Dr. med. Harald Bresser

Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Facharzt für Anästhesiologie

Zusatztitel der Ärztekammer: Allergologie, Naturheilverfahren, Umweltmedizin, Akupunktur

Zertifizierte Qualifikationen: Lasertherapie, Ambulante Operationen, medizinische Kosmetik
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Schwitzen, Hyperhidrose: Ursachen und Therapie mit Iontophorese, Deodorantien, Botulinumtoxin, Schweissdrüsenabsaugung ua 
Was ist die Ursache der Hyperhidrose, der vermehrten Schweissbildung? Welche Behandlung gibt es? Wann sind Botox, Operation, Suctionskurettage oder Iontophorese sinnvoll?
von
Dr. med. Harald Bresser, Hautarzt aus München 

 
"Warum schwitzen wir"
Schwitzen ist eine normale, für unsere Gesundheit wichtige und natürliche Körperfunktion. Schwitzen dient dazu, eine normale Körpertemperatur aufrechtzuerhalten; mit dem Schweiss werden Schadstoffe ausgeschieden; der Schweiss transportiert Hormone und Duftstoffe, die für unseren charakteristischen Eigengeruch und die „nicht-sprachliche“ Kommunikation mit anderen Menschen wichtig sind. Der Mensch hat ca. 2 Millionen Schweißdrüsen, die überall in der Haut vorkommen. Besonders zahlreich sind sie an den Handflächen und Fußsohlen, Achselhöhlen und Stirn. Unter starker Hitzeeinwirkung (zB Stahlarbeiter, Glasbläser) kann der Körper bis zu 4 Liter Schweiß pro Stunde schwitzen. Der „normale“ Anstrengungsschweiss ist weitgehend geruchlos. Erst durch bakterielle Besiedlung und Zersetzung des Schweißes entsteht der typische unangenehme Geruch. Allerdings transportiert der Schweiss der Achselhöhle auch Geruchshormone, die wir aber nur unbewusst riechen können.
Die Schweißdrüsen werden über das unwillkürliche (vegetative) Nervensystem gesteuert. An den Schweißdrüsen sitzen Nervenendigungen des unwillkürlichen Nervensystems. Diese Nerven steuern automatisch zahlreiche Funktionen unseres Körpers, wie Blutdruck, Verdauung, Herzrhythmus und auch die Körpertemperatur. Beim Schwitzen senden die Nervenenden elektrische Impulse an die Schweissdrüsen, damit diese Schweiss bilden und über feine Kanäle an die Hautoberfläche abgeben.
Die Menge der normalen Schweissproduktion ist individuell unterschiedlich: manche Menschen schwitzen selbst bei grösster Hitze kaum; anderen tritt der Schweiss selbst bei der geringsten körperlichen Anstrengung oder dem kleinsten Stress auf die Stirn; mancher schwitzt selbst bei dem schärfsten Chili con Carne nicht; anderen beschert die kleinste Tasse Kaffe einen Schweissausbruch… All dies sind normale Varianten eines normalen Schwitzens. Wann aber wird Schwitzen unnormal?
 

"Was versteht man unter Hyperhidrose?"
Hyperhidrose ist der medizinische Ausdruck für krankhaft vermehrtes Schwitzen (griechisch: hyper = zu viel, hidros = Wasser). Manche Menschen schwitzen am ganzen Körper übermässig stark (generelle Hyperhidrose). Andere schwitzen nur an einzelnen Körperstellen übermässig (lokalisierte Hyperhidrose) - meist an Achselhöhlen (axilläre Hyperhidrose) , Händen oder Füßen (palmoplantare Hyperhidrose) oder auch dem Gesicht. Dabei geht die produzierte Schweißmenge über das für die Wärmesteuerung (Thermoregulation) benötigte Maß hinaus. Häufig finden sich fließende Übergänge zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen. Hyperhidrose ist nicht mit normalem Schwitzen vergleichbar: der Schweiss fließt so stark, dass Hemden ständig Flecken haben, das Gesicht meist schweissnass erscheint oder die normale Funktion der Hände beeinträchtigt ist. Die Betroffenen leiden erheblich unter dem Schwitzen und sind oft in ihren beruflichen und privaten Aktivitäten massiv eingeschränkt. Ca. 1-2% der Menschen in Deutschland leiden darunter. Männer produzieren übrigens etwa doppelt so viel Schweiss wie Frauen - sowohl als Gesunde als auch bei Hyperhidrose. Schweissfüsse sind ein spezielles Teilproblem der Hyperhidrose. Sie sind ebenfalls mehr als störend: die Hornschicht der Haut ist durch das vermehrte Schwitzen ständig durchfeuchtet. In der feuchtwarmen Umgebung vermehren sich zahlreich Bakterien und Pilze besonders leicht. Bakterien zersetzen die Hornhaut und den Schweiss, sodass die Füsse übel riechen. Oft quillt die Fusshaut auch wurmstichartig auf ("pitted keratolysis"). Fusspilzbefall ist eine häufige Komplikation von Schweissfüssen.

