Dr. med. Harald BresserFacharzt für Dermatologie und VenerologieFacharzt für Anästhesiologie Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur Zertifizierte Qualifikationen: Lasertherapie, Ambulante Operationen, medizinische Kosmetik |
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"Was ist Neurodermitis?" Die Neurodermitis zählt zu den häufigsten Hautkrankheiten. Sie ist unter vielen verschiedenen Namen bekannt, weltweit unter dem Namen "atopisches Ekzem". Etwa 3 Millionen Menschen in Deutschland leiden an ihr. Unter Kindern und Jugendlichen sind etwa 10% betroffen, und ihre Zahl nimmt ständig zu. Die Hautveränderungen der Neurodermitis sind sehr unterschiedlich, meist rot, stark juckend, leicht schuppig, anfangs trocken, später oft nässend. Diese Art von Hauterscheinungen nennt man allgemein "Ekzem". Die Neurodermitis beginnt meist im 3. Lebensmonat mit gelblichen Kopfkrusten ("Milchschorf"). Sie kann aber auch in jedem anderen Lebensalter erstmals auftreten, wobei sie später meist die Ellbeugen und Kniekehlen, Gesicht sowie andere Hautareale befällt. Oft verschwinden die Ekzeme wieder am Ende des 2. Lebensjahres oder in der Pubertät. Bei vielen Menschen tritt später ein allergischer Heuschnupfen oder allergisches Asthma hinzu. Die äußerlichen Hautveränderungen, der starke Juckreiz und das ständige Kratzen stellen für manche Kranken oder die Eltern kranker Kinder eine außerordentliche seelische Belastung dar. "Wie entsteht Neurodermitis?" Die Hauterkrankung Neurodermitis wird zusammen mit allergischem Heuschnupfen und allergischem Asthma den sogenannten "atopischen" Krankheiten zugerechnet. Sie können allein, gleichzeitig oder nacheinander vorkommen. Die gemeinsame Ursache ist eine erblich bedingte Anlage ("Atopie"). Durch diese Anlage reagiert die Haut und das gesamte Immunsystem teils stärker und teils schwächer als bei Gesunden. Ist ein Elternteil betroffen (Atopiker), so liegt das Risiko einer Erkrankung der Kinder bei 30 %. Sind beide Eltern Atopiker, so liegt das Risiko der Kinder bei 60%. Die Haut des Kranken ist ungewöhnlich trocken. Der Kontakt mit äußerlichen Allergen-Substanzen kann die Hauterscheinungen verschlimmern oder auslösen. Auslöser können beispielsweise sein: Pollen, Hausstaubmilben, Seife, Nahrungsmittel, Umweltgifte, Stress, falsche Hautpflege, Hitze... Manche Auslöser können durch Allergietests herausgefunden werden. Jedes Kratzen an den juckenden Ekzemen, aber auch Infektionen der Haut verschlimmern und chronifizieren das Leiden. Oft verdicken im Laufe der Zeit die ständig gereizten Hautareale ("Lichenifikation", Elefantenhaut). Körperlich und seelisch sind Menschen mit Neurodermitis sonst im allgemeinen gesund. "Ist die Krankheit gefährlich oder ansteckend?" Neurodermitis ist weder gefährlich noch ansteckend. Nur bei Ganzkörperbefall kann die Entzündung gefährlich werden. Allerdings ist die Krankheit körperlich und seelisch häufig für den Kranken und seine Familie sehr belastend. "Ist Neurodermitis heilbar?" Die atopische Anlage ist prinzipiell nicht zu beseitigen. Daher kann es theoretisch jederzeit zu erneutem Krankheitsausbruch kommen. Durch geeignete Behandlung kann die Krankheit allerdings zum Verschwinden gebracht werden. Besonders wichtig ist das detektivische Fahnden nach Auslösern neuer Krankheitsschübe. Werden diese dann ausgeschaltet, so ist jahrelange Erscheinungsfreiheit möglich. In den seltensten Fällen ist eine einzige Ursache aufzuspüren, meist lassen sich mehrere Auslöser ermitteln. Durch naturheilkundliche Behandlung wird eine immunologische Umstimmung angestrebt, welche ebenfalls zu langdauernder Besserung oder Abheilung führen kann. "Was kann ich selbst tun, damit die Heilung eintritt?" Die Neurodermitis zählt zu den Krankheiten, bei denen das Verhalten des Kranken eine entscheidende Rolle spielt. Der (erwachsene) Kranke entscheidet selbst, ob er die Krankheit beherrscht, oder ob die Krankheit den Kranken beherrscht. Hier einige schnelle Tips: 1)Die Haut benötigt tägliche, sorgfältige Pflege mit einer rückfettenden Feuchtigkeitscreme. 2) Meiden Sie alle Schafwollkleidung; ideal ist Kleidung aus Baumwolle, Seide oder Leinen. 3) Direkt auf der Haut sollten ausschließlich gewaschene Baumwoll-, Leinen- oder Seidenkleidung getragen werden- niemals aber Synthetikstoffe. 4) Waschmitteldosis halbieren, keine Weichspüler verwenden (stattdessen Essig oder Wäschetrockner. Wäsche vor 1. Tragen 2x waschen. Flusensieb regelmässig reinigen. Wäsche bügeln 5) Kinderwäsche sollte an der Luft, nicht im Trockner trocknen (schlechtere Schweißaufnahme). 6) Brauner Sand aus dem Sandkasten reizt die Kinderhaut sehr stark - also meiden. 7) Reinigen Sie die Haut höchstens einmal täglich mit rückfettendem Waschöl. 8) Stutzen Sie Ihre Fingernägel, damit Sie sich beim Kratzen nicht unnötig stark verletzen. 9) Richten Sie Ihre Wohnung "neurodermitisgerecht" ein: kein Teppichboden, wenig blühende Pflanzen, keine Haustiere, wenig "Staubfänger", milbendichte Bettwäsche bei Milbenallergie. 10) Versuchen Sie, eine Entspannungsverfahren zu erlernen. Autogenes Training, Yoga usw. helfen bei Streßbewältigung. Geregelte Lebensumstände schaffen: ausreichend Schlaf, Streß reduzieren, regelmässiger Tagesablauf 11) Ekzemgerechte Berufswahl: keine hautbelastenden Berufe wählen (schlecht: Frisör, KFZ-Mechaniker, Krankenschwester, Feuchtberufe u.ä. 12) Vorbeugung in der Schwangerschaft: falls Sie sich Kinder wünschen, sprechen Sie mich bitte wegen vorbeugender Maßnahmen an. 13) Bett: Federn raus, Wolle raus, Latexmatraze, Bettzeug und Schlafzimmer gut lüften, Spezialbettwäsche 14) Schadstoffarme Wohnungseinrichtung: glatte Böden, keine Fußbodenheizung, Biomöbel 15 ) keine Haustiere 16) Wohnung eher kühl halten 17) Jahresurlaub an der Nordsee, in Davos oder am Toten Meer 18) Nicht rauchen "Die Behandlung der Neurodermitis" Jeder Neurodermitiskranke benötigt eine individuelle Behandlung. Was dem Einen hilft, kann für den Anderen ganz falsch sein. Es gibt keine "Wundertherapie", aber viele gute Behandlungsformen. Cortisonhaltige Cremes wirken rasch und sicher. Sie werden von uns aber nur kurzfristig am Beginn eines Schubes oder im Notfall verordnet, da sie bei längerdauernder Anwendung die Haut zusätzlich schädigen können. Übertriebene Furcht vor Cortison ist jedoch bei vernünftiger Anwendung nicht notwendig. Langfristig liegt der Schwerpunkt unserer Behandlung auf naturheilkundlichen Mitteln. Mit ihrer Hilfe soll es Ihr Immunsystem und Ihre Haut schaffen, wieder in eine gesunde Balance zu gelangen (empfehlenswert sind zB Eigenbluttherapie, Akupunktur, Symbioselenkung u.a. ). Eine Bade- und Bestrahlungstherapie kann oft helfen (zB "Tomesa"). Eventuell kommt eine Kaltlichtbehandlung (UVA1) in Betracht. "Was ist von Diäten zu halten?" Längst nicht jede Neurodermitis ist ernährungsbedingt. Beim allergologischen Nachweis einer Nahrungsallergie sollte das verantwortliche Lebensmittel konsequent gemieden werden. Diäten sollte man nur nach Rücksprache mit dem Arzt beginnen -v.a. bei Kindern. Eine generelle Neurodermitisdiät gibt es nicht; mit oder ohne Diät ist mit gelegentlichen Rückschlägen und Krankheitsschüben zu rechnen. Die folgenden Nahrungsmittel sind dafür bekannt, daß sie häufig Ekzemschübe auslösen - bitte achten Sie einmal darauf: 1) Säuren: Ascorbinsäure zB in Zitrusfrüchten und -säften; Oxalsäure zB in Tomaten/Ketchup, Rhabarber, Spinat, Sauerampfer; Nahrungszusatzstoffe wie Ascorbinsäure, Sorbinsäure, Propionsäure. 