Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Praxis
Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Zecken

Was sind Zecken? Welche Krankheit kann durch Zecken übertragen werden? Wie behandeln wir Zeckenstiche in München? 

von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München


Im Frühjahr und Sommer kann man in den Zeitungen immer wieder über die Gefährlichkeit von Zecken lesen. Nur wenige Menschen wissen aber genaueres über die Zeckenschutzimpfung, die Zeckengefahr und die Schutzmöglichkeiten. Mit diesen Seiten möchten wir Ihnen über die heimtückischen Zecken-Infektionen Gewissheit verschaffen. Bitte beachten Sie auch unsere Webseite über "Borreliose".   

"Was sind Zecken?

Zecken sind milbenartige Insekten von wenigen Millimeter Grösse. Im Volksmund werden sie auch "Holzbock" genannt. Ihr wissenschaftlicher Name ist "Schildzecke" (Ixodes ricinus). Zecken leben in Wartestellung meist an Kräutern, Gräsern und niedrigem Gehölz. Sie fallen nicht von Bäumen. Waldspaziergänge sind daher weniger gefährlich als ein Picknick im hohen Gras am Waldrand. Eigentlich ernähren sich Zecken vom Blut von Rehen , Mäusen und anderer Tiere. Mit dem Blut dieser Tiere werden Krankheitserreger aufgenommen und weitergegeben. Falls Zecken einen Mensch "erwischen", so krabbeln sie an Schuhen, Armen oder Strümpfen nach oben und beissen bzw stecken sich dann in der Haut fest. Sie saugen sich mit Blut voll und lassen sich nach Stunden oder Tagen einfach fallen, um zu verschwinden. Unter Biologen ist es übrigens umstritten, ob man von einem Zeckenbiss oder Zeckenstich sprechen sollte, daher werden beide Begriffe von mir verwendet.  

"Gefahren durch Zecken"

Zecken können mehrere gefährliche Krankheiten übertragen:  
1) Hirnhautentzündung: diese Viruserkrankung nennt man "FrühSommerMeningoEncephalitis" = FSME, die Erreger sind FSME-Viren. 
2) (Lyme-) Borreliose: schleichende Organschäden durch die "Borrelien-Bakterien". 
Beide Krankheiten haben nichts miteinander zu tun und müssen strikt unterschieden werden.  
3) Rickettsiosen 
4) Tularämie: Erreger Francisella tularensis 5) Listeriose: Erreger Listeria monocytogenes 

"Sind alle Zeckenbisse gefährlich ?"

Eine Gefahr geht von Zeckenbissen nur aus, wenn die Zecken durch die genannten Viren oder Bakterien verseucht sind. In Mitteleuropa sind v.a. Borrelien uns FSME - Viren häufig und daher gefährlich. FSME-Viren findet man v.a. in Zecken folgender Gebiete: Niederbayern, Bayerischer Wald, Schwarzwald, Österreich. Viele Infos über die weitere Verbreitung finden Sie auf unserer "Borrelien-Webseite". Selbst in Endemiegebieten sind  weit unter 1 % der Zecken mit FSME infiziert.  Pro Jahr zählen wir Ärzte in Deutschland ca. 100 - 300 Fälle von Hirnhautentzündung durch Zecken. 
Mit Borrelien-Bakterien dagegen sind die Zecken überall verseucht. Etwa 10-30% aller mitteleuropäischen Zecken sind von Borrelien befallen, in manchen Gebieten sogar 50 %. Man schätzt, daß allein in Deutschland pro Jahr 30 000 - 100 000 Menschen an Borreliose erkranken. Die Borreliose ist also viel gefährlicher, obwohl die meisten Menschen nur die Hirnhautentzündung als Zeckenbiss-Folge kennen.  

"Krankheiten durch die Zecke"

1) Borreliose: Nach der Borrelienübertragung durch den Zeckenspeichel vermehren sich die Bakterien in der Haut und beginnen zu wandern. 5-10 Tage nach dem Biss kann es an der Bisstelle zu einer "Wanderröte" kommen, einer blassrosafarbenen, wachsenden Hautrötung. Sie kann auch fehlen und/oder mit grippeähnlichen Beschwerden einhergehen. Danach streuen die Bakterien innerhalb von 10 Wochen im Körper aus. Die Kranken fühlen sich oft müde, unkonzentriert oder schwindelig. Auch extreme Schweissausbrüche und kurzer, heftiger Pulsschlag ist typisch. Sie bohren sich in das Bindegewebe der Haut, der Gelenke oder anderer Organe und lösen eine chronische Entzündung aus. Knochen können so langsam entkalken, Nerven absterben, die Haut degenerieren, Herz und Gelenke angegriffen werden. Nächtliche "Bandscheibenschmerzen" oder Belastungsschmerzen, die auf Schmerzmittel nicht ansprechen, sind ebenfalls typisch. "Ameisenlaufen", Hitz- und Kältegefühl, Taubheit und Zittern, kappenförmige Kopfschmerzen, Sehstörungen, Gesichtslähmngen sind eventuell langfristig die Folge. Blautrote Hautschwellungen über Knie, Ellbogen, Handrücken oder Fingern, aber auch Hautverdünnung kommt vor. Fast 10% der unerkannten Infektionen führen zu chronischen Hirn- und Rückenmarkschäden. 
Die Gefahr der Lyme-Borreliose liegt darin, daß eine hohe Zahl der Infektionen ohne Beschwerden beginnt. Einzelne Stadien der Erkrankung können ganz fehlen. Bei Kindern kann ein grippeähnliches Krankheitsbild entstehen und die Borreliose so unerkannt bleiben. Viele Patienten erinnern sich nicht an einen Zeckenstich. Sie werden jahrelang wegen Migräne, Rheuma oder Herzerkrankungen behandelt, bevor die Ursache erkannt wird. 
2) FSME: Durch FSME-Viren besteht eine (relativ geringe) Gefährdung nur für Gärtner, Jäger, Pilzsammler und "Waldläufer" in Niederbayern, dem Schwarzwald oder Urlauber in Österreich. Meist verläuft die Hirnhautentzündung sehr leicht. Leider bleiben bei 5-10% der Kranken bleibende schwere Lähmungen zurück, weshalb gegebenenfalls die Impfung empfohlen wird.  