 

"Ist übermässiges Schwitzen eine Krankheit?"
Ob Schwitzen krankhaft ist, hängt auch vom Leidensausmaß ab – was den einen kaum belastet, kann dem anderen grösste Probleme bereiten. In der Wissenschaft spricht man von Hyperhidrose, wenn zB die Produktion von 100 ml Schweiß innerhalb von 5 Minuten in einer Achselhöhle überschritten wird. Dabei ist die krankhafte Hyperhidrose zu 60% an den Handflächen oder Fußsohlen, zu 40% in den Achselhöhlen, zu 10% am Kopf (vornehmlich der Stirn) und selten an anderen Körperstellen lokalisiert. Menschen mit Hyperhidrose leiden mehr, als es sich Gesunde vorstellen können. Wer ständig nasse Hände hat, meidet aus Angst vor dem Händeschütteln den Kontakt mit Menschen; die Partnersuche ist dabei ein besonders grosses Problem. Ein nasser Händedruck ist oft unangenehm, suggeriert Unsicherheit und Ängstlichkeit – sehr oft zu Unrecht. Seelische Probleme durch Hyperhidrose sind meist nicht Auslöser, sondern Folge des extremen Schwitzens. Tropfnasse Hände erschweren den Umgang mit Werkzeugen, Papier, Metallen oder Schreibgeräten. Die Berufswahl ist dadurch eingeschränkt. Achselschweiss wird oft als Zeichen von Aufregung und Unsicherheit gedeutet – kein karriereförderlicher Zustand für einen ehrgeizigen Manager, der unter Hyperhidrose leidet. Oft entsteht ein Teufelskreis: die Angst vor dem nächsten Schweißausbruch führt wieder zum gefürchteten Schwitzen. Der psychische Druck durch die Krankheit kann so stark sein, dass manchmal ernste Gedanken an Selbstmord aufkommen.

"Was ist Bromhidrose?"
Unter Bromhidrosis versteht man eine krankhafte, sehr unangenehme Form des Körpergeruchs. Weitere Infos dazu hier.

 

"Welche Schweregrade der Hyperhidrose gibt es?"
Das Schwitzen der Achselhöhlen (Hyperhidrosis axillaris) wird so eingeteilt:  

Grad I (leichte Hyperhidrosis)           

Die Haut ist lediglich verstärkt feucht; Schwitzflecke in der Kleidung betragen 5 bis 10 cm im Durchmesser

Grad II (mäßig starke Hyperhidrosis)

Es bilden sich Schweißperlen auf der Haut; Schwitzflecke messen 10 bis 20 cm im Durchmesser.

Grad III  (starke Hyperhidrosis)

Schweiß tropft ab; Schwitzflecke > 20 cm

 
Einteilung der Hyperhidrosis palmoplantaris (Schwitzen an Händen und Füssen):
Grad I (leichte Hyperhidrosis)

Hand- oder Fußflächen sind sehr feucht.

Grad II (mäßig starke Hyperhidrosis)

Es bilden sich Schweißperlen, jedoch bleibt das Schwitzen streng auf Palmae oder Plantae beschränkt.

Grad III (starke Hyperhidrosis)

Schweißperlen bilden sich auch an den hinteren Flächen von Fingern oder Zehen sowie am seitlichen Fußrand; Schweiß tropft ab.

"Was sind die Ursachen des krankhaften Schwitzen?"
Viele Infos über die Ursache des übermässigen Schwitzens finden Sie hier 
 
"Wie misst man die Schweissmenge?"
Im allgemeinen genügt es, krankhaftes Schwitzen und die Behandlung einfach durch Berühren und Ansehen zu überprüfen – der Betroffene weiss selbst genau, ob er vermehrt schwitzt oder ob eine Behandlung wirkt. Die Beurteilung durch den Arzt nach den genannten  Schweregraden ist fast immer ausreichend.  Es gibt aber auch objektive Messverfahren, die manchmal (zB für Kassenanfragen) erforderlich sind. Diese umfassen gravimetrische, colorimetrische oder hygrometrische Meßverfahren (dort weitere Details). 
 