2) Süssigkeiten: zB Cola, Schokolade, Kakao, Fruchteis, Limonade, Bonbons, Nuß-Schokolade-Brotaufstrich, Erdnußbutter, Gummibärchen 3) Öle und Fette: zB. Nuß/erdnußhaltige Öle, Erdnußbutter, haselnußhaltige Produkte, Schweinefett, Speck, fette Wurstsorten, Chips und Pommes frites 4) scharfe Gewürze: zB Pfeffer, Paprika, Chili, Curry, Senf, Essig 5) Genußgifte: va Alkohol, Zigaretten, Rotwein 6) Hartkäse, Fischkonserven, Fleischkonserven, Pökelfleisch, Erdbeeren, Kiwi, Hummer und Muscheln, Trockenfrüchte, Glutamat/Geschmackverstärker Leider können zahlreiche Zusatzstoffe bei Fertiggerichten das Ekzem verschlechtern. Wenn der Verdacht auf eine Nahrungsunverträglichkeit besteht, sollten die verdächtigen Nahrungsmittel konsequent 14 Tage gemieden werden. Wird die Haut besser, ist das ein deutlicher Hinweis. Die beste Ernährung ist eine ausgewogene Vollwerternährung ohne Fertiggerichte, ohne Konserven oder Fabriknahrung, unter Meidung der indiviuell bekannten, unverträglichen Nahrungsmittel. "Wo kann ich mich weiter informieren?" Es gibt zahlreiche Ratgeber über Neurodermitis für Laien, zB: Informationsbroschüren der "Deutschen Haut- und Allergiehilfe e.V." (Fontanestrasse 14, 53173 Bonn). "Neurodermitis" (Achenbach, TRIAS-Verlag). "Das juckt uns nicht". Lern- und Lesebuch für Kinder mit Neurodermitis und ihre Eltern. Triasverlag.
Dr. med. Harald Bresser Hautarzt, Anästhesist; Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Allergologie Ambulante (ästhetische) Hautoperationen Peschelanger 11 81735 München Tel 089-677977 Eltern mit ihren neurodermitiskranken Kinden stehen vor denselben Problemen wie erwachsene Neurodermitiker: Was löst die Erkrankung aus? Welche Beschwerden sind typisch, mit welchem Verlauf müssen wir rechnen? Wie können wir Krankheitsschüben vorbeugen? Welche Pflege benötigt die Haut? Welche Behandlung hilft? Im Erwachsenen- wie im Kindesalter gelten ähnliche Antworten (Kap. 1 - 9). Doch Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“. Der kindliche Organismus ist noch nicht ausgereift und weist einige Besonderheiten auf, die Eltern beachten sollten. Dann können Eltern bereits frühzeitig die ersten Anzeichen der Erkrankung erkennen und die Behandlung auf die kindlichen Bedürfnisse abstimmen. Darüber hinaus fordert die Krankheit die „erzieherischen Talente“ der Eltern - etwa wenn nächtliche Kratzattacken die Nachtruhe der ganzen Familie strapazieren, wenn das Kind sich gegen die Hautpflege sträubt oder wenn Süßigkeiten zum Reizthema werden (Kap. 11). 10.1 Das Krankheitsbild bei Kindern Neurodermitis ist vor allem eine Krankheit von Kindern: Bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen wird die Erkrankung bereits im ersten Lebensjahr beobachtet, bei fast 90 Prozent bis zum Vorschulalter. In Deutschland leiden schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Kinder an Neurodermitis. Nur etwa 2 Prozent aller Neurodermitiker sind schon über 20 und nur ganz wenige bereits über 45 Jahre alt, wenn erstmalig ein Ekzemschub auftritt. Für die Betroffenen vielleicht tröstlich: Bei rund 70 Prozent der betroffenen Kinder verschwinden die Hautveränderungen bis zur Pubertät. Doch die Haut bleibt zeitlebens trocken und empfindlich. Zudem droht immer das Risiko, einen Rückfall zu erleiden. Hinweise auf eine atopische Veranlagung Kinder, in deren Familie jemand an Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma leidet, sind besonders gefährdet, ebenfalls mit einer dieser atopischen Erkrankung belastet zu sein (Kap. 12). Ob ein Kind eine Veranlagung zur Neurodermitis hat, lässt sich an einer Reihe sogenannter diskreter Atopie-Zeichen erkennen, auch ohne dass die typischen Hauterscheinungen sichtbar werden (Kap. 3). Die Kinder haben oft einen pelzmützenartigen Haaransatz, die seitlichen Augenbrauen sind gelichtet. Sie sind auffallend blass und haben dunkle Schatten unter den Augen. Typisch ist auch eine doppelte Unterlidfalte. Wichtigstes Merkmal ist die trockene Haut. Doch nicht jede trockene, schuppende Hautveränderung muss Neurodermitis sein. Neurodermitis-Herde treten an alterstypischen Körperpartien auf und sind durch einen quälenden Juckreiz gekennzeichnet, der die Neurodermitis in jeder Altersstufe begleitet. Erste Anzeichen: Milchschorf Je nach Alter des Kindes treten die Hautveränderungen in unterschiedlichen Formen und an typischen Körperpartien auf. Erstes Anzeichen einer Neurodermitis kann beim Säugling der sogenannte Milchschorf auf dem Kopf sein. Das sind feine, gelbliche, krustige Schuppen, die sich auf dem Haarboden ablagern. Oft sind zudem die Wangen kleinschuppig gerötet, Bläschen bilden sich, platzen auf und nässen. Hin und wieder sind auch die Streckseiten der Ellenbogen und Kniegelenke und sogar der Rumpf betroffen. In jedem Alter können schwere Formen am ganzen Körper auftreten, also auch an Bauch, Rücken, Armen und Beinen. Vorsicht bei Windel-Ekzemen Bei Säuglingen entwickeln sich häufig Ekzeme im Bereich des Gesäßes. Nicht selten ist eine solche Windeldermatitis von einer Infektion durch Hefepilze (Candida albicans) überlagert. Verdächtige Hinweise sind Rötungen mit feiner, randförmiger Schuppung. Die Haut des Neurodermitikers ist ohnehin besonders empfänglich für Hautinfektionen, beispielsweise mit Eitererregern (Staphylokokken) oder auch Herpes-Viren, die zu gravierenden Komplikationen führen können (Kap. 1). In der feuchten Wärme unter der Windel finden Keime wie Hefepilze (Candida albicans) ideale Wachstumsbedingugnen. Wird die empfindliche, trockene Babyhaut durch Urin aufgeweicht und gereizt, können die Pilze besonders leicht eindringen und sich rasch ausbreiten. Pilzinfektionen finden sich manchmal in