Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Praxis
Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Perubalsam, Tolubalsam

 Was ist Perubalsam und Tolubalsam? Wie entsteht die Perubalsamallergie? Welche Vorbeugung und Behandlung bietet unsere Hautarztpraxis in München? 
von Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt, München 

"Was ist Perubalsam?"

 Perubalsam ist ein klebriges, wohlriechendes Sekret, ein transparentes, braunes, öliges Harz. Es wird aus der Rinde eines Baumes aus Mittel- und Südamerika gewonnen (Myroxolon balsamum). Bei der Entdeckung Südamerikas durch die Spanier war Perubalsam bei den Indianern als Heilmittel weitverbreitet; seit ca 550 Jahren wird es nach Europa importiert, heute in einer Menge von ca. 200 Tonnen im Jahr. Die Gewinnung des Harzes erfolgt durch Einschnitte des entrindeten Holzes, oder Anräuchern der Wundflächen und Auffangen des dann sehr reichlich gebildeten Harzöles. Der Name "Peru"-Balsam ist entstanden, weil Mittelamerika zur Zeit der Eroberung Mittel- und Südamerikas durch die Spanier insgesamt mit dem Namen Peru bezeichnet wurde. Perubalsam riecht sehr gut: er verströmt einen angenehmen Geruch nach Vanille und Zimt, der Geschmack ist unverdünnt kratzig und etwas bitter. Damit nicht genug: Perubalsam enthält zahlreiche heilsame Inhaltsstoffe, die den Baumsaft zu einem wichtigen Zusatzstoff der pharmazeutischen Industrie werden ließ. Perubalsam enthält bei ca. 250 Inhaltssotffen etwa 50 - 70 % Estergemisch (auch als Cinnamein bezeichnet), das zu 2/3 aus Benzoesäurebenzylester und 1/3 aus Zimtsäurebenzylester zusammengesetzt ist (Cinnaminsäure, Cinnamylcinnamat, Benzylbenzoat, Benzosäure und Vanillin). Etwa 190 Inhaltsstoffe sind analysiert. Der Rest ist ein Gemisch verschiedener weitgehend unbekannter Harze, verschiedene Fruchtsäuren (ähnlich wie in Fruchtsäurepeeling). Leider sind fast alle diese Inhaltsstoffe potentiell allergieauslösend. 

"Was ist Tolubalsam?" 

Tolubalsam dagegen ist eine spröde Masse, die man leicht zerreiben kann und dabei einen feinen Wohlgeruch absondert. Tolubalsam schmeckt würzig. Er wird durch Einschnitte in die Rinde des Tolubalsambaumes gewonnen. Tolubalsam wurde früher häufig in Hustensäften verarbeitet. In der Parfümindustrie wird es heute v.a. als Zusatzstoff für angenehmen Süssgeruch verwendet. Beim Mikroskopieren dient es als Einbettmittel, nicht selten ersetzt es Weihrauch als Geruchsstoff bei Räucherwerk. Der Duft erinnert beim Verbrennen an Schokolade, führt aber häufig zu Hustenreiz. Wichtige Inhaltstoffe sind Toluol und das Terpen Guajadien.  

"Aus welchen Pflanzen werden Perubalsam und Tolubalsam gewonnen?" 

Die immergrünen, bis 12 m hohen Balsambäume (Myroxylon) zählen als Pflanzengattung zu den Schmetterlingsblütlern. Ihre beiden Arten sind nur in Mittel- und Südamerika verbreitet. Die Blätter sind gefiedert, etwa 15 cm lang, die Blüten traubenförmig. Die Gattung enthält 2 Arten und zwei Varietäten: Myroxylon balsamum (L.) Harms, Myroxylon balsamum var. balsamum, der Tolubalsam-Baum aus Guatemala, Kolumbien, Ecuador, Venezuela und Brasilien; Syn. Toluifera balsamum L. Myroxylon balsamum var. pereirae (Royle) Harms aus Mexiko, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Nicaragua und Ecuador; Syn. Myrospermum pereirae Royle, Myroxylon pereirae (Royle) Klotzsch und Toluifera pereirae (Royle) Baill. Myroxylon peruiferum L. f aus Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Peru und dem nordwestlichen Argentinien.

"Wozu wird Perubalsam verwendet?" 

Perubalsam spielt eine bedeutende Rolle in der Nahrungsmittel- und pharmazeutischen Industrie. Es wird in zahlreichen Produkten verarbeitet: als Aromastoff in Nahrungsmitteln, Zigaretten uvm, als Bindemittel, als keimhemmender und pilzabtötender Zusatz, als Schutz gegen Parasiten. Am wichtigsten ist es als Zusatzstoff bei Parfums und Körperpflegemitteln, als Geschmackstoff in Nahrungsmitteln und Getränken, als Zusatz von Rauchwaren und als Heilmittel in verschiedenen Heilsalben. Seit dem 18. Jahrhundert wurde mit zahlreichen, auch innerlichen Anwendungen gegen die verschiedensten Krankheiten experimentiert. In höheren Dosen ist das Harz allerdings giftig. Die Tabakindustrie hat lange mit Perubalsam experimentiert und festgestellt, dass der Zusatz von Perubalsam zu Tabakwaren, Zigaretten usw. die Entstehung der Zigarettenabhängigkeit beschleunigt und fördert. Entsprechend häufig wurde und wird der Stoff in Tabakwaren zugesetzt, um den Geschmack zu verbessern. Leider gibt es zahlreiche Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine Allergie dagegen entwickeln und grosse Probleme haben, Perubalsam im Alltag zu meiden. Zwar verbietet die Kosmetikrichtlinie der EU seit 2005 den Einsatz von Perubalsam als Duftinhaltsstoff; nach unserer Erfahrung ist seitdem die Häufigkeit der Perubalsamallergie zurückgegangen. Die Kosmetikindustrie nutzt stattdessen Perubalsamöl, das weitgehend unbedenklich ist (wird durch Destillation des Perubalsam hergestellt). In allen anderen Bereichen der industriellen Nutzung dagegen wird es weiter verwendet; wegen der häufigen Kreuzallergien und des Vorkommens in Nahrungsmitteln wird die Zahl der Menschen mit Perubalsamallergie vorerst sicher weiter zunehmen.  In Parfüm- und Kosmetikindustrie sind die maximal verwendeten Konzentrationen von Perubalsamöl nach IFRA Empfehlung bis 0,4% (Perubalsam sollte überhaupt nicht mehr verwendet werden); die Pharmazie verwendet 0,2-5% Perubalsam, in der Genussmittelindustrie wird Perubalsam von 3-100 ppm zugesetzt, Perubalsamöl 3,2-6,6 ppm. In Parfüms liefert es v.a. blumige, orientalische, pudrige, schwere und süsse Noten.  

  

GeschmackstoffGeruchsstoffHeilmittel
Parfum Deodorants Aftershave Lotions Kosmetika Hautcremes, Hautöle Babypuder SonnenschutzmittelBräunungsmittel ShampoosKonditioners Perfümierte TeesKaffeeTabakwarenIm technischen Bereich als Geruchskorrigens, zB bei Schneidöl Fruchtsäuren Backwaren BonbonsSüssigkeiten Cola-GetränkeSoftdrinks Aperitife, zB Vermouth, Bittergetränke, Brandy, Rum Gewürze, z.B. Zimt, Vanille, Paprika,Aromen mit süssen Noten, zB Erdbeer, Kirsche, Kokos ua Curry Hämorrhoidenzäpfchen Analcreme Wundtinktur Wundspray Calaminlotion Zahnzement Hustenmittel Lippenstifte Insekten-Repellents Wundverband ZahnpasteMundwasserUlcus-Creme ErkältungsbalsameGurgellösungen
 

"Wie äussert sich die Perubalsamallergie?"

Perubalsamallergie zählt mit Nickel und Duftstoffen zu den häufigsten Kontaktallergenen europaweit. Etwa 30 Inhaltsstoffe von Perubalsam können eine Allergie auslösen, das Hauptallergen ist Coniferylbenzoat. Eine Allergie gegen Perubalsam kann sämtliche Beschwerden einer Kontaktallergie (siehe dort) verursachen. Dazu zählen vor allem juckende, schuppende Rötungen der Haut (zB nach Anwendung einer perubalsamhaltigen Wundcreme), Rötungen um den Mund (nach Anwendung von Zahnpasta mit Perubalsam), immer wieder aufflammende Schübe von Handekzemen (Bläschen, Juckreiz, Rötungen der Handflächen und Finger nach Zigaretten, Bonbons, perubalsamhaltigen Nahrungsmitteln), Mundentzündungen oder Aphthen, Lippen- oder Mundwinkelrötungen.... Die Zunahme der Allergien gegen Perubalsam hat sicher viele Gründe: zum einen die generelle Zunahme der Duftstoffallergien durch künstliche Aromatisierung fast aller Lebensbereiche; zum anderen wohl auch der zunehmende Zigarettenkonsum von Frauen. Erst nachdem die Zigarettenindustrie staatlicherseits zur Offenlegung der Zusatzstoffe der Zigaretten gezwungen worden war, konnte bewiesen werden, dass Perubalsam und Tolubalsam zu den wichtigsten Inhaltstoffen bei Geruch und Aroma der Zigaretten zählen. Vor allem ein chronisches Handekzem eines Rauchers sollte immer an Perubalsam als Auslöser denken lassen. In der Nahrungsmittelindustrie muss Perubalsam nicht immer zugesetzt worden sein; Vanilin, Eugenol oder Zimt kommen in Perubalsam, aber auch vielen anderen Gewürzpflanzen vor. Bei den zahlreichen Nahrungsmitteln mit Perubalsam als Zusatzstoff sollte man v.a. an Süssigkeiten denken: Karamellbonbons, Weingummis, Schokolade und Nougatprodukte sind oft damit versetzt.  

"Wie wird die Allergie gegen Perubalsam festgestellt?" 

Ein erster Hinweis auf eine solche Allergie ist meist eine Unverträglichkeit gegen Parfums oder duftstoffhaltige Cremes. Man sollte in einem solchen Fall den Hautarzt aufsuchen. Dieser führt einen sog. Epikutantest mit Perubalsam durch (10% Perubalsam). Bei fast jedem zweiten Menschen mit Duftstoffallergie wird eine Perubalsamallergie entdeckt. Ein Selbsttest mit reinen Duftstoffen oder Perubalsam ist gefährlich, da man durch einen Test mit falschen, zu hoch dosierten oder unreinen Duftstoffen eine Allergieentstehung selbst provozieren kann. Hautärzte testen mit speziellen, hochreinen Substanzen, welche von der Industrie zur Verfügung gestellt werden.  

"Wie wird die Allergie gegen Perubalsam behandelt?" 

Die Behandlung der Allergie ist nicht einfach. Am wichtigsten ist es, den Kontakt mit Perubalsam zu meiden, so gut es geht. Dies kann im Alltag sehr schwierig, manchmal unmöglich sein. Der Hautarzt verordnet gegen Handekzem, Kontaktekzem und die anderen konkreten Beschwerden verschiedene Heilmittel. Wir behandeln, falls unvermeidlich, mit äusserlichen Steroiden, aber auch Tacrolimus, Pimecrolimus, Iontophorese, Eximerlaser, und vielen naturheilkundlichen Mitteln.  

"Welche Kreuzallergien gegen Perubalsam gibt es?" 

Viele Substanzen, die den Inhaltsstoffen von Perubalsam verwandt sind, können bei Perubalsamallergie ebenfalls Allergiereaktionen auslösen. Dazu zählen insbesondere Eugenol und Isoeugenol ( enthalten zB in Gewürznelken (cloves), Zimt (cinnamon), Piment / Nelkenpfeffer (pimento), Muskatnuss (nutmeg), Kampfer (camphor) Rosenöl, Gartennelken (carnations), Hyazinthen, Veilchen (violets) Benzosäure, Benzylalkohol (Benzoin, benzoic acid, benzyl alcohol; Benzoates, benzoin, benzylsalicylate)  Kolophonium (rosin, colophony) Zimt (cinnamic acid, cinnamic alcohol) Fruchtsäuren Tigerbalsam Vanille Tolubalsam Bienenwachs (bees wax) Benzaldehyde  Koniferenöl, Tannenöl (coniferyl alcohol) Kumarin (coumarin) Diethylstilbestrol  Farnesol  Propanidid  Propolis  Styrax  

"Unter welchen Namen kann Perubalsam auftauchen?" 

Perubalsam wird unter verschiedenen Namen deklariert und vermarktet. Auch in der naturheilkundlichen Szene spielen Perubalsamallergien eine grosse Rolle: es gilt - zu Recht - als natürlicher Duftstoff und als Heilmittel der Natur und wird daher in vielen Rezepturen für selbstgemixte Cremes empfohlen. Einige der Synonyme, unter denen Perubalsam auftauchen kann, sind:  Balsamum peruvianim  Schwarzer Balsam Chinaöl  Hondurasbalsam  Indianischer Heilbalsam Surinambalsam  Balsam, Peru  Peruoil  Oil balsam peru  Myroxylon pereirae klotzsch resin  Myroxylon pereirae klotzsch oil  Myrosperum pereira balsam  Toluifera Pereira balsam  

"Was kann ich tun, um Perubalsam zu meiden?" 

Bei der Verwendung von Cremes, Zahnpasta, Körperpflegemitteln usw. sollte man bei nachgewiesener Perubalsamallergie darauf achten, dass diese weder Perubalsam, noch Tolubalsam oder irgendeines der anderen verwandten Produkte auf dem Etikett deklariert haben. Der Apotheker sollte bei der Suche nach einer Alternative behilflich sein können. Tragen Sie immer Ihren Allergiepass bei sich, damit Sie auch in der Drogerie Ihren Einkauf kontrollieren können. Gewöhnen Sie sich das Rauchen ab - den Perubalsamgehalt einer Tabakware werden Sie niemals feststellen können. Bei Süssigkeiten muss man ausprobieren - manches wird vertragen, anderes nicht. Vermeiden Sie wenn möglich auch die Gewürze, die Perubalsam enthalten könnten.  Wir hoffen, dass diese Informationen Ihnen helfen, mit Ihrer Allergie besser umgehen zu können. Weitere Fragen zur Behandlung wird Ihnen Ihr Hautarzt gerne beantworten.

Ihre dermaPraxis  Dr. Harald Bresser Peschelanger 11, 81735 München, Tel. 089-677977, www.drbresser.de 

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