Dr. med. Harald BresserFacharzt für Dermatologie und VenerologieFacharzt für Anästhesiologie Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur Zertifizierte Qualifikationen: Lasertherapie, Ambulante Operationen, medizinische Kosmetik |
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Seit dem Jahr 2006 erschienen zahlreiche Zeitungsartikel über die Allergie gegen Traubenkraut; es wurde berichtet, dass die Traubenkrautallergie eine starke gesundheitliche Gefahr in Deutschland sei. Welche Gefahr geht von dieser Pflanze wirklich aus? Seit 1863 ist das beifussblättrige Traubenkraut in Deutschland heimisch, das unter verschiedenen Namen durch die Presse geistert (botanischer Name: Ambrosia artemiisifolia L., englisch/amerikanisch: Ragweed). Bis vor wenigen Jahren hatte die Pflanze jedoch praktisch keine Bedeutung in der Allergologie - die Zahl der allergiekranken Menschen gegen Ambrosia-Pollen war sehr gering. Die meisten Allergologen testeten daher diese Pollen überhaupt nicht beim Allergietest. Da sich die Pflanze aber seit einigen Jahren rasant in Europa ausbreitet, droht von ihr erhebliche Gefahr in der Zukunft. Ganz anders sieht die Situation nämlich schon lange in den USA aus: jeder 2. Pollenallergiker hat dort eine Ragweed-Allergie. "Was sollte man über Beifuss - Ambrosie wissen?" Es gibt einige Ragweed-Arten in Europa; als besonders allergierelevant ist nur die Beifuss-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia, oder auch Ambrosia elatior) einzustufen. Dieses einjährige Kraut aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) wächst gedrungen, mit feingliedrigen Blättern. Es ähnelt dem "gemeinen Beifuss" (Artemisia vulgaris), dessen Pollen bei uns schon immer häufig Heuschnupfen und Asthma ausgelöst haben. Bis zum Frühsommer wächst die Pflanze nur wenig, erst kurz vor dem Blühen schießt sie bis zu einer Höhe von 2 m hoch. Die langen, traubenförmigen Blüten öffnen sich ab Juli bis zum ersten Frost. Die Hauptpollenflugzeit ist August bis Oktober, in warmen Wintern sogar bis Dezember. "Wo kommt Traubenkraut (Beifuss - Ambrosie) vor?" Ursprünglich stammt Ragweed aus Nordamerika und Mexiko. Die Ambrosie zählt zu den Korbblütlern. Es wurde in den letzten Jahren vermehrt über Flug- und Schiffverkehr, v.a. wohl durch Saatgut und Getreideverunreinigungen nach Europa eingeschleppt. Die rasche Verbreitung v.a. seit ca. 1990 hat auch damit zu tun, dass die Pflanze sehr widerstandsfähig ist und kaum durch Pflanzenkrankheiten oder Tierfraß dezimiert wird. Ausserdem hat sie leider ein hohes Ausbreitungstempo: jede Pflanze kann bis zu 60000 Samen in der Saison verbreiten, und diese Samen bleiben bis zu 40 Jahre lang keimfähig! Darüberhinaus produziert jede Pflanze im Spätsommer bis zu einer Milliarde Pollen. Das Traubenkraut wächst besonders gut an Strassen und Schutthalden. Manche Forscher berichten, dass sich das Traubenkraut um Flussläufe und Flughäfen ausbreitet. Pollenanalysen scheinen dies aber nicht oder nur teilweise zu bestätigen (siehe: www.floraweb.de). Andererseits ist das Traubenkraut botanisch eindeutig auf dem Vormarsch. In Europa gibt es 2 Verbreitungsschwerpunkte: Ungarn und die Gegend um Lyon. In Deutschland sind v.a. Baden-Württemberg und Ost-Bayern betroffen, Bestände wurden aber auch aus dem Rhein-Main-Gebiet, Berlin, Dresden und Bremen gemeldet. In Bayern hat es sich sehr entlang der A 8 von Salzburg nach Bad Aibling ausgebreitet, wohl verbreitet durch Erde und Schmutz an Autos. Hauptursache hierfür scheint Vogelfutter aus Ostdeutschland zu sein. Der Ambrosia-Samen wird in Osteuropa oft dem Vogelfutter beigemischt. Die meisten der ca. 1000 im Jahr 2006 in Deutschland registierten Ambrosia-Vorkommen fanden sich daher in Gärten, zB in den Innenstädten