der Mundhöhle und zeigen sich durch weiße, rasenförmige Beläge (Mundsoor). In jedem Lebensalter kann eine Candida-Infektion auch den Darm befallen. Blähungen, Verstopfung oder Durchfall können die Folge sein. Viele Darminfektionen mit Hefepilzen verursachen jedoch keine Beschwerden und bleiben jahrelang unentdeckt (Kap. 9.1). Typisch bei Kleinkindern: Beugenekzeme Nach dem zweiten Lebensjahr ändert sich das Krankheitsbild der Neurodermitis: Eltern sollten besonders aufmerksam werden, wenn trockene, juckende, schuppende Rötungen vor allem an Ellenbeugen und Kniekehlen auftreten. Beugenekzme sind auch für Heranwachsende und Erwachsene typisch. Oft sind auch Handrücken, Handgelenke und Fußrücken, Nacken, Hals und Gesicht betroffen. Im akuten Stadium nässen die Ekzemherde, meist ist die Haut trocken und spannt. Häufig sind massive Kratzspuren sichtbar. Chronische verdickte und vergröberte Hautareale mit einer betonten Zeichnung der Hautlinien (Lichenifikation, Elefantenhaut) entwickeln sich in der Regel erst ab dem 5. Lebensjahr. Ab diesem Alter tritt in seltenen Fällen auch eine Prurigoform der Neurodermtitis auf. Die Herde sind hier nicht flächenhaft gerötet, sondern durch heftig juckende Knötchen charakterisiert. Praktische Tipps: Die ersten Anzeichen beachten Wenn bereits ein Familienmitglied an einer atopischen Erkrankung leidet und Ihr Kind die typischen Atopie-Zeichen aufweist, sollten Sie versuchen, einer Neurodermitis-Erkrankung vorzubeugen. Achten Sie sorgfältig auf mögliche neurodermitische Hautveränderungen. Lassen Sie beobachtete typische Hautveränderungen ärztlich abklären, damit mögliche Auslöser identifiziert und rasch erforderliche Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden können. 10.2 Besonderheiten der kindlichen Haut Auch im Kindesalter kann es für die Therapie der Neurodermitis kein Patentrezept geben. Grundsätzlich kann das gesamte Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten (Kap. 4, Kap. 7-9) eingesetzt werden. Die Behandlung orientiert sich an der Art und Schwere der Symptome: Ist die Haut am gesamten Körper trocken, sind manche Stellen spröde und rissig? Ist die Haut nur gerötet oder hat sich bereits ein entzündetes Ekzem entwickelt? Nässt das Ekzem oder ist es eher trocken und schuppig? Hat sich die Haut mit Eiterbakterien oder Pilzen infiziert? Wie heftig ist der Juckreiz? Bei der Wahl geeigneter Strategien sind jedoch einige Besonderheiten der kindlichen Haut zu beachten. Schutzfunktionen noch nicht ausgereift Kinderhaut ist wesentlich empfindlicher als die eines Erwachsenen. Die Schutzfunktionen sind vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern noch nicht ausgereift. Zudem ist die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht größer, so dass sich einerseits der Wasserverlust der Haut und andererseits Einflüsse von außen stärker bemerkbar machen. Die Hornschicht ist bei kleineren Kindern noch nicht voll ausgebildet. Sie enthält mehr Wasser als bei älteren Kindern und Erwachsenen und weist eine lockere, durchlässige Struktur auf. Zudem verringern die Talgdrüsen, die um die Geburt sehr viel Fett produziert haben, bis zur Pubertät ihre Aktivität. Der schützende Hydrolipid-Film auf der Hautoberfläche ist bei Kindern daher nur schwach ausgebildet. Der Säureschutzmantel kann alkalische Substanzen noch nicht ausreichend neutralisieren. Die Haut ist damit Umwelteinflüssen und irritierenden Stoffen noch fast wehrlos ausgeliefert. Auch lokal aufgetragene Wirkstoffe dringen wesentlich leichter ein. Um der Haut nicht noch mehr Fett und Feuchtigkeit zu entziehen, muss die Hautreinigung so schonend wie möglich erfolgen (Kap. 4.1). Beim Säugling kann der Windelbereich mit Babyöl gereinigt werden, ansonsten genügt lauwarmes Wasser. Schaumbäder sind tabu. Auch ältere Kinder sollten anstatt mit Seife mit alkalifreien Produkten gereinigt werden. Reinigen und pflegen sie die Haut Ihres Kindes besonders sanft Sehr wohltuend sind rückfettende Badezusätze. Gut bewährt haben sich beispielsweise auch Kleiebäder oder das Kleopatra-Bad, bei dem etwas Olivenöl und Sahne ins Badewassergegeben werden (Kap. 4.1). Bei Kindern mit Milcheiweißallergie sollten keine milchhaltigen Badezusätze verwendet werden. Nach jedem Baden oder Duschen (höchstens zweimal wöchentlich!) und vor dem Schlafengehen wird der gesamte Körper eingecremt. Die Haut sollte jedoch nur so häufig und mit soviel Pflegeprodukten versorgt werden, wie nötig, um deren Eigenproduktion an Hautfetten nicht zu unterbinden. „Fett auf trocken“ pflegen Ob eine Salbe, Creme oder Lotion verwendet wird, hängt vom Hautzustand ab. Grundsätzlich gilt: Fett auf trocken, feucht auf feucht. Je trockener und spröder die Haut, desto fettreicher sollten die Pflegeprodukte sein. Trockene Haut wird mit Creme oder Lotion, spröde, rissige Hautareale werden mit Salbe gepflegt (Kap. 4.2). Für die empfindliche Kinderhaut sollten spezielle Produkte gewählt werden, die insbesondere frei von Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen sind. Zu beachten ist auch, dass Zusatzstoffe manchmal allergische Reaktionen hervorrufen können. „Feucht auf feucht“ behandeln Ein entzündetes, nässendes Ekzem wird mit wasserhaltigen Cremes oder feuchten Umschlägen, beispielsweise mit kaltem schwarzen Tee, behandelt (Kap. 8.1). Bei Kindern hat sich auch eine Behandlung mit fett-feuchten Verbänden (wet wrap) bewährt (siehe Kasten). "Wet wrap": Linderung im akuten Schub Schneiden Sie die benötigten Schlauchverbände zurecht oder legen Sie einen Neurodermitis-Anzug bereit (erhältlich im Fachhandel). Alternativ können Sie auch einen weichen Baumwoll-Schlafanzug verwenden. Baden Sie Ihr Kind und tupfen Sie die Haut nur vorsichtig ab. Tragen Sie auf die noch feuchte Haut je nach Stadium des Ekzems eine geeignete Creme oder Salbe auf. Befeuchten Sie die Verbände oder den Anzug mit lauwarmem Wasser und legen sie Ihrem Kind an. Die Verbände können über Nacht anbehalten werden. Rückfetten nicht vergessen! Wiederholen Sie die Behandlung noch zwei- bis dreimal. Ganzheitliche Behandlungsstrategie unabdingbar Lässt sich mit einer angepassten Pflege der Hautzustand nicht stabil halten, sollte eine dermatologische Behandlung erfolgen, um die Beschwerden rasch zu lindern und Komplikationen vorzubeugen. Auch bei der Wahl geeigneter Therapieverfahren (Kap. 8) muss berücksichtigt werden, dass Wirkstoffe leichter von der kindlichen Haut aufgenommen werden und beim Kind die Hautoberfläche im Verhältnis zum Körper größer ist. Lokal angewendete Therapeutika müssen also vorsichtiger dosiert werden. Besonders