Dr. med. Harald BresserFacharzt für Dermatologie und VenerologieFacharzt für Anästhesiologie Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur Zertifizierte Qualifikationen: Lasertherapie, Ambulante Operationen, medizinische Kosmetik |
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Vitiligo (Weissfleckenkrankheit)
Vitiligo, die Weißfleckenkrankheit, ist eine ungefährliche, schmerzlose, aber oft sehr belastende Hautkrankheit. Sie ist eine häufige Krankheit (ca. 1% der Bevölkerung ist betroffen) und zeigt sich durch Entstehung von mehr oder weniger großen, weißen Hautflecken. Die Haut ist völlig gesund, nur eben heller oder weiß. Die Weißflecken-Krankheit ist relativ häufig und kommt in manchen Familien gehäuft vor. Sie entsteht durch Absterben oder zumindest Inaktivierung derjenigen Hautzellen (Melanozyten), welche für die Produktion des Hautfarbstoffes verantwortlich sind. Die weißen Stellen entstehen meist über Gelenken, am Kopf oder um After und Geschlechtsteile. Seltener betroffen sind Schleimhäute, Augen oder Innenohren. Beim Befall der Kopfhaut bilden sich weisse Haare ("Leukotrichie"). Die weissen Flecken können sich schubweise wachsend vergrößern. Wir unterscheiden einen nicht -segmentalen, symmetrischen Vitiligo-Typ (e: non-segmental vitiligo NSA, ca 85%, langsam zunehmend, oft mit Autoimmunerkrankung) von einem segmentalen, asymmetrischen Typ (e: segmental vitiligo, oft Kinder, rasch zunehmend, oft Haare betroffen). Mischformen existieren. In jedem Fall stellen zuerst die Melanozyten im betroffenen Hautgebiet ihre Pigmentbildung ein. Irgendwann später sterben sie. Solange die Flecken wachsen, gehen an ihrem Rande immer weitere Hautzellen zugrunde. Vielleicht wissen Sie, daß der schwarze Popstar Michael Jackson an Vitiligo litt, wie er selbst immer wieder behauptete. Viele glaubten ihm dies nicht und dachten, er habe sich künstlich bleichen lassen. Erst bei seiner Autopsie bestätigte sich die Diagnose; und wahrscheinlich hat er die Krankheit an seinen ältesten Sohn Prince Michael weitervererbt. Nicht jeder helle Fleck der Haut ist Vitiligo. Vitiligo sollte nicht verwechselt werden mit anderen Hautveränderungen, welche ähnlich aussehen (z.B weiße Unterschenkelflecken bei Frauen in den Wechseljahren). Nicht selten finden sich sog. Halo-Nävi, das sind weisse runde Flecken um Muttermale. Sie gelten als Zeichen zellulärer Autoimmunität gegen Muttermalzellen. Manchmal besteht eine leichte Hörstörung (14%) als Ausdruck einer Störung von Melanozyten im Innenohr (Cochlea). Störungen der Netzhaut (Nachtblindheit, Photophobie) sind genauso wie komplexere Krankheitsbilder (Vogt-Koyanagi-Harada-Syndrom, Alezzandrini-Syndrom) selten. "Wie entstehen die weißen Flecken?" Wissenschaftler diskutieren mehrere mögliche Entstehungsursachen: 1) der Körper bildet selbst Abwehrstoffe gegen Pigmentzellen (Melanozyten) und zerstört diese dadurch (Autoaggressionskrankheit). Warum dies geschieht, ist nicht bekannt. 2) komplizierte körpereigene neurochemische Stoffe sind für die Zellzerstörung verantwortlich. 3) Zelleigene Zwischenstoffe der Pigmentbildung sind die schädigenden Übeltäter (Selbstzerstörung der Pigmentzellen durch Stoffwechseldefekt). 4) "Oxidativer Stress" scheint eine Rolle zu spielen. In der Vitiligohaut wird H2O2 freigesetzt, dies führt zu einer Beeinträchtigung der Funktion von antioxidativen Mechanismen der obersten Hautschicht (z. B. der Katalase), was letztlich wieder die Funktion der Hautzellen (Melanozyten und Keratinozyten) beeinträchtigt. 