"Wie kann man Hyperhidrose behandeln?" 
Man kann unterscheiden zwischen innerlichen und äusserlichen Medikamenten, Geräteanwendungen, Einspritzungen, Verfahren mit und ohne Operation, naturheilkundliche Anwendungen. Die heilsamen Grundprinzipien dieser Methoden sind sehr unterschiedlich: der Arzt versucht, die Schweißdrüsenaktivitiät zu vermindern, oder die Schweißkanäle zu verstopfen, oder das vegetative Nervensystem zu dämpfen oder zu unterbinden, oder die Schweissdrüsen komplett zu entfernen. 
 
"Was kann ich selbst gegen mein Schwitzen tun?"
Natürlich versucht man im allgemeinen zuerst, das Schwitzen mit einfachen Mitteln, ohne Operation zu bessern. Ganz entscheidend dabei ist es für den Betroffenen, das eigene Verhalten zu beobachten. Gibt es bestimmte Situationen oder Handlungen, die das Schwitzen unmittelbar auslösen. Sehr oft ist Kaffee, Tee oder Alkohol ein wichtiger Verstärker des Schwitzens. Auch wenn es schwerfällt: versuchen Sie einmal, konsequent auf diese drei Genussgifte zu verzichten. Oft vermindert sich das Schwitzen nach 2-3 Wochen deutlich. Auch scharfe Gewürze und Speisen und sehr heisse Speisen sollte man meiden. Tragen Sie ausschliesslich Baumwollunterwäsche; wechseln Sie die Unterwäsche und ev. auch Oberwäsche täglich. Strümpfe müssen uU sogar mehrfach täglich gewechselt werden. Meiden Sie Sportschuhe und „Plastikschuhe“; die Schuhe sollten gut luftdurchlässig sein und nach jedem Tragen mindestens 1 Tag gut austrocknen können.
Übergewicht kann zu vermehrtem Schwitzen führen – eine Normalisierung des Körpergewichts ist also sinnvoll. Auch Entspannungstechniken (Biofeedback, Hypnose, autogenes Training) können das Schwitzen vermindern. Selbstverständlich sollte eine gute Körperhygiene sein – häufigeres Duschen, Verwendung von Deorollern, häufiger Kleiderwechsel.
 
"Was kann ich gegen Schweissfüße tun?"
Bei Schweißfüßen ist eine besonders gute Fusshygiene sehr wichtig. Sie kann das Problem nicht völlig lösen, aber zumindest die Geruchsbildung eindämmen. Empfehlenswert sind neben den oben erwähnten Massnahmen: 

- häufige Reinigung und Baden der Füße

- Fußbäder mit Gerbsäure/Eichenrindenextrakt

- Barfuß laufen

- geruchshemmende Einlegesohlen (z.B. Zedernholz)

- Schuhe nach dem Tragen immer 24 h trocknen lassen 

- Atmungsaktive Schuhe im Wechsel

- Baumwollsocken

- Täglich Strümpfe wechseln

- mechanische Entfernung von überschüssigen Horn- und Hautschichten

- antibakterielle Creme anwenden

- Pilzcremes anwenden, wenn Schuppen zwischen den Zehen

- Fußpuder verwenden, uU auch in die Socken streuen

 

"Welche nichtoperative Behandlung gibt es?"

Antitranspirantien („Gegenschwitzstoff“) sind Chemikalien, die auf die Haut aufgetragen werden und durch Verschließen der Drüsenausführungsgänge die Schweißbildung unterdrücken. Sie wirken durch Verkleinerung bzw. Verstopfung des Porenquerschnitts der feinen Poren und Gänge, die den Schweiss durch die Haut an die Oberfläche führen.

 

