Teint meist zarter als bei dunklerem Hauttyp. Je dicker die Hornschicht, umso besser die Bräunung (Füsse, Knie und Ellbogen daher besonders dünn eincremen). Ein auffälliger Gelbton droht vor allem Frauen mit sehr dünner, blasser oder schlecht durchbluteter Haut. Manche Frauen benötigen mehrere Anwendungen, bevor ein Effekt sichtbar wird - andere reagieren überhaupt nicht. Da DHE die Haut austrocknet, sollte man nach dem Einziehen des Selbstbräuners die normale Tagescreme auftragen. Riecht eine Bräunungscreme sehr stechend, sollte man sie nicht mehr verwenden. Frisches DHE färbt Kleidung - vor allem Vorsicht bei Seide und Wolle. Zur Nachbräunung nach dem Urlaub ist Selbstbräunung weniger geeignet: die rascher schuppende Sonnenhaut färbt sich meist fleckig. Bräunungspillen enthalten Beta-Carotin und führen meist zu einem eher orangebraunen oder gelb-braunen, unnatürlichen Farbton. Sie sind ungefährlich, überzeugen aber kosmetisch kaum. Bleichcremes Bleichcremes werden zur Entfernung von Altersflecken und zur Behandlung bestimmter Hautkrankheiten vom Hautarzt verordnet. Die besten Bleichcremes enthalten ca. 2% Hydrochinon, 0,5% Hydrokortison und ca. 0,1% Retinoid. Über die Anwendung wird im Kap. 6 berichtet. Ein naturheilkundlicher Geheimtip gegen harmlose braune Hautflecken ist regelmäßiges äußerliches Auftupfen Zitronensaft. Manchmal kann Zitronensaft die Haut allerdings genau wie die chemischen Bleichmittel deutlich reizen. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Bleichwirkung dieser Südfrucht gibt es allerdings nicht. Deodorantien Jedes Lebewesen besitzt einen individuell typischen, eigenen Geruch. Im Tierreich dient dieser Geruch der Partnerwahl, der Kommunikation, der Reviermarkierung, der Erkennung von Freund und Feind usw. Beim Mensch hat der Körpergeruch einen Großteil seiner wichtigen sozialen Signalfunktion verloren. Trotz aller Mühen wird es uns aber niemals gelingen, uns in ganz "geruchslose" Wesen zu verwandeln. Intensiver, unangenehmer Körpergeruch entsteht durch das Zusammentreffen von Schweiß und Bakterien. Schweiß allein ist geruchtslos. Wir besitzen allerdings auch richtige "Duftdrüsen" vor allem unter den Achseln und im Genitalbereich. Deodorants enthalten verschiedene chemische Substanzklassen, um Körpergeruch zu vermindern. Künstliche Duftstoffe überdecken den Eigengeruch, Antibiotika und Desinfektionsmittel in Deodorantien reduzieren die Menge der Bakterien auf der Haut, andere Inhaltsstoffe binden Geruch. Deos mit starkem "Eigengeruch" sind nicht wirksamer als dezente Deos. Deos sind übrigens auch kein Ersatz für die Hautwäsche - Schmutz und alter Schweiß riechen trotz Deo durch. Falls Sie stärker schwitzen, sollten Sie als erste Maßnahme den Konsum von Kaffee, Tee,Alkohol und scharfen Gewürzen vemindern, Übergewicht abbauen und Ihre Hygienegewohnheiten selbstkritisch überdenken. Zusätzlich wird vor allem in medizinischen "Antitranspirantien" fast immer Aluminium in Pulverform beigesetzt. Aluminium "verstopft" die Schweißdrüsen und vermindert so bei regelmäßiger Anwendung die Schweißmenge. Der Effekt des Metalls auf die Drüsen ist allerdings begrenzt, die Drüsen erholen sich rasch nach Beendigung der Anwendung. Andere Wirkstoffe besitzen stark adstringierende (d.h. zusammenziehende) Effekte auf die Drüsengänge. Die Schweißabgabe kann in den behandelten Arealen um mehr als 50% sinken. Dieser deutliche Eingriff in die natürliche Hautfunktion kann zu juckenden Hautveränderungen führen - eine langdauernde Behandlung muß sorgfältig gegen die Nebenwirkungsrisiken abgewogen werden. Deos sollten nicht auf gereizte, frisch rasierte oder aufgeweichte Haut aufgetragen werden. Als weiteres Mittel stehen Ihrem Arzt intern wirksame schweißhemmende Medikamente zur Verfügung. Wegen zwar ungefährlichen, aber unangenehmen Nebenwirkungen wird Ihnen diese Behandlung nur bei sehr ausgeprägtem, krankhaftem Schwitzen vorgeschlagen werden. Leider kommen häufig Menschen in die Praxis des Hautarztes, deren Haut überempfindlich oder sogar allergisch auf Deodorantien reagiert. Nach Anwendung des Deos entwickelt sich bei ihnen ein juckender, röter Ausschlag (meist unter den Achselhöhlen). Experimentierfreudige Menschen mit Deo-Allergie, die wegen starken Schwitzens eine Behandlung benötigen, können ein altes Hausrezept erproben: aufgepuderte Maisstärke oder Backsoda (Natron, Natriumbicarbonat) unter den Achseln stoppt Schweiß. Auch Salbeitee vermindert - bei regelmäßigem Konsum - die Schweißbildung. Übermäßiger Fußschweiß fördert Warzen, Ekzeme und Pilze und sollte daher auch bekämpft werden. Schwitzen der Füße wird gefördert durch zu enge Schuhe und synthetische Schuhmaterialien. Tragen Sie nur Strümpfe mit hohem Baumwollanteil und luftige Schuhe. Typischerweise leiden viele Jugendliche unter Fußschweiß, die den ganzen Tag in Turnschuhen aus Plastik herumlaufen. Hilfreich sind Fußbäder mit Zusatz von Gerbstoff aus Eichenrinde, Puder für Strümpfe und Schuhe - und die ganze Palette der schon vorgestellten schweißhemmenden Verfahren. Vor allem die Reizstrombehandlung (Iontophorese) hat sich sehr bewährt. Lippenstifte Lippenstifte bestehen im wesentlichen aus Wachs und Öl sowie zahlreichen Zusatzstoffen für Farbe, Geschmack, Geruch und Konsistenz. Allein in Deutschland werden jährlich Stifte für über 300 Millionen DM verkauft. Je fetter ein Stift, desto besser sind Schutz und Pflege - und umso leichter verschmiert die Farbe. Vor Verschmieren schützt, die Lippen vorher mit einem Konturstift einzurahmen oder leicht einzupudern. Gesunde Lippenhaut benötigt nur unter besonderen klimatischen Bedingungen Schutz und Pflege: in praller Sonne, bei trockener Raumluft oder großer Kälte. Rauhe Lippen verführen dazu, das unangenehme Spannen durch Lecken und Anfeuchten kurzfristig zu lindern. Langfristig trocknet diese Angewohnheit noch zusätzlich aus. Besser ist regelmäßiges Einfetten mit einem farblosen Lippenfettstift. Bei vielen neuen, lang und gut haftenden, farbigen Lippenstiften fehlt diese pflegende Komponente. Falls Sie sehr empfindliche Lippen haben, sollten Sie einige Minuten vor Auftragen des Lippenstifts die Lippen mit einer Fettcreme pflegen. Immer mehr Stiften wird ein Lichtschutzfaktor zugesetzt - eine sinnvolle Maßnahme. da dem häufigen lichtbedingten Lippenkrebs älterer Menschen vorgebeugt wird. Ein gewisser Schutz gegen Lippenherpes und rauhe Lippen wird ebenfalls erreicht. Benutzen Sie nicht den Lippenstift Ihrer besten Freundin, wenn diese unter Herpes leidet - er könnt ansteckend sein. Paradoxerweise