Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Praxis
Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Phytotherapie, pflanzliche Therapie in der Dermatologie

 Wie hilft die Phytotherapie bei Hautkrankheiten, Warzen und Allergien? Welche Pflanzen und andere Naturheilkunde verwenden wir in unsere Hautarztpraxis in München? 
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München

 "Was ist pflanzliche Therapie und Phytotherapie?"

Unter Phytotherapie versteht man die Behandlung von Krankheiten mit Medikamenten, die aus Pflanzen hergestellt werden. Pflanzen werden seit Beginn der Menschheitsgeschichte als Heilmittel eingesetzt und sind auch noch heute die Basis jeder Medizin bei Indianern und anderen Urvölkern. Bis zum 19. Jahrhundert war die Pflanzenheilkunde die Domäne der Volksmedizin: Kräuterfrauen, Klostermedizin und Kräuterwickel sind wenige Beispiele für die lange Tradition der Phytotherapie in der Medizin und Dermatologie auch in Europa.  

"Welche Pflanzen heilen bei Hautkrankheiten und Allergien?"

Die Phytotherapie zählt zu den anerkannten Naturheilverfahren und wird in vielen naturheilkundlichen Praxen und Kliniken täglich angewendet. Heute hat die Phytotherapie wieder ihren Stellenwert in der Hautarztpraxis. Naturheilkundliche Behandlungen waren noch vor wenigen Jahren in der universitären Dermatologie verpönt. Die starke Nachfrage der Patienten nach unkonventionellen Therapiemethoden und der Druck von Selbsthilfegruppen erzwang eine gewisse Öffnung der wissenschaftlichen Dermatologie. Bei einer Umfrage des Bundesverbandes der Neurodermitiskranken wünschten sich von 5000 Befragten 98% mehr naturheilkundliche Behandlungsangebote. Fast alle „klassischen“ externen dermatologischen Verfahren entstanden als reine Erfahrungsmedizin ohne strenge wissenschaftliche Absicherung. Vielleicht fällt es Dermatologen deshalb etwas leichter, sich jenseits "evidenzbasierter" Medizin und ohne Vorliegen klinischer Studien nach GCP-Richtlinien auf die Erprobung bewährter erfahrungsmedizinischer Konzepte einzulassen.  Fast jedes naturheilkundlich oder alternativmedizinische Konzept nimmt für sich in Anspruch, bei Hauterkrankungen gute Wirkung zu zeigen. Viele naturheilkundlich tätigen Ärzte sehen in der Haut ein grosses Ausleitorgan und beziehen sie immer auch bei inneren Erkrankungen in ihr Therapiekonzept ein. Das Konzept der Ausleitung ist der wissenschaftlichen Dermatologie fremd - phytotherapeutische Therapiekonzepte sind schulmedizinisch geschulten Ärzten sicherlich einfacher zu vermitteln. Im folgenden wird aussschliesslich über phytotherapeutische Möglichkeiten bei Hauterkrankungen und Allergien berichtet. In der konkreten Behandlungssituation wird die Phytotherapie meist eines von mehreren Therapieverfahren sein.  

"Wissenschaft und Phytotherapie"

Unsere Wissensbasis ist die umfangreiche wissenschaftliche und dermatologischen Literatur, die Ergebnisse der Arbeit der sogenannten Kommission E beim Gesundheitsministerium, Erfahrungsberichte in Publikationen dermatologisch-allergologischer Selbsthilfegruppen sowie eigene praktische Erfahrungen. Die höchste wissenschaftliche Relevanz haben davon sicherlich die Ergebnisse der Kommission E, die von 1987 bis 1995 beim Gesundheitsministerium als Expertenkommission 378 Pflanzen auf ihre Eignung als Medikament prüfte. Ähnlich Prüfungen gab es auf europäischer Ebene und bei der Weltgesundheitsorganisation. Die dort erarbeiteten "Positiv-Monographien" für dermatologische Indikationen wurden ausgewertet. Neuere phytotherapeutische Therapieansätze wurden bisher meist keiner vergleichbar eingehenden Prüfung unterzogen.  

"Wie wirken Pflanzen an der Haut?"