5) Auch genetische Ursachen scheinen zu exisiteren, warum Menschen mit Vitiligo keine funktionstüchtige Katalase besitzen (Stichwort "heterogene single nucletoide polymorphysms" SNP). Vor kurzem wurde auf Chromosom 17p ein "Vitiligo-suszeptilibiätsgen" entdeckt, das auch für andere Autoimmunkrankheiten bedeutsam ist. 6) Bei 56% der Betroffenen wurden erniedrigte Vitamin D Blutspiegel festgestellt, bei 13% stark erniedrigte Werte. Man wiess noch nicht genau, ob hier ein ursächlicher Zusammenhang besteht. 7) Zuweilen wird Vitiligo durch Unfälle oder Sonnenbrände ausgelöst - die eigentliche Ursache liegt aber im Immunsystem. 8) Bei vielen Menschen findet man gleichzeitig mit der Vitiligo entweder eine Schilddrüsenkrankheiten (30%), oder Anämie, Diabetes, Zöliakie, Alopezia areata, Lupus erythematodes, Mandelentzündungen, Zeckenstiche, Schwangerschaften oder andere Hormonstörungen - ob und welche ursächlichen Zusammenhänge allerdings bestehen, das ist leider unbekannt. 9) Folgende Medikamente können wohl Vitiligo auslösen: Beta-Blocker, Simvastin, H2-Blocker (zB Omeprazol), Kalziumantagonisten, manche Antibiotika. Im Anfangsstadium ist es übrigens oft schwer, eine Pityriasis versicolor (siehe dort), eine Pityriasis alba, Lichen sclerosus, Sklerodermie oder eine andere Pigmentstörung davon zu unterscheiden. Hier sollte immer der Hautarzt zu Rate gezogen werden. 10) Neue Erkenntnisse, die auf einem grossen Hautkongress im April 2011 in Dresden vorgestellt wurden, sprechen für folgende Auslösung: Wegen eines genetisch verursachten inzulänglichen Enzym-Managements des Körpers kommt es bei oxidativem Stress der Zellen zu sogenannten autozytotoxischen Prozessen (dh Selbstzerstörungsprozess der Zellen). Dies führt zu Autoimmunphänomenen, Zerstörung von Melanozyten und damit der Weissfärbung. "Handelt es sich um Krebs?" Vitiligo ist fast immer völlig harmlos und hat nichts mit Krebs zu tun. Allerdings kann die Krankheit in seltenen Fällen begleitend zu Hautkrebs entstehen, weshalb eine hautärztliche Untersuchung immer notwendig ist. Es handelt sich andererseits eindeutig um eine Erkrankung, und nicht um eine "kosmetische Störung" - wie einige Krankenkassen argumentieren, um eventuelle Behandlungskosten nicht übernehmen zu müssen. Die seelische Belastung durch auffällige weisse Flecken ist für betroffene häufig sehr hoch; man sollte die Krankheit daher ernst nehmen und keinesfalls bagatellisieren. "Wie verläuft die Krankheit - ist Vitiligo heilbar?" Der Verlauf der Krankheit ist bei jedem sehr unterschiedlich. In ca. 25% der Fälle treten die ersten Flecken vor dem 10. Lebensjahr auf, in ca. 50%vor dem 20 Lebensjahr. Anfangs entstehen meist nur kleine Herde, deren Rand etwas dunkler aussieht (Hyperpigmentierung). Diese wachsen dann oft und werden immer mehr. Besonders betroffen sind Nacken, Kopf, Hals, Achselhöhlen, Mund, Hände, Füsse, Geschlechtsteile, Brust, Nabel. Die Haare der betroffenen Haut werden oft ebenfalls weiss. Die Schleimhaut ist nie betroffen. Es lassen sich 3 unterschiedliche, gleich häufige Verlaufsformen unterscheiden: 1) die Herde verkleinern sich sehr langsam wieder, indem von den Seiten und den Haarbälgen aus neue Melanozyten wachsen. Eine vollständige Abheilung ist möglich 2) die Krankheit kommt zum Stillstand, die Flecken bleiben wie sie sind 3) die Flecken wachsen weiter, bis fast die gesamte Haut weiß ist. Nur in seltenen Fällen vergehen die weißen Flecken allerdings wieder vollständig. "Was kann ich selbst für meine Erkrankung tun ?" Durch den Mangel an braunem Hautpigment sind die weißen Hautstellen sehr lichtempfindlich. Sie neigen zu Sonnenbränden und müssen daher im Alltag sehr gut mit Sonnenschutzmitteln abgedeckt werden (paradoxerweise besteht eine Behandlungsform in der sehr vorsichtigen Besonnung bzw. UV-Bestrahlung). Falls die Flecken kosmetisch