kann Lippenstiftfarbe oder Sonnenschutzmittel auch zu Allergien und Lichtempfindlichkeit führen - daran denken bei juckenden und geröteten Lippen. Manche Naturkosmetik-Anbieter verzichten ganz auf den Zusatz von Erdölprodukten oder schwermetallhaltiger Farbpigmente - durchaus mit gesundheitlichen Vorteilen für die Verbraucherin. Erdölprodukte im Lippenstift können zu leichter Verdickung der Lippenhaut führen - die Lippen fühlen sich trocken an und spannen. Durch Beimischung anderer pflegender Öle kann dieser Effekt allerdings überdeckt werden. Auch aus einem anderen Grund sollten synthetische Mineralöle nicht mehr in Lippenstiften verarbeitet werden: aus Tierversuchen ist bekannt, daß sie sich wie kristalline Wachse in den Lympfknoten und der Leber anreichern können. Die gesundheitliche Bedeutung dieses Vorgangs ist noch unklar - vorsichtshalber haben neben den ausgewiesenen Öko-Produzenten auch große Kosmetikhersteller (Fa. Beiersdorf) Mineralöle inzwischen aus Lippenstiften verbannt. Hoffentlich ziehen die restlichen Hersteller ebenfalls mit. Grundierungen, Rouge, Puder Es gab Zeiten, in denen helle Grundierungen wichtigste Kosmetika waren. Strahlend weiße "Elfenbeinhaut" war Zeichen höchster Schönheit und aristokratischer Abstammung. Der Zauberstoff vornehmer Blässe war in der Renaissance das äußerst giftige Bleiweiß. Aus Italien kam die teuerste Mischung mit dem höchsten Bleianteil - Hautgeschwüre und Zahnausfall waren unvermeidliche Folgen bei längerer Anwendung. Elisabeth I von England (1533-1603) wurde als fanatische Bleiweißanhängerin sogar "Elfenbeinweltregentin" genannt. Knötchen und Risse der Haut zwangen sie zu immer dickerem Auftrag ihrer tödlichen Grundierung. Ihr Gesicht zerfiel - und sie ließ sämtliche Spiegel aus dem Palast entfernen, um sich den gräßlichen Anblick zu ersparen. Ähnliches müssen Sie heute glücklicherweise nicht mehr befürchten. Medizinisch sind Grundierungen, Rouge usw. heute nur insofern interessant, da sie zu akneähnlichen Veränderungen führen können. Von vielen Medikamenten, Chemikalien und ölhaltigen Kosmetika ist bekannt, daß sie Akne fördern - man nennt diese unterwünschte Eigenschaft "komedogen". Ölhaltige Makeups, aber auch Kakaobutter sind "komedogen". Wenn Sie also unter Akne leiden, verwenden Sie am besten ölfreie, "nichtkomedogene" Produkte. Sie erkennen sie an ihrem "matten", glanzfreien Aussehen. Glänzende, fetthaltige Grundierungen sollten von Frauen mit trockener Haut als Feuchtigkeitsspender verwendet werden. Lidschatten Die Haut der Augenlider ist der empfindlichste Teil der Körperhaut. Sie ist dünn, leicht reizbar und ständig Wind und Schmutz ausgesetzt. Kosmetikhersteller haben sich darauf eingestellt und setzen den Lidschatten problematische und allergisierende Inhaltstoffe fast nicht mehr zu. Mascara - Allergien sind extrem selten - können das Auge aber bei ungenauem Auftragen sehr stark reizen. Modernes Augenmakeup ist insgesamt sehr gut verträglich - lediglich beim Tragen von Kontaktlinsen kann es gelegentlich zu Problemen kommen. Duftstoffe und Parfums Ohne natürliche und künstliche Duftstoffe ist Kosmetik kaum vorstellbar. Duftstoffe wenden wir an in reiner Form als Parfum, vor allem aber auch versteckt als Inhaltstoff in nahezu jedem Hautpflegeprodukt. Leider zählen diese Sinnesschmeichler zu den problematischsten Chemikalien: sie verursachen häufig Allergien, Reizungen oder Lichtunverträglichkeiten. Die Stärke der Hautreaktion auf Duftstoffe ist aber vergleichsweise mild. Lediglich die sogenannte "Berloque-Dermatitis" ist eine Ausnahme: nach Auftragen bestimmter Parfums, Rasierwasser o.ä ist die Haut sehr lichtempfindlich. Selbst wenige Sonnenstrahlen verursachen eine leichte Entzündung an all den Hautstellen, die mit den Duftstoffen in Kontakt kamen. Nach Abheilung dieser Entzündung bleiben für Monate streifen- und zungenförmige bräunliche Flecken zurück. Bei Duftstoffallergie müssen Sie nicht auf alle Duftwässer verzichten: tragen Sie Ihr Parfüm nicht direkt auf die Haut von Gesicht und Hals auf. Tupfen oder sprühen Sie es auf die Kleidung. Seifen und Körpercremes sollten dagegen duftstofffrei sein. Heilsalben aus der Drogerie Im Alltag verletzen wir unsere Haut sehr oft unabsichtlich. Harmlose kleine Stöße, Schnitte und Abschürfungen werden wahrscheinlich auch von Ihnen mit frei verkäuflichen Heilsalben aus der Drogerie oder Apotheke versorgt. Antibiotikahaltige Salben verhindern und beseitigen Bakterien, welche von außen in eine Wunde eingedrungen sind. Der wichtigste Inhaltsstoff ist Neomycin; dieses Antibiotikum wird auch von der Penicillinallergikerin vertragen. Quecksilberhaltige Lösungen werden kaum noch verkauft, während Jod noch in vielen desinfizierenden Mitteln enthalten ist. Welche davon sind hilfreich, welche sollten Sie meiden? Niemals sollten Sie Desinfektionsmittel zur Wohnungsreinigung für die Hautdesinfektion benutzen. Fast jeder Hautarzt weiß von Fällen zu berichten, wo Hausfrauen (und Männer) aus Furcht vor Infektionen leichte Hautrötungen mit starken Desinfektionsmitteln traktierten. Die Folge ist immer eine schlimme Verschlechterung der gequälten Haut. Viele Wundsalben enthalten Panthenol als empfehlenswerten, heilenden Wirkstoff. "Brandsalben" sollte es dagegen überhaupt nicht mehr geben: größere Brandwunden dürfen nie mit Brandsalben zugekleister werden, ohne daß ein Arzt sie beurteilt hat (das wichtigste Heilmedikament bei Verbrennungen ist reichlich kaltes Wasser). Schmerz- und juckreizlindernde Salben für Haut und Schleimhäute enthalten nicht selten örtliche Betäubungsmittel. Sie erkennen diese Wirksubstanzen an der Namensendung "-cain" (z.B. Benzocain). Verwenden Sie solche Salben möglichst nur nach Rücksprache mit dem Arzt - zu häufig entwickeln dagegen sich bei längerdauernder Anwendung Allergien. Gegen Juckreiz sollten Sie alternativ sogenannte Antihistaminika, Menthol, Campher oder leichte Kortisoncremes auftragen, gegen Schmerzen helfen Rheumasalben (z.B. Diclofenacgel). Trotz der Wirksamkeit all dieser Produkte sollte man den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen, einen Arzt aufzusuchen. Auch frei verkäufliche Salben und Medikamente können schwere Nebenwirkungen auslösen. Falls Sie jemals eine unangenehme Nebenwirkung irgendeiner Creme aus Ihrer Hausapotheke bemerken, zeigen Sie die Tube Ihrem Allergologen. Vielleicht hat sich im Lauf der Jahre eine Allergie dagegen entwickelt. Naturkosmetik - natürliche Hautpflege Naturkosmetik gab es schon in der Antike. In Mykene, Kreta, Griechenland