Viele naturheilkundlich denkende Ärzte sehen in einer Hauteffloreszenz den symptomatischen Ausdruck einer inneren Störung; sie lehnen das phytopharmakologische Konzept der "Unterdrückung" einer Hautentzündung auch mit pflanzlichen Substanzen ab. Das Für und Wider dieser Sichtweise kann hier nicht diskutiert werden. Rationale Phytotherapie beschreibt pharmakologisch wirksame Prozesse, die grundsätzlich Dosis-Wirkungsbeziehungen unterliegen. Eine Vielzahl von teils chemisch definierten Einzelsubstanzen sind bekannt, deren Wirkung und insbesondere Zusammenspiel in der Therapie jedoch grossenteils ungeklärt sind. Pharmakologische Untersuchungen werden dadurch erschwert, dass Pflanzeninhaltsstoffe als Gesamtextrakte oft synergistisch wirken, damit besser wirksam und gleichzeitig nebenwirkungsärmer sind als die Reinsubstanzen.  Eine grosse Bedeutung besitzt die Darreichungsform des ausgewählten Pflanzeninhaltsstoffes. Die durchschlagende Wirkung eines potenten Steroids kann die falsch gewählte Darreichungsform vielleicht vorübergehend kaschieren; ein mild wirkendes Phytotherapeutikum dagegen wird in der falschen Salbengrundlage kaum zu einem bemerkenswerten Therapieerfolg führen. Bei äusserlicher Anwendung unterscheiden sich Phytotherapeutika nicht wesentlich von synthetischen Wirkstoffen: die Grundlage der Zubereitung (Salbe, Creme, Paste, feuchte Umschläge usw) tragen entscheidend zu Penetration und Persorption bei und sollten gemäss der gängigen dermatologischen Grundsätze ausgewählt werden. Bei der Auswahl des passenden Vehikels werden im Alltag wahrscheinlich die häufigsten Anwendungsfehler begangen, so wenn beispielsweise eine fettreiche arnikahaltige "Brandsalbe" auf eine nässende Verbrennung appliziert wird. Auch pflanzliche Mittel zur innerlichen Anwendung sind weit verbreitet.  

"Nebenwirkungen pflanzlicher Präparate"

Dermatologisch und allergologisch bedeutsam sind insbesondere die toxischen, allergischen und phototoxisch-photoallergischen Potentiale zahlreicher Pflanzeninhaltsstoffe. Auf diese Nebenwirkungen wird in der allergologischen Literatur immer wieder hingewiesen. Tatsächlich sind insbesondere phototoxische Reaktionen nach Pflanzenkontakt bei Gärtnern für den Allergologen ein sehr vertrautes Bild. Allergologische und toxische Nebenwirkungen durch phytotherapeutische Externa dagegen sind erstaunlich selten, insbesondere angesichts der Tatsache ihrer vielmillionenfachen Verwendung in frei verkäuflichen Externa. Lediglich Kontaktekzeme auf Perubalsam und Teebaumöl werden in den letzten Jahren häufiger gesehen. Zu den Nebenwirkungen von Phytotherapeutika zählen : toxische Reaktionen: zB Schöllkraut, Maiglöckchen; Intoxikationen: zB Missbrauch von Abführtee; Kanzerogenität: Huflattichtee;
Kontaktallergien: zB Arnika, Perubalsam, Teebaumöl;
Photosensibilisierung: zB Johanniskraut 

"Heilpflanzen gegen Akne, Ekzem, Schuppenflechte, Vitiligo, Warzen..."

Die Dermatologie ist die Wissenschaft von den "Effloreszenzen": das bedeutet übersetzt, von den "Hautblüten". Auf den ersten Blick scheint dies das einzige, was heute in dermatologischen Kliniken an Phytotherapie erinnert. Bei näherem Hinsehen erkennt man aber, dass auch in der wissenschaftlichen Dermatologie Stoffe pflanzlicher Herkunft noch immer eine grosse Rolle spielen. Phytotherapeutika können bei allergischen Erkrankungen als Spasmolytika, Mucolytika, Dermatologika und Immunstimulantien angewendet werden.  Dermatika mit direkter oder indirekter pflanzlicher Herkunft