stören, können sie bei Frauen und Männern mit speziellen Kosmetika (z.B. Covermark) abgedeckt werden. Manchmal ist eine offene Badekur in Israel am Toten Meer erfolgreich. "Welche Untersuchungen sind sinnvoll?" Leider kommt es noch immer vor, dass Patienten nach der Diagnosestellung einfach nach Hause geschickt werden. Selbst Ärzte sind manchmal der Meinung: "da kann man nichts tun". Wir gehen so vor: zuerst muss eine mögliche innere, auslösende Ursache ausgeschlossen werden. Dazu werden umfangreiche Blutuntersuchungen durchgeführt, zB um eine Zeckeninfektion, eine Infektion im Körper, Anämie oder Autoimmunerkrankung auszuschliessen. Eine Autoimmunthyreoiditis findet sich immerhin in 10-50% aller Fälle, eine Autoimmungastritis in ca 10%; perniziöse Anämie, Morbus Addison, Alopezia areata, Lupus erythematodes, Diabetes, multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis ua wurden seltener beschrieben. Eine Wood-Licht Untersuchung ist u.U. sinnvoll, um die Krankheitsaktivität zu bestimmen. Danach wird je nach Ergebnis entschieden, welche Behandlung möglich ist. Ein Behandlungsversuch ist nach unserer Meinung immer sinnvoll. Es gibt zwar keine Erfolgsgarantie, aber sehr vielen Patienten kann doch geholfen werden. "Die Behandlung der Vitiligo" Bei jeder Behandlung müssen Sie viel Geduld aufbringen. Leider gibt es keine sichere Heilmethode - auch wir haben keine Wundermittel. Da die Pigmentzellen Monate benötigen, um wieder Pigment zu bilden, sieht man den Erfolg einer Behandlung leben auch erst nach Monaten. Erstes Ziel jeder Behandlung ist es, ein weiteres Größerwerden der Hautflecken zu stoppen, und dann die alten Herde wieder zu verkleinern. Im Idealfall ist das Ziel natürlich, dass die Flecken völlig verschwinden. Es gibt sehr viele verschiedene Behandlungsformen - die aber alle nur im Einzelfall erfolgreich sind. Am Anfang steht sicher die Behandlung innerer Krankheiten (z.B. einer Schilddrüsenerkrankung). Einige der möglichen Therapien werden hier aufgezählt. Welche sinnvoll ist, kann nur der Facharzt für Hautkrankheiten mit dem Patienten für den Einzelfall festlegen. Als Basisbehandlung empfehlen wir die Einnahme von Vitaminen und Spurenelementen. Beta-Carotintabletten färben die weisse Haut gelb-orange und vermindern die Lichtempfindlichkeit. Auch Vitamin B, C und Folsäure wurden erfolgreich eingesetzt. Wir verordnen oft eine Kombination verschiedener Mineralstoffe, Vitamine, von Selen und/oder Vitamin E uvm. Manche Ärzte empfehlen sehr teure und komplizierte, "einzigartige" Vitamin-Kombinationen (meist aus den USA). Es gibt keinerlei Beweise, dass diese Mischungen besser wirken als die europäischen Vitamine. Meist sind die einzelnen Bestandteile in diesen Mischungen sogar zu niedrig dosiert. Eine sinnvolle Standardbehandlung an allen Universitätshautkliniken ist das (zeitlich begrenzte) Auftragen, Einspritzen oder Einnehmen von Steroiden (Kortison), um die "Selbstzerstörung" der Pigmentzellen zu stoppen. Bis vor kurzem haben wir auch den sog. Melanozytentransfer in durchgeführt. Dabei wurden körpereigene Pigmentzellen operativ entnommen und in einem Speziallabor angezüchtet und vermehrt. Nach etwa 4 Wochen können diese Zellen dann mit einer komplizierten Technik auf die hellen Hautareale "aufgeklebt" werden; sie vermehren sich und bilden natürliches dunkles Pigment. Dieser sogenannte "Melanozytentransfer" war eines der ersten Beispiele für die praktischen Möglichkeiten der Gentechnik und der neuesten Biotechnologie. Leider existiert die Firma nicht mehr, welche die Zellen anzüchtete. Diese Behandlung steht daher zZ nicht zur Verfügung. Als Alternative bieten wir die Transplantation eigener Haut auf