und Ägypten ließen sich Adelige mehrfach täglich von Sklaven mit kaltgepreßtem Olivenöl einreiben. Der römische Dichter Ovid beschrieb vor 2000 Jahren zahlreiche Rezepte für die Herstellung von Salben und Gesichtscremes: aus Mehl, Eiern, Hülsenfrüchten und gemahlenem Hirschgeweih, Harz, Narzissenzwiebeln, Honig, Öl und Gummi, Brotteig und Eselsmilch... Heute bevorzugt jede zweite Frau Kosmetika, die nur natürliche Wirkstoffe enthalten - gerne greifen sie zu Produkten, die mit Begriffen wie "Bio", "Naturkosmetik" usw. beworben werden. In den 80iger Jahren stellten zahlreiche - meist kleine - Firmen Naturkosmetik-Produkte her. Der Umsatz "grüner" Kosmetik liegt aber allein in Deutschland bei mehreren Hundert Millionen Mark und steigt steil an. Die Verbindung von Natur und Medizin gilt daher in der Werbebranche als wichtigstes Konzept der 90iger Jahre. Alle Kosmetikkonzerne gründen Bio-Ableger mit Spezialserien, selbst eine große Drogeriekette verkauft eine eigene Natur-Kosmetik. Fast geraten die wenigen Firmen schon ins Abseits, die seit Jahrzehnten gesundheitliche Aspekte ihrer Pflegeserien ganz in den Vordergrund stellten. Leider gibt es bisher keine einheitliche Regelung, was unter Naturkosmetik verkauft werden darf. Bisher gibt es für die Verbraucherin keinerlei zuverlässige Richtlinien. Die Verbraucherzentralen fordern, daß 1)Naturkosmetik nur aus natürlichen Rohstoffen bestehen dürfe 2)keine mineralischen Fette (Paraffinöle) enthalten sollten 3)keine synthetischen Konservierungsmittel, Farb- oder Duftstoffe verarbeitet sein dürfen 4)die Inhaltstoffe voll deklariert sein und in 5)umweltverträgliche Produktion und Verpackung garantiert sein müssen. Viele Kosmetikhersteller haben sich im "Bundesverband Naturkost Naturwaren Hersteller" (kurz: BNN-Hersteller) zusammengeschlossen. Sie haben sich 1994 klare Richtlinien gegeben, zu denen die Verpflichtung zur Deklaration aller Inhaltsstoffe und die ausschließliche Verarbeitung von Pflanzenextrakten, natürlichen Ölen und anderen Naturstoffen zählt. In diesem Verband sind bisher allerdings nicht alle Hersteller von Naturkosmetik organisiert. Die Firma Weleda, die seit Jahrzehnten zu den Vorreitern chemiearmer Kosmetik zählt, hält sich beispielsweise an firmeneigene Standards. Ein "offizieller" Entwurf der Bundesregierung darüber, was unter Naturkosmetik zu verstehen sei, wird seit 1993 bei der EU überarbeitet. Aufgrund einiger verbraucherfreundlicher Gerichtsurteile sind die Hersteller aber schon heute gezwungen, die Art der Inhaltstoffe dem "natürlichen" Etikett anzupassen. Naturkosmetik darf beispielsweise nicht mehr mit Formaldehyd konserviert werden. Künstliche Farbstoffe sollten in Naturkosmetik nicht mehr enthalten sein. Zwei Aspekte müssen bei Naturkosmetik unterschieden werden: "Naturkosmetik" kann z.B. bedeuten, daß Pflanzenfarben statt Chemiefarben bei der Produktion verwendet werden; die Verbraucherin darf daneben bei "Biokosmetik" aber auch erwarten, daß der Gehalt an unerwünschten Schadstoffspuren möglichst gering ist. Den oft höheren Aufwand bei der Herstellung lassen sich die meisten Kosmetikfirmen schließlich teuer vergüten. Viele dekorative Kosmetikprodukte lassen sich übrigens überhaupt nicht auf natürlicher Basis herstellen: natürliche Farbstoffe sind wenig beständig und färben nicht so intensiv wie künstliche Farbe. Lohnt es sich überhaupt, für natürliche Inhaltsstoffe mehr zu bezahlen? Auch hier kann man keine generelle Antwort geben: gute Hautpflege ist sowohl mit chemischen Grundstoffen als auch natürlichen Salbengrundlagen möglich. Der Glaube an die "gute" Natur und die "schlechte" Chemie ist naiv: eine gute "synthetische" Kosmetik ist sicherlich gesundheitlich einer schlampig gemixten oder bakteriell verunreinigten "Naturkosmetik" vozuziehen. Ob pflanzliche Öle und konservierungsstoffreie Cremes tatsächlich für die Haut immer besser verträglich sind, ist in keiner Weise bewiesen. Die heilkräftigen Wirkungen von Pflanzensäften sind zwar seit langem erwiesen. In Aloe vera sind vier verschiedene entzündungshemmende und feuchtigkeitsspendende Stoffe nachgewiesen worden. Auch die heilenden und pflegenden Wirkungen von Arnica, Hammamelis und andere Heilpflanzen sind bewiesen. Die Konzentrationen dieser Stoffe in Kosmetika sind jedoch viel zu gering, um tatsächlich heilend zu wirken. Kosmetikartikel auf pflanzlicher und tierischer Basis können genauso Allergien und Ekzeme auslösen, wie chemische Salbengrundlagen: z.B. Wollfett, Geraniol (aus Geraniumöl), Perubalsam (aus tropischen Bäumen) oder Eugenol (Nelkenöl), ja sogar Arnika, Schafgarbe, Ringelblume, Hamamelis oder Rosmarin. Anhänger strengsten Tierschutzes sollten beachten, daß auch in Naturkosmetik oft Tierbestandteile verarbeitet werden (z.b. Hyaluronsäure, Serum, Albumin, Milzextrakt, Thymus, Protein, Kollagen, Placenta, Wollfett, Molke, Honig...). Für strenge Öko-Puristen gibt es allerdings Alternativen (z.B. als Seifenersatz "Lava"-Erde (= Wascherde). Aus Sicherheitsgründen wollen die meisten Kosmetikhersteller auch in Zukunft nicht auf Konservierungsmittel verzichten. Der Zusatz von Alkohol, Jojobaöl, Vitamin E oder ätherischen Ölen kann die Keimarmut und Haltbarkeit konservierungsfreier Produkte etwas verbessern. Es ist aber wenig sinnvoll, mit komplizierten Mischungstricks das publikumswirksame Kriterium "konservierungsmittelfrei" zu erlangen. Natürliche Kosmetik ohne Konservierungsstoffe sollte kühl aufbewahrt und relativ rasch verbraucht werden, da sie meist schneller verdirbt als "normale" Creme. Auch bei der Handhabung sollten Sie besonders vorsichtig sein: niemals mit den Fingern an die Tubenöffnung oder in die Cremedosis langen. Inhalt stattdessen mit Spatel entnehmen oder abtropfen lassen. Bevorzugen Sie Naturkosmetik, deren Zusammensetzung auf der Packung voll deklariert ist Wie zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre erwiesen haben, kann die Käuferin leider nicht davon ausgehen, daß "Naturkosmetik" in jedem Fall weniger Schadstoffe als normale Kosmetik enthält. Es wird für die Hersteller immer schwerer, schadstofffreie Rohstoffe zu finden. Große Vorteile haben hier Hersteller (wie Weleda), welche schon seit Jahrzehnten Plantagen mit Pflanzen aus kontrolliertem Anbau besitzen und fördern. Ein großes Problem bleibt das Wollwachs ("Lanolin"): es wird aus Schafwolle gewonnen und dient als natürliche Grundlage vieler Naturcremes (und normaler Kosmetik). Schafe werden jedoch vor dem Scheren durch ein Pestizidbad geschickt - und diese Chemikalien tauchen