von München, Regensburg, Nürnberg, Bamberg und Laufen. Betroffen sind auch viele Sonnenblumenfelder, wenn dort aus Spargründen billiges Vogelfutter zur Aussaat verwendet wird. In Bayern wurden 14 grossen Ambrosien-Ansammlungen mit mehr als 100 Pflanzen im Jahr 2006 gezählt. "Was ist das besondere der Traubenkrautallergie?" Traubenkraut wird ca. 1 m gross. Die Blühzeit ist von Juli bis Oktober, ja u.U. bis Dezember was die Leidenszeit der Allergiker über den Sommer hinaus besonders in den August und September verlängert; die Pollen der grüngelben Blüten werden vom Wind viele Kilometer weit verweht. Leider ist für die Ambrosiaallergie charakteristisch, dass die Allergiebeschwerden auch ausserhalb der Blühzeit weiterbestehen können. Das Problem mit Traubenkraut - Artemisia: die Pollen sind besonders "aggressiv", d.h. rasch und in geringen Mengen bereits allergieauslösend. Ausserdem können Kreuzallergien gegen andere Kreuzblütler bestehen, v.a. mit Beifuss, aber auch Apfel, Latex, Melone und Sellerie. In den USA ist Ragweed der häufigste Pollenauslöser von Allergien überhaupt. Dort hat jeder 2. Allergiker die Antikörper im Blut. In Ungarn liegt die sog. Prävalenz der Sensibilisierung bei ca. 80%, in Österreich bei 30%. In Wien konnte man sehen, wie rasch das Problem zunehmen kann: in den letzten 5 Jahren ist dort der Anteil der Ragweed-Sensibilisierungen von 18 % auf 37% gestiegen. In Deutschland dagegen ist die Häufigkeit bisher gering. Es ist also völlig übertrieben, von neuen "Killerpollen" zu sprechen; allerdings sollte man dem weiteren Vordringen der Allergiepflanze energisch einhalt gebieten. "Was kann man gegen Traubenkraut tun?" Wenn sie entdeckt werden, reisst man die Pflanzen am besten mit der Wurzel aus (vor der Blüte) und entsorgt sie im Müll - nicht im Kompost. In der Schweiz gibt es inzwischen einen jährlichen "Ausreiss-Tag": die Bevölkerung wird über Aussehen und Bekämpfung der Pflanze informiert. Bestände über 20 Pflanzen sind dort meldepflichtig... "Wie wird die Beifuss-Ambrosienallergie getestet?" Die Testung erfolg beim Allergologen nach den gleichen Tests wie alle Pollenallergien. In unserer Praxis testen wir Ragweed - Pollen regelmässig beim Allergietest mit und bestimmen bei Bedarf das spezifische Immunglobuliin E im Blut. Die Behandlung erfolgt wie bei allen anderen Pollenallergien auch (schulmedizinisch mit Hyposensibilisierung, naturheilkundlich ggf mit Akupunktur, Eigenblut oä). "Was hat der Klimawandel mit der Beifuss - Ambrosie-Allergie zu tun?" Der Klimawandel verlängert die Vegetationszeiten der Pflanzen, sie blühen früher und verlieren später ihre Blätter. Eine erhöhte CO2-Belastung der Luft steigert die Pollen- und Blütenmenge. Daneben werden grosse Pollenwolken über grössere Strecken verbreitet (so kann man zB Birkenpollen-Wolken aus Osteuropa in Island nachweisen). "Welche Beschwerden sind möglich gegen Ambrosiapollen?" Beim Hantieren mit der Pflanze kann es in selteneren Fällen zu Kontaktallergien kommen. Das eigentliche Problem besteht aber natürlich darin, dass immer mehr Menschen einen Heuschnupfen (Rhinokonjunktivitis) oder sogar Asthma gegen Beifusspollen entwickeln. Seit 2006 weist der deutsche Pollenflugdienst auch die Flugzeiten der Ambrosie-Pollen aus. Sollte bei Ihnen ein Allergieverdacht gegen Ambrosiapollen bestehen, wenden Sie sich am besten umgehend an Ihren Allergologen. Ihre dermaPraxis Dr. H. Bresser Peschelanger 11, 81735 München, 089-677977 www.drbresser.de Diese Seiten dienen der Information unserer Patienten. Jeder Vervielfältigung, auch ausschnittweise, ist nur zur persönlichen Information erlaubt. Copyright Dr H. Bresser, Peschelanger 11, 81735 München, www.drbresser.de
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