wichtig ist dies bei Kortison-haltigen Präparaten (Kap. 8.2). Der kindliche Organismus ist auch empfänglicher und schutzloser gegenüber äußeren Einflüssen wie beispielsweise Licht und anderen Klimafaktoren (zum Sonnenschutz vgl. Kap. 4.3, Klimatherapie Kap. 9.4). Therapeutika vorsichtig dosieren Gerade bei Kindern sollte sich die Behandlung nicht darauf beschränken, die Hautsymptome zu unterdrücken. Bevorzugt werden sollten natürliche Behandlungsmethoden, die sanft die Selbstheilungskräfte anregen. Bewährt haben sich Salben und Cremes mit natürlichen Wirkstoffen (Kap. 8.1) sowie homöopathischen Arzneimittel (Kap. 9.2). Vor allem bei einer nachweislichen Candida-Besiedelung ist eine Sanierung des Darms anzuraten (Kap. 9.1). Ziel der Therapiestrategie ist es, langfristig ein beschwerdefreies Leben zu ermöglichen. Dies kann nur mit einem ganzheitlichen Therapiekonzept erreicht werden. Besonders günstig ist eine interdisziplinäre, ganzheitliche Rundum-Betreuung etwa im Rahmen einer Klimakur für Mutter und Kind (Kap. 9.4). Doch jede Behandlung bleibt vergeblich, wenn eine entsprechende Gestaltung des Umfeldes und der Lebensführung fehlt. PRAKTISCHE TIPPS: Die Haut kindgerecht pflegen und behandeln Lassen Sie die Körperpflege nicht zur lästigen Pflicht werden! Hautpflege sollte in entspannter, angenehmer Atmosphäre stattfinden und eine Wohltat sein. Gestalten Sie das Eincremen zu einem spielerischen Ritual, das Sie mit liebvoller Zuwendung verbinden. Vielleicht können Sie gemeinsam die Tiegel und Tuben lustig verzieren? Lassen Sie das Kind mitentscheiden, welche Pflegeprodukte ihm gut tun. Eine Salbe ist zu fett, wenn sie nach mehr als einer Stunde noch deutlich auf der Haut tastbar ist. Eine Creme ist nicht fett genug, wenn sie nach einer halben Stunde kein samtiges Gefühl mehr auf der Haut hinterlässt. Bewahren Sie vor allem konservierungsstofffreie Produkte im Kühlschrank auf. Kühl aufgetragen, lindern sie zusätzlich den Juckreiz. Kinder dürfen sich schon früh selbst eincremen, das stärkt das Selbstbewusstsein. Nachts sollte die Creme in Reichweite des Bettes liegen. Verwenden Sie unparfümierte, saugfähige Wegwerfwindeln. Wechseln Sie die Windeln möglichst häufig oder lassen sie so oft wie möglich ganz weg. Welche Therapiemaßnahmen im akuten, entzündlichen Schub erforderlich sind, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen. Kompetent ist ein dermatologisch versierter Kinderarzt oder ein Dermatologe mit viel Erfahrung bei Kindern. Versuchen Sie zunächst natürliche Wirkstoffe und Arzneimittel. Schwere akute Hautveränderungen sollten unverzüglich ärztlich behandelt werden, um Komplikationen zu verhüten. Viele weitere Tipps finden Sie in Kapitel 4 sowie 7 bis 9! Kapitel 11. Alltag mit dem Kind: „Normal“ trotz Krankheit? Erkrankt ein Kind an Neurodermitis, leidet meist die ganze Familie mit: Das juckreizgeplagte Kind kommt nicht zur Ruhe, strapaziert auch die Nachtruhe der Eltern. Tagsüber sind alle unausgeschlafen und unkonzentriert. Im Tagesablauf kostet die permanente Beschäftigung mit der Erkrankung viel Zeit. So muss die Haut intensiv gepflegt werden, der Arzt wird häufiger besucht. Oft bestimmt das kranke Kind das Lebensumfeld der Familie, vielleicht müssen die Wohnung, die Ernährung oder die Urlaubsplanung auf Allergien abgestimmt werden. Möchte man der ganzen Familie gerecht werden, hilft vor allem ein gelassener Umgang mit der Erkrankung. 11.1 Meiden von Auslösern Um den Hautzustand stabil zu halten und Krankheitsschübe zu vermeiden, sollten mögliche Auslöser in sämtlichen Lebensbereichen beachtet werden. Besonders wichtig ist eine schonende Körperpflege, bei der jegliche Hautirritationen durch Wasser, Waschsubstanzen oder allergene Inhalts- und Zusatzstoffe vermieden werden sollte (Kap. 4, 10.2). Die Kleidung sollte luftig und hautfreundlich sein, die Haut nicht zu reizen und die Abdunstung nicht behindern (Kap. 5.1). Der Lebensraum des Kindes, insbesondere das Kinderzimmer, sollten allergen- und schadstoffarm ausgestattet sein (Kap. 5.2). Krankheitsschüben gezielt vorbeugen Dabei sollten die Eltern jedoch dafür sorgen, dass sich das Kind in seiner Lebenswelt frei entfalten kann. Es darf in seinem Bewegungsspielraum nicht durch unüberschaubare Vorsichtsmaßnahmen völlig eingeengt werden, die ihn zudem vielleicht zum Außenseiter machen. Um die Lebensqualität des Kindes und der Familie nicht unnötig zu belasten, sollte man sich insbesondere auf die tatsächlichen individuellen Auslöser konzentrieren. Welche Faktoren man zudem vorsorglich meiden möchte, hängt sicherlich auch von der Schwere der Erkrankung und der gesamten Lebenssituation der Familie ab. So wird man nicht jedem neurodermitiskranken Kind vorbeugend sämtliche Kuscheltiere verbieten. Doch leidet das Kind zusätzlich an einer Hausstaubmilbenallergie, sollten die Eltern auf waschbares Spielzeug achten. Ein Kind mit Heuschnupfen darf selbstverständlich im Freien spielen, aber nicht zur höchsten Pollenflugzeit in der unmittelbaren Umgebung der Pflanzen, auf die das Kind allergisch reagiert. Vielleicht wird man sich vorsorglich kein Haustier anschaffen; doch ein Hund, der bereits in der Familie lebt, wird nicht weggegeben, solange der Neurodermitiker gar keine Tierhaar-Allergie hat. Engen Sie den Spielraum Ihres Kindes nicht unnötig ein! Impfen - pro und contra Heftig umstritten ist das Thema „Impfen“ beim neurodermitiskranken Kind. In manchen Fällen wird eine Verschlimmerung des Ekzems durch eine Impfung beobachtet. Demgegenüber stehen die Risiken, wenn ein Kind nicht geimpft wird. Denn die Impfungen schützen die Kinder und auch Menschen, mit denen sie Kontakt haben, vor Infektionskrankheiten, die sehr schwer verlaufen und gefährliche Komplikationen haben können. Durch hohe Durchimpfungsraten sind beispielsweise die Pocken in unseren Breiten gänzlich verschwunden. Neuordermitis-kranke Kinder überhaupt nicht zu impfen, wäre daher unverantwortlich. Auf Impfungen ganz zu verzichten, wäre unverantwortlich Ärzte richten sich in der Regel nach dem Impfkalender der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO). Diese Empfehlungen gelten jedoch für gesunde Kinder. Da jede Impfung einen Eingriff ins Immunsystem bedeutet, sind bei Neurodermitis-kranken Kindern zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen zu bedenken. Generell dürfen zum Zeitpunkt einer Impfung keine Infektionen vorliegen. Ebenso wenig darf während eines akuten Neurodermitits-Schubes geimpft werden, insbesondere wenn die Haut mit Eitererregern, Viren oder Pilzen superinfiziert ist. Manche Ärzte raten