  • Salicylsäure 
    Indikation: Hyperkeratosen; Ichthyose; Psoriasis vulgäres Pflanzliche Ausgangsstoffe: Salicin, früher aus Weidenrinde (Salix alba), heute synthetisch
  • Birken/Buchen/Wacholderteere 
    Indikation: Ekzeme, Psoriasis vulgaris, entzündliche Dermatosen, Vaskulitiden
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Birke, Buchen, Wacholder, Kohle, Schiefer, Mineralöl 
  • ß-Carotin 
    Indikation: Vitiligo, polymorphe Lichtdermatose, Photodermatosen, erythropoetische Protoporphyrie; 
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Karotten, Kartoffeln, viele Früchte und Gemüse 
  • 8-Methoxypsoralen 
    Indikation: Psoriasis; Mycosis fungoides; Lichen ruber planus; atopische Dermatitis; Problemwarzen; 
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Doldenblütler, Knorpelmöhre (Ammi maius) 
  • Khellin 
    Indikation: Asthma (Muttersubstanz von Dinatrium cromoglicicum), Vitiligo
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Bischofskraut (Ammi visnaga) 
  • Perubalsam 
    Indikation: Wunden, Ulcera
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: südamerikanischer Myroxylum balsamum 
  • Podophyllin
    Indikation: Condylome
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Rhizom von Fussblatt/Maiapfel/Podophyllum peltatum 
  • Dithranol, Cignolin
    Indikation: Psoriasis vulgaris, Alopezie
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Chrysarobin aus Goa-Baum (Andira araroba)
  • Colchizin 
    Indikation: Morbus Behcet; Sklerodermie 
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Alkaloid aus Herbstzeitloser (Colchicum autumnale)
  • Tannin/Gerbstoffe
    Indikation: Ekzeme, Verbrennungen, Wunden, entzündliche Dermatosen
    Pflanzliche Ausgangsstoffe: Eichenrinde (Cortex quercus), schwarzer Tee 

"Wichtige Substanzen der dermatologischen Phytotherapie"

Die wissenschaftliche Phytopharmakologie hat viele extern wirksame Substanzgruppen definieren können. Saponine aus Rosskastanie und Efeu wirken bei Ödemen und Venenproblemen antiexsudativ und entzündungshemmend. Flavonoide aus Gingko und Ringelblume helfen bei AVK, Venenerkrankungen und Ödemen durch Spasmolyse und Entzündungshemmung. Phytosterole aus Dulcamara stipides können bei Ekzemen den Steroidverbrauch vermindern. Die ätherischen Öle von Eukalyptus, Thymian, Wacholder und Teebaum kommen aufgrund ihrer antimikrobiellen und durchblutungsfördernden Potenz bei superinfizierten Dermatosen, Akne und sogar Haarausfall zum Einsatz. Gerbstoffe aus Hamamelis, Eichenrinde, Walnuss und Schwarztee/Grüntee bewähren sich gerbend, antimikrobiell und entzündungshemmend bei Wunden, Ekzemen und Schwellungen. Die antiödematöse Wirkung von Ananas und Bromelain wird in vielen Enzympräparaten genutzt. Die nachweisbar guten Wirkungen von Arnika, Calendula und Kamille bei topischer Anwendung werden in zahlreichen, auch frei verkäuflichen Externa-Präparationen genutzt.  

1987 bis 1995 war beim Gesundheitsministerium eine Expertenkommission tätig (Kommission E), welche 378 pflanzliche Drogen auf ihre Eignung als Medikament prüfte. Ähnlich Prüfungen gab es auf EU-Ebene und bei der WHO. Eine sogenannte "Positiv-Monographie" für die Indikation "Hauterkrankungen" erhielten damals die meisten der in Tabelle 3 aufgeführten Pflanzen. Das bedeutet, dass bei wissenschaftlicher Sichtung der damals vorliegenden umfangreichen Literatur die Anwendung dieser Pflanzen bei definieten dermatologischen und allergologischen Indikationen empfohlen werden konnte. Das Indikationsspektrum ist sehr breit und kann an dieser Stelle nicht im Einzelnen aufgeführt werden. Die in der Tabelle aufgeführten, nicht monographierten Pflanzen wurden teils in der Kommission D (Homöopathie) empfohlen, teils liegen sonstige plausible Wirksamkeitsnachweise vor.  Dermatologisch bedeutsame Phytotherapeutik

  • Agrimoniae herba/Odermennigkraut
  • Arnika montana/Arnikablüten
  • Avenae stramentum/Haferstroh
  • Calendula officinalis/Ringelblume
  • Capsici fructus acer/Cayennepfefferfrüchte
  • Cardiospermi herba/Ballonrebenkraut * Centella asiatica / Wassernabelkraut
  • Dulcamara stipites/Bittersüßstengel
  • Equiseti herba/Schachtelhalmkraut
  • Hamamelis virginiana/virginischer Zauberstrauch
  • Hyperici oleum/Johanniskrautöl
  • Matricariae flos/Kamillenblüten
  • Melissae folium/Melissenblätter
  • Menthae arvensis/ Minzöl
  • Menthae piperitae/ Pfefferminzöl 
  • Oleum boraginis semen/Borretschsamenöl
  • Oleum oenotherae semen/Nachtkerzenöl
  • Podophylli peltati/ Fussblattwurzel und Harz
  • Quercus cortex/Eichenrinde
  • Rusci aculeati/Mäusedornwurzelstock 
  • Viola tricolor  / Veilchen  