Aluminiumchlorid-Behandlung: Ein sehr wichtiges Anti-Schwitz-Stoff ist Aluminumchlorid (AlCl; AHC, AlCl, AlCl3; Aluminiumchlorid-Hexahydrat). Aluminiumchlorid ist in den meisten der üblichen Deos und Antitranspirantien (=Antischwitzmittel)  verwendet, aber in relativ niedriger Konzentration. Das Aluminiumchlorid-Hexahydrat ist dabei in Wasser oder Alkohol gelöst und wird äußerlich aufgetragen. Die medizinischen Deos vom Hautarzt enthalten das Salz viel höher konzentriert – und damit wirksamer – als handelsübliche Deos. Aluminiumsalze wirken folgendermaßen: sie dringen in die Schweißkanäle, verbinden sich mit dem dortigen Keratin und verstopfen damit die Drüsenausführungsgänge. Es besteht dadurch keine Gefahr – solange man die Deos nur an einzelnen Körperstellen verwendet. Eine „Ganzkörperanwendung“ ist nicht möglich. Der Hautarzt kennt unterschiedliche Rezepturen mit unterschiedlichen Konzentrationen des Aluminiumchlorids; die wichtigsten enthalten 20% und sind nur auf Rezept in der Apotheke erhältlich. Die Lösung wird vor dem Schlafen auf die schwitzenden Körperstellen (meist die Achselhöhlen) aufgetragen (dünn – sonst sind Nebenwirkungen zu stark). Wegen der nachts geringeren Schweißbildung wird die Lösung nicht sofort abgeschwitzt. Sobald die Wirkung einsetzt, muss die Behandlung  nur noch 1-2 Mal pro Woche wiederholt werden. Ziel ist die dauerhafte Rückbildung der Schweißdrüsen, damit  die Behandlung irgendwann beendet werden kann. Die - häufigen - Nebenwirkungen von AlCl-Lösung sind Juckreiz, Rötungen und Hautirritationen. Auch kann sich die Kleidung verfärben – daher altes Nachthemd tragen. Morgens normal duschen und die Haut wie üblich pflegen. Fast immer kann das Schwitzen damit deutlich gebessert werden – sofern nur einzelne Hautareale betroffen sind. Eine Erfolgsbeurteilung sollte erst nach 2-3 Monaten konsequenter Anwendung erfolgen. Falls die Wirkung mit der Zeit nachlässt: einfach ca. eine Woche mit der Behandlung aussetzen und dann wieder beginnen.

 

Eichenrindenauszüge/Gerbstoffe: Aus Eichenrinde kann man Gerbstoffe gewinnen, welche die Schweissbildung drosseln. Es gibt verschiedene Medikamente auf dieser Basis (zb Tannolact, Tannosynt). Ihre synthetischen Gerbsäuren können als Bäder oder Cremes das milde Schwitzen gut dämpfen.

 

Hexamethylentetramin (Methenamin): ebenfalls zur äusseren Behandlung geeignet. Die hexamethylentetramin-haltige Salbe trägt man ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautareale auf. Aus Hexamethylentetramin und Schweiß entsteht Formaldehyd – dieses wiederum denaturiert (verändert) die Proteine (Eiweissstoffe) im Schweiß und verschließt dadurch die Schweißdrüsen.

 

Glycopyrroniumbromid: ein weiterer Stoff, der in 0,5- bis 3-prozentiger Konzentration als Deo-Roller in Apotheken erhältlich ist.

 

Anti-Schwitz-Tabletten: Es gibt unterschiedliche Medikamente zum Einnehmen gegen das Schwitzen. Wir verordnen einerseits homöopathische Mittel, aber auch pflanzliche Mittel und schulmedizinische  Tabletten – je nach individueller Erfordernis. Die schulmedizinischen Medikamente sind sogenannte Anticholinergika, Psychopharmaka oder Beta-Blocker. Sie sind sicher am stärksten wirksam, aber auch mit Nebenwirkungen gesegnet (wie  Schläfrigkeit und Mundtrockenheit). Wir verordnen sie, wenn mildere Verfahren nicht zum Erfolg führen.

 

Salbei (Salvia officinalis):Gartensalbei ist ein bewährtes pflanzliches Mittel gegen Schwitzen. Sowohl als Tee, als auch als fertiges Arzneimittel  hemmt Salbei die Schweissbildung. Die ätherischen Öle und Wirkstoffe des Salbeis dämpfen das vegetative Nervensystem sowohl innerlich als auch äusserlich. Die milde, aber recht zuverlässige antihydrotische (schweisshemmende) Wirkung von Salbei tritt in wenigen  Tagen ein.

 

Naturheilkundliche Verfahren: in bestimmten Fällen behandeln wir übermässiges Schwitzen auch mit anderen naturheilkundlichen Methoden. Homöopathische Präparate und Akupunktur haben sich dabei als besonders erfolgversprechend erwiesen.

 

"Was ist Iontophorese?"

Zur Behandlung des Schwitzens an Händen, Füssen und Achselhöhlen steht seit 1968 die Iontophorese zur Verfügung. Dieses Verfahren inaktiviert durch Gleichstromanwendung die Schweissdrüsen. Ausführliche Informationen dazu unter Iontophorese.