auch davon ab, unter einer Kortison-Behandlung zu impfen. In jedem Einzelfall sollte gemeinsam mit dem Arzt geprüft werden, welche Impfung gegeben wird und ob zugewartet werden kann, bis das kindliche Immunsystem ausgereifter ist. Dabei müssen die Risiken einer Impfung sorgfältig gegen die Risiken der jeweiligen Erkrankung abgewogen werden. Die wichtigsten Impfungen Unbedingt geimpft werden sollte gegen Tetanus (Wundstarrkrampf). Diese gefährliche Infektion kann sich das Kind durch eine noch so kleine Verletzung zuziehen. Dann gibt es keine Behandlungsmöglichkeit und sie verläuft in einem Drittel der Fälle tödlich. Die STIKO empfiehlt eine Erstimfung ab dem dritten Lebensmonat (zweimal im Mindestabstand von vier bis sechs Wochen). Beim neurodermitiskranken Säuglingen kann überlegt werden, ob die Erstimpfung bis zum 10. Lebensmonat aufgeschoben werden kann, wenn beim Spielen draußen das Verletzungs- und Infektionsrisiko steigt. Lebensbedrohliche Erkrankungen sind auch Diphterie und Poliomyelitits (Kinderlähmung), gegen die unbedingt geimpft werden sollte. Die STIKO empfiehlt eine Erstimpfung ab dem dritten Lebensmonat (zweimal im Mindestabstand von vier bis sechs Wochen). Da die Erkrankungen durch hohe Durchimpfungsraten in Deutschland selten geworden sind, kann möglicherweise bei Neurodermitikern bis zum Ende des ersten Lebensjahres zugewartet werden. Dann ist jedoch Vorsicht beispielsweise bei Auslandsreisen geboten. Ebenfalls ab dem dritten Lebensmonat (dreimal im Abstand von vier bis sechs Wochen) sollte laut STIKO gegen Pertussis (Keuchhusten) geimpft werden. Die Erkrankung verläuft langwierig, sehr heftig und anstrengend für die ganze Familie. Der azelluläre Impfstoff wird in der Regel auch von Neurodermitikern gut vertragen. Kritiker halten die Impfung jedoch für wenig sinnvoll, da die Immunität erst eintritt, wenn das besonders gefährdete Säuglingsalter bereits vorbei ist. Ab dem dritten Lebensmonat sieht die STIKO auch eine Impfung gegen HiB (Hirnhautentzündung) vor. Im Einzelfall kann erwogen werden, ab dem 6. Lebensmonat zu impfen; bei jüngeren Säuglingen tritt die Erkrankung nicht auf. Mit einigen Impfungen können Sie zuwarten, bis das Immunsystem stabiler ist Gegen Masern und Mumps empfiehlt die STIKO, ab dem 15. Lebensmonat zu impfen. Bei Allergikern ist Vorsicht geboten, da der Impfstoff Hühnereiweiß enthält. Impfkritiker sind der Ansicht, das diese Kinderkrankheiten das Immunsystem trainieren und die gesamte Entwicklung des Kindes begünstigen. Falls überhaupt dagegen geimpft werde, könne zumindest bis zur Einschulung abgewartet werden. Denn bei kleineren Kindern verlaufe eine Erkrankung in der Regel harmlos, mögliche Komplikationen treten eher bei älteren Kindern und Erwachsenen auf. Gegen Röteln sollte laut STIKO ebenfalls erstmals im Alter von 15 Monaten geimpft werden, bei Mädchen muss vor der Pubertät unbedingt aufgefrischt werden. Gefährlich ist diese Infektion vor allem während einer Schwangerschaft, da sie zu Missbildungen beim Ungeborenen führen kann. Eine hohe Durchimpfungsrate schon bei Kindern führt dazu, dass eine Ansteckung von Schwangeren verhindert wird. Die Impfung von kleinen Kindern kann im Einzelfall abgewogen werden. Mädchen ohne Antikörper müssen jedoch zu Beginn der Pubertät unbedingt geimpft werden. Praktische Tipps: Impfen bei Neurodermitikern Prüfen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, welche Impfung sinnvoll ist und ob zugewartet werden kann, bis das kindliche Immunsystem ausgereifter ist. Zum Zeitpunkt einer Impfung dürfen keine Infektionen vorliegen. Auch während eines akuten schweren Neurodermitits-Schubes sollte nicht geimpft werden, vor allem wenn die Haut superinfiziert ist. Haut und Psyche sollten stabil sein. Schonen Sie Ihr Kind nach einer Impfung einige Tage lang. 11.2 Ernährung bei Kindern Die Ernährung spielt bei Kindern eine noch größere Rolle als beim Erwachsenen. Rund ein Viertel der neurodermitiskranken Kinder leidet gleichzeitig unter einer Nahrungsmittelallergie. Vor allem wenn ein Kind viele Nahrungsmittel nicht verträgt oder besonders stark reagiert, sind die Eltern verunsichert: Was darf mein Kind überhaupt noch essen? Was gebe ich meinem Säugling? Wie kann ich für die Familie kochen? Die gutgemeinten Ratschläge, die Betroffene dann immer wieder bekommen, sind oft sehr extrem und recht einseitig. Doch gerade bei Kindern kann eine unsinnige Diät fatale Folgen für die Entwicklung haben. Um so wichtiger ist es, die Ernährung auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes abzustimmen. Säuglinge möglichst lange stillen Jeder Säugling sollte wenn möglich mindestens sechs Monate lang gestillt werden, um die Entwicklung einer optimalen Immunabwehr zu fördern und das Kind vor Allergien zu schützen. Dies ist besonders wichtig beim neurodermitiskranken Säugling, bei dem die Ernährung noch einen sehr großen Einfluss auf die Haut hat. Seine stillende Mutter sollte hochallergene Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Eier, Fisch und Nüsse meiden. Auch Zitrussäfte können zu Reizungen beim Kind führen. Kann nicht voll gestillt werden, sollte auf stark hydrolysierte Säuglingsnahrung (aus der Apotheke) zurückgegriffen werden. Diese Zubereitungen basieren zwar meist auf Kuhmilch. Doch die allergenen Eiweißbausteine werden durch mittels Enzymen zerlegt (Hydrolyse). Dieser Vorgang ähnelt der menschlichen Verdauung. Insbesondere wenn nachweislich eine Kuhmilchallergie besteht, genügt die nur hypoallergene H.A.-Nahrung nicht. Diese besitzt noch ein gewisses allergenes Potential und wird präventiv eingesetzt wird. Für den Allergiker empfehlen sich stark hydrolisierte Produkte wie Nutramigen und Pregestemil. Beikost vorsichtig einführen Nach dem sechsten Lebensmonat sollte die Beikost vorsichtig nach einem bestimmten Ernährungsplan (siehe Kasten) eingeführt werden. Die Nahrungsmittel sollten aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen, um die Schadstoffbelastung so gering wie möglich zu halten. Bevor nach einem neuen Nahrungsmittel das nächste eingeführt wird, sollte mindestens drei Tage abgewartet werden, um mögliche Reaktionen abzusehen. Keine Kuhmilch im ersten Lebensjahr Starke Allergene wie Kuhmilch, Eier, Haselnüsse und Erdnüsse sowie Fisch, Weizen und Soja sollten neurodermititskranken Kleinkindern im ersten Lebensjahr nicht gegeben werden. Auch Zitrusfrüchte werden oft nicht vertragen. Während Eier ernährungsphysiologisch nicht erforderlich sind, benötigt das Kind Milch, um seinen Eiweiß- und Kalziumbedarf zu decken. Der Säugling kann bis zum Ende