Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Praxis
Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Durchführung der Iontophorese

Wie ist die technische Durchführung der Iontophorese? Wie sind die Leitlinien der Iontophorese? 
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt aus München 

Definition Iontophorese

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft gibt folgende Definition der Iontophorese: „Die Leitungswasser-Iontophorese ist ein Verfahren, bei dem mit Hilfe von Wasserbädern oder feuchten Elektroden kontinuierliche oder hochfrequente gepulste Gleichströme durch definierte Hautareale geleitet werden. Im allgemeinen handelt es sich um die Behandlung von Handflächen und Fußsohlen, seltener der Achselhöhlen oder anderer Areale“. 

Zur Behandlung des Schwitzens an Händen, Füssen und Achselhöhlen steht die Iontophorese seit 1968 zur Verfügung. Wir wissen inzwischen, dass die Iontophorese auch bei anderen Krankheiten von Händen und Füssen hilfreich sein kann (zB bei dyshidrosiformem Hand- und Fussekzem). Ausser der Schweissbildung lassen sich noch andere Krankheiten mit der Leitungswasser-Iontophorese bessern: therapieresistente Verrucae vulgaris (Warzen) an Händen oder Fußsohlen sowie rezidivierende dyshidrosiforme Hand- oder Fußekzeme, postoperative Hyperhidrosis und Sudeck-Syndrom sowie Neigung zu Gram-negativen Fußinfekten, Keratoma sulcatum und Mykosen.

Ablauf der Iontophorese

Die schwachen, ungefährlichen elektrischen Ströme werden mit Hilfe hydroelektrischer Bäder durch die Haut von Handinnenflächen und Fußsohlen geleitet. Durch den Gleichstrom kommt es - wahrscheinlich in Folge einer funktionellen Hemmung der Schweißdrüsenzellen - nach etwa zehn bis fünfzehn kurz aufeinanderfolgenden Behandlungen oft zu wieder normalem Schwitzen (Normhidrosis). Damit das Schwitzen normal bleibt ist eine Erhaltungstherapie notwendig, die ein bis zweimal wöchentlich durchgeführt werden muß. Zu diesem Zweck kann dem Patienten ein Heimgerät rezeptiert werden.Damit das Verfahren sicher ist, sollten folgende technischen Vorgaben erfüllt sein (Zitate jeweils nach Leitlinien der DDG): „Die Stromquelle muß eine ausreichend hohe Spannung von bis zu 60 Volt aufbauen können, um den auch bei einem hohen Hautwiderstand therapeutisch effektiven Stromfluß von 10 bis 30 mA zu gewährleisten. Elektronisch sind Vorkehrungen zu treffen, daß sprunghafte Spannungsänderungen nicht eintreten können, um der Gefahr eines (ungefährlichen) Stromschlages entgegenzuwirken“ (= Weidezauneffekt; dh Stromkribbeln wie bei Berührung eines elektischen Weidezauns). „Dies wird durch langsames Hoch- und Herunterregulieren der Spannung erreicht. (Regelungsgeschwindigkeit max. 5 V/Sek). Ebenso muß eine Strombegrenzung erfolgen, falls behandelte Hautstellen abrupt in das Wasser eingetaucht oder aus dem Wasser genommen werden. Geräte zur Behandlung mit gepulstem Gleichstrom müssen eine Frequenz von 5 bis 10 kHz besitzen. Ihre elektrische Leistungsfähigkeit muß geeignet sein, einen weitgehend rechteckförmigen Spannungsverlauf von 0 bis 16 V zu erzeugen. Die Wasserbäder sollen eine Mindestgröße besitzen, so daß Handflächen oder Fußsohlen der Patienten auch mit gestreckten Fingern und Zehen bequem Platz finden. Die plattenförmigen Elektroden sollten den gesamten Boden bedecken. Sie müssen aus rostfreiem Stahl oder Aluminium gefertigt sein. Für Patienten mit Sensibilisierung gegen Nickel, Chrom oder Kobalt empfehlen sich Aluminiumplatten“. „Die Möglichkeit zur Durchführung einer kontinuierlichen Behandlung muß gegeben sein. Während der initialen Phase sollten Behandlungen etwa in gleichzeitigen Abständen mindestens dreimal pro Woche (Montag, Mittwoch, Freitag), optional fünfmal pro Woche (Montag bis Freitag) durchgeführt werden. Bei Erreichung des gewünschten Therapieerfolges schließt sich eine Erhaltungsbehandlung mit Therapiesitzungen von ca. einmal pro Woche an. Vor Beginn einer Behandlung sollte die Möglichkeit der Einhaltung des zeitlichen Ablaufes der Therapieserien sichergestellt sein, da größere Therapiepausen den Behandlungserfolg vollständig aufheben können“.

Gleichstrom oder Wechselstrom?

