Dr. med. Harald Bresser

Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Facharzt für Anästhesiologie

Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur

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Umwelt

von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München


Was ist der Unterschied zwischen Umweltgift und Allergie ?

Zwischen "Umweltgift" und "Umweltallergen" bestehen zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch wichtige Unterschiede.

Die Giftwirkung eines Alltagsgiftes schädigt mehr oder weniger stark jeden Menschen, der mit dem Gift in Kontakt kommt. Jeder Mensch stirbt beispielsweise an einer Dioxinvergiftung, wenn er nur genug von diesem Umweltgift einatmet. Die Dosis bestimmt die Giftwirkung - das wußte schon der alte Paracelsus im 16. Jahrhundert (allerdings verträgt der eine Mensch mehr Gift als ein anderer). Allergisch reagieren wir dagegen nur dann auf einen Stoff, wenn zuvor das Immunsystem eine Allergie gegen diesen speziellen Stoff erworben hat. Für Nichtallergiker ist das Allergen dagegen völlig harmlos. Beispiel: Ein Wespenallergiker ist nach einem einzigen Wespenstich in akuter Lebensgefahr, der Nichtallergiker dagegen ärgert sich nur über den Schmerz an der Stichstelle. Die meisten von uns genießen Schokoriegel mit Erdnüssen, ein Erdnußallergiker dagegen kann beim Essen eines kleinen Stücks davon sterben.

Ein weiterer Unterschied zwischen Gift und Allergie: chronische Umweltvergiftungen bemerkt man anfangs oft kaum (z.B. Blei im Trinkwasser) - chronische Allergien (z.B. Pollenallergie mit Heuschnupfen) machen ständig Beschwerden. Zur Auslösung einer allergischen Reaktion genügen oft winzige Mengen - eine Vergiftung mit kleinsten Giftmengen ist sehr selten. Zwischen Umweltgiften und Allergien gibt es aber auch viele Berührungspunkte. Die Krankheitsbeschwerden durch Umweltgifte und Allergien ähneln sich häufig. Auch fördern manche Umweltschadstoffe indirekt die Allergieentstehung. Dieselruß beispielsweise macht Pollen, bildlich gesprochen, besonders "aggressiv". Wenn allergieveranlagte Menschen an Autostraßen wohnen, erwerben sie daher besonders leicht eine neue Pollenallergie. Tabakrauch schädigt das Immunsystem so stark, daß Kinder in tabakgeschwängerten Wohnungen viel häufiger Allergien gegen die Haare der eigenen Hauskatze entwickeln.

Wo kommen Alltagsgifte und Allergene vor?
Alltagsgifte und Allergene kommen überall dort vor, wo Menschen leben. Umweltschadstoffe erreichen natürlich in Großstädten, nahe bei verkehrsreichen Straßen oder in der Nähe von Industrieanlagen besonders hohe Werte. Die meisten Giftstoffe dringen in sämtliche Lebensbereiche ein, sodaß Wohngifte und Bürogifte nahezu identisch sind. Oft finden sich Schadstoffe oder Allergene aber auch an ganz unerwarteten Orten. Die Allergiekonzentration in der frischen Luft ist auf dem Land besonders hoch, da es hier mehr blühende Pflanzen gibt. In Ökohäusern mit guter Wärmeisolation steigt die Konzentration allergisierenden Hausstaubmilbenkots an. In schlecht gewarteten Klimaanlagen im Büro wuchern nicht selten Schimmelpilze. Selbst im Restaurant lauern neue Gefahren, denn unsere Speisekarten warten mit immer exotischeren Pflanzen und Tieren auf - alles potentielle Allergene. Vor 15 Jahren war die Sojallergie bei uns unbekannt, heute ist sie für Allergologen alltäglich. Manche Allergene finden sich nur in bestimmten Klima- und Vegetationszonen. Hausstaubmilben z.B. existieren nicht im Hochgebirge über 1500 m. Die hochallergene Pflanze "Giftefeu" gibt es bisher fast nur in den USA, scheint aber in Europa auf dem Vormarsch. Erdnußallergien sind in Amerika weit verbreitet, bei uns aber eine Seltenheit. Alltagsgiften und Allergenen kann man also nur dann entgehen, wenn man einzelnen Substanzen gezielt aus dem Weg geht. Eine völlig "saubere" Umwelt ist nicht mit einem normalen Leben zu vereinbaren. Der legendäre amerikanische Milliardär Howard Hughes hat in den 50iger Jahren versucht, sich völlig vor Keimen und Giften zu schützen. Der Versuch endete im goldenen Käfig, in einem völlig isolierten Leben in Wahnsinn.


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