daher regelmäßig in den Kosmetika wieder auf. Manche Hersteller bevorzugen daher inzwischen "naturstoffnahe", d.h. synthetisch hergestellte Rohstoffe. Vergessen Sie allerdings bei allen Sensationsberichten über Schadstoffe in Lebensmitteln oder Kosmetika niemals den Unterschied zwischen "Gefährlichkeit" und "Risiko": Pestizide sind prinzipiell "gefährliche, giftige" Stoffe. Trotzdem besteht ein gesundheitliche "Risiko" durch die geringen Pestizidspuren in Kosmetika praktisch niemals. Falls Sie also einmal vom Hautarzt wegen unklarer Hautprobleme nach Pflege- und Heilcremes gefragt werden: vergessen Sie nicht, auch Ihre "Naturpflegecremes" im Badezimmerschrank zu erwähnen. Trotzdem dürfen Sie die natürliche Wirkung von Pflanzen sorglos erproben. Sie sollten damit nur genauso verfahren wie mit allen Heil- und Pflegemitteln: Anwendung so sparsam wie möglich; sofort damit aufhören, wenn die Hautprobleme schlimmer werden. Achten Sie darauf, daß auch bei Naturkosmetik die Inhaltsstoffe vollständig auf dem Etikett deklariert sind. Nur so können Sie überprüfen, ob unerwünschte Chemikalien verarbeitet wurden. Viele alte Hausrezepte können Ihnen bei kleineren Problemen den Gang zum Hautarzt ersparen: feuchte Wickel und kühle Bäder lindern den Juckreiz von Insektenstichen und leichten Ekzemen. Bäder aus roher oder kurz gekochter Haferkleie lösen Schuppen und pflegen die Haut. Auch Backnatron in kühlem Wasser wird bei mancherlei Hautproblemen angenehm empfunden. Völlig falsch wäre es dagegen, Brandwunden mit rohem Ei oder Butter behandeln zu wollen. Die erste und wichtigste Behandlung sofort nach der Verbrennung: langes (!) Kühlen und Waschen mit kaltem Leitungswasser. Exotische Kosmetik Avocado, Jojoba, Aloe vera, Banane, Ananas, Luffa-Gurken, Gingko bilboa, Süßholz, Macadamianüsse, Teebaum und andere exotische Pflanzen werden zunehmend als natürliche Lieferanten von hautpflegenden Ölen und Extrakten entdeckt. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Pflegeeigenschaften dieser Produkte existieren in den wenigsten Fällen. Die meisten Hersteller berufen sich auf alte Erfahrungen der Volksmedizin, um ihre positiven Eigenschaften für die Haut zu belegen. Nicht selten werden die - in der Werbung groß herausgestellten Pflanzenextrakte - nur in Spurenmengen einem normalen Pflegeprodukt beigefügt. Bei allen exotischen Pflanzen besteht eine gewisse Allergisierungsgefahr - Menschen mit Latexallergien sollten besonders vorsichtig sein. Eine medizinische Bewertung dieser Produktserien fällt schwer. Ob tropische Pflanzen die Haut tatsächlich besser erfrischen als eine Gurkenauflage oder eine Honig-Ei-Maske, sei dahingestellt. Hauternährung von außen Leider verspricht die Kosmetikindustrie eindeutig zu viel, wenn sie in der Werbung eine Hauternährung von außen propagiert. Weder Collagen, noch Liposomen oder Vitamine in Kosmetika dienen tatsächlich der Ernährung derjenigen Hautzellen, die sich ständig teilen und die Haut erneuern. Zwar sind irreführende Versprechungen nach § 27 des "Kosmetik"gesetzes (LMBG) verboten - die Werbeversprechen sind jedoch so geschickt formuliert, daß diese Bestimmungen nicht greifen. Die Haut kann durch viele Schichten von Feuchtigkeitsgel, Pflegecreme, Makeup, Puder, Rouge usw. auch "überfüttert" werden. Makeup sollte nur aus Pflegegrundlage und Grundierung bestehen - zuschmieren der Poren rächt sich mit der Zeit. Die Ernährung der Haut mit Sauerstoff, Nährstoffen, Einweiß, Vitaminen usw. erfolgt über die Blutgefäße von innen. Die wichtigen "Hautstraffer" Collagen und Elastin sind auch viel zu groß, um von außen tief in die Haut eindringen zu können. Allerdings werden Sie feststellen, daß Ihre Haut nach Auftragen von Nährkosmetik für einige Stunden frischer und straffer aussieht. Das liegt daran, daß diese Substanzen Wasser in der Haut binden. Am tiefsten dringen Liposomen in die Haut ein - ihr kurzfristiger Effekt ist daher auch am besten. Wenn tatsächlich eine Mehrversorgung der Haut mit Vitaminen und Mineralstoffen notwendig erscheint, so sollte dies über die Ernährung versucht werden. Ampullen zur Hautpflege enthalten Wirkstoffe in höheren Konzentrationen als Cremes. Sie werden zur "Kur"behandlung propagiert, z.B. bei Cellulite, nach dem Sport oder Sonnenbaden. Ampullen enthalten keine Konservierungstoffe und müssen rasch verbraucht werden. Aus ärztlicher Sicht machen Kuren mit äußerlich anwendbaren Ampullen keinen Sinn, denn die Pflege und Ernährung ist nicht ausgeprägter als bei Cremes. Wenn Sie sich nach einer Anwendungsserie eindeutig wohler fühlen, möchte ich Ihnen den Spaß an dieser Schönheitsspielerei aber nicht verderben. Das gleiche gilt für "Hautserum" - diese leicht gelartigen Flüssigkeiten sollen die Haut widerstandfester machen. Bei öliger Haut genügt die Pflege mit dem sehr wasserhaltigen Serum, bei trockener Haut sollten Sie darüber noch eine Pflegecreme auftragen. Haltbarkeit von Kosmetika Leider können Sie von der Verpackung von Kosmetika fast nie ablesen, wie lange sie noch haltbar sind. Auch Verkäuferinnen im Fachhandel werden Ihnen diese Frage kaum beantworten können, obwohl dies anhand der aufgedruckten Chargennummer auf der Packung eigentlich möglich ist. Nur wenn die Mindesthaltbarkeit des unbenutzten Produktes unter 30 Monaten liegt, muß dies auf der Verpackung vermerkt sein. Eine angebrochene Packung kann dagegen schon nach 3 Monaten ranzig werden und der Haut schaden. Sie selbst können verdorbene Kosmetika an äußerlichen Eigenschaften erkennen: Trennung von wässrigen und fetten Anteilen bei Cremes, ranziger Geruch von Lippenstiften, Verfärbungen... Falls Sie das Produkt neu gekauft haben, können Sie es selbstverständlich zurückgeben und frischen Ersatz verlangen. Hitze, Pilze und Bakterien schaden der angebrochenen Kosmetik am meisten. An heißen Tagen sollten Sie ihre angebrochenen Kosmetika besser im Kühlschrank aufbewahren. Nach der Öffnung bieten auch Konservierungsmittel keinen sicheren Schutz vor Bakterien und Pilzen - bei jeder Berührung mit den Fingern können Keime in die Tuben und Tigel gelangen. Vor dem Schminken also besser die Hände waschen, Creme mit Spatel aus dem Töpfchen entnehmen und anschließend wieder fest verschließen. Augencremes halten so 1-2 Jahre, wenn Sie kleinere Mengen für den täglichen Verbrauch aus der Vorratspackung mit Spatel in gleinere Döschen umfüllen. Verschlüsse immer sehr sauber und verschlossen halten: Luftsauerstoff zersetzt mit der Zeit jede Creme. Aus der folgenden Auflistung können sie die ungefähre Haltbarkeit verschiedener