 

"Botox gegen Schwitzen - sicher trocken!"
Die Entwicklung von Botox (Botulinumtoxin, Botox, Vistabel, Xeomin, Dysport) als Medikament hat die Behandlung der Hyperhidrose revolutioniert. Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist heute sicherlich die sicherste und zuverlässigste Behandlung des lokalisierten Schwitzens. Die Schweiss-Blockierung durch Botox ist natürlich nicht die erste Massnahme bei Schwitzproblemen, denn dafür sind die Kosten zu hoch. Nur wenn andere, weniger teuere Massnahmen erfolglos waren, sollte man zu Botox oder einem der anderen, zugelassenen Medikamente greifen.

Der genaue Wirkmechanismus und alle wissenswerten allgemeinen Informationen zu diesem Medikament finden Sie auf dieser Webseite unter „Botox“, "BTX A" oder Botulinumtoxin, sowie in unserem Patientenratgeber (Mahle, Bresser: „Das Botox-Buch“, Aurelia-Verlag). Botulinumtoxin wird in die Haut, an die Schweissdrüsen gespritzt. Da die Einstiche in die Haut an Händen oder Füssen relativ schmerzhaft ist, wird die Behandlung heute in Kaltluftanästhesie, selten in örtlicher Betäubung durchgeführt. Auf Antrag übernehmen private Krankenkassen sehr häufig die Kosten der Behandlung.   

 

"Wie läuft die Behandlung des Schwitzens genau ab?"
Nach Desinfektion der Haut wird in die Haut an mehrere Punkte eine kleine, genau berechnete Menge des Botulinumtoxin eingespritzt. Den Behandlungseffekt beginnt man ab dem zweiten Tag danach zu spüren. An Nebenwirkungen ist ausser dem leichten Injektionsschmerz höchstens mit kleinen Blutergüssen zu rechnen. An den Händen oder Füssen kann es zu einer leichten Verminderung der Kraft kommen, falls das Medikament in geringer Menge in die Hand- oder Fussmuskeln wandert. Dies ist bei Sport oder schwerer körperlicher Arbeit uU von Bedeutung. Die Wirkungsdauer beträgt zwischen 3 und 12 Monaten. Bei Wiederholung der Behandlung hält die Wirkung oft immer länger an. Die Wirkung ist sehr zuverlässig und weitgehend nebenwirkungsfrei. Lediglich die notwendige Schmerzausschaltung an Händen oder Füssen ist etwas aufwendiger.Der volle Behandlungseffekt beginnt ab dem 2. Tag und steigert sich weiter. Bei Wiederholung der Behandlung hält die Wirkung oft immer länger an.

 

"Wie werden die Behandlungen abgerechnet?"
Botox ist zur Hyperhidrosetherapie als Medikament zugelassen; der Arzt muss allerdings entscheiden, ob ein kassenpflichtiger Schweregrad vorliegt. Private Krankenkassen erstatten die Kosten auf Antrag fast immer. Entgegen den Verlautbarungen mancher gesetzlicher Krankenkassen ist eine Behandlung auf "Chipkarte" nur selten möglich; es gibt keine sog. Gebührenordnungsziffer für diese Behandlung (er kann seine Leistung daher der Kasse nicht in Rechnung stellen), sodass der Arzt die Therapie quasi kostenlos durchführen müsste. Die Behandlung kann meist nur als Privatbehandlung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erfolgen. Es muss je nach notwendiger Menge mit Kosten ab etwa 700 Euro gerechnet werden. Diese Rechnung kann dann jeder Kasse zur Erstattung vorgelegt werden. Private Kassen erstatten die Kosten der Schwitz-Behandlung nach vorheriger Genehmigung fast immer; gesetzliche Kassen dagegen sind dazu fast nie bereit. 

 

"Welche Operationen gegen Schwitzen gibt es?"
Wenn die genannten Behandlungen keinen Erfolg zeigen, könnte eine der folgenden operativen Therapiemethoden helfen. Es handelt sich dabei um teils neue, teils altbewährte Operationsverfahren.