des ersten Lebensjahres durchaus noch teilweise weitergestillt werden - dabei muss jedoch auch die Mutter auf eine geeignete, schadstoffarme Nahrung achten. Auch hydrolysierte Flaschennahrung kann weitergegeben werden. Auch Stuten-, Ziegen- oder Sojamilch kann dem Kind angeboten werden. Manchmal entwickeln sich jedoch auch hiergegen Allergien wie gegen Kuhmilch. Nach dem ersten Lebenshalbjahr ist auch Mandelmilch eine Alternative, die in ihrem Nährstoffgehalt der Muttermilch ähnelt. Mandeln enthalten hochwertiges Eiweiß, Fett, Kalzium und Eisen. Zudem sollte Kalzium-reiches Gemüse wie Brokkoli, Fenchel oder Kohlrabi bevorzugt werden. Der Eiweißbedarf kann auch über Fleisch gedeckt werden. Wird Baby-Fertigkost gefüttert, sollte sorgfältig auf die Inhaltsstoffe geachtet werden. Die Ernährung des Babys muss unbedingt mit dem Kinderarzt abgestimmt werden. Eine fundierte Ernährungsberatung bieten oft auch Krankenkassen und Selbsthilfevereinigungen. Keine Ernährungs-Experimente mit dem Baby! Rezept für Mandelmilch nach dem 6. Lebensmonat 140 ml Wasser abkochen 1 EL Reis- oder Hirseflocken einrühren 1 EL Mandelmus (aus ungerösteten Mandeln, erhältlich im Reformhaus oder Naturkostgeschäft) zugeben 40 ml Fruchtsaft zufügen mit 10 g Ahornsirup süßen Ernährungsplan* für neurodermitiskranke Säuglinge Die ersten 6 Monate voll stillen oder hydrolysierte Säuglingsnahrung geben nach dem 6. Monat teilweise weiterstillen oder hydrolysierte Säuglingsnahrung füttern Gemüse: Kartoffeln, Kohlrabi, Fenchel, Brokkoli, Blumenkohl, Spinat, Zucchini; Karotten nur bedingt Obst: zunächst gedünstet oder als Saft einführen, dann roh püriert geben: Äpfel, Birnen, Bananen, später auch andere Früchte der Saison wie Aprikosen, Kirschen, Pflaumen; Zitrusfrüchte meiden Getreide (nur gut aufgeschlossen in Form von speziellen Flocken oder Grieß): bis 10. Monat nur Reis oder Hirse (glutenfrei), dann auch Hafer, Dinkel (kein Weizen) Fleisch: in kleinen Mengen Huhn, Pute oder Lamm (kein Fisch) Milchprodukte (nicht bei nachweislicher Kuhmilch-Allergie): Butter, Sahne, ab dem Ende des 1. Lebensjahres in kleinsten Portionen versuchsweise Joghurt oder Quark keine Kuhmilch, Eier, Nüsse füttern *in ausführlicher Form erhältlich bei der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind Starke Allergene meiden Ab etwa einem Jahr werden die meisten Kinder am Familientisch mitessen. Auch für neurodermitiskranke Kinder ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung die Basis einer gesunden Entwicklung. Von pauschalen, extremen „Neurodermtitis-Diäten“ ist daher dringend abzuraten. Werden wichtige Nahrungsmittel beliebig weggelassen, kann dies zu gefährlichen Mangelzuständen führen, die die kindliche Entwicklung beeinträchtigen. Unnötige Verbote beliebter Speisen belasten die Kinder zusätzlich psychisch. Keine extremen Pauschal-Diäten! Starke Allergene wie Kuhmilch, Eier, Haselnüsse, Erdnüsse und Fisch wird man jedoch nur sehr vorsichtig erst im zweiten Lebensjahr in den Speiseplan des Kindes einführen. Bei älteren Kindern, die an einer Neurodermitis erkranken, sollte man im Einzelfall abwägen, ob diese Nahrungsmittel vorsorglich eingeschränkt werden, insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen. Unverträgliche Nahrungsmittel gezielt ersetzen Konsequent gemieden werden müssen Nahrungsbestandteile, auf die das Kind individuell reagiert. Ein Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie sollte durch einen Allergologen abgeklärt werden (Kap. 3). Bestätigt sich die Vermutung, müssen die unverträglichen Lebensmittel durch verträgliche mit vergleichbaren Nährstoffen ersetzt werden, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Bei einer Kuhmilchallergie muss insbesondere auf eine ausreichende Kalzium- und Eiweißversorgung geachtet werden (Kap. 5.3). Den Verzicht erleichtern Bei nachweislichen Allergien kann auch einem Kind durchaus zugemutet werden, dass es auf das eine oder andere beliebte Nahrungsmittel verzichtet, zumindest vorübergehend. Dies wird leichter fallen, wenn das Kind selbst erfahren hat, dass es nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel von heftigem Juckreiz gepeinigt wird. Besonders günstig ist es natürlich, wenn der Speiseplan für die ganze Familie darauf abgestimmt werden kann oder bei den Portionen für das kranke Kind unverträgliche Zutaten einfach weggelassen oder ersetzt werden können. Nahrungsmittelallergien sind zudem oft vorübergehender Natur, so dass das Kind viele Speisen später wieder verträgt. Lassen Sie sich bei massiven Allergien vom Arzt ein Notfallset zusammenstellen. Isst das Kind im Kindergarten, der Schule oder bei Freunden, sollten die Betreuer über die Nahrungsmittelallergien und bei starken allergischen Reaktionen auch über Notfallmaßnahmen informiert werden. Ältere Kinder sollten lernen, unverträgliche Nahrungsmittel selbständig zu meiden. Ziel ist auch hier der eigenverantwortliche Umgang mit der Krankheit. Die Eltern sollten dem Kind keine Schuldgefühle machen, wenn es etwas „Verbotenes“ gegessen hat. Wenn die Allergie nicht allzu schwer ausgeprägt ist, sind auch einmal Ausnahmen erlaubt. Denn die Diät sollte nicht mehr belasten als die Erkrankung selbst. Machen Sie sich und Ihrem Kind keine Schuldgefühle. Süßigkeiten - ein „Reizthema“ Ein besonderes Reizthema bei Kindern sind immer wieder Süßigkeiten. Zucker selbst löst zwar keine Allergien aus, ist ernährungsphysiologisch jedoch minderwertig und belastet die Darmflora (Kap. 4.3). Zudem enthalten Süßigkeiten viele starke Allergene wie Milch, Nüsse, Farb- und Konservierungsstoffe. Sie sollten dem Kind also so wenig wie möglich angeboten werden. Doch je verbotener Süßigkeiten sind, desto interessanter werden sie. Besser ist es, dem Kind attraktive Alternativen zu bieten, die der ganzen Familie schmecken - vielleicht ein bunt verzierter Obstteller. Ratsam ist ein gelassener Umgang mit Süßigkeiten: So sollte das Kind - selbstverständlich außer bei massiven Allergien auf einzelne Inhaltsstoffe - beispielsweise nicht auf Kindergeburtstagen zum Außenseiter werden, weil es keinen Kuchen essen darf. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran! Säuglinge sollten in den ersten sechs Monaten voll gestillt werden. Reicht die Muttermilch nicht aus, ist hydrolysierte Säuglingsnahrung erforderlich. Führen Sie die Beikost langsam ein und probieren Sie ein Lebensmittel nach dem anderen aus. Geben Sie im ersten Lebensjahr keine Kuhmilch, Eier, Nüsse und Zitrusfrüchte. Bieten Sie Säuglingen und Kindern keine Kekse und Süßigkeiten an. Beobachten Sie beim Ihrem Kind, ob und welche Nahrungsmittel es nicht verträgt und ersetzen Sie diese gezielt. Auch beim älteren Kleinkind ist vor allem mit Kuhmilch, Nüssen, Eier und Zitrusfrüchten Vorsicht geboten. 