Kosmetika nach der Öffnung ablesen: Parfüm: 1 Jahr ( falls gut gelagert auch länger). Mascara und flüssige Eyeliner: 3-6 Monate (werden klumpig) Selbstbräuner: 3 Monate (zuckerartiger Bräunungsstoff zersetzt sich) Nagellack: mindestens 1 Jahr (nicht mit Nagellackentferner verdünnen) Reinigungsmilch: 1 Jahr Grundierung: 1-2 Jahre Gesichts-, Körpercremes: 2-3 Jahre (je fettiger, umso länger) Haut- und Badeöle: 2-3 Jahre Gele: ca 3 Jahre Makeup-Stifte, Puder: viele Jahre Deostifte/Roller: viele Jahre Kosmetika und Tierversuche Sie kennen sicherlich die grausamen Bildern von Kaninchen in Drahtgittern mit roten Augen von Kosmetikatests. Viele Menschen sind gegen Tierversuche, weil sie ähnliche Bilder von entzündeten Kaninchenohren, sezierten Katzen und gefesselten Hunden verständlicherweise schockierend fanden. Diese Bilder zeichnen jedoch ein falsches, stark übertriebenes Bild. In den letzten Jahren ist die Zahl der Tierversuche in der kosmetischen Industrie stark zurückgegangen. Tierversuche sind nur noch zulässig - und gesetztlich vorerst weiter vorgeschrieben, um die Verträglichkeit neuer Kosmetiksubstanzen zu erproben. Außer in solchen Sicherheitstests dürfen Kosmetika in Deutschland nicht an Tieren getestet werden. Leider lassen sich viele Eigenschaften von Kosmetika und Medikamenten nach Meinung der meisten Wissenschaftler bisher nur am lebenden Wesen, nicht aber im Laboratorium untersuchen. Viele kosmetische und pflegende Cremes können beispielsweise zu akneähnlichen Veränderungen an der Gesichtshaut führen; man nennt diese unerwünschte Eigenschaft "komedogen". Damit Hersteller ihre akneempfindlichen Käuferinnen vorwarnen und auf "nichtkomedogene" Produkte verweisen können, sind Tierversuche notwendig. Dabei wird einem Kaninchen die Creme aufs Ohr geschmiert, denn Kaninchenohren ähneln unserer Gesichtshaut. Wenn sich am Kaninchenohr keine Akne ausbildet, passiert es wahrscheinlich auch nicht in Ihrem Gesicht. Dieser Versuch ist in Deutschland allerdings inzwischen verboten. Auch sind Tierversuche verboten, die nur der Entwickluung von "dekorativer" Kosmetik dienen. Experten streiten sich darüber, ob das Verbot solcher Tierversuche den Verbraucherschutz erschwert oder nicht. Alternative Versuchsverfahren werden von Tierschutzverbänden propagiert, von vielen Wissenschaftlern aber bisher als unzureichend abgelehnt. Einige Verfahren sind bis zur Praxisreife entwickelt, bisher vom Gesetzgeber aber noch nicht anerkannt. Eine Alternative zu Tierversuchen ist das Austesten von Kosmetika an gut aufgeklärten, freiwilligen Versuchspersonen (für solche Experimente wird dem Forscher allerdings häufig die Zustimmung aus ethischen Gründen verweigert). Tierschutzverbände fordern daher, sich für die Zukunft mit den bereits (im Tierversuch) getesteten Inhaltsstoffen zufriedenzugeben und die Neuentwicklung von Kosmetika einzustellen. Bei Beratungen auf EG-Ebene zeigen sich in dieser Fragei allerdings immer wieder massive Differenzen zwischen Tierschutzverbänden und dem Verbraucherschutzrat. Zahlreiche deutsche Hersteller bieten inzwischen "tierversuchsfreie" Kosmetika an - indem sie nur bewährte, ältere Inhaltsstoffe verwenden. Andere Hersteller führen die vorgeschriebenen Tests weiter durch, auch um sich vor späteren Schadensersatzansprüchen der Verbraucher zu schützen. Den Herstellern von Kosmetika bleiben eigentlich nur 3 Möglichkeiten - und werden auch weidlich genutzt: 1) sie verzichtet auf die Entwicklung neuer Substanzen 2) lagen die Tierversuche mit den Inhaltsstoffen vor 1979, so darf der Hersteller auf der Packung behaupten: "ohne Tierversuche" 3) die Forschung, Entwicklung und Produktion wird in ein anderes Land (v.a. USA, Japan) verlegt, die fertigen Kosmetika werden importiert. Mit keiner dieser Varianten ist der Verbraucherin wirklich gedient. Da ab 1998 europaweit Tierversuche für Kosmetika verboten sind, werden bis dann hoffentlich vernünftige alternative Testweisen anwendungsreif sein. "Ohne Tierversuche" bedeutet bei vielen Herstellern, daß die Inhaltsstoffe seit 5 Jahren nicht mehr am Tier getestet wurde. Wenn Tierschutz Ihnen allerdings besonders am Herzen liegt, gibt es für Sie nur einen Weg: besorgen Sie sich die "Kosmetik-Positivliste" des Deutschen Tierschutzbundes (Adresse im Anhang). Die darin genannten Hersteller verwenden nur Inhaltsstoffe, die seit 1979 nicht mehr am Tier getestet wurden. Dies ist die weltweit strengste tierfreundliche Auswahl. Do it yourself-Kosmetika Büchern über "Kosmetik zum Selbermachen" war in den letzten 10 Jahren ein ungewöhnlicher Erfolg beschieden. Gefördert wurde dieser Trend durch populäre Fernsehsendungen und den Trend zur Naturkosmetik. Läden mit Einzelsubstanzen für die Heimwerkerproduktion boomen. Ein Trotz zu Anfang für die große Mehrzahl der Frauen, die keine Zeit und Lust für diese Mühen haben: selbstproduzierte Kosmetika bieten gegenüber einer vernünftigen Pflege aus der Retorte keinen überragenden Vorteil für die Haut. Die wesentlichen Vorzüge der selbsthergestellten Hautpflegemittel sind: - Allergiker stellen gezielt ihr individuell verträgliches Produkt zusammen - auf künstliche Konservierungsmittel, Feuchthaltemittel, Farbstoffe usw. kann verzichtet werden - ohne daß mühsam ein Etikett entziffert werden muß - die ärgerlichen Werbe- und Verpackungsorgien der Kosmetikindustrie werden umgangen, Gläser und Flaschen lassen sich wiederverwenden - auf den Hauttyp abgestimmt, läßt sich die individuelle Pflegeserie komponieren. - die Eigenprodukte sind oft billiger als Pflegeprodukte bekannter Hersteller - Tierversuchsgegner wissen genau, daß ihre Pflegeserie ohne neue Tierversuche auskommt. Einige gravierende Nachteile müssen allerdings in Kauf genommen werden: - die Herstellung erfordert Zeit und Geduld. Alle 8 Tage sollten die Kosmetika neu gemixt werden - Rohstoffe müssen in speziellen Geschäften oder im Versandhandel erworben werden - die Haltbarkeit ist häufig eingeschränkt; die Produkte müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden und müssen häufig nach 1-2 Wochen erneut hergestellt werden - bei versehentlichen Überdosierungen einzelner Bestandteile kann die ganze Rezeptur "brechen", d.h. die Creme bröselt oder scheidet Wasser aus - nicht selbst herstellen sollten Sie Sonnenschutzmittel, Antischuppenshampoon, und Pflegemittel mit langer Haltbarkeitsdauer. Der Umgang mit den winzigen Mengen an Sonnenschutzfaktor, Konservierungsmitteln, Teer usw. ist in der eigenen Küche zu problematisch. - konzentrierte Aromaöle (z.B. Rosmarinöl) können