"Vorbeugung gegen Zeckenstich"

1) Schutz vor Zeckenbissen: Meiden Sie Unterholz und hohes Gras (auch im Winter bei milder Witterung). Geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk bieten einen gewissen Schutz. Hosenbeine in die Socken stecken. Zecken trocknen schnell aus. Jäger schützen sich, indem sie ihre Kleidung einige Minuten in den Wäschetrockner legen - das überlebt keine Zecke auf der Kleidung. 
2) Impfung: Gegen Hirnhautentzündung kann man sich impfen lassen. Die Impfung ist empfehlenswert, wenn man in Niederbayern oder einem anderen "Problemgebiet" viel im Freien ist. 
3) Selbstkontrolle: Nach einem Aufenthalt im Freien kann man sich selbst auf Zecken untersuchen. 
4) Zeckenentfernung: Borrelien wandern erst 12-24 Stunden nach dem Zeckenbiss durch den Rüssel der Zecke in den menschlichen Körper. Entdeckte Zecken sollten entweder mit dem Messer "abgeschabt" oder gleich dem Arzt gezeigt werden, damit dieser sie entfernt. Danach wird die Stichstelle desinfiziert. Keinesfalls darf die Zecke gequetscht, mit Alkohol, Feuer, Klebstoff, Öl o.ä. traktiert werden. Im Todeskampf erbricht sie sonst noch viel mehr Erreger in die Stichwunde. Vermutlich werden die meisten Borrelieninfektionen durch falsche Zeckenentfernung erst provoziert. 
5) Arztkontrolle: Ein normaler Zeckenbiss kann dem Arzt zur Kontrolle gezeigt werden. Tritt aber ein Rötung an der Stichstelle auf, ist die Kontrolle durch den Hautarzt unerlässlich. Bei Infektionsverdacht sichert eine Blutuntersuchung die Diagnose (frühestens nach 2 Wochen, Kontrolle nach 4-6 Wochen sinnvoll). 
6) Zeckenuntersuchung: Sofortige Gewissheit verschafft die Untersuchung der verdächtigen Zecke auf Borreliose. Die entfernte Zecke sollte mit Tesa auf Pappe geklebt und komplett zum Arzt gebracht werden. Die Kosten der Untersuchung der Zecke selbst werden nicht von den Kassen getragen.  

"Behandlung der Zeckenkrankheiten"

1) Eine Hirnhautentzündung durch FSME - Viren spricht auf Antibiotika nicht an. Eine schwere Hirnhautentzündung kann nur in Spezialabteilungen der Krankenhäuser behandelt werden. Aus diesem Grund ist die Impfung der Gefährdeten so wichtig. 
2) Die Lyme-Borreliose ist im Frühstadium sehr einfach durch Antibiotika-Tabletten über 2-3 Wochen zu heilen. Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, um so grösser ist die Heilungschance. Manchmal muss allerdings eine längere Infusionstherapie mit Antibiotika erfolgen, um alle Erreger abzutöten. Die Beschwerden verschwinden dann folgenlos. Bei jahrelang bestehender, unerkannter Borreliose können leider trotz Antibiotikagabe chronische Krankheitsbeschwerden bestehen bleiben. Nach der Behandlung sollte vierteljährlich eine hautärztliche Kontrolle einschließlich Blutkontrolle erfolgen. Rückfälle können noch nach 2 Jahren auftreten.  

"Können mehrere Krankheiten bei einem Zeckenbiss übertragen werden?"

Prinzipiell können pro Zeckenbiss aus mehrere Krankheiten übertragen werden, was allerdings selten ist. Es gibt nur einzelne Literaturberichte über Doppelinfektionen. 

"Wielange nach dem Zeckenbiss können Borrelien und FSME übertragen werden?"

Prinzipiell werden FSME-Viren sofort beim Zeckenstich übertragen, während Borrelien meist erst ca. 8 Stunden nach dem Biss übertragen werden. Der Grund dafür:  FSME Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken, weshalb die Infektion mit Beginn des Saugens erfolgen kann. Die Erkrankungsgefahr steigt daher mit jeder Minute, welche die Zecke ungestört auf der Haut sitzt. Die Borrelien-Bakterien dagegen befinden sich im Darm der Zecke. Erst die Blutmahlzeit führt dazu, dass sich die Bakterien über die ganze Zecke verbreiten (generalisierte Infektion), dadurch wandern sie auch in die Speicheldrüsen. In 90% aller Fälle sind Zecken daher erst 8-24 Stunden nach Beginn des Saugens für Borrelien infektiös. Allerdings überträgt nicht jede borrelientragende Zecke auch die Bakterien: von 100 Zecken, die Borrelien beherbergen und den Menschen stechen, übertragen tatsächlich nur 25 % tatsächlich die Bakterien. Der Anteil infizierter Zecken mit Borreliose beträgt in Hochrisikogebieten ca. 40%. Somit kann man ausrechnen, dass in gefährdeten Gebieten etwa jeder 10. Zeckenstich infektiös ist.  Viele weitere Informationen über Zecken und Borrelien finden Sie auf unserer Borreliosen - Webseite. 

Ihr  Praxisteam Dr. H. Bresser, Peschelanger 11, 81735 München, 089-677977, www.drbresser.de 

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