11.3 Der Umgang mit dem (kranken) Kind Die Krankheit und deren besondere Erfordernisse prägen ganz erheblich die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Die Eltern sorgen sich vor allem in Zeiten heftiger Krankheitschübe sehr um ihr Kind, sie stehen hilflos vor seinem enormen Leidensdruck. Gerade Eltern, die sich liebevoll und einfühlsam um ihr krankes Kind kümmern, fühlen sich oft überlastet und erschöpft. Entlastung auch für die Eltern suchen Vor allem das Verhältnis zwischen der Mutter als engster Bezugsperson und dem Kind ist vielen Fällen angespannt. Manchmal hat die Mutter Schuldgefühle. Sie meint, vielleicht nicht alles getan zu haben, um ihrem Kind zu helfen. Möglicherweise entwickelt die Mutter gleichzeitig einen unterschwelligen Groll oder Aggressionen gegen das Kind. Sie wird dann aus schlechtem Gewissen die Zuwendung verstärken, sich noch mehr überfordern und letztlich noch gestresster mit dem Kind umgehen. Kinder reagieren sehr stark auf die psychische Verfassung der Eltern. Die starken Gefühlsschwankungen verunsichern das Kind und führen bei ihm zu psychischen Spannungen, die sich wiederum ungünstig auf den Hautzustand auswirken. Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen, sollte die Mutter Unterstützung und Entlastung suchen, beispielsweise Hilfe im Haushalt oder Betreuungsmöglichkeiten für das Kind auch außerhalb der Familie. Eine stabile Beziehung des Kindes zum Vater oder einer anderen Bezugsperson entspannt die enge Mutter-Kind-Beziehung. Sehr wohltuend wirken sich auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training aus (Kap. 6.3). Kinder ab drei Jahren können solche Techniken gemeinsam mit den Eltern durchführen, ab etwa sieben Jahren schon eigenständig. Kleinere Kinder profitieren indirekt von der Entspannung der Eltern. Ihre psychische Verfassung überträgt sich auf Ihr Kind Für einen erholsamen Schlaf sorgen Auch ein geregelter Tagesablauf trägt dazu bei, Stress und Unruhe in der Familie zu reduzieren. Hilfreich sind regelmäßige abendliche Schlafenszeiten und eine ruhiges Vorbereitungsritual für die Nacht. Nächtliche Kratzattacken verhindern oft einen erholsamen Schlaf und führen zu Erschöpfung, Konzentrations- und Leistungsstörungen bei Kind und Eltern. Bei kleineren Kindern haben sich für die Nacht Baumwollhandschuhe bewährt. Auch spezielle Anzüge mit angenähten Fäustlingen - während eines akuten Schubes möglicherweise für ein „wet wrap“ (Kap. 11.1) eingesetzt - können versucht werden. Keinesfalls sollten die Eltern nächtliche Kratzattacken durch besondere Zuwendung und Aufmerksamkeit „belohnen“ und damit noch verstärken. Muss ein kleineres Kind beispielsweie nachts eingecremt werden, sollte dies ohne viel Aufhebens geschehen. Größere Kinder können durchaus begreifen, dass auch die Eltern ihre Nachtruhe dringend brauchen und lernen, sich selbst zu behelfen. Dazu können beispielsweise Creme oder Kühlelemente neben dem Bett bereitgestellt werden. Um dem Juckreiz vorzubeugen, sollte das Kinderzimmer kühl gehalten werden und das Kind weiche, luftige Kleidung tragen. Bei Allergikern ist auch eine allergenfreie Umgebung wichtig (Kap. 5.2). Die Krankheit nicht dominieren lassen Sicherlich gibt es Phasen, in denen die Neurodermtitis das ganze Familienleben bestimmt und das betroffene Kind viel Zuwendung braucht, wie jedes andere kranke Kind auch. Dennoch sollte die Krankheit nicht alles dominieren. Auch die Geschwister dürfen nicht zu kurz kommen. Müssen sie ständig Rücksicht nehmen und fühlen sich zurückgesetzt, verschärft dies Konflikte in der Familie. Manchmal werden die Geschwister selbst verhaltensauffällig, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. In der Erziehung des Neurodermitikers sollte die Erkrankung nicht im Vordergrund stehen. Die Eltern sollten das Kind nicht durch übertriebene Fürsorge oder Nachgiebigkeit für seine Krankheit „entschädigen“ wollen. Dies bestärkt das Kind in seinem Kranksein. Zudem besteht die Gefahr, dass die Krankheit zum Instrument wird, mit dem das Kind sich durchsetzt und vielleicht sogar die ganze Familie tyrannisiert. Fördern Sie die Selbständigkeit Ihres Kindes Die Krankheit sollte zwar als zum Kind gehörig akzeptiert werden, doch sie ist nicht sein Hauptcharakteristikum. Das Kind braucht unbedingten Rückhalt mit all seinen Stärken und Schwächen. So kann es ein gesundes Selbstkonzept entwickeln, zu dem neben der Krankheit viele verschiedene Eigenschaften und Eigenarten gehören. Wird das Kind vorrangig als „krankes Kind“ behandelt, verstärkt dies die ohnehin schon große Abhängigkeit von den Eltern. Statt dessen sollten die Eltern ihrem Kind genügend Freiraum geben, eigene Erfahrungen zu machen und eigenständig seine Fähigkeiten zu erproben. Das stärkt sein gesundes Selbstvertrauen und hilft dem Kind, sich altersgemäß zu entfalten. Mit der Erkrankung eigenverantwortlich umgehen Zu mehr Selbständigkeit des Kindes gehört auch ein eigenverantwortlicher Umgang mit der Erkrankung. So sollte das Kind schon früh in die Körperpflege mit einbezogen werden. Der Allergiker sollten auch lernen, eigenständig unverträgliche Lebensmittel zu meiden. Dem Kind sollte nicht verboten werden, sich zu kratzen. Das erzeugt nur Schuldgefühle. Denn der Juckreiz ist meist so stark, dass sich das Kratzen willentlich nicht verhindern lässt. Sinnvoller ist es, - neben den vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen - dass das Kind alternative, sanfte Kratzmethoden lernt, ein „Kratzklötzchen“ benutzt oder Entspannungsverfahren einübt (Kap. 6.2). Hat das Kind gelernt, selbstverantwortlich mit der Erkrankung umzugehen, fühlt es sich weniger hilflos und wird selbstbewusster. Ein gesundes Selbstbewusstsein wappnet das Kind auch gegen mögliche Hänseleien oder Unverständnis bei Spielkameraden, in Kindergarten oder Schule. Das Kind lernt am besten am Vorbild der Eltern, wie man darauf sachlich und gelassen reagiert. Die Eltern sollten Großeltern, weitere Bezugspersonen, Erzieher oder Lehrer über die Erkrankung und die notwendigen Verhaltensmaßnahmen informieren. Insbesondere bei massiven Allergien sollte auch über erforderliche Notfallmaßnahmen gesprochen werden. Ungebetene Kommentare und Ratschläge sollten die Eltern ruhig aber bestimmt zurückweisen. Durch Ihr Vorbild lernt das Kind, sich abzugrenzen PRAKTISCHE TIPPS Mit der Erkrankung leben lernen Lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden, Sie seien „schuld“ sind an der Erkrankung Ihres Kindes! Aber überlegen Sie selbstkritisch, ob Sie Ihr Kind vielleicht zu sehr einengen, es überfordern oder verwöhnen. Fördern Sie einen erholsamen Schlaf: Sorgen Sie für ein ruhiges Abendritual. Beugen Sie eventuellen Juckreizattacken in der Nacht vor, stellen Sie beispielsweise Kühlelemente oder einen Cremetopf bereit. Halten Sie das Kinderzimmer kühl und achten Sie darauf, dass das Kind weiche, luftige Kleidung trägt. Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu! Fördern Sie seine Selbständigkeit und auch einen eigenverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung. Suchen Sie für Ihr Kind - und für sich selbst! - auch außerhalb der Familie Entlastung und Unterstützung. Scheuen Sie sich nicht, psychologischen Rat einzuholen, wenn Ihr Kind verhaltensauffällig wird. 12. Prävention: Neurodermitis verhindern? Sind die Eltern selbst Atopiker, besteht eine erhöhte Gefahr, dass auch das Kind an Neurodermitis, Heuschnupfen oder allergischem Asthma erkrankt. Die Eltern können schon während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensmonaten dazu beitragen, dass das Kind gesund bleibt. Erhöhtes Risiko in Atopiker-Familien Die Veranlagung, eine atopische Erkrankung zu entwickeln, ist vererbt. Das Risiko hängt von der familiären Belastung ab: je mehr Familienmitglieder ersten Grades an atopischen Erkrankungen leiden, desto höher das Risiko. Hat beispielsweise ein Elternteil oder ein Geschwisterkind Neurodermitis, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiteres Kind mit dieser Veranlagung geboren wird, auf über 30 Prozent. Leiden beide Eltern an einer atopischen Erkrankung, schnellt das Risiko, Neurodermitits zu bekommen, auf rund 60 Prozent. Hat jeder Elternteil dieselbe atopische Erkrankung, wird diese sogar in bis zu 80 Prozent der Fälle vererbt. Vorbeugung in Schwangerschaft und Stillzeit In vorbelasteten Familien sollte die Mutter schon in der Schwangerschaft und während der Stillzeit sinnvolle Maßnahmen ergreifen, um das Atopie-Risiko des Kindes zu vermindern. Durch konsequente Vorbeugung (Prävention) kann die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in den ersten fünf Lebensjahren eine atopische Erkrankung entwickelt, immerhin um 50 Prozent gesenkt werden. Eine extreme Diät sollte die Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit vermeiden. Eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Kost ist unabdingbar für die Gesundheit von Mutter und Kind. Tabu sind Alkohol und Nikotin, auch in der Umgebung des Säuglings sollte nicht geraucht werden. Vor allem wenn die Mutter selbst Allergikerin ist, sollte in Absprache mit dem Arzt eine allergenarme Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit erwogen werden. Dies kann die Allergiebereitschaft des Kindes verringern. Hochallergene Nahrungsmitteln wie Kuhmilch, Eier, Fisch, Haselnüsse und Erdnüsse, eventuell auch Soja und Weizen sollte die Mutter höchstens in kleinen Mengen verzehren und durch verträgliche Lebensmittel ersetzen werden. Vorsicht geboten ist auch bei Nahrungsmitteln mit einem hohen Histamingehalt, wie Fisch, Sauerkraut, Sauermilchkäse und Rotwein. Ebenfalls ungünstig sind Lebensmittel, die im Körper die Histaminfreisetzung fördern, wie Erdbeeren, Tomaten oder Kiwi (siehe auch Kap. 5.3). Durch die Einnahme von Gamma-Linolensäure kann die Mutter möglicherweise einem Mangel an dieser lebensnotwendigen Fettsäure beim Kind vorbeugen (zB Epogam®). Ganz neu ist auch die Möglichkeit, mit dem probiotischen Mikroorganismus Lactobacillus GG (LGG®) einer Neurodermitis vorzubeugen. LGG kann von der schwangeren oder stillenden Mutter sowie dem Säugling regelmäßig als Nahrungsergänzung eingenommen werden. Dies schützt den Darm und verringert das Risiko des Kindes, ein atopisches Ekzem zu entwickeln. Allergenarme Ernährung auch für die Mutter Optimal: Muttermilch Die beste Vorbeugung ist, den Säugling bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen. Dies fördert die Entwicklung einer optimalen Immunabwehr. Allergische Reaktionen auf Muttermilch gibt es nicht, denn die enthaltenen Eiweiße werden als „körpereigen“ angesehen. An den Spuren fremder Eiweiß-Allergene, die über den Blutkreislauf in die Muttermilch gelangen, kann der kindliche Organismus nach und nach seine Abwehrfähigkeit trainieren. Man sollte schon vor der Entbindung mit den Schwestern in der Klinik besprechen, dass jegliche Gabe von Kuhmilch auf der Säuglingsstation unterbleiben muss. Kann nicht ausreichend gestillt werden, sind zur Prävention hypoallergene Ersatznahrungen (H.A.-Nahrung) empfehlenswert. Diese sind nicht gänzlich allergenfrei, sondern allergenarm. Allergiekranke Säuglinge müssen stärker hydrolysierte, nahezu kuhmilchallergenfreie Ersatznahrung erhalten (Kap. 11.3). Ab dem sechsten Lebensmonat kann mit der Beikost begonnen werden, wobei neue Lebensmittel vorsichtig eingeführt werden sollten. Auch präventiv sollten - wie beim neurodermitiskranken Kind - hochallergene Nahrungsmittel und Zitrusfrüchte zumindest im ersten Lebensjahr gemieden werden. PRAKTISCHE TIPPS Neurodermitis vorbeugen Wenn Ihre Familie zu atopischen Erkrankungen neigt, ist auch das Risiko für Ihr Kind erhöht. Um das Erkrankungsrisiko für Ihr Kind zu verringern, sollten Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit wenig hochallergene Nahrung zu sich nehmen. Stillen Sie Ihr Kind in den ersten sechs Monaten möglichst voll. Reicht die Muttermilch nicht aus, ist H.A.-Säuglingsnahrung erforderlich. Ihr Kind sollte im ersten Jahr vorsorglich keine Kuhmilch, Eier, Nüsse und Zitrusfrüchte erhalten. Unterstützen Sie die Entwicklung einer gesunden Darmflora Ihres Kindes und ergänzen Sie Ihre beziehungsweise die Ernährung Ihres Säuglings mit probiotischen Mikroorganismen (LGG). Viele weitere, verständliche Informationen zum Hautkrebs, zur Hautpflege, Hautverschönerung, Allergien, ästhetischen Behandlungen usw. finden Sie in meinen Büchern "Leberfleck und Pfirsichhaut" (Beck-Verlag, München), "Umweltkrank?" (Beltz-Verlag), „Jung für Immer?“ und „Das Botox-Buch“, sowie auf unserer Internetseite www.drbresser.de. Ihr Praxisteam Dr. H. Bresser Am Peschelanger 11, 81735 München, Tel. 677 977 www.drbresser.de Dieses Merkblatt dient ausschließlich der Information unserer Patienten. Vervielfältigung oder anderweitige Nutzung, auch ausschnittsweise, ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Copyright Dr. H. Bresser Peschelanger 11 81735 München www.drbresser.de
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