bei unvorsichtigem Hantieren Augen und Haut sehr stark reizen. Falls Sie heimwerkern wollen: besorgen Sie sich eine gute Anleitung im Buchladen und halten Sie sich genau an die vorgeschriebenen Herstellungsschritte. Gute Rezepte enthalten wenige Zutaten - je mehr Zutaten, umso höher das (geringe) Allergierisiko. Improvisationen lohnen sich nicht und können sogar gefährlich sein. Vorsicht vor "Allergie-Tests" im Do-it-yourself Verfahren, wie sie in manchen Büchern empfohlen werden. Überlassen Sie Allergietests immer dem Allergologen: wenn sie die falschen Substanzen auf die Ellbeugen schmieren, konnen Sie damit Allergien direkt provozieren und starke Reizungen hervorrufen.Außerdem kann nur ein erfahrener Allergologe die Hautreaktion beim Allergietest richtig interpretieren. Völlig unproblematisch sind viele Naturstoffe zur Sofortanwendung: Essigwasser als Weichspüler fürs Haar, Gesichtsmasken aus 2 Eßlöffeln Quark, 1 EL Honig und 1 Eigelb, Avocadopackungen, Buttermilchbäder...Beziehen Sie Ihre Rohstoffe nur von Herstellern, die für Qualität und genaue Zusammensetzung bürgen. Vergleichen sie die Preise von Geschäften und Versandhandel. Der Kauf von Salbengrundlagen usw. in Großpackungen ist bei leicht verderblichen Rohstoffen nicht empfehlenswert. Kinderkosmetik, Kinderparfum Die kosmetische Industrie hat als neues Geschäftsfeld das Kinderzimmer entdeckt. Kinderparfums und Kinderkosmetik sind die Folge. Gesunde Kinderhaut benötigt keine spezielle Pflege - nur bei besonderer Beanspruchung (z.B. langes Baden im Sommer) sollte die Selbstregulation der Haut durch Eincremen mit normalen Babycremes unterstützt werden. Spezielle Pflege ist nur bei Hautkrankheiten erforderlich. Baby- und Kinderparfums sind generell abzulehnen, da die empfindliche Haut gereizt werden kann und sich Allergien entwickeln können. Kinder mit Hautkrankheiten (z.B. Neurodermitis) sollten aus dem gleichen Grund nur duftstoffreie Hautpflege benutzen. Selbsthilfegruppen allergiekranker Familien fordern inzwischen sogar das Verbot von Kinderkosmetik. Gelegentliche spielerische Schminkwünsche von Kindern können aus Mutters Schminktöpfen befriedigt werden - unter Aufsicht, damit nicht zuviel von der Schminke verschluckt wird.. Im Fasching empfehlen sich spezielle Schminkserien auf pflanzlicher Basis. Kinderkosmetik ist überflüssig und nicht mehr als ein Werbegag der Industrie, mit dem die "konsumstarken und konsumfreudigen" Zielgruppen der Zukunft geködert werden sollen. Kortison als Kosmetikum? Vielleicht scheint Ihnen diese Überschrift absurd. Kennt nicht jede Frau die Gefahren der Kortison-Medikamente? In Wirklichkeit nutzen und mißbrauchen viele Frauen kortisonhaltige Heilsalben als Schönheitsmittel. Sie sind in einem schwer entrinnbaren Kreislauf gefangen. Betroffen sind meist berufstätige Frauen, die auf ihr Aussehen großen Wert legen: Angestellte in Mode- oder Parfumboutiquen, Mannequins, Stewardessen usw. Am Anfang besteht meist eine harmlose Rötung im Gesicht, z.B. eine leichte Nesselsucht, ein Ekzem oder eine sogenannte "periorale Dermatitis". Mit Hilfe einer vom Arzt verordneten Kortisoncreme ist die Rötung rasch beseitigt. Wenn nach Wochen oder Monaten die Rötung erneut auftaucht, genügt der Griff in die Hausapotheke, um denn Schönheitsmakel zu beseitigen. Mit der Zeit kommen die Rötungen immer öfters, die Creme wird immer häufiger verwendet. Am Ende gehört die Kortisoncreme zur Morgentoilette - und wirkt trotzdem nicht mehr so gut wie am Anfang. Wenn diese Frau jetzt noch auf einen unaufmerksamen oder schlecht ausgebildeten Arzt trifft, ist das Unheil vorprogrammiert. Jeder Versuch, das Kortison abzusetzen, führt zu einer "Explosion" der Hautkrankheit: Juckreiz, Rötung, Pusteln, Hautverdünnung, Gefäßerweiterungen werden immer schlimmer. Sie erhält eine stärkere Kortisoncreme - und alles wird noch schlimmer. Die harmloseste, fast nebenwirkungsfreie Kortisonart ist Hydrocortison in 0,5% oder 1% Konzentration. Alle anderen Kortisonarten sollten im Gesicht nur kurze Zeit und unter genauer hautärztlicher Überwachung angewendet werden. Die Behandlung eines Kortisonekzems im Gesicht erfordert viel Erfahrung auf Seiten des Hautarztes - und sehr viel Geduld von der Patientin. Sie muß immer eine Phase starker Ekzemrötungen durchstehen. Oft ist eine stationäre Behandlung in einer Hautklinik erforderlich. Venenmittel Bis vor wenigen Jahren waren die meisten Venenexperten der Ansicht, daß Tabletten oder Cremes gegen Krampfadern keinerlei Nutzen hätten. Trotzdem wurden jährlich Venenmittel für über 500 Millionen DM verkauft. Über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Venenmittel wird unter Ärzten weiter heftig gestritten. Folgendes scheint aber heute sicher zu sein. Pflanzliche Präparate (aus Roßkastaniensamen) haben bei Venenmitteln den chemischen Produkten zu Recht den Rang abgelaufen. Ein Nutzen von Venenmitteln zum Einnehmen scheint zumindest bei den Patientinnen gegeben, die damit die Wirkung ihrer Stützstrümpfe unterstützen möchten. Als alleinige Behandlung sollten sie nur verordnet werden, wenn Stützstrümpfe oder Beinewickeln nicht möglich sind. Wissenschaftlich schwer nachweisbar, aber in der alltäglichen Medizin von großer Bedeutung ist ein weiterer Effekt: viele Venenkranke wollen (vor allem im Sommer) keine Beinwickel- oder Kompressionsstrümpfe tragen. Sie "vergessen" es immer wieder, die lästigen Dinger anzulegen. Durch die tägliche Einnahme eines Venenmittels wird das Anlegen dieser Strümpfe gefördert - was viel wichtiger ist. Falls Sie zu schweren Beinen neigen oder beim langen Sitzen die Beine anschwellen können Sie durchaus einen Selbstversuch mit frei verkäuflichen Venenmitteln aus Roßkastanien wagen. Stellen Sie allerdings vor dem Kauf Preisvergleiche an - die Preise variieren erheblich. Günstig sind beispielsweise "Troxerutin-ratiopharm"-Kapseln. Wenn Sie nach 1-2 Wochen keine Wirkung spüren, können Sie die Behandlung als erfolglos betrachten und beenden. Äußerliche Venenmittel kühlen die Beine, das Einreiben massiert die Unterschenkel - auf die Krampfadern hat all das keinen Einfluß. Monatsbinden, Tampons, Slipeinlagen Vielleicht wundern Sie sich, daß ich als Hautarzt auch zum Thema Menstruationshygiene Stellung nehme. Natürlich ist bei diesem Thema vor allem der Frauenarzt gefordert - wir Hautärzte werden jedoch immer wieder auch mit Krankheiten und Problemen der äußeren Geschlechtsorgane und Schleimhaut des Körpers konfrontiert (der offizielle Facharzttitel des Hautarztes