die weissen Stellen an (Mikrotransplantation). Dieses operative Verfahren ist gut erprobt und führt im allgemeinen zuverlässig zur teilweisen oder vollständigen Repigmentierung. Ein weiteres, neues Verfahren der Hauttransplantation nennt sich Re-Cell. Dabei wird aus einem Stück der Patientenhaut eine Zellsuspension vorgenommen, die dann als Lösung auf Vitiligostellen aufgestrichen wird. Langzeitergebnisse liegen dazu noch nicht vor. Eine UV-Bestrahlung, oft verknüpft mit der Einnahme von Medikamenten (Photochemotherapie) kann zu einer langsamen, meist unvollständigen Verkleinerung der Hautflecken führen. Dabei gibt es verschiedene Varianten: PUVA, PAUVA, UVA, UVB 311. Die Bestrahlung kann mit Psoralen, Khellin, Vitix-Gel ua kombiniert werden. Therapiedauer ist oft 2 Jahre, Erfolgsquoten liegen bei ca. 60 %. Empfehlenswert ist u.E. auch die Photo-Sole-Behandlung ("Tomesa", siehe dort). Typischerweise beginnt die neue Farbbildung fleckförmig um Haarwurzeln herum oder von den Rändern der weissen Flecken her. Eine neue Behandlungsmethode ist die Laserbehandlung mit Excimer-Laser, ev. auch kombiniert mit äusserlichen Cremes. In unserer Praxis hat sich diese Therapie sehr rasch zu einem wichtigen Bestandteil der Vitiligobehandlung entwickelt (näheres siehe unter "Eximer-Laser"). Zu dieser Kombinationsbehandlung liegen schon relativ viele wissenschaftliche Untersuchungen vor, die den Erfolg bestätigen. Die meisten Privatkassen erstatten die Behandlungskosten auf Antrag ganz oder teilweise; bei Kassenpatienten ist die Kostenübernahme fraglich. Es gibt verschiedene Medikamente in Cremeform, welche bei regelmässigem Auftragen die Immunentzündung stoppen können (Steroide, Tacrolimus, Pimecrolimus ua). Die Universität Greifswald untersucht zz zusammen mit der Uni Bradford/England einen Behandlungsansatz mittels PC-KUS Creme + UVB (311nm)+Folsäure+ Vit. B12 + Zink. Diese Behandlung scheint relativ erfolgreich zu sein. Die Creme ist jedoch zZ nur in Greifswald im Rahmen der wissenschaftlichen Studie zu erhalten. Die Behandlung mit Goldtüpfelfarn und Tumornekrosefaktor-TNF-Antagonisten ist zur Zeit in wissenschaftlicher Erprobung. Helle Flecken können mit Abdeckcremes unsichtbar gemacht werden. Falls schon sehr große Teile der Haut weiß geworden sind, so kann man auch die verbleibenden braunen Flecken ausbleichen. So entsteht wieder eine einheitliche, allerdings sehr helle Hautfarbe. Naturheilkundlich können wir versuchen, die ursächliche Immunstörung im Körper zu beheben, um die Krankheit zu stoppen. Manchmal lassen sich danach die Melanozyten wieder zum Wachstum anregen. Bei einer sinnvollen Auswahl dieser Möglichkeiten ist die Vitiligo sehr oft zu bessern oder sogar zu heilen. Zwar verfügen auch wir über keine Wundermittel; eine Kombination der vielen möglichen Behandlungsansätze ist aber sehr erfolgversprechend. Zu Resignation und Depression besteht also kein Anlass. Da wir viele Anfragen von Patienten auch von ausserhalb von München erhalten, dürfen wir noch einmal darauf hinweisen, dass eine Vitiligobehandlung immer lange dauert. Eine Behandlung bei uns ist nur sinnvoll, wenn regelmässige Besuche in unserer Praxis möglich sind. Wenn Sie nicht aus dem Grossraum München sind, sollte Ihr Ansprechpartner Ihr Hautarzt oder die nächstgelegene Hautklinik sein. Ihr Praxisteam Dr. H. Bresser, Peschelanger 11, 81735 München, www.drbresser.de Diese Seiten dienen ausschliesslich der Information unserer Patienten. Vervielfältigung, auch Ausschnittweise, ist nur zum persönlichen Gebrauch gestattet. Copyright Dr H Bresser, Peschelanger 11, 81735 München, 089-677977 www.drbresser.de
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