 

Schweißdrüsenabsaugung / Achselsaugkürettagen / Suktionskurettage in Tumeszenzanästhesie

Die Idee hinter diesem Verfahren, auch Suktionskurettage genannt, ist einfach: man zerstört und entfernt die Schweissdrüsen in der Achselhöhle. Entwickelt wurde das Verfahren, nachdem die mit der sogenannten Tumeszenzanästhesie ein neues, sicheres Betäubungsverfahren entwickelt worden war. Ursprünglich für die Fettabsaugung erfunden, stellten Ärzte bald fest, dass mit dieser Form der örtlichen Betäubung auch die Schweissdrüsenabsaugung sicher und problemlos möglich ist. Nach Durchführung der Tumeszenzlokalanästhesie werden dabei über kleine Hautschnitte die Unterseite der Haut mitsamt Fett und Schweissdrüsen abgeraspelt und weggesaugt. Der Eingriff ist wenig belastend und schmerzfrei. Die Operation kann ambulant erfolgen. Die Wirkung ist überzeugend; allerdings wird fast nie eine vollständige Beseitigung der Schweissdrüsen erreicht. Auch können sich im Lauf der Zeit neue Schweissdrüsen bilden, sodass auch diese Operation keine hundertprozentige und für immer dauerhafte Problemlösung versprichen kann. In einer Untersuchung von Yaguboglu und Amon besserte sich das Schwitzen nach der Operation in 92% messbar wesentlich, allerdings waren "nur" 72% der Patienten auch zufrieden damit. In 8% verstärkte sich das Schwitzen einige Zeit danach wieder um mehr als 30% des ursprünglichen Zustandes. Allerdings mussten 28% der Patienten innerhalb von 6 Monaten erneut abgesaugt werden, weil das Ergebnis nach der ersten Operation nicht zufriedenstellend war. Trotzdem alledem ist die Schweissdrüsenabsaugung eine Alternative zur Botoxbehandlung. Sie ist zwar wesentlich teuerer, muss aber im allgemeinen (falls überhaupt) erst nach mehreren Jahren wiederholt werden. Andererseits handelt es sich um eine Operation (mit allen Risiken), während die Botoxbehandlung nahezu nebenwirkungsfrei ist.

 

Lokale Schweißdrüsenexzision

Vor Entwicklung der Schweissdrüsenabsaugung wurde häufiger die gesamte schwitzende Haut der Achselhöhlen herausgeschnitten. Exision bedeutet Ausschneidung. Dieser Eingriff ist auch heute noch in manchen Fällen sinnvoll; allerdings handelt es sich um eine Operation mit nicht unerheblichen Risiken.  Nicht selten gibt es Wundheilungsstörungen und große sichtbare Narben. Auch kann man meist nicht das gesamte schwitzende Areal entfernen da die Wunde sonst nicht mehr zugenäht werden könnte. Die Operation wird daher nur noch selten ausgeführt.

 

Die operative Nervenblockade

Die  Idee dieser Operation ist einfach: man zerstört die Nerven, welche die Schweissdrüsen zum Schwitzen anregen. Es wurden dazu verschiedene Operationstechniken entwickelt. Die modernste Form der operativen Nervendurchtrennung wird als als endoskopische transthorakale Sympathektomie (ETS) oder endoskopische Sympathikusblockade (ESB) bezeichnet. Bei der endoskopischen transthorakalen Sympathektomie werden die Nervenknoten durch kleine Hautschnitte mit dünnen Nadeln zerstört. Bevorzugt wird dieser endoskopische Eingriff bei extremen Fällen von Hyperhidrosis im Gesicht oder an den Händen, die anders nicht besserbar sind. Ein Ganzkörperschwitzen läßt sich aber so nicht beseitigen. Diese minimal invasive Sympathikusblockade erfolgt in sog. "Schlüssellochtechnik". Durch ein Endoskop wird Brusthöhle (Thorakoskopie) oder Bauch gespiegelt und der Schweissnerv elektrisch blockiert, durchtrennt, teilentfernt oder geclippt. Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Die Erfolge sind gut. Allerdings sind die Risiken erheblich: Pneumothorax, Horner-Syndrom, kompensatorisches Schwitzen anderer Hautareale. Diese Operationen sind daher nur in extremen Einzelfällen in Erwägung zu ziehen.

Hilfe bei übermässigem Schwitzen ist möglich. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren spezialisierten Hautarzt. Er wird zusammen mit Ihnen das richtige, individuell passende Behandlungsverfahren für Sie finden.

 

Ihre dermaPraxis

Dr. H. Bresser

Peschelanger 11, 81735 München, Tel. 677 977    www.drbresser.de

Dieses Merkblatt dient ausschließlich der Information unserer Patienten. Vervielfältigung oder anderweitige Nutzung, auch ausschnittsweise,  ist nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Copyright Dr. H. Bresser

 


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