„Als Standardtherapie für die Hyperhidrosis palmoplantaris kann derzeit noch die konventionelle Behandlung mit kontinuierlichem Gleichstrom. Hiermit ist eine hohe Therapieeffektivität bei allen Ausprägungsgraden der Hyperphidrosis palmoplantaris gewährleistet. Nachteilig kann sich der höhere Grad an technischen Sicherheitsvorkehrungen am Gerät, der Stromschläge bei unsachgemäßer Behandlung (Weidezauneffekt) vermeiden soll, auswirken. 

Demgegenüber ist die Leitungswasser-Iontophorese mit gepulstem Gleichstrom wesentlich einfacher zu handhaben, aber möglicherweise geringfügig weniger wirksam. Die Wirkung reicht jedoch für Patienten mit mittelgradiger und meist auch schwerer Hyperhidrosis aus; lediglich bei extremen Formen der palmoplantaren Hyperhidrosis kann die Therapie mit kontinuierlichem Gleichstrom überlegen sein. Obwohl größere Vergleichsstudien fehlen, gilt in der Erfahrung der Autoren die Pulsstrommethode in der Wirkung der Gleichstrommethode ebenbürtig, ist aber wegen der leichteren Handhabbarkeit vorzuziehen. Sie wird wahrscheinlich den Standard der Zukunft darstellen. 

Bei Behandlung von Kindern sollte aufgrund der weitgehend fehlenden subjektiven Mißempfindungen und des geringeren Sicherheitsrisikos der gepulste Gleichstrom als Standard angewandt werden. Der relativ niedrige Hautwiderstand der Kinderhaut bedingt in jedem Fall eine ausreichende Wirkung der Pulsstrommethode“.

 „Bei unsachgemäßer Handhabung der Therapiegeräte mit kontinuierlichem Gleichstrom kann beim plötzlichen Eintauchen oder Herausnehmen der behandelten Körperareale aus den stromdurchflossenen Wasserbädern ein leichter Stromschlag (Weidezauneffekt) auftreten. Insbesondere während der Anwendungen von kontinuierlichem Gleichstrom entstehen abhängig von der Stromstärke ziehende oder kribbelnde Mißempfindungen an den stromdurchflossenen Hautarealen. Als Folge einer zu hoch gewählten Stromstärke können auch schmerzhafte Sensationen in den gesamten behandelten Extremitäten auftreten. Unmittelbar nach der Behandlung sind, insbesondere entlang der Wasserlinie an der Haut, Rötungen und gelegentlich kleine flüchtige Vesikeln zu beobachten. Diese Erscheinungen sind vollständig reversibel und lediglich subjektiv kurzzeitig störend. 

Kontraindikationen der Iontophorese

„Nicht anzuwenden ist die Leitungswasser-Iontophorese in folgenden Fällen: Patienten mit einem implantierten elektronischen Gerät (z.B. Herzschrittmacher) sind von der Leitungswasser-Iontophorese auszuschließen. 

Schwangerschaft ist ebenfalls eine Kontraindikation, da keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, um eine gefahrlose Durchführung der Leitungswasser-Iontophorese zu garantieren. 

Metallimplantate im Bereich des Stromflusses (Arme oder Beine) verbieten eine Behandlung der entsprechenden Extremitäten. 

Metallhaltige Intrauterin-Pessare (Spirale) bilden eine Kontraindikation für die Behandlung der Füße. 

Große Hautdefekte, die nicht mit Vaseline oder isolierenden Pflastern/Folien abgedeckt werden können, stellen ebenfalls eine vorübergehende Kontraindikation dar“ (alle Zitate gemäss den Leitlinien der DDG zitiert).

Kosten der Iontophorese

Die Iontophorese wird offiziell von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen bezahlt. Allerdings gibt es bei gesetzlichen Kassen keine Abrechnungsziffern dafür, sodass der Arzt die zeitaufwändige Behandlung mit einem teueren Gerät kostenlos erbringen müsste, falls er das Gerät besitzt (mit solchem Irrsinn müssen Patienten und Ärzte in Deutschland tatsächlich leben). Deshalb besitzt kaum ein Hautarzt ein solches Gerät, da er bei jeder Behandlung Personal, Räume und Gerätekosten aus eigener Tasche finanzieren würde. Viele Ärzte empfehlen die Behandlung allerdings als Selbstzahlerleistung in einem praxisassoziierten Institut. Sollte dort der Erfolg der Behandlung nachweisbar sein, kann der Arzt eine entsprechende Bescheinigung erstellen, damit die Kassen die Kosten für ein Heimgerät übernehmen. 

Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren spezialisierten Hautarzt. Er wird zusammen mit Ihnen das richtige, individuell passende Behandlungsverfahren für Sie finden. 

Ihre dermaPraxis Dr. H. Bresser Peschelanger 11, 81735 München, Tel. 677 977  www.drbresser.de

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