"Sonstige Phytotherapeutika mit Praxisrelevanz"

Für viele praxisbewährte Phytotherapeutika fehlen grosse klinische Wirksamkeitsstudien, wobei fast immer zahlreiche positive Anwendungsberichte bzw. Studien von geringerem Evidenzniveau vorliegen. Viele phytotherapeutische Externa sind leider schon vom Markt genommen worden, weil kleine und mittelständische pharmazeutische Unternehmen die Zulassungsprozeduren ihrer Präparate nicht finanzieren können. Andererseits werden manche Pflanzen in Form regelrechter Modewellen in regelmässigen Abständen immer wieder in der Laienpresse neu entdeckt. Die Teebaum-Welle der letzten Jahre wird zur Zeit von der Aloe vera Welle abgelöst (Aloe-vera-Präparate werden von schlagkräftigen Strukturvertrieben über Laien und Ärzte in den Markt gedrückt). Das sollte uns nicht davon abhalten, die oft unbezweifelbaren Vorteile auch solcher Modepflanzen zu nutzen.  Dermatologisch wirksame Phytotherapeutika der Erfahrungsheilkunde mit Indikation * Aloe vera: Ekzeme, Wunden, Akne (diverse Fertigpräparate)

  • Zwiebel: Narben, Keloide (zB Contractubex®)
  • Bittersüßstengel: atopisches Ekzem (zB Cefabene®)
  • Perubalsam: Wundbehandlung 
  • Gewürznelkenöl: Insektenstiche
  • Walnussblätter: Ekzeme 
  • Mahonienrinde: Psoriasis, Akne, Seborrhoe (zB Rubisan ®)
  • Spitzwegerichkraut: Wunden, Ekzeme
  • Syzygiumrinde: entzündliche Dermatosen
  • Lärchenterpentin: Furunkel, Karbunkel
  • Thuja/Lebensbaumspitzen: Warzen, Feigwarzen (zB Thuja oligoplex®)
  • Stiefmütterchenkraut: Windeldermatitis, Seborrhoe
  • Teebaumöl: Ekzeme, Akne, Insektenstiche (zahlreiche Fertigpräparate)
  • Grüner Tee/schwarzer Tee: entzündliche Dermatosen, Superinfektionen
  • Schwarzkümmel: atopisches Ekzem
  • chinesische Teemischungen: zahlreiche Indikationen 
  • Rosmarin: Kopfjucken, Kopfschuppen (zB Criniton ®)
  • Pyrethrum: Parasiten, Läuse (zB Goldgeist® )
  • Melisse: Mundspülung, Bleichmittel (
  • Menthol: Pruritus, Superinfektionen (zB Pruricalm®)
  • Myrrhe: orale Aphthose (zB Salviathymol®) 
  • Mischung von Mahonie, Veilchen und Wassernabelkraut: zur Ekzem - und Neurodermitis - Therapie (zB Ekzevowen  dermacreme®, Ekzevowentropfen®)  

"Teebaumöl"

In Laienkreisen hat die Selbstbehandlung mit Teebaumöl in den letzten Jahren weite Verbreitung gefunden, weshalb diese Pflanze näher erläutert werden soll. Es gibt ca. 300 Teebaumvarianten in Australien - übrigens ohne biologische Verwandtschaft zum schwarzen (Trink-) Tee. Schon die Aborigines zerrieben Teebaumblätter in Lehmpackungen als Wundbehandlung. Zahlreiche wissenschaftl. Untersuchungen belegen die Heilpotenz der Pflanze. Besonders wirksam sind die Inhaltsstoffe Cineol (eukalyptusartiger Riechstoff), Monoterpenol und Monoterpen. Teebaumöl guter Qualität ist teuer und wird besonders schonend destilliert. Es ist gut kombinierbar mit Lavendelöl und besitzt antibakterielle, entzündungshemmende und antimykotische Eigenschaften. Als Indikationen gelten Wunden, Ekzeme, Akne, kurz alle Hautentzündungen. Nach Anbrechen von Teebaumölprodukten sollten diese rasch verbraucht werden, da bei älteren Mittel schnell "ranzig" werden und eine deutlich erhöhte Allergiegefahr besteht. Weitere Infos unter Teebaumöl

"pflanzliche Wundermittel"

