Dr. med. Harald Bresser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie, Facharzt für Anästhesiologie

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Dr. med. Harald Bresser
Anästhesiologen
in München auf jameda
Dr. med. Harald Bresser, von sanego empfohlen

Candida , Candida albicans

Was bewirkt Candida albicans auf der Haut und im Darm? Welchen Einfluss hat ein Hefepilz auf das Immunsystem?

von Dr. med. Harald Bresser

"Was ist der Hefepilz Candida albicans?"

Candida albicans ist der Name einer besonderen Art von Hefepilzen. Hefepilze sind neben Fadenpilzen und Schimmelpilzen die dritte grosse Pilzfamilien, die wir kennen. Während die meisten Hefepilze harmlos sind, kann Candida albicans viele Krankheiten auslösen. Der Mensch verwendet harmlose, nützliche Hefepilzarten beim Kochen als Backhefe, Bierhefe, Weinhefe, Wursthefe, Kefirhefe. Candidosen ist der Überbegriff für alle Krankheiten durch Candida-Hefen. Candidaerkrankungen sind also nur eine Art der Pilzerkrankung (siehe auch unter Stichwort "Pilz - Hautpilz"). Sie sind allerdings häufig und medizinisch besonders bedeutsam. 

"Welche Krankheiten entstehen durch Candida-Hefen?"

Candida albicans kann Haut, Schleimhäute und Darm besiedeln. Typische und eindeutig Candida-verursachte Krankheitsbilder sind häufig (aber nicht immer): Windeldermatitis von Babys oder alten Menschen, Achselhöhlenrötungen, Nässen unter der Brust, juckende Rötungen der Leisten. Weißliche Zungenbeläge, Zahnprothesenprobleme und Durchfall können durch Candidabesiedlung von Mund und Darm entstehen. Wissenschaftlich umstritten ist, ob die Pilze auch in andere Körperorgane eindringen können. Bei immungeschwächten oder schwerkranken Menschen ist das sicher möglich. Manche Forscher (und viele Heilpraktiker) vermuten aber, daß zahlreiche andere Krankheitsbeschwerden durch Hefepilze entstehen: Kopfschmerzen, Allergien, Hautekzeme, Schuppenflechte, Nesselsucht uns vieles mehr. Dies ist Folge davon, dass Darmpilze das Immunsystem des Darms und damit des Körpers beeinträchtigen können. Der Einfluss der Hefepilze wird aber oft auch übertrieben dargestellt: manchmal hat man bei der Lektüre von Gesundheitsbüchern das Gefühl, als ob Hefepilze die Ursache fast aller Zivilisationskrankheiten seien. Das ist sicherlich nicht der Fall. 

"Wie häufig sind Candidahefepilze beim Menschen?"

Die Hälfte aller Menschen hat eine - in der Regel harmlose - Besiedlung mit Hefepilzen; meist sind es Candida glabrata, Candida parapsilosis, Candida dubliniensis oder auch Candida albicans. Kaum ein Mensch kann schliesslich den Kontakt mit Hefepilzen im Lauf seines Lebens vermeiden. Der Mund- und Windelsoor / Windeldermatitis des Kleinkindes zeigt, dass der erste Kontakt sogar meist schon früh erfolgt. Entscheidend ist natürlich die Frage, ob und wann die Hefepilze beginnen, den Körper zu schwächen und zur Krankheit werden.  

"Wann wird Candida albicans krankhaft?"

Candidabefall der Haut, der sich durch juckende, nässende Rötungen zeigt, sollte natürlich behandelt werden. Auch Rötung, Schuppung, Juckreiz, Ausfluss der Geschlechtsorgane kann eine Candidainfektion sein. Im Darm hängt die Gefährlichkeit von Candida davon ab, ob und wann die harmlosen Hefepilzen "invasiv" in die Darmwand einwachsen. Eine besondere Rolle dabei spielt sicher die normale Bakterienflora: geht das gesunde Gleichgewicht der normalen Haut- oder Darmkeime verloren, kann der Hefepilz ungehemmt wuchern und das Immunsystem schädigen. Bei stark gefährdeten Patienten auf der Intensivstation einer Klinik kann es lebensrettend sein, wenn der Pilzspezialist entscheiden kann, ob man es mit einer harmlosen, oberflächlichen Candidabesiedlung oder einem aggressiven, eindringenden Hefepilzstamm zu tun hat.   Vor einer Behandlung muß untersucht werden, ob tatsächlich krankmachende Hefepilze vorhanden sind - oder ob es nur nützliche Nahrungsmittelhefen sind. Auch die Menge der nachweisbaren Hefepilze ist wichtig. Dann muß der Arzt überlegen, ob Ihre Beschwerden mit diesen Hefepilzen zusammenhängen könnten. 

"Hausmittel und Diät gegen Candida albicans"

1) Diät: Hefepilze lieben Zucker. Wenn Sie also eine zuckerarme oder zuckerfreie Diät beginnen, entziehen Sie den Hefen ihre Lieblingsnahrung. Wenn Sie dazu noch vermehrt stark faserreiche, pflanzliche Nahrung essen, so räumen Sie damit die versteckten Pilznester in den Winkeln des Darms aus. Die Nahrung sollte besonders gründlich zerkaut werden. Diese Diät muß solange streng durchgeführt werden, bis wir durch Stuhluntersuchungen die "Pilzfreiheit" bewiesen haben. Auch nach Beseitigung der Hefepilze sollte die zuckerarme und ballaststoffreiche Diät noch mindestens 3 Monate weitergeführt werden. 