lautet: Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten). Bindenartige Hygienehilfen für die Menstruationstage der Frau gibt es seit altersher und in allen Kulturen: Hippokrates beschrieb Leinenröllchen, die Ägypterinnen kannten Papyrustampons, Indianerinnen produzierten Vorlagen aus Pflanzen und Blättern, unsere Urgroßmütter nutzten die langen Enden ihrer Unterhemden. Erst 1926 war die erste Zellstoffbinde zum Wegwerfen zu kaufen. Die neueste, seit ca. 1992 bei uns angebotene Generation von besonders dünnen Binden besteht aus trichterförmigen Poren an der Oberfläche und saugstarkem Kunststoff im Kern. Weder zu große noch zu kleine Tampons sind funktionell: bei der richtigen Größe sind sie beim Ziehen noch feucht und damit relativ angenehm zu entfernen. An Tagen mit geringer Blutung sind Binden eine echte Alternative. Bisher ist nicht eindeutig geklärt, ob zu trockene Binden auch Scheidenflüssigkeit aufsaugen und damit Entzündungen begünstigen können. Slipeinlagen helfen ebenfalls bei geringer Blutung - bei täglicher Benutzung über längere Zeit kann die feuchte Wärme darunter allerdings zur leichteren Keimvermehrung von Hefen in der Scheide beitragen. Tägliches Wäschewechseln zwischen den Tagen ist den Slipeinlagen vorzuziehen, da hygienischer. Sie sollten Ihre Tampons nach spätestens 6-8 Stunden wechseln - sie sind sonst ein idealer Bakteriennährboden und können Scheideninfekte begünstigen. Sollte der Tampon schon nach 4 Stunden voll sein und gewechselt werden müssen, sollten Sie die nächsthöhere Saugstärke ausprobieren. Weist er dagegen nach 6-8 Stunden noch weiße Stellen auf, ist wahrscheinlich eine kleinere Größe besser. Menstruationsschwämme sind umstritten: einerseits sind sie - da mehrfach benutzbar - sehr umweltfreundlich. Manche Frauenzentren verfügen über jahrelange Erfahrung damit, angeblich ohne wesentliche Probleme bei den Anwenderinnen. Andererseits gibt es Untersuchungen, daß die Schwämme hygienische Probleme bereiten können. Bei mehreren Milliarden jährlich verkauften Binden, Tampons und Einlagen sollten Sie ökologische Aspekte bei der Beurteilung einer Binde durchaus berücksichtigen. Welche gesundheitlichen Probleme können durch Hygieneartikel entstehen? Bei falscher Anwendung (siehe oben) kann eine Scheideninfektion gefördert werden. Parfümierte Binden und Einlagen können Scheide und Harnröhre reizen - Frauen mit Duftstoffallergie sind besonders gefährdet. Wenn Sie als Tamponbenutzerin während der Blutungszeit hohes Fieber mit Schwindel oder Durchfall entwickeln - bitte keine Selbstbehandlung. Es könnte sich um das sogenannte Toxische Schock-Syndrom handeln. Vermutlich wird es durch bestimmte Bakterien im Tampon ausgelöst. Diese - bei uns noch relativ seltene - schwere Infektionskrankheit muß immer vom Arzt behandelt werden. Übrigens: ein dünn mit Vaseline bestrichener Tampon kann beim Badeurlaub oder im Schwimmbad lästige Scheideninfektionen (z.B. mit Hefekeimen) verhindern. Mittel gegen Mundgeruch Die meisten Menschen haben Angst davor, durch unangenehmen Mundgeruch auf andere Menschen abstoßend zu wirken. Mundgeruch entsteht entweder durch Besiedlung der Mundhöhle und Zunge mit bestimmten Bakterien oder durch Erkrankungen des Magen-Darmtraktes. Auch faule Zähne, entzündete Mandeln oder Nasennebenhöhlen, chronische Verstopfung, Stress, Rauchen, Alkohol und Übersäuerung des Magens können zu schlechtem Atem führen. Am häufigsten werden alkoholhaltige Mundwässer und Sprays benutzt, um Mundgeruch zu überdecken. Zwei-dreimal tägliches Zähneputzen sollte jedoch am Anfang Ihres Kampfes gegen Mundgeruch stehen. Putzen entfernt Nahrungsreste und Zahnbelag und damit die Lebensgrundlage der unerwünschten Mundbakterien. Sehr empfehlenswert ist die Säuberung der Zahnzwischenräumge mit Zahnseide. Oft hilfreich und frei von Nebenwirkungen sind mehrfach tägliche Mundspülungen mit Salbeitee. Hilfreich und unbedenklich anwendbar sind Mundwässer und Sprays, die den Atem nur erfrischen sollen oder die durch pflanzliche Zusätze (z.B. Kamille) eine leicht entzündungshemmende Wirkung entfalten. Nach einer neueren Studie kann man Mundgeruch sehr effektiv dadurch bekämpfen, daß der den Mund 2x täglich mit einer desinfizierenden Lösung spült und Zunge und Wangenschleimhaut vorsichtig mit einer Mundwasserlösung abbürstet. Desinfizierende Mundwässer sollten Sie allerdings für längere Zeit nur nach Rücksprache mit dem Zahnarzt aund nach Ausschluß gravierender Krankheitsursachen verwenden. Liegt dem Mundgeruch beispielsweise ein Zahnfleischentzündung zugrunde, so sollte der Zahnarzt erst diese Ursache bekämpfen. Zahnputzmittel Schöne Zähne und ein sauberes Lächeln sehen gut aus - nirgendwo sind Schönheit und Gesundheit enger verknüpft. Wer küßt schon gerne einen ungepflegten Mund? Die Ratschläge meiner Zahnarztkollegen für die Mundhygiene sind einfach und altbekannt, trotzdem aktuell wie eh und je. Nach jeder Mahlzeit Zähne putzen (notfalls kauen). Besser länger putzen, jedoch mindestens 3 Minuten. Gewöhnen Sie sich die richtige Putztechnik an: falsches Putzen, zu harte oder alte Bürsten können Zahnfleisch und Zähne schädigen. Benutzen Sie fluorierte Zahnpasten - am besten mit Amin- oder Natriumfluorid. Viele andere Zusätze werden von der Werbung herausgestellt: Pflanzenextrakte und Allantoin gegen Zahnfleischbluten, Pyrophosphate und Zinkverbindungen gegen Zahnstein, Hydroxylapatit gegen empfindliche Zahnhälse... Einige dieser Stoffe wirken tatsächlich - sind aber weit weniger wichtig als das richtige, regelmäßige Putzen an sich. Nach dem Businesslunch (wenn keine Möglichkeit zum Zähneputzen besteht) hilft Kaugummikauen. Kauen Sie zuckerfreien Bubblegum mit möglichst hohem Anteil des Zuckerersatzstoff Xylit: der hemmt das Bakterienwachstum und damit auch Karies. Zahnseide hilft zusätzlich - wenn Sie die Zeit haben. Zahnprobleme sollten Sie Ihrem Zahnarzt zeigen - trotz aller Ängste vor dem Zahnarztstuhl. Tabletten für die Haut Die zusätzliche Versorgung von Haut, Nägeln und Haar durch Vitaminpräparate wird bei ausgewogener Ernährung von den meisten Wissenschaftlern für überflüssig gehalten. Andererseit sind die Zellschutzvitamine A, C, E und Betacarotin bei richtiger Dosierung harmlos, möglicherweise sogar gesund. Falls Sie auf "Nummer sicher" gehen wollen, spricht nichts gegen eine kontrollierte Einnahme von Zusatzvitaminen. Informieren Sie sich aber zuvor über vernünftige Dosierungen. Gerade die beliebten Multivitaminpräparate enthalten oft viel zu geringe Dosen einzelner Vitamine. Auch Algenkonzentrate in Kapselform sind es durchaus wert, zur Verschönerung der Haut ausprobiert zu werden. Nachtkerzen- und Borrteschöl in Kapselform hilft bei Neurodermitis, eventuell auch bei trockener Haut gegen Juckreiz und Entzündung. Schönheitsfarmen Entspannung und Schönheitspflege, Abmagerungskuren und Fitnesstraining finden viele Frauen bei Urlauben auf einer Schönheitsfarm. Meist handelt es sich dabei um Luxushotels mit angeschlossenem Kosmetik- und Fitness-Zentrum. Medizinisch-ärztliche Kriterien können bei der Auswahl weniger helfen als der individuelle Geschmack. Regelmäßige Hautpflege dient der Schönheit sicher mehr, als eine einwöchige Gewaltkur für die Schönheit. Der einzige Effekt, der von Schönheitskuren sicher erwartet werden kann, ist Entspannung und Pflege des eigenen Selbstbewußtseins. Achten Sie darauf, daß die häufig angebotenen Fastenkuren ärztlich überwacht werden. Ein intensives Fitnessprogramm sollte niemals ohne vorherige Besprechung mit einem erfahrenen Sportlehrer oder Physiotherapeuten begonnen werden. Zahlreiche "Schönheitsfarmen" werben mit der "biologisch-ökologischen" Ausrichtung ihres Angebotes. Die Kundin sollte vor der Buchung eines Beauty-Farm-Urlaubs genau nachfragen, was im Einzelfall genau damit gemeint ist: manche Schönheitszentren verstehen darunter lediglich ein Vollkornbuffet zum Frühstück, während andere ein Gesamtprogramm von der natürlichen Kosmetik über Entspannungstraining bis zur naturheilkundlichen Therapie anbieten. Ob eine ganzheitlich-biologische Ausrichtung einer Schönheitsbehandlung tatsächlich immer bessere sichtbare Ergebnisse ergibt, ist - vorsichtig formuliert -Ansichtssache. Sehr häufig scheint es sich ausschließlich um Werbegags zu handeln. Die Preise von Bio-Schönheitszentren liegen erheblich über denen konventioneller Farmen. Rechnen Sie mit Hotelkosten von 100-200.- E/Tag, zusätzlich Kosten für die spezielle Schönheitstherapien oder Sportprogramme nicht eingerechnet (z.B. ca. 40.- pro Gesichtsbehandlung, 50.- Massage usw.). Einen Überblick über Schönheitszentren erhalten Sie beim Ferienservice Haaser (Adresse im Anhang). Kosmetikeinkauf mit Verstand Eine amerikanische Verbraucheranwältin hat 9 Regeln für den Kosmetikeinkauf mit Vernunft aufgestellt, die ich im folgenden in modifizierter Form vorstellen möchte. Wer sie beherzigt, spart sicherlich viel Geld bei gleichguter Pflege und -vielleicht- besserem Aussehen. 1. Kosmetikhersteller wollen nur das Beste des Konsumenten - sein Geld. Solange der Konsument überteuerte wirkungslose Substanzen kauft, gibt es keinen Grund für die Hersteller, suggestive und verlogene Verkaufsstrategien zu ändern. Nur wer eigene Einstellung und Glaubenssätze über Make-up und Hautpflege überprüft, kann sich gegen die Werbung immunisieren. 2. Jede Kosmetiklinie umfaßt gute und schlechte Produkte. Es gibt keinen Grund, überteuerte oder unverträgliche Produkte einer Linie zu erwerben, nur weil man mit einem anderen Produkt der gleichen Linie zufrieden ist. 3. Impulsive Kosmetikkäufe sollten vermieden werden. Wozu gibt es Probepackungen? Eine neue Lippenstiftfarbe sollte bei Tageslicht betrachtet, eine neue Parfümprobe dem Partner vorgeführt, eine neue Pflegecreme über Stunden erlebt werden, bevor man viel Geld dafür ausgibt. Wer einen Lippenstift sucht, sollte das Geschäft nicht mit Lidschatten, Deo oder Shampoo verlassen. 4. Kosmetikwerbung ist häufig faszinierend und künstlerisch wertvoll - aber es ist Werbung. Werbung soll niemals die Wahrheit sagen, sondern verführen. Eine sinnliche Werbung macht noch keinen sinnlichen Verbraucher. 5. Niemand ist immun gegen Werbung. Jeder hat seine "Schwachstelle", die es zu erkennen gilt. Die Industrie kennt unsere geheimen Wünsche, und sie nutzt sie aus. Für die berufstätige, selbstbewußte Frau wird spezielle Werbung konzipiert, für die modebewußte Girliefrau eine andere Strategie entwickelt als für die naturbewußte Intellektuelle. Wer sich selbst für nicht verführbar hält, hat schon verloren. 6. Jeder sollte sein monatliches Budget für Kosmetika festlegen, und sich daran halten. Es gibt gute Kosmetika in jeder Preislage. 7. Es gibt keine Wunderpflegemittel, keine exotischen Geheimrezepte, keine Faltencremes und keine Cellulite-Salben. 8. Sehr gute Lippenstifte, Maskaras, Lidschatten, Tagescremes usw. findet man auch in preiswerten Kosmetiklinien. Mit etwas Mühe findet sich für jede 50.- DM-Creme ein gleichwertiges Ersatzprodukt zum halben Preis. Hautpflegeprodukte aus der Drogerie und dem Supermarkt sind meist genauso gut wie diejenigen in Apotheken und Luxusläden. 9. Bei Nichtgefallen - Geld zurück. Wenn ein Produkt den Werbeversprechen nicht entspricht oder nicht vertragen wird, sollte man es zurückgeben. Entgegen der Meinung der meisten Käuferinnen ist dies auch bei Kosmetik möglich. Schon beim Kauf kann man nach der Rücknahmegarantie fragen. Wenn der neue Lippenstift schmiert, der Lidschatten die falsche Farbe hat oder die neue Nachtcreme die Haut reizt wird ein vernünftiger Verkäufer sie zurücknehmen und es dem Hersteller melden. Man muß nur wagen, freundlich zu fragen. 10. Kosmetikverkäuferinnen sind keine Kosmetikerinnen. Die Pflegeratschläge von Verkäuferinnen sind oft falsch. Wer würde von der Bedienung in einem Restaurant eine Ernährungsberatung erwarten? 11. Wenn immer möglich - testen! Der beste Weg zur passenden Kosmetik ist das Ausprobieren auf der eigenen, ungeschminkten Haut. Probepackungen sind die beste Wahl, aber auch das Probeschminken bei einer Freundin oder im Geschäft ist besser als "blindes" Kaufen. 12. Je weniger Produkte man gleichzeitig verwendet, umso besser für die Haut. Je größer die Zahl der aufgetragenen Substanzen, umso eher gibt es Probleme mit Akne, Allergien und Hautreizungen. 13. Die Basisprodukte einer ausreichenden Hautpflege sind: ein wasserlöslicher Hautreiniger (Syndet, entfernt auch Lidschatten ohne Reiben), eine milde Peelingpaste (z.B. mit Fruchtsäure), ein desinfizierender Abdeckstift, eine (getönte) Tagescreme mit höherem Lichtschutzfaktor (abgestimmt auf den Hauttyp), eine Nachtcreme ohne Lichtschutzfaktor bei trockener Haut. Viele weitere Informationen zu Hauterkrankungen finden Sie auf den übrigen Textseiten unserer Homepage und in unserern Patientenratgebern. Ihr Praxisteam Dr Bresser Peschelanger 11 81735 München 089-677977 www.drbresser.de Diese Seiten dienen der Information unserer Patienten. Jede Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur für den persönlichen Gebrauch gestattet. Copyright Dr Bresser 2006
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