In regelmäßigen Abständen tauchen in der Laienpresse und den Zeitschriften der Selbsthilfeverbände neue, „wundersam“ wirksame Phytodermatika auf. Bisher sind sie alle nach anfänglich euphorischer Aufnahme rasch wieder in Vergessenheit geraten. Typisch war das Schicksal des Kosmetikums „Peviderm“, das vor einigen Jahren auf obskuren Wegen aus Österreich den Weg nach Deutschland fand. Hoffnungsvolle und begeisterte Patientenfragen nach dieser Wundercreme auf Gurkenbasis stürzten uns Dermatologen in Verlegenheit - offensichtlich wirkte die Creme bei Neurodermitis, aber die Gurke war als potentes Phytotherapeutikum wenig bekannt. 1994 stellte dann die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker klar, daß die gute Wirkung auf dem Inhaltsstoff Fluocinonid beruhte - die Gurkencreme war eine potente Cortisoncreme. Leider werden solche Wundermittel von Patienten und sogar Ärzten oft unter der Rubrik „Naturheilmittel“ kritiklos angenommen und verwendet. Fliegt der Schwindel auf, ist ein Stückchen Reputation der Naturheilkunde zerstört. Andererseits sollte uns der erst kürzlich beendete, lange Weg der Fumarsäure vom Außenseitermittel zum etablierten Heilmittel bei Neurodermitis und Psoriasis lehren, daß nicht nur die Großindustrie neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln kann.  

Naturkosmetik - natürliche Hautpflege 

Dermatologische Phytotherapie gab es schon in der Antike. In Mykene, Kreta, Griechenland und Ägypten ließen sich Adelige mehrfach täglich von Sklaven mit kaltgepreßtem Olivenöl einreiben. Der römische Dichter Ovid beschrieb vor 2000 Jahren zahlreiche Rezepte für die Herstellung von Salben und Gesichtscremes: aus Mehl, Eiern, Hülsenfrüchten und gemahlenem Hirschgeweih, Harz, Narzissenzwiebeln, Honig, Öl und Gummi, Brotteig und Eselsmilch... Heute bevorzugt jede zweite Frau Kosmetika aus natürlichen Wirkstoffen. In den 80iger Jahren stellten zahlreiche, meist kleine Firmen Naturkosmetik her. Leider gibt es bisher keine einheitliche Regelung und für den Verbraucher keinerlei Richtlinien, was er unter dem Etikett "Naturkosmetik" erwarten darf. Die Verbraucherzentralen fordern, daß 1) Naturkosmetik nur aus natürlichen Rohstoffen bestehen dürfe 2) keine mineralischen Fette (Paraffinöle) enthalten sollten 3) keine synthetischen Konservierungsmittel, Farb- oder Duftstoffe verarbeitet sein dürfen 4) die Inhaltstoffe voll deklariert und 5) umweltverträgliche Produktion und Verpackung garantiert sein müssen. Viele Kosmetikhersteller haben sich im "Bundesverband Naturkost Naturwaren Hersteller" (kurz: BNN-Hersteller) zusammengeschlossen. Sie gaben sich schon 1994 klare Richtlinien, zu denen die Verpflichtung zur Deklaration aller Inhaltsstoffe und die ausschließliche Verarbeitung von Pflanzenextrakten, natürlichen Ölen und anderen Naturstoffen zählt. 
Aus Sicherheitsgründen wollen die meisten Kosmetikhersteller auch in Zukunft nicht auf Konservierungsmittel verzichten. Der Zusatz von Alkohol, Jojobaöl, Vitamin E oder ätherischen Ölen kann die Keimarmut und Haltbarkeit konservierungsfreier Produkte zwar etwas verbessern. Es ist aber wenig sinnvoll, mit komplizierten Mischungstricks das publikumswirksame Kriterium "konservierungsmittelfrei" zu erlangen. Natürliche Kosmetik ohne Konservierungsstoffe sollte kühl aufbewahrt und relativ rasch verbraucht werden, da sie meist schneller verdirbt als "normale" Creme.  Die Phytotherapie hat ihren festen Platz in der naturheilkundlich ausgerichteten Dermatologie und Allergologie. Bei rationaler und differenzierter Anwendung lassen sich zahlreiche Alltagsprobleme der Haut mit ihrer Hilfe lösen. Trotz restriktiver Zulassungspraktiken stehen uns zahlreiche dermatologische Fertigpräparate und leicht handhabbare Anwendungsformen auch für die Hausapotheke zur Verfügung. 

Natürliche Hilfe bieten auch andere Naturheilverfahren, nähere Infos siehe unter Naturheilkunde

Falls Sie sich für eine pflanzliche Behandlung Ihrer Hautprobleme oder Allergien interessieren: bitte vereinbaren Sie einen Beratungstermin unter Tel 089-677977

Ihre dermaPraxis Dr. Harald Bresser Peschelanger 11, 81735 München, 089-677977 www.drbresser.de 

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