Während der Anti-Hefediät sollten Sie folgende Produkte meiden: Zucker in jeder Form (durch Süßstoff ersetzen), Kuchen, Torten, Süßigkeiten, süße Obstsorten, Diabetikermarmelade (enthält Saccharose, ebenfalls eine Hefenahrung), Limonaden und süsse Fruchtsäfte, weiße Mehlsorten (Weißbrot, Semmeln), alkoholische Getränke in größeren Mengen (am günstigsten ist noch trockener Weiß- oder Rotwein), Eiscreme, geschälter Reis, Mehlspeisen, Nudeln, Klöße... 

Erlaubt sind dagegen:  Alle Gemüsesorten, am besten roh (v.a. Sauerkraut, Rote Beete, Möhren usw.), zuckerarme Obstsorten, alle Vollkornprodukte, Vollkornreis, alle naturbelassenen Körner, Butter, Margarine, Milchprodukte (v.a. auch Joghurt, Quark und Kefir), mageres Fleisch, Fisch und Eier, Kaffe und Tee mit Süßstoff, Mineralwasser (reichlich), Gemüsesäfte, Buttermilch...
Wichtig: es kommt nicht darauf an, sämtliche oben genannten Nahrungsmittel strikt zu meiden, sondern nur auf eine generelle Ernährungsumstellung; einzelne "Diätfehler" sind nicht schlimm. 

Eine Anti-Pilzdiät bei Säuglingen ist nicht durchführbar. Die stillende Mutter kann jedoch selbst ihren Zuckerkonsum vermindern und beim Zufüttern auf Zucker verzichten. 

Übrigens: die zuckerarme Hefepilzdiät ist nicht unumstritten - das Pro und Contra sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen
2) Zahnprothesen sind häufig infiziert und nur schwierig zu reinigen. Sie müssen vor und während der Behandlung regelmäßig mit Pilzcremes und desinfizierenden Bädern behandelt werden. Zahnbürsten sollte man am Anfang und nach Beendigung der Behandlung wechseln, um Wiederansteckung zu verhindern. 
3) Beim Vorkosten und der Temperaturkontrolle von Babynahrung sollten Erwachsene nicht den Löffel des Babys benutzen - sonst könnten Sie das Baby erneut aus dem eigenen Mund anstecken. Fläschchen und Schnuller werden regelmäßig ausgekocht. Der Wickeltisch wird gelegentlich desinfiziert. 
4) Kariöse Zähne sind häufig stark mit Hefepilzen besiedelt. Eine Sanierung durch den Zahnarzt ist also ratsam. 
5) Bei wiederholten Hefepilzinfektionen sollten sich alle Familienmitglieder ebenfalls auf Hefepilze untersuchen lassen - vielleicht erfolgt durch sie eine Wiederansteckung.

"Die Behandlung der Candidainfektion"

Bei äußerlichem Befall der Haut sind zwei Dinge wesentlich: 
1) Hautfalten trockenhalten: Windeln häufig wechseln. Babys öfters nackt strampeln lassen. Erwachsene legen in die infizierten Hautfalten zum Trockenhalten Toilettenpapier, Stoffstreifen oder Wattepads ein. 
2) örtliche Pilzbekämpfung an der Haut, vor allem mit dem Wirkstoff "Nystatin". Betroffene Hautstellen großflächig, aber dünn mindestens zweimal täglich einreiben. Reste der"alten" Paste oder Salbe können dabei ruhig übercremt werden. Die Behandlung erfolgt im allgemeinen mindestens eine Woche oder länger, bis die Haut völlig abgeheilt ist. Nystatin ist auch das erste und beste Medikament gegen Darmpilz: es hat keine Nebenwirkungen, da es nicht ins Blut gelangt. Es wird geschluckt, zerstört den Pilz im Darm und verlässt ihn wieder auf natürlichem Wege. 
3) Beim Befall der Mundes wird 3-5 mal täglich das Pilzmittel im Mund verteilt und dann geschluckt. 
4) Beim hartnäckigen Befall des Darmes kann eine sogenannte "Darmsanierung" sinnvoll sein. Zusätzlich zur Mundbehandlung werden dabei mehrfach täglich spezielle Antipilz-Kapseln geschluckt. Weitere naturheilkundliche Behandlungsmaßnahmen können im Einzelfall sinnvoll sein (z.B. Darmspülung, Hydro-Colon-Behandlung). 
5) Individuelle Begünstigungsfaktoren sind Zuckerkrankheit, Immunschwäche, Einnahme von "Pille" oder Antibiotika müssen gegebenenfalls berücksichtigt werden.
6) Bei Frauen besteht häufig ein Mitbefall des Genitalbereichs, der mit Scheidencremes und Zäpfchen behandelt werden muß.

Wir hoffen, dass diese Informationen Ihnen helfen, einen Hefepilzbefall besser beurteilen zu können. 

Viele weitere Informationen finden Sie in meinen Patietenratgebern. 

Ihre dermaPraxis Dr. H. Bresser, Peschelanger 11, 81735